Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 12 - ?

Ich brachte Danny wie jeden Morgen zur Schule. Müde saß ich neben ihm in der U- Bahn und hörte mir sein fröhliches Geplapper an. Mein Sohn lenkte mich wenigstens für ein paar Minuten ab, damit ich nicht ständig am Grübeln war.

Bibis Geschichte berührte mich tief und mein Mitgefühl für sie war, trotz der Wut wegen dem vermasselten Date, ungebrochen.
Es stimmte mich höchst nachdenklich, wenn ich mir ihre Worte ins Gedächtnis zurückrief.
„Ich werde nicht zulassen, dass du den gleichen Fehler begehst wie ich.“

Dies waren gestern Abend ihre Worte. Die halbe Nacht schlug ich mir um die Ohren, weil ich meine Situation mit Bibis Lebensgeschichte verglich. Nachdem ich mich stundenlang im  Bett hin und her wälzte, kam ich schließlich zum einzig möglichen Schluss.
Wir hatten nichts, aber auch wirklich nichts gemeinsam.

Bibi und ihr Thomas liebten sich sehr und wenn Bibi nicht soviel Angst gehabt hätte, dann wäre sie mit Sicherheit heute noch seine Frau.
Bei mir lag der Fall anders.

Edward Cullen empfand keine Liebe für mich. Er wollte mich haben, meinen Körper unterwerfen und einfach eine Zeitlang seinen Spaß.
Dass er mich so anzog, bedeutete eine harte Prüfung für mich, die ich aber unbedingt bestehen wollte.

Noch war es meine Entscheidung, wann und mit wem ich ins Bett gehen würde und nicht die von Bibi, Rose oder sonst jemanden. Alle meinten es nur gut, sie sorgten sich eben, aber mir ging diese übertriebene Fürsorge viel zu weit.

Ich fühlte mich mittlerweile von meinen Freunden bedrängter, als von Edward selbst. Von ihm erwartete ich nichts anderes und gab ihm entsprechend Paroli, doch Bibi oder Rose gegenüber, war das nicht so leicht. Zum Großteil lag es daran, dass ich keinen von ihnen vor den Kopf stoßen wollte. Da in mir, die tief verwurzelte Angst lauerte, nach meinem Vater und Jake, auch meine Freunde zu verlieren. Also schluckte ich meinen Unmut runter und fraß lieber alles in mich rein.

Naja, nicht ganz. Edward bekam einen nicht unbeträchtlichen Brocken davon ab. Meine Gewissensbisse deswegen, hielten sich in erträglichen Grenzen, denn es traf ja keinen Falschen.

Er verdiente es durchaus meine Wut zu spüren. Bei soviel Arroganz und Unverschämtheit, blieb mir allerdings manchmal die Spucke weg.
Eine winzige Hand schob sich auf meine Wange.

„Mum!“, flüsterte Danny, „Warum schaust du so traurig? Ich mag das nicht!“

Bestürzt sah ich meinen Sohn an und zauberte sofort ein Lächeln auf meine Lippen.

„Mummy ist nicht traurig, Schatz“, erwiderte ich rasch und legte meine Hand über seine. Ich zog sie an meinen Mund und drückte einen zärtlichen Kuss darauf.

„Ich bin nur sehr müde, weil ich schlecht geschlafen habe.“

Das war nicht mal eine Lüge. Ich würde Danny nur niemals den Grund für meine Schlaflosigkeit verraten.

Seine braunen Augen schauten schon wieder viel fröhlicher und er kuschelte sich eng an mich. Die Arme um mein Kind schlingend, drückte ich ihn fest und verspürte eine so tiefe Liebe, dass mir fast die Tränen kamen.
Ob Cullen von meinem Sohn wusste?

Nein, das glaubte ich eigentlich nicht. Kurz überlegte ich, es ihm zu erzählen. Die meisten Männer vergraulte es, wenn sie erfuhren, dass es mich nur im Doppelpack gab.

Bei Cullen sah die Sache anders aus. Ich befürchtete, dass er Danny benutzen könnte, um an mich ranzukommen.
Das wäre unverzeihlich. Danny musste aus dieser Geschichte unbedingt herausgehalten werden, egal, wie es sich weiter entwickelte.

Die U-Bahn hielt und wir verließen Hand in Hand den Wagon. Es nieselte leicht und ich zog Danny seine Regenjacke über. Hüpfend lief er neben mir her und ich ließ mich von seiner Fröhlichkeit anstecken. Den Song „Singing in the Rain“ vor mich hersummend, brachte ich ihn zu seiner Vorschule, verabschiedete mich liebevoll und machte mich auf den Weg zum Diner.

Rose ihre Schicht begann erst nach meiner und so konnte ich in Ruhe meinen Gedanken nachhängen.

„Hey, was denkst du denn so angestrengt nach?“, ertönte eine helle Stimme.

Lächelnd drehte ich mich um.

„Alice! Was machst du denn so früh hier? Eigentlich solltest du dich um diese Uhrzeit noch mal im Bett umdrehen. Du musst doch eine lange Nacht gehabt haben.“

Alice setzte sich auf einen der Hocker, die aufgereiht vor dem Tresen standen.
„Ich habe seit dem Fiasko nicht mehr gearbeitet. Ich bin krankgeschrieben“, sagte sie ruhig.

Alice sah nicht gut aus. Sie hatte eindeutig ein paar Kilos verloren, was ihre zarte Gestalt nur noch zerbrechlicher aussehen ließ.

Tiefe Augenschatten zierten unvorteilhaft ihr blasses Gesicht, nur die grünen Augen leuchteten in ihrem Gesicht.
Sie wirkte unglücklich, aber entschlossen.

Was besonders auffiel, war ihre veränderte Art. War sie sonst immer fröhlich wie ein Quietscheentchen durch die Welt spaziert, wirkte sie jetzt ernst und in sich gekehrt. Kein Grinsen erhellte ihr Gesicht, ihre ganze unbeschwerte Art war wie weggeblasen.

„Rein optisch kann man dir eine Krankheit durchaus abnehmen. Du siehst furchtbar aus, Alice!“, sagte ich ehrlich.

Jetzt grinste sie doch.

„Dann kann ich ja nach meiner Kündigung immer noch in der Geisterbahn anfangen!“

„Du machst also wirklich ernst?“

Sie nickte heftig.

„Ja, ich ertrage es nicht ihn jeden Tag zu sehen. Dieser Abend hat mir die Augen geöffnet. Ich bin einem Traum hinterhergejagt und dabei die Realität völlig ignoriert. Er hat nie das geringste Interesse an mir gezeigt. Bisher hab ich mir eingebildet, dass er nichts mit einer Angestellten anfangen will und mich eines Tages bittet, zu kündigen, damit wir zusammen sein können.“

Sie lachte bitter.

„Dumm nicht wahr? Er wird mich nie fragen! Er hat ja jetzt diese Blondine und ich werde nicht zusehen, wie er sie jeden Abend abknutscht. Das ertrage ich nicht, Bella“, schloss sie verzweifelt.

„Wann wirst du wieder anfangen? Ich bin heute Abend auch im Club. Morgen ist Samstag, da arbeite ich selten im Diner und kann daher etwas länger schlafen.“

„Ich komme auch! Es bringt nichts, es rauszuzögern. Ich werde ihm heute sagen, dass er sich eine neue Bedienung suchen muss. Es wird ihm nichts ausmachen. Er wollte mich ja sowieso feuern, hätte ihn dieser hübsche Rotschopf nicht davon abgehalten.“

„Bronze“, sagte ich automatisch.

„Bitte?“, rief sie irritiert.

„Sein Haar ist nicht rot, es ist bronzefarben“, erwiderte ich unsinnigerweise.

„Also gut! Dann eben bronzefarben! Auf jeden Fall will ich nirgends bleiben, wo ich nicht erwünscht bin. Er hat seinen Standpunkt klar gemacht und ich bin nicht so bescheuert zu glauben, dass er seine Meinung über mich jemals wieder ändern wird. Er ist ein sturer Esel!“

Sie redete sich richtig in Rage und bekam endlich etwas Farbe ins Gesicht. So gefiel mir meine Freundin viel besser.

Andere Mütter hatten auch schöne Söhne!

Du solltest diese Ansicht selber mal verinnerlichen, flüsterte meine innere Stimme.

„Ich werde heute Abend an deiner Seite bleiben, versprochen!“

Dankbar blickte sie mich an.

Die Tür zum Diner ging auf und ein junger Mann mit einer einzelnen roten Rose  trat ein.
Er ging schnurstracks auf die Theke zu und blickte fragend in die Runde.

„Ich suche eine Isabella Swan!“

„Das bin ich“, rief ich ihm zu.

„Ich habe eine Rose für Sie abzugeben.“

Verwundert nahm ich die wunderschöne, himmlisch duftende Blume an mich und schnupperte an den samtweichen Blütenblättern.
Ich zeichnete noch die Annahme ab und nahm gleichzeitig die beigelegte Karte.

Mit zitternden Fingern nahm ich sie zwischen die Finger und las die darauf geschriebene Nachricht.

Hallo Bella!
Mehr stand da nicht!

Verwirrt starrte ich auf das Kärtchen, als ein weiterer Bote ins Diner trat. Auch er hielt eine langstielige, exquisite Rose in seinen Händen.
Wieder war sie für mich und auch diesmal war eine Nachricht dabei.

Ich wollte dir…
Genau hier endete der Satz.

Nochmals trat ein Blumenbote ein und lieferte eine weitere Rose mit entsprechendem Kärtchen bei mir ab.
Das Ganze ging noch eine Weile so weiter und schlussendlich hielt ich einen kompletten Strauß Rosen in den Händen und die Karten ergaben folgende Nachricht:


Hallo Bella!
Ich wollte dir nicht zu nahe treten.
Ich hoffe, du nimmst meine aufrichtige Entschuldigung an und nimmst mir mein Verhalten nicht übel. Sieh diese Rosen als Friedensangebot und lass mich wissen, ob ich noch eine Chance bei dir habe.
Edward



Ein freudiger Schauer erfasste mich.

Sofort ärgerte ich mich darüber, dass ich, genau wie alle anderen Vertreterinnen meines Geschlechts, hin und weg war, wenn er so etwas Klischeehaftes tat und mir Blumen schickte.

„Wow, wem hast du denn da das Hirn vernebelt?“, staunte Alice und besah sich von allen Seiten die wunderschönen Rosen.

„Edward Cullen!“, verriet ich ihr.

„Ist das der Rotschopf? Pardon, der Bronzeschopf, wollte ich sagen“, grinste sie.

Ich nickte wortlos und schnupperte wieder an dem Strauß.

„Du Glückliche!“, seufzte sie neidisch.

„Ob das so ein Glück ist“, meinte ich zweifelnd.

„Jetzt komm schon, Bella. Du musst doch zugeben, dass er sich unglaubliche Mühe gegeben hat. Das macht ein Mann nur, wenn ihm was an einer Frau liegt. Du könntest dich wenigstens bei ihm bedanken. Er muss ja nicht immer Hintergedanken haben.“

Alice hatte Recht! Ein Dankeschön für seine Mühe wäre wirklich nicht zuviel verlangt. Doch wie sollte ich es anstellen?

Ich besaß weder eine Adresse noch eine Handynummer. Ich würde Bibi fragen müssen, die damals im Park eine Visitenkarte von ihm auf dem Boden auflas. Er verlor sie dort wohl und so konnte meine Freundin, ihm auch die Nachricht schicken, wie sie mir hinterher gestand.

Das passte mir gar nicht in den Kram! Es wäre eine Bestätigung für sie, richtig gehandelt zu haben und dass Edward Cullen wohl doch nicht so ein Arschloch war, wie bisher angenommen.

Die Blöße würde ich mir nicht geben. Er würde sicher früher oder später auftauchen, wahrscheinlich schon heute Abend.

„Holst du mich heute Abend ab?“, fragte Alice unvermittelt, “ Ich will Jasper nicht allein über den Weg laufen.“

„Na klar, werde ich dich holen. Ich weiche nicht von deiner Seite. Ehrenwort!“

Alice lachte, bestellte sich was zu essen, um wieder ein bisschen zuzulegen und leistete mir noch den Nachmittag über Gesellschaft.
Abends betraten wir gemeinsam den Hintereingang des Clubs und steuerten auf die Aufenthaltsräume zu. Wir waren noch nicht ganz drin, als Jaspers Stimme uns aufhielt.

„Alice, auf ein Wort!“

Sie drehte sich langsam um und er kam mit energischen Schritten auf sie zu.

„Du gibst uns also auch wieder die Ehre“, meinte er sarkastisch.

Schmerz lag in ihren Augen, als sie seinen kalten Blick erwiderte. Sie wirkte plötzlich so klein und hilflos, dass sich mein Herz vor Mitgefühl zusammenzog.

„Ich war krank!“, ihre Stimme klang fest und sie sah ohne zu zögern, in die blauen Augen ihrer großen Liebe, „ Außerdem möchte ich dir  mitteilen, dass ich kündigen werde. Du wolltest mich ja sowieso feuern, also warum machen wir es nicht kurz und ich höre auf. Ich bleibe natürlich solange, bis ein Ersatz für mich eingestellt ist. In deinen Augen mag ich  ja verantwortungslos sein, aber ich weiß immer noch was sich gehört.“

Verblüfft sah ich Alice an. Sie rettete gerade in beeindruckender Weise ihren Stolz und dies schien auch Jasper völlig zu überrumpeln.
Mit hochgezogener Augenbraue und undurchsichtigem Gesichtsausdruck rang er sich eine Antwort ab.

„Du brauchst nicht zu kündigen!“, brachte er raus, „Ich habe dir dein unmögliches Verhalten schon längst verziehen. Du weißt, dass ich in Bezug auf meinen Club sehr empfindlich bin. Vergiss es einfach, ich tu es auch.“

„Aber Jasper“, hörte man eine heisere, weibliche Stimme sagen, „wenn sie unbedingt gehen möchte, dann lass sie doch.“

Es war dieses blonde Gift, welches mit Jasper an jenem Abend herumgeknutscht hatte. Es musste wohl was Ernstes sein, wenn sie schon wieder hier aufkreuzte und sich in seine Angelegenheiten einmischte.

Alice ballte die Finger zu kleinen Fäusten. Sie hätte dieser Schlange wohl am liebsten ihre Faust mitten ins Gesicht geschmettert und sie zitterte vor Anstrengung sich zu beherrschen.

Katzenhaft kam sie auf unsere kleine Gruppe zu und stellte sich demonstrativ neben Jasper. Der machte jedoch keine Anstalten sie an sich zu ziehen, sondern studierte mit nachdenklichem Gesichtsausdruck Alice´ bildhübsches Gesicht.

„Jasper!“, schnurrte die Frau, „ Hast du mich verstanden?“

Er blickte verwirrt auf, als würde er die Frau an seiner Seite, jetzt erst bemerken.

„Monica, du bist ja schon hier!“

Ärgerlich verschränkte sie die Arme vor der üppigen Brust.

„Ja allerdings und ich rede mit dir. Ich sagte, dass sie doch gehen soll, wenn sie nicht mehr für dich arbeiten will.“

Eisig betrachtete er diese Monica.

„Und ich habe ihr gesagt, dass sie es vergessen soll! Misch du dich nicht in meine geschäftlichen Angelegenheiten ein!“

Wutschnaubend lieferte sie sich ein Blickduell mit Jasper, welches sie natürlich verlor. Niemand konnte seinen eisigen Augen lange standhalten.

„Weißt du was, Jasper? Mach doch was du willst! Es ist vorbei zwischen uns. Es gibt ein Dutzend anderer Männer, die mich mehr zu schätzen wissen, als du!“

Sie drehte sich auf dem Absatz um und ließ ihn stehen.

„Es tut mir furchtbar leid“, flüsterte Alice beschämt, „ das ist alles meine Schuld.“

„Mach dir keinen Kopf, Alice. Sie war mir sowieso zu anstrengend auf Dauer “, erwiderte er mit einem hinreißenden Grinsen, „ und jetzt geh an deine Arbeit. Die Gäste warten nicht.“

Er machte sich auf in Richtung Büro, als er sich noch einmal umdrehte.

„Ach, Alice!“

„Ja?“

„Das mit der Kündigung vergisst du ganz schnell wieder, sonst versohl ich dir deinen hübschen Hintern.“

Die Miene meiner Freundin war so geschockt, dass er in amüsiertes Lachen ausbrach. Er verschwand in seinem Büro und hinterließ eine komplett verwirrte Alice.

„Was war das denn jetzt, Bella?!“

„Ich weiß nicht genau, aber es scheint, als wär die Prügelei die beste Entscheidung deines Lebens gewesen. Jetzt nimmt er dich jedenfalls wahr und das nicht zu knapp. Komm, wir müssen an die Arbeit.“

Der Club war wie immer maßlos überfüllt, die Musik donnerte aus den Boxen und die Gäste feierten ausgelassen.

Ständig schielte ich zum Eingang, weil ich wissen wollte, ob Edward noch auftauchen würde. Ich gestand mir ein, dass ich mich danach verzehrte ihn wiederzusehen.

Immer wieder hielt ich Ausschau nach seinem hübschen Gesicht. Es war anstrengend heute, doch da Alice endlich wieder die Alte war, machte es trotzdem enormen Spaß an ihrer Seite zu arbeiten.

Ich begab mich an die Bar, um meine nächste Bestellung abzugeben. Während ich darauf wartete, dass Juan die Cocktails fertigmixte, flüsterte mir eine samtene Stimme etwas ins Ohr.

„Hallo Schönheit!“

Schnell drehte ich mich um und mein Herz machte einen freudigen Sprung, denn ich blickte in die grünen Smaragdaugen des Mannes, der meine Welt völlig auf den Kopf stellte.

„Kann ich dich kurz sprechen?“, fragte er ungewohnt höflich.

Ich nickte.

„Sicher, ich muss nur noch meine Bestellung zu den Gästen bringen.“

„Ich warte hinten in der Ecke “, sprach er und deutete mit einer Kopfbewegung in die Richtung.

Aufgeregt nahm ich die Cocktails entgegen und brachte sie wie durch ein Wunder, heil und sicher, zu den Leuten an den Tisch.
Ich bewegte mich wie in Trance durch die Menge, um danach zu ihm zu gelangen. Er stand schon dort und nahm Blickkontakt auf, der nicht abbrach, bis ich direkt vor ihm stand.

Er zog mich etwas tiefer in den Schutz der Palmen die dort standen, sodass wir etwas Privatsphäre besaßen. Es war ohnehin relativ dunkel im Club. So waren wir fast unbeobachtet und sein großer, schlanker Körper schirmte mich sowieso ab.

„Hast du meine Nachrichten bekommen?“

Ich musste meinen Kopf wieder mal in den Nacken legen, weil er so groß war. Er merkte es und beugte sich leicht zu mir runter. Sein Duft war unvergleichlich sinnlich und er berauschte mich wie eine Droge. Tief atmete ich ein und legte meine Handfläche auf seine Brust. Um ihn von mir fernzuhalten oder weil ich ihn berühren wollte, wusste ich nicht!

„Ja“, sagte ich leise.

Er kicherte belustigt.

„Mehr hast du nicht zu sagen?“

Mit großen Augen sah ich ihn an und schüttelte den Kopf.

Er beugte sich tiefer zu mir, sein Mund streifte mein Ohr und sein heißeres Flüstern betörte mich.

„Bitte sag mir, dass du mir verzeihst!“, bat er und nahm das Ohrläppchen zwischen seine Zähne

Meine Kopfhaut zog sich vor Entzücken zusammen und eine Gänsehaut breitete sich großflächig auf meiner Haut aus.
Die Hand an seiner Brust, krallte sich in sein Hemd und ich stieß ungewollt ein Stöhnen aus.
Er fuhr mit der Zunge in meine Ohrmuschel, liebkoste mich sinnlich, während sich mein Körper vor Lust schüttelte.

Mir war egal, dass er ein Weiberheld war! Mir war egal, dass er mir wahrscheinlich das Herz brechen würde! Und mir war egal, dass ich mir noch gestern geschworen hatte, mich nie auf ihn einzulassen.
Wenn ich nicht endlich etwas riskierte, dann würde ich ewig allein bleiben. Zumindest war Edward Cullen ehrlich und sagte frei heraus, dass er nur meinen Körper wollte. Solange ich in der Zeit die Einzige war, mit der er sich vergnügte, konnte ich es doch genießen.

„Ich verzeihe dir!“, hauchte ich und zog seinen Mund an meine Lippen.

Leidenschaftlich presste ich mich an ihn und sein erleichtertes Aufstöhnen verriet mir, wie sehr auch er sich nach mir sehnte.
Minutenlang küssten wir uns, ohne auf unsere Umgebung zu achten, rutschten immer tiefer in die Ecke,  während seine Hände fahrig über meinen Körper strichen.

Ich ergab mich ihm völlig, genoss seine unbeschreiblichen Küsse, seine Zunge, die jeden Winkel in meinem Mund erforschte.
Ein letztes Aufbäumen der Vernunft erfasste mich jedoch.

„Wir dürfen das nicht tun?“

Er liebkoste meinen Hals während ich sprach und meine Worte waren noch nicht verklungen, als ich diesen zurückbog, um ihm den Zugang zu erleichtern.

„Wieso nicht? Wir wollen einander, das ist doch nichts Schlechtes.“

Er verteilte viele Küsse auf meinem Dekolletee und ich hörte auf zu denken.

Seine Hand strich über die zarte Haut meines Oberschenkels. Bevor ich jedoch seine Zärtlichkeit erwidern konnte, unterbrach uns eine weibliche Stimme.

„Edward, da bist du ja! Ich suche dich schon eine Ewigkeit! Hast du nicht gesagt, du willst nur was zu trinken holen?“

Hastig fuhren wir auseinander und er drehte sich sofort zu ihr um.

Jetzt erkannte ich die Person. Es war diese Tracey, die er bei unserer ersten Begegnung schon  dabeigehabt hatte. Sie lief auf ihn zu und küsste ihn. Edward stieß sie nicht weg, erwiderte den Kuss aber auch nicht.

Jetzt war es offiziell! Ich war der größte Dummkopf auf Erden und fiel wieder auf Edward Cullen rein. Während er mir ständig erzählte, wie sehr er mich wollte und begehrte, amüsierte er sich solange mit seinen zahlreichen Gespielinnen.

Bei unserer leidenschaftlichen Begegnung, behielt er bestimmt die ganze Zeit im Hinterkopf, dass schon passender Ersatz parat stand, mit dem er den Abend ausklingen lassen konnte, sollte ich ihn abweisen.
Dieser Heuchler!

Voller Schmerz in meinem Inneren holte ich aus und scheuerte ihm eine.

„Das ist für deine Lügen, Cullen! Nie wieder werde ich auf deine Masche hereinfallen, das ist ein für alle Mal vorbei.“

Ich spürte die ersten Tränen schon, bevor sie aus den Augen quollen und hastete an ihm vorbei. Ich musste hier raus!

Während meiner Flucht rempelte ich wahllos Gäste an, doch das interessierte mich wenig. Draußen an der frischen Luft, war es dann soweit. Der Druck, der sich in mir aufstaute, entlud sich in einem salzigen Tränenstrom.
Schluchzend drückte ich mich an die Wand und ließ den Schmerz raus.

Warum immer ich? War ich so wenig liebenswert, dass sich jeder einen Dreck um meine Gefühle scherte. Der Knoten in meinem Magen wollte sich nicht lösen, doch die Tränen versiegten nach einer Weile, bis nur noch ab und an, ein trockenes Schluchzen von mir zu hören war.

Unglücklich starrte ich in den nachtschwarzen Himmel, an dem heute kein einziger Stern zu sehen war. Selbst der Himmel scheint zu trauern, dachte ich bitter.

„Bella! Hier bist du?“

Wütend drehte ich mich zu IHM um.

„Warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen?“

„Das mit Tracey ist nicht so wie du denkst. Lass es mich doch wenigstens erklären.“

„Ich will nichts von deinen Lügen hören! Es ist mir gleichgültig, ob du mit Tracey oder hundert anderen Frauen aus deinem Bekanntenkreis schläfst. DU bist mir gleichgültig!“, schrie ich ihn aufgebracht an.

Er kam näher, er konnte jetzt mein Gesicht näher sehen, welches bisher im Schatten im Verborgenen lag.

„Ach ja? Wenn ich dir so gleichgültig bin, warum hast du dann geweint?“

„Ich habe nicht geweint!“, log ich trotzig, „ Mir kam nur der Nebel in die Augen und jetzt sind sie eben ein bisschen gerötet. Glaub ja nicht, dass ich wegen dir auch nur eine Träne vergießen würde. Soviel Einfluss hast du nicht auf mich.

Böse  sah er mich an. Es passte ihm ganz und gar nicht, dass ich in so einem Ton mit ihm sprach und schon gar nicht meine abwehrende Haltung ihm gegenüber, nachdem wir uns vorher so nahe kamen.
Beinahe wäre ich ihm auf den Leim gegangen. Ich dankte dieser Tracey dafür rechtzeitig aufgetaucht zu sein, auch wenn der Gedanke wider Erwarten unerträglich schmerzte, dass er später sie und nicht mich um den Verstand bringen würde.

„Mit dir kann man gerade keinen vernünftigen Satz reden“, schnappte er aufgebracht, „ Ich werde wiederkommen, wenn du dich beruhigt hast.“

Mit jedem Wort trat er näher an mich ran und stand nah vor mir.
Wieder holte ich aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Doch meine Hand wurde noch im Flug von seiner aufgehalten. Er umschloss mein Handgelenk mit festem Griff und zog mich unerbittlich an sich.

„Wage es nie wieder die Hand gegen mich zu erheben, Isabella!“, flüsterte er mit samtener Stimme, „ Bis jetzt habe ich noch Rücksicht auf dich genommen und mich zurückgehalten. Aber meine Geduld ist fast am Ende und ich werde wohl zu anderen Mitteln greifen müssen, um dich zu kriegen.“

„Du hast dich zurückgehalten?“, rief ich ungläubig, „ Was willst du denn noch machen? Du bist so eingebildet!“

Mit einem mächtigen Ruck drückte er mich noch fester an seinen Körper und wieder durchströmte mich ungewollte Erregung.

„Kleine Isabella“, flüsterte er lockend, „ du hast ja keine Ahnung wie unwiderstehlich ich sein kann, wenn ich etwas haben will. Du hast bisher nur einen winzigen Vorgeschmack auf das bekommen, was ich mit dir machen möchte.“

Er wirkte dermaßen abgebrüht bei diesen Worten, dass es mich schüttelte. Es war keine Angst, denn ich war mir trotz allem sicher, dass er mir körperlich nie schaden würde. Doch was er mit meiner Seele anstellte, war etwas völlig anderes.

Stück für Stück schaffte er es Löcher in meine Mauern zu sprengen. Bald schon würde dieser Schutzwall zusammenbrechen und ich musste vor ihm die Waffen strecken. Dieser Tag würde mein Leben verändern und ich fürchtete mich jetzt schon davor.

„Lass mich laufen, Edward!“, bat ich ihn inständig und eine winzige Träne lief mir aus dem Augenwinkel.

Er fing sie mit der Fingerkuppe auf und betrachtete sie, als hätte er die glasklare Flüssigkeit nie gesehen.

„Ich kann nicht, Bella. Ich hab es versucht und wollte dich aus meinen Gedanken streichen. Ich hab nicht mal einen Tag durchgehalten. Es ist besiegelt, Liebes. Ich werde nicht aufgeben bis du in meinen Armen liegst. Und wenn es bis in alle Ewigkeit dauert.“

Er strich mir nochmal zart über die Wange, drehte sich um und verschwand wieder im Gebäude.

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