Warm und behaglich. Das waren die ersten Worte, die mir in den Sinn kamen, als ich langsam aus meinen Träumen in die Wirklichkeit hinüberglitt. Ich kuschelte mich näher an meine Wärmequelle, noch zu benommen vom Schlaf, um richtig wahrzunehmen, wer mir dieses unglaubliche Gefühl verschaffte. Das gleichmäßige Heben und Senken meiner Unterlage, brachte mich dann doch dazu, meine Augen zu öffnen.
Das Erste was ich sah, war strahlendes Weiß. Ich lag mit der Wange auf einer harten Männerbrust, an die sich weicher Baumwollstoff schmiegte. Die Konturen der Muskulatur waren gut auszumachen, verlockend luden sie zum Streicheln ein und ich hob unbewusst die Hand. Vorsichtig legte ich die Innenfläche auf die gestählte Brust und ließ sie zu den straffen Bauchmuskeln wandern. Ich war jetzt wach genug, um mich an den gestrigen Abend zu erinnern. Dieser zog mir den Boden unter den Füßen weg, in mehr als einer Hinsicht.
Meine Freude Edward wiederzusehen, schlug rasch um, in maßlose Enttäuschung, über seine vermeintlich gute Lösung im Sorgerechtsstreit. Ich war nicht schockiert darüber, dass Jake so eiskalt auf alle Rechte verzichtete, um an das Geld zu kommen. Er war schon immer ein Mistkerl und würde sich nie ändern. Es war vielmehr die Tatsache, dass Edward so offensichtlich keine Skrupel besaß, ihn zu bestechen. Wenn er etwas haben wollte, dann holte er es sich! Seine Art dies zu regeln entsprach einfach nicht meiner Weltanschauung.
Ich hätte es lieber auf die übliche Art und Weise über die Bühne gebracht. Mit einem eindeutigen Gerichtsurteil! Noch dazu überging er mich komplett bei dieser Sache und stellte mich vor vollendete Tatsachen. Jahrelang musste ich mich allein durchkämpfen und jetzt sollte ich plötzlich einem Mann alles überlassen. Niemals! Über mein Kind wollte ich immer noch selbst entscheiden.
Ein Wort führte zum anderen, denn in meiner Wut über sein eigenmächtiges Handeln, fielen Worte, die ich gar nicht so meinte. Klar, ich war stinkend wütend und reagierte auch sehr extrem, doch dass er gleich alles in Frage stellte, war ein riesiger Schock. Als er mir ins Gesicht sagte, ich solle alles vergessen, ihn eingeschlossen, war mir, als würde ich förmlich auseinanderfallen.
Ich verstand nur noch, dass er mich verlassen wollte und konnte an nichts anderes mehr denken. Nackte Panik ergriff Besitz von mir, als er die Tür hinter sich zuschlug und ich brach zusammen. Heftige Schluchzer schüttelten mich und ich konnte mich kaum beruhigen. Das Gefühl, niemals etwas Glück und Zweisamkeit in meinem Leben zu finden, war so unglaublich dominierend in diesem Augenblick, dass für nichts anderes mehr Platz war.
Ich verkroch mich in mein Schlafzimmer, rollte mich wie ein Embryo auf dem Bett zusammen und heulte mir die Augen aus dem Kopf. Er war so wütend gewesen! Unglücklich peinigte ich mich selbst, indem ich alle Situationen mit Edward wie einen Film vor meinem geistigen Auge ablaufen ließ. Unsere erste Begegnung beispielsweise, als er mir bei seinem Anblick fast die Luft wegblieb und er mich mit seinem unverschämten Benehmen zur Weißglut trieb.
Natürlich stritten wir uns, aber wir waren beide sehr stur und wichen keinen Millimeter von unserer Meinung ab. Das führte unweigerlich zu Auseinandersetzungen! Doch so schlimm wie gestern, endete es nie. Als Edward dann wieder vor meiner Tür stand und wir uns wieder in den Armen lagen, war ich die glücklichste Frau der Welt.
Was danach folgte, war einfach nur schön. Während ich das Essen holte und er in dieser Zeit duschte, strahlte ich wie ein Christbaum, wenn mein Spiegelbild an den Schaufenstern reflektiert wurde. Ich konnte es kaum erwarten, wieder zu ihm zu gelangen und beeilte mich, das warme, duftende Essen nach Hause zu transportieren.
Als wir uns dann im Schneidersitz auf meinem Bett gegenüber
saßen, aus den Pappschachteln aßen und einfach nur redeten, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl ihm wirklich nahe zu sein. Mit jedem Wort, mit jeder Geste zeigte er mir, dass ich ihm wirklich wichtig war. Was machte es dann schon, wenn er mich nicht liebte? Er war bei mir und gab mir Halt, hörte mir zu und nahm Anteil an meiner Vergangenheit. Zählte das nicht mehr als Worte. Sie waren so schnell gesagt und mussten nichts bedeuten.
Jake erklärte mir damals ständig seine Liebe und ich wusste ja, wie dies endete. Nein, ich wollte keine falschen Beteuerungen und Geständnisse. Gerade Edwards schonungslose Ehrlichkeit, in Bezug auf seine fehlenden Gefühle hatte mein Herz erobert. Er brauchte mich! Mit oder ohne Liebe. Natürlich sah es in mir ganz anders aus und ein kleiner Funken Hoffnung brannte stetig in mir weiter. Eines Tages, dachte ich, eines Tages…..
„Hey Liebes! Schon wach?“, fragte er mich mit weicher Stimme. Ich setzte mich leicht auf und sah im Halbdunkel des Zimmers auf ihn nieder. Er lächelte entspannt und fühlte sich augenscheinlich wohl.
„Ja!“, antwortete ich leise und zog die Mundwinkel hoch, „Du auch, wie ich sehe. Tut mir leid, dass ich eingeschlafen bin.“
„Das macht doch nichts! Ich sehe dir gern beim schlafen zu.“
„Machst du das öfter?“, bohrte ich nach und er grinste jungenhaft.
„So oft hatte ich das Vergnügen noch nicht, aber es ist wirklich amüsant dir zuzuhören.“
„Wie meinst du das?“, rief ich alarmiert. Oh Gott, sprach ich etwa im Schlaf. Wie peinlich war das denn?
„Du hast tagsüber schon eine Mordsklappe, doch Nachts ist es fast noch schlimmer. Ich werde in Zukunft wohl nicht mehr viel zum Schlafen kommen“, feixte er belustigt und ich schmiss ihm beleidigt mein Kissen ins Gesicht.
„Du bist blöd!“, schnappte ich und zeigte ihm die kalte Schulter. Ich spürte, wie er sich von hinten an mich schmiegte. Sein Flüstern erzeugte wohlige Schauer, die in kleinen Wellen meinen Körper erfassten.
„Liebes, nicht böse sein!“, schmeichelte er und ich wurde weich. Hastig drehte ich mich um und warf ihn in meinem Überschwang fast vom Bett, als ich mich auf seine Lippen stürzte. Er roch nach Schlaf, Zitrone und nach ihm selbst. Verlangend drückten wir uns aneinander, die Kussgeräusche waren die einzigen Laute, die zu hören waren.
Edward lag auf dem Rücken, umgeben von zerwühlten Laken, die bei jedem Fremden den Anschein erweckt hätten, dass hier eine leidenschaftliche Liebesnacht stattgefunden hatte. Ich löste meinen Mund von seinem, schwang meine Beine um seine Hüften und stützte mich an seiner Brust ab. Mit einem triumphierenden Lächeln sah ich auf ihn hinunter.
„Was sagst du jetzt Cullen?“
Er grinste. „In Anbetracht der Uhrzeit und meiner guten Laune, kann ich nur sagen, mehr!“
Edward setzte sich einfach auf, unsere Gesichter waren dadurch auf gleicher Höhe und er umfasste das Meine mit seinen Händen.
„Es ist schön mit dir aufzuwachen“, flüsterte er mir zu, „ich will das jetzt jeden Tag haben, Bella. Für den Rest meines Lebens.“
Sachte küsste er meine Mundwinkel, meine Wangen und meine Augenlider. Er war so unglaublich zärtlich zu mir, dass mir fast wieder die Tränen kommen wollten. Doch wie sollte ich weinen, wo das Glück beinahe meinen Körper sprengen wollte. Er legte sich wieder zurück, nahm mich mit sich und wir kuschelten uns zusammen in die Decken. Streichelnd bewegten sich seine Hände auf meinem Rücken auf und ab, während ich meine Handflächen ebenfalls wandern ließ. So lagen wir eine ganze Weile. Es war schön und friedlich und die Uhr zeigte erst fünf Uhr morgens. Wir hatten also noch ewig Zeit, bis ich Danny holen würde.
„Bella!“, sagte er in die Stille hinein. „Ich wollte dir danken, für dein Vertrauen gestern. Es muss dir sehr schwergefallen sein, mir das zu erzählen.“
„Ich rede nicht gern darüber“, antwortete ich ihm bedrückt, „Dieser Teil meines Lebens ist für immer vorbei. Man kann das Geschehene nicht ändern, Edward, aber ich habe schnell begriffen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, die Zukunft zu beeinflussen.“
Er stützte sich auf die Ellbogen.
„Du warst damals schon weiter, als ich es heute bin. Es ist bewundernswert, wie du mit dem Ganzen umgegangen bist, wie du gekämpft hast für dein Kind und wie du es Heute noch tust. Ich wünschte, ich wäre nur annähernd so stark gewesen nach Tanyas Tod.“
Seine Augen wirkten wieder traurig und ich litt mit ihm. Wie gern hätte ich seinen Schmerz auf mich genommen, um ihm wieder ein Leben ohne Trauer zu ermöglichen. Würde er jemals über diese scheinbare Überfrau hinwegkommen? Langsam kamen mir Zweifel. Edward merkte meinen Stimmungsumschwung und drehte mein Gesicht in seine Richtung.
„Was geht wieder in deinem Kopf vor, Liebes!“
Ich seufzte. Vor ihm konnte man wirklich nichts verbergen. Ich beschloss ihm die Wahrheit zu sagen. Alles andere würde nur wieder zu Missverständnissen führen und ich wollte keinesfalls, eine Wiederholung des letzten Abends. Zumindest nicht vom ersten Teil!
„Ich habe mich nur gefragt, wie ich jemals mit Tanya konkurrieren soll?“, gab ich zu, „Versteh mich jetzt nicht falsch. Ich verlange nicht von dir, dass du sie vergisst. Ich weiß, das wäre eine aussichtslose Bitte. Sie war nur so perfekt, Edward. Jeder, der mir von ihr erzählte, schwärmte davon, wie vollkommen, liebevoll und wunderschön sie war. Ich kann mit so jemandem nie mithalten.“ Verzweifelt sah ich zu ihm hoch. „Edward, ich habe Angst, dass ich dir nicht das geben kann, was sie dir gab."
„Das kannst du auch nicht!“, antwortete er. Mein Herz setzte kurz aus. „Bella, du gibst mir jetzt schon mehr, als ich verdiene. Hör auf, dich ständig mit Tanya zu vergleichen, ich tue es doch auch nicht. Es ist, als wären es zwei verschiedene Leben. Damals war Tanya die Frau an meiner Seite und ich gebe zu, sie wäre es wohl heute noch, wenn sie nicht so früh gestorben wäre. Aber jetzt, in diesem Augenblick bist du bei mir.“
„Fällt es dir denn wirklich so leicht, das zu trennen?“, fragte ich ungläubig.
„Ich denke nicht an sie, wenn wir zusammen sind. Das habe ich nie!“, beschwor er mich, „Das ist ja das Merkwürdige! Die ganzen Jahre über, habe ich jede Frau mit ihr verglichen, doch bei dir war das nie der Fall. Vielleicht liegt es daran, dass ihr so unterschiedlich seid.“
„Wie meinst du das?“
„Ihr seid vollkommene Gegensätze. Tanya war wie das Wasser! Sie wirkte im ersten Moment kühl durch ihre blonde Schönheit, doch diese Kühle wirkte unglaublich anziehend auf mich. Sie war ruhig, sehr introvertiert und schüchtern. Das hat mich fasziniert.“ Er machte eine kleine Pause, seine Augen kamen wieder in die Wirklichkeit zurück, sahen auf mich. „Du bist wie das Feuer, Bella! Leidenschaftlich, heiß und du treibst mich zur Weißglut. Ich denke nicht eine Sekunde an sie, wenn wir zusammen sind. Ist das nicht genug?“
„Für den Moment, ja!“, erwiderte ich. Dass er mich nicht mit ihr verglich war beruhigend, auch wenn mir eine Liebeserklärung lieber gewesen wäre. Doch das war wohl etwas, was noch in weiter Ferne lag, wenn es denn überhaupt jemals passierte.
„Ich denke, es ist an der Zeit dir von mir und Tanya zu erzählen“, seufzte er, „damit du verstehst, warum ich so furchtbar an ihr hänge.“
Zwei Seelen wohnten in meiner Brust. Ich konnte es im Grunde kaum erwarten, alles über seine Liebe zu Tanya zu erfahren, doch es ängstigte mich auch. Es war so schon nicht leicht für mich, zu akzeptieren, dass immer eine andere Frau zwischen uns stehen würde. Ich wusste nicht, ob ich mit der Wahrheit, aus seinem Mund umgehen konnte. Eine Wahrheit, die sicherlich in gewisser Weise schmerzhaft für mich sein würde. Welche Frau wollte schon Lobeshymnen auf eine andere hören? Dass sie tot war, spielte hierbei keine Rolle. Trotzdem saß ich ruhig da und versuchte mir meine Ängste nicht anmerken zu lassen. Angriff war die beste Verteidigung, dachte ich.
„Wie hast du sie kennengelernt?“, wollte ich wissen. Edward setzte sich auf, lehnte den Rücken an das Kopfteil des Bettes und legte in Erinnerungen versunken seinen Kopf zurück.
„Ich war noch sehr jung, als ich sie kennenlernte. Damals war ich ziemlich eingebildet und dachte die Welt gehört mir allein. Es war nicht so, dass ich extrem übers Ziel hinausschoss, aber ich genoss mein Leben in vollen Zügen. Ich war reich, jung und gutaussehend. Dazu kam, dass ich mir einbildete, alles haben zu können." Edward schloss die Augen, während er weitererzählte. „Eines Tages erzählte mir mein Kumpel James, er sei mit dem tollsten Mädchen der Welt zusammen. Ich war anfangs belustigt, doch ich merkte schnell, wie ernst es ihm war.“
Seine Augen öffneten sich kurz und er registrierte, dass ich ein wenig abseits von ihm saß. Er schloss diesen Abstand, indem er mich zu sich zog. Mit dem Rücken an seine Brust gelehnt konnte ich nicht mehr in sein Gesicht und in seine Augen sehen. Sanft löste ich mich von ihm. Ich musste ihn sehen, während er sprach. Mimik und Ausdruck im Antlitz eines Menschen verrieten manchmal so viel mehr, als Worte es vermochten.
„Wieso gehst du von mir weg?“, fragte er irritiert.
„Ich will dich sehen, wenn du sprichst. Es ist mir wichtig!“
Er zuckte nur die Schultern.
„Wenn es dir so leichter fällt!“, sagte er nur. Er holte tief Luft und ließ den Atem dann langsam aus seinen Lungen strömen. Plötzlich schien er sich gar nicht mehr so sicher, dass er das Richtige tat. „Mann, das ist gar nicht so einfach. Ich habe seit Jahren mit niemandem mehr über Tan gesprochen.“
„Tan?“, fragte ich nach.
„So habe ich sie manchmal genannt.“ Er lachte leise und liebevoll. „Sie hat es wirklich gehasst, wenn ich ihren Namen so abgekürzt habe. Aber du kennst mich ja, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe.“
„Ja!“, sagte ich zittrig. Es tat weh, ihn so liebevoll in Erinnerungen versunken zu sehen.
„James lud mich damals zu einer Party im Haus seiner Eltern ein. Ich nahm natürlich an. Seine Parties waren schon immer legendär und ich hatte gerade ein paar schwere Prüfungen auf dem College hinter mir. Zerstreuung war genau das, was ich brauchte und ich hoffte, irgendeine heiße Frau abschleppen zu können. Es war der 12. Mai. Dieses Datum werde ich wohl nie vergessen. Meine erste Begegnung mit Tanya.“
Er hob seine Hand und strich sich über sein Haar.
„Sie kam die Treppe runter, als ich mich mit James unterhielt und ihr Anblick traf mich mitten ins Herz. Sie war es! Ich wusste es von der ersten Sekunde an und ihr ging es nicht anders. Es stand auch ihr deutlich in den Augen geschrieben, dass sie sich auf den ersten Blick verliebte. Wochenlang sind wir uns danach aus dem Weg gegangen, weil wir James nicht verletzen wollten. Doch irgendwann sind wir uns zufällig allein begegnet. Im Einkaufszentrum! Ich habe für Mum, ihr Collier vom Juwelier abgeholt. Beim Verlassen des Geschäftes sind wir förmlich übereinander gefallen.“
„Was ist dann passiert?“, wollte ich wissen. Obwohl ich es kaum ertragen konnte, so war ich beinahe besessen davon, mehr von dieser Liebesgeschichte zu hören.
„Wir beschlossen einen Kaffee zu trinken. Sie war wirklich schüchtern, Bella. Ich musste ihr jedes Wort aus der Nase ziehen und das schlechte Gewissen gegenüber James stand ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Dabei taten wir ja nichts Unrechtes.“
„Das kommt darauf an, wie man es sieht. Sie spürte wohl, wohin das führen würde. Betrug beginnt für viele bereits im Kopf und ihr wart dort schon viel weiter, als in der Wirklichkeit.“
„Das mag stimmen, doch ich schwöre dir, dass keiner von uns James absichtlich weh tun wollte. Wir tranken also Kaffee miteinander und haben uns unterhalten. Fast drei Stunden lang. Noch nie hatte ich mich bis dahin nur mit einer Frau unterhalten, ohne zu wissen, dass ich sie hinterher auch in meinem Bett haben würde. Obwohl wir wussten, wie falsch es war, trafen wir uns weiter heimlich, ohne dass etwas zwischen uns in körperlicher Hinsicht lief. Sie war sehr rigoros in dieser Beziehung, allerdings aus religiösen Gründen. James musste sie ebenfalls sehr geliebt haben, wenn er freiwillig auf Sex verzichtete, denn er war ein noch schlimmerer Schürzenjäger als ich, zu jener Zeit. Ich wusste auch, dass er sich sein Vergnügen nicht woanders holte. Tanya schien in uns allen nur das Beste zu wecken.“
„Sie scheint wirklich ein großartiger Mensch gewesen zu sein.“ Meine Stimme hörte sich selbst in meinen Ohren verlogen an. Doch er schien es gar nicht zu registrieren.
„Das war sie, Bella.“, rief er begeistert, „Du hättest sie gemocht.“
Das Schlimme an seinen Worten war, dass er wahrscheinlich sogar Recht hatte. Mein Selbstbewusstsein schrumpfte auf ein Minimum zusammen, je mehr er über sie erzählte. Aller Optimismus schmolz wie Schnee in der Sonne.
„Wir trafen uns also heimlich weiter, “ fuhr er fort, „Eines Tages verreiste James, um seine Tante zu besuchen. Ihr Mann starb damals bei einem Unfall und er stand ihr als Kind sehr nahe, daher blieb er ein paar Tage, um sie zu unterstützen. Er bat mich indessen, mich ein wenig um Tanya zu kümmern. Er hatte bis dahin gar nicht gemerkt, was sich zwischen uns anbahnte.“
„Hattest du kein schlechtes Gewissen gegenüber James, als er dich bat, auf Tanya aufzupassen?“
„Natürlich! Aber damals konnte ich nur noch an sie denken. Ich führte sie eines Abends schick zum Essen aus und beim nachhause bringen passierte es dann. Ich habe sie geküsst. Das war es dann! Von der Sekunde an, waren wir unzertrennlich. Nach James Rückkehr, sprach sie mit ihm und trennte sich.“
„Wie hat er reagiert?“
„Er war natürlich wütend, verletzt und enttäuscht. Er sprach kein Wort mehr mit mir. Er kannte meinen damaligen Ruf und hatte Angst, dass ich in ihr nur ein neues Spielzeug sehen würde. Doch spätestens, als wir unsere Verlobung bekanntgaben, haben wir uns wieder versöhnt. Er liebte sie noch immer, war aber stark und großzügig genug, uns unser Glück zu gönnen.“
Ich musste bei seiner Beschreibung über James lächeln. Er hatte ja so recht damit! James war Tanyas Glück wichtiger gewesen, als sein eigenes. Es gab sicherlich nicht viele Menschen, die die Kraft aufbrachten, das Glück des geliebten Menschen über das Eigene zu stellen.
„Wie ging es danach weiter? Ihr wart also jung, frisch verliebt und glücklich. Trotzdem ist es ungewöhnlich gleich zu heiraten. Wie kam es dazu?“ Das war eine Frage, die mich wirklich brennend interessierte.
„Die Frage stellte sich uns gar nicht. Wir wollten einfach zusammen sein, in jeder Hinsicht. Da Tanya aus religiösen Gründen, nicht vor der Hochzeitsnacht mit mir schlafen wollte, haben wir uns entschlossen zu heiraten. Wir konnten kaum die Finger voneinander lassen und es war die einzige Möglichkeit.“
Das zog mir doch die Schuhe aus. Sie wollten heiraten, um endlich Sex zu haben!! Mit allem hatte ich gerechnet, aber nicht damit.
„Heißt das, du hättest sie nicht heiraten wollen, wenn sie mit dir geschlafen hätte?“
Er sah mich empört an.
„Das klingt, als wolltest du meine Absicht sie zu heiraten, auf das Sexuelle reduzieren. So war es nicht. Ich hätte auch Jahre auf sie gewartet, wenn es nötig gewesen wäre. Aber wir wollten für immer zusammenbleiben, also spielte es keine Rolle. Die Hochzeit war die logische Konsequenz unserer Liebe.“
„Entschuldige!“, sagte ich leise, den Tränen nahe, „Ich wollte damit nicht ausdrücken, du hättest sie nur deswegen geheiratet. Es hat mich nur gewundert, das ist alles. Ich glaube dir, dass du gewartet hättest.“
„Bella!“, rief er reuig, als er merkte, dass ich langsam die Fassung verlor. „Ich bin ein Trottel. Ich sitze hier und schwärme dir von einer anderen vor. Komm mal her!“
Ich ließ mich in eine feste Umarmung ziehen. Trotzdem konnte mich das nicht trösten. Wenn ich eines bei diesem Gespräch herausgefunden hatte, dann war es die Tatsache, dass seine Liebe zu ihr noch ungebrochen war. Wo blieb ich bei diesem Spiel? Ich machte mich ein weiteres Mal von ihm los.
„Vielleicht ist es doch keine so gute Idee zu heiraten, Edward!“, sagte ich zaghaft.
„Was soll denn das jetzt wieder?“, rief er frustriert, „Himmel Bella, du treibst mich noch in den Wahnsinn. Wieso sollten wir nicht heiraten?“
„Weil du noch immer in deine tote Verlobte verliebt bist. Deshalb!“, schrie ich ihn an, „Wie kannst du so über sie sprechen und dann ernsthaft daran denken, mich zu heiraten. Aus welchem Grund? Du sagst selbst, dass du mich nicht liebst, also warum die Mühe? Ich würde auch so mit dir schlafen, du brauchst also ihr Andenken nicht zu beschmutzen indem….“
Sein harter Kuss stopfte mir den Mund. Voller Leidenschaft drückte er mich ins Bett, drängte seine Zunge fast schon gewaltsam zwischen meine geschlossenen Lippen und presste seinen Körper der Länge nach auf mich. Danach hob er den schönen Kopf, sein Atem galoppierte.
„Was willst du hören? Dass ich dich mehr begehre, als sie! Dass ich vor lauter Verlangen nach dir, keinen klaren Gedanken mehr fassen kann! Dass ich sogar ihr Gesicht vergesse, wenn du vor mir stehst!“
Wieder küsste er mich fast besinnungslos, meine Hände krallten sich in seine Haare und sein Unterleib verfiel in einen stetigen Rhythmus, als er sich trotz der Kleidung an mir rieb. „Verdammt Bella, wenn du das Alles hören willst, “ keuchte er, „dann kann ich dir den Gefallen tun. Denn genau so ist es! Du lässt sie mich vergessen!“ Wieder ein intensiver, feuchter und heißer Kuss. „Du bist überall, Liebes. In meinem Kopf, in meinem Blut. Jeder Tag beginnt und endet mit dir. Ich ertrage lieber mein schlechtes Gewissen, als auch nur einen Tag ohne dich verbringen zu müssen.“
Er sah mir in die Augen, schwer lag sein Körper auf mir, doch ich genoss sein Gewicht, das mich in die Laken drückte.
„Ist das wahr? Bin ich nicht nur das Zweitbeste für dich? Ein Ersatz, weil du sie niemals wiederhaben kannst?“
Er schloss gepeinigt die Augen.
„Habe ich dir wirklich diesen Eindruck vermittelt?“, wisperte er leise, „Du bist kein Ersatz für mich. Du ….du….du machst mich glücklich, Bella. Zum ersten Mal seit vielen Jahren freue ich mich auf meine Zukunft, weil du ein Teil davon sein wirst. Du bringst mich zum Lachen, zur Verzweiflung und ich schwöre dir, dass ich noch nie in meinem Leben eine Frau so sehr wollte wie dich. Nicht mal Tanya!“
„Ist das wirklich dein Ernst?“ Ich konnte nicht fassen, was er da sagte. Das war ja beinahe eine Liebeserklärung.
„Ich kann dir noch nicht sagen, dass ich sich liebe, Bella. Ich bin noch nicht soweit, aber du musst mir glauben, dass du mir unglaublich viel bedeutest.“ Er legte seine Hände an meine Wangen, streichelte zart mit den Daumen über meine Haut. „Du bist einfach so wundervoll, Liebes. Zweifle nie daran, dass ich mir ein Leben mit dir wünsche. Du bist meine Frau und keine andere.“
Er senkte den Mund wieder auf meinen, küsste mich fast ehrfurchtsvoll. Vor Glück drohte ich fast zu platzen, als ich mich auf ihn rollte und jeden Zentimeter seines Gesichts mit Küssen bedeckte. Seine Bartstoppeln kratzten ein wenig, doch es störte mich nicht weiter. Wir verloren uns in Zärtlichkeiten, solange, bis das Klingen an der Türe unsere Küsse unterbrach. Wir schreckten hoch und ich sah auf die Uhr.
„Scheiße!“, rief ich auf und schnappte mir mein Top, das während unserer Knutscherei, den Weg auf den Boden gefunden hatte. Während ich es mir hastig überzog, angelte ich schon mit einem Bein nach meiner Jogginghose und einem Pulli und sprang halb stehend, halb hüpfend auf die Tür zu.
„Kannst du mir vielleicht verraten, warum du so einen Zauber veranstaltest?“, fragte er lachend.
„Amüsiert dich das? Das ist Danny! Ich muss ihn noch zur U-Bahn und dann zur Schule bringen und ich habe nur noch gefühlte fünf Minuten, um mich fertigzumachen. Bleib wo du bist und rühr dich nicht vom Fleck“, befahl ich über die Schulter und marschierte Richtung Wohnungstür. Ich riss sie auf.
„Morgen Mum!“, quakte Danny und ich fiel fast auf den Flur, weil ich über einen meiner Schuhe stolperte. Danny kicherte. „Du musst besser aufpassen, wo du hinläufst.“
„Dir auch einen guten Morgen!“, sagte ich trocken und brachte ihn nur noch mehr zum Lachen. „Es tut mir leid, ich bin ein bisschen spät dran. Ich ziehe mir nur die Schuhe und die….“
Danny unterbrach mich.
„Mum, hast du etwa vergessen, dass heute die ersten zwei Stunden ausfallen. Mrs. Potter ist doch in…in…indisponent.“
„Indisponiert“, korrigierte ich automatisch.
„Sag ich doch!“, strahlte er.
Oh nein! Jetzt würde es sich nicht vermeiden lassen, dass er Edward über den Weg lief. Um sieben Uhr morgens!
„Danny, ich muss dir noch was sagen. Ich bin nicht allein“, sagte ich vorsichtig. Doch er überraschte mich wieder mal.
„Ich weiß ! Edward ist da, nicht wahr?“
„Woher weißt du das?“, wollte ich verblüfft wissen.
Er deutete auf ein Paar Männerschuhe, die auf dem Flur rumlagen.
„Also mir gehören die nicht und deine Füße sind auch zu klein, um die anzuziehen.“
„Dein Sohn ist ein intelligenter Bursche, Bella!“, hörte ich Edwards Stimme sagen. Ich drehte mich um und da lehnte er am Türrahmen vom Wohnzimmer. Er war vollständig bekleidet und bückte sich nach seinen Schuhen, die er sich flugs überstreifte. „Danny, was hältst du davon, wenn wir zum Bäcker gehen und Brötchen holen. Dann hat deine Mutter Zeit, sich in Ruhe fertigzumachen. Mir scheint, sie steht ein wenig neben sich.“
„Oh….ohhh.ohhhh.ohhhh!“, mehr brachte ich nicht raus. So ein unverschämter….arroganter….ohhhh!
Danny machte ein ernstes Gesicht, als er Edward antwortete.
„Wir sollten schnell abhauen, bevor ihr die „Ohhh´s“ ausgehen. Danach gibt es nämlich immer Motze.“
Er nahm seine Jacke, sowie Handschuhe und Mütze und zog Edward an der Hand aus unserer Wohnung. „Bis später, Mum!“
Edward warf mir noch einen Kusshand zu und schloss die Tür. Ich starrte noch ungefähr fünf Minuten mit einem dümmlichen Grinsen auf diese und hätte platzen können vor Glück. Ich hatte in den letzten vierundzwanzig Stunden, alle Höhen und Tiefen durchgemacht, doch eines war jetzt sicher. Edward fühlte Liebe für mich, er wusste es nur noch nicht.
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