Edwards PoV
Wütend zog ich die passende Krawatte zu meinem Anzug aus dem Schrank und band sie mir mit heftigen, ruckartigen Bewegungen um. Seit jenem Abend im Restaurant, als wir kurz vor dem Sex, von meiner eigenen Mutter erwischt wurden, war nichts mehr wie vorher. Bella hatte sich völlig entsetzt von mir zurückgezogen, ihre Kleidung notdürftig zusammengerafft und war geflüchtet. Sie murmelte etwas, wie -„Oh Gott, es tut mir so leid!“- und war aus der Türe, bevor ich auch nur einen Ton sagen konnte.
Meine Mutter sah mich wie versteinert an, vorwurfsvoll und enttäuscht. Auch wenn sie wusste, dass ihr ältester Sohn mehr Teufel als Engel war, so hatte sie selbst mir nicht zugetraut, die Verlobte vor deren Nase, mit einer anderen Frau zu betrügen. Das Problem war nur, dass es sich für mich keineswegs wie ein Betrug anfühlte. Im Gegenteil! Noch nie fühlte sich etwas richtiger an, als Bella in meinen Armen. Daher machte ich gute Miene zum bösen Spiel.
„Reg dich nicht auf, Mutter. Es wird Jessica nicht weh tun, wenn ich mal aus der Reihe tanze. Sie sieht das relativ locker.“
„Edward Cullen!“, donnerte sie mir entgegen, in einem Tonfall, den ich von meiner liebevollen und sanften Mutter nicht gewohnt war. „Wenn Jessica darüber hinwegsieht, dass du dich mit deinen Flittchen amüsierst, dann bitte, aber glaube ja nicht, dass ich sowas dulden werde, wenn ich und dein Vater in unmittelbarer Nähe sind. Du solltest dich schämen, Edward. Du stehst ohne ein Wort vom Tisch auf und bleibst ewig weg. Zu allem Übel, muss ich dann noch mit ansehen, wie du dich hier mit dieser….dieser….Person vergnügst. Wir sind heute Abend hier, um die Einzelheiten eurer Hochzeit zu besprechen. Verdammt noch mal, Edward, du heiratest in zwei Wochen!“
Gelangweilt blickte ich in das Gesicht der Frau, die mich unter Schmerzen zur Welt gebracht hatte und bisher für all meine Eskapaden Verständnis aufbrachte. Sie wusste ja, wie tief mein Schmerz über Tanyas Verlust noch saß. Doch jetzt, hatte ich den Bogen überspannt und selbst Esme konnte mein Handeln nicht mehr nachvollziehen. Die ganze Familie war überrascht, als ich mich dazu durchrang Jessica zu heiraten, nachdem ich mich in den letzten Jahren so erfolgreich vor der Ehe gedrückt hatte. Es bestand absolut keine Notwendigkeit dies zu tun, da ich mit neunundzwanzig noch alle Zeit der Welt hatte, in den Hafen der Ehe einzulaufen. Abgesehen davon, glaubte sowieso niemand mehr daran, dass ich genug für eine Frau empfinden würde, um sie aus Liebe zu heiraten.
Genervt lief ich in meinem Schlafzimmer hin und her, um die restliche Zeit totzuschlagen. Heute Abend war ein Diner angesagt, wo Emmett offiziell seine Verlobte Rosalie vorstellen wollte. Mir fehlte absolut die Lust, mich den vorwurfsvollen Blicken von Bellas Freundin zu stellen, doch wenn ich es mir nicht endgültig mit meinen Eltern und meinem Bruder verscherzen wollte, musste ich wohl oder übel daran teilnehmen. Jessica hatte Abstand davon genommen, an diesem Essen teilzunehmen, da sie es unter ihrer Würde befand, mit einer ehemaligen Kellnerin an einem Tisch zu sitzen. Jessica war ein echter Snob, dachte ich grinsend. Arroganz, war das Einzige, indem sie wirklich gut war. Selbst im Bett war sie gähnend langweilig, doch ich schlief sowieso seit Ewigkeiten nicht mehr mit ihr.
Es war fast so, als würde mir mein eigener Körper nicht mehr gehören! Seit ich Bella kannte, empfand ich keinerlei Lust mehr auf andere Frauen. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Aus alter Gewohnheit rief ich mir eine meiner Gespielinnen in meine Wohnung, damit ich diesen gewaltigen Druck abbauen konnte, der sich in mir aufstaute. Bella weigerte sich ja partout mit mir ins Bett zu gehen und obwohl es ihr anscheinend nicht bewusst war, erregte sie mich dermaßen, dass selbst ihre Stimme mich hart werden ließ. Ich hatte keineswegs die Absicht mit Dauererregung rumzulaufen und holte mir Monique nach Hause, eine äußerst hübsche Französin, mit unglaublichen Fähigkeiten im Bett.
Was machte es schon, dass ich eigentlich eine andere begehrte. Eine war wie die andere. Doch da täuschte ich mich. Als Monique in ihren Dessous vor mir stand, tat sich gar nichts bei mir. Okay, ich wurde hart, aber ich hatte nicht die geringste Lust mit ihr zu schlafen. Trotzdem versuchte ich es. Doch alles an ihr störte mich. Sie war zu groß, sie fühlte sich nicht weich genug an, ihr Atem roch nach Rauch. Verdammt! Ich hatte einfach die falsche Frau im Bett. Nach Monique, kam Beverly, dann Laura und abschließend rief ich sogar Tracey an, die mir sonst immer mit ihren akrobatischen Glanzleistungen den Verstand aus dem Kopf vögelte. Doch auch hier, ertrug ich es kaum sie anzufassen.
Nachdem mir klar wurde, dass außer Bella keine in der Lage war, mich wirklich zu erregen, sah ich Handlungsbedarf und setzte alles daran, sie zu verführen. Sie sträubte sich wie eine Katze und war in der nächsten Sekunde genauso anschmiegsam. Sie trieb mich in den Wahnsinn und ich wurde regelrecht abhängig von ihrer Stimme, ihrem Duft, ihrer Art mir Contra zu geben und diesem heißen, kleinen Körper. Frustriert fuhr ich mir durch das Haar und betrat mein Wohnzimmer. Dort schenkte ich mir einen ordentlichen Scotch ein und warf mich in meinen schwarzen Ledersessel. Während ich langsam am Scotch nippte und das Brennen in meiner Kehle genoss, erinnerte ich mich an unsere erste Begegnung.
Ich war erst seit ein paar Wochen aus Europa zurück, um mein Versprechen einzulösen und die Firmenleitung von meinem Vater zu übernehmen. Er war der Meinung, lange und hart genug gearbeitet zu haben und wollte endlich das Leben mit meiner Mutter genießen, solange sie noch jung genug waren. Also gab ich mein dekadentes Leben in den Metropolen Europas auf und der verlorene Sohn kehrte nach Hause zurück. Ich war der Älteste und somit der designierte Nachfolger meines Vaters. Emmett hatte keinerlei Interesse, die Familiengeschäfte zu übernehmen, da er mit seiner Marketingfirma sehr erfolgreich war.
So lag es an mir, das Unternehmen durch die schweren Zeiten der Wirtschaftskrise zu leiten und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dad hielt sich aus allem raus. Er meinte, jetzt könne ich beweisen, was in mir stecke und wie viel mein Studium gebracht hätte. Nach Jahren des süßen Nichtstuns, das ich mir nach Tanyas Tod angewöhnt hatte, war es eine echte Umstellung und Herausforderung, sich Tag für Tag dem harten Businessalltag zu stellen. Ich liebte Herausforderungen und stürzte mich mit Feuereifer in meine neue Aufgabe, immer unterstützt vom guten Benton, der schon meinem Vater hilfreich zur Seite stand. Trotzdem fand ich immer noch Zeit mich zu amüsieren, denn ich ertrug es nicht, lange allein zu sein, da mich dann ständig die schmerzvollen Erinnerungen an Tanya einholten und mir bewusst machten, zu was für einem Schwein ich mich entwickelt hatte.
Ich traf mich also mit Emmett und Mike, einem alten Studienkollegen und meiner neuesten Errungenschaft Tracey. Sie war schön, genauso eiskalt wie ich und immer für einen guten Fick zu haben. Das war so ziemlich das einzige, was ich mir noch von einer Beziehung erwartete. Nebenher vögelte ich noch mit Jessica, der Tochter eines Geschäftspartners. Sie war eine nette Abwechslung, wenn mir mehr nach Debütantin war, als nach Sexbombe. An jenem Abend war Tracey mal wieder an der Reihe und ich freute mich auf einen netten Abend im Club, als sich Tracey über das zu langsame Personal aufregte.
Eine kleine Brünette, war tief über unseren Tisch gebeugt und wischte mit gleichmäßigen Bewegungen die Tischplatte sauber. Meinetwegen hätte sie sich nicht zu beeilen brauchen und ich betrachtete wohlwollend, diese überaus reizvolle Rückseite, die im Rhythmus ihrer Putzbewegungen hin und her schwang. Tracey schimpfte wie ein Rohrspatz und sie drehte sich um. Nie würde ich diesen Moment vergessen!
Vor mir stand ein dunkelhaariger Engel. Ihre Augen waren groß, tiefbraun und schimmerten in einem Gesicht, das sich mit seiner Blässe, angenehm von den solariumgebräunten Schönheiten im Club abhob. Kein Make-up verunstaltete ihre lieblichen Züge und die vollen rosafarbenen Lippen bettelten mich förmlich an, sie zu küssen. Sie war nicht glamourös und sie war nicht sexy, sie war….einzigartig. Ich fühlte mich auf eine Art zu ihr hingezogen, die mir seit unserem Kennenlernen, mit schöner Regelmäßigkeit den Verstand raubte und ich wollte sie mit jeder Faser meines Körpers. Solch starke, körperliche Sehnsucht hatte ich noch nie erlebt und ich fing an, mich noch mehr auf den Abend zu freuen.
Auf meine üblich großspurige Art, warf ich meine Netze aus und wartete darauf, dass sie sich darin verfing. Doch nichts dergleichen geschah. Dass sie mir keine scheuerte war schon alles und es imponierte und ärgerte mich in gleichem Maße. Sie war entzückend, als ich sie fluchend auf dem Parkplatz vor ihrer Schrottkarre stehen sah und hätte sie am liebsten an Ort und Stelle flachgelegt. Doch ich ahnte schon da, dass es nicht so einfach werden würde. Sie wehrte sich gegen mich, obwohl von der ersten Sekunde an klar war, dass sie sich genauso von mir angezogen fühlte, wie ich von ihr. Ich küsste sie, aus Wut, weil ich mir anders nicht zu helfen wusste und aus einem dringenden Bedürfnis heraus. Noch immer widerstand sie mir und ich wollte sie nur noch mehr.
Unsere Begegnung im Park war kein Zufall, schließlich hatte ich eine Menge Geld an eine der Kellnerinnen bezahlt, damit sie mir sagte, wo sie sich in ihrer Freizeit aufhielt. Sie sprach davon, dass Bella Sonntags oft im Park sei und gerade als ich sie fragen wollte, warum zur Hölle sie freiwillig ihre Zeit an der frischen Luft verbrachte, wurden wir von einem besoffenen Mike unterbrochen. Jede Begegnung die dann folgte, war unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt und jedes Mal hinterließ sie einen tieferen Eindruck bei mir. Schon bald spürte ich, dass sie mir unter die Haut ging und meiner Liebe zu Tanya gefährlich werden konnte.
Tanya! Seufzend setzte ich mein Glas ab und holte ihr Foto aus meiner Brieftasche. Es war schon alt und zerschlissen vom vielen anschauen und ich betrachtete liebevoll die wunderschönen Züge, meiner verstorbenen großen Liebe.
„Warum?“, flüsterte ich mit erstickter Stimme, „Warum musstest du so früh von mir gehen? Wir haben doch noch nicht mal begonnen uns richtig zu lieben.“
Nach ihrem Tod verzweifelte ich fast vor unerträglichem Schmerz und ich schwor mir an ihrem Grab, dass ich sie niemals vergessen oder durch eine andere Frau eintauschen würde. Keiner anderen würde ich meine Liebe schenken, außer ihr. Selbst über den Tod hinaus. Irgendwann begann ich mein Leben fortzusetzen, aber es war leer und ohne Glanz. Ständig war sie in meinen Gedanken, keine konnte es mit ihrer Sanftmut, ihrem Stolz und ihrer Schönheit aufnehmen. Bis jetzt!
Es traf mich mit unglaublicher Härte, als mir klar wurde, dass Bella mehr für mich war, als nur eine weitere Herausforderung. Richtig bewusst, wurde mir das nach der Nacht im Club, als sie betrunken auf der Theke tanzte und ich sie halb bewusstlos in meine Wohnung brachte. Es war längst Gewissheit für mich, dass sie verliebt in mich war und ich spielte tatsächlich mit dem Gedanken, dieses Wissen auszunutzen, um sie endlich in mein Bett zu bekommen. Mein Angebot mit dem Geld und der Wohnung wurde ja von ihr empört ausgeschlagen und mir fehlten langsam die Mittel, um sie rumzukriegen. Aber da sie ja zugab, verliebt in mich zu sein, erschien es plötzlich so einfach ihren Widerstand zu brechen. Ich müsste nur so tun, als würde ich ihre Gefühle erwidern!
Als sie dann selig zwischen meinen Laken schlief, legte ich mich zu ihr. Sie war nackt und was ich tat war falsch, immerhin war sie nicht wach, doch ich konnte mich nicht bremsen. Ich streichelte ihr hübsches Gesicht, hauchte ihr hauchzarte Küsse auf den geschlossenen Mund und atmete tief den Duft ihres Körpers ein. Mehr tat ich nicht, schließlich war ich kein Perverser oder Vergewaltiger.
Wie sie so dalag, hilflos und hingegeben im Schlaf verspürte ich unglaubliche Zärtlichkeit für diese Frau. Ich redete mir ein, es wäre der normale Beschützerinstinkt, den jeder Mann in so einer Situation gehabt hätte, doch ich wusste, ich machte mir was vor. Bella Swan war mein Untergang und rüttelte an meinem Käfig, in den ich mich seit Tanyas Tod verzogen hatte, bettelte um Einlass und war dabei, sich einfach durch die Stäbe zu winden. Stück für Stück zerrte sie mich aus meinen Erinnerungen, in die ich mich so oft verkroch und an dem Tag, als ich aufwachte und mich nicht mehr genau an Tanyas Gesicht erinnern konnte, dafür aber Bellas genau vor Augen hatte, war der Tag, an dem ich beschloss, diese Heirat doch durchzuziehen.
Eigentlich spielte ich mit dem Gedanken die Verlobung zu lösen, nachdem Bella davon erfuhr. Ich begehrte sie tatsächlich mehr, als ein paar Aktien oder die Mehrung meiner Macht und war bereit die schon lange geplante Hochzeit abzusagen. Doch die Erkenntnis Bella tatsächlich eines Tages lieben zu können, genauso so sehr wie Tanya, hatte eine Kurzschlussreaktion in mir ausgelöst und ich wollte diese Geschichte mit Jessica bis zum Ende durchziehen.
Ich hatte solche Furcht meine Liebe zu Tanya zu verlieren, denn sie war die einzige Konstante in meinem Leben. Viele sagten mir, wie ungesund es war, sich so an eine Tote zu klammern, aber ich schaffte es einfach nicht, mich von ihr zu lösen. Alles was diese Liebe mindern oder zerstören konnte, wurde von mir rücksichtslos aus dem Weg geräumt und genauso verfuhr ich mit Bella.
Obwohl ich mich innerlich krümmte, tat ich ihr absichtlich weh, um sie aus meinem Leben zu streichen. Sie verdiente etwas Besseres, als einen Mann, der sie immer mit einer anderen vergleichen würde.
Bella war eine wundervolle Frau und eine liebevolle Mutter und anfangs schockierte mich diese Tatsache. Es war ein weiterer, guter Grund mich von ihr fernzuhalten. Es ging nicht nur um sie, sondern auch um einen kleinen Jungen, der eine glückliche, ausgeglichene Mama brauchte. Ich selbst machte mir nicht viel aus Kindern, was sicherlich daran lag, dass ich keinen Kontakt zu ihnen hatte. Alle meine „Freunde“ waren kinderlos und ich hatte meines Wissens nach, noch nie mit einer Frau geschlafen, die eines hatte.
Bellas Sohn war ein niedlicher, kleiner Kerl und ganz schön mutig. Einen völlig Fremden als schräg zu bezeichnen, war sicherlich nichts, was alle Kinder getan hätten. Aber ich war keineswegs bereit Daddy zu spielen. Mit Tanya hatte ich mir Kinder gewünscht, wir hatten sogar schon scherzhaft Namen rausgesucht. Es kam für mich nicht mehr in Frage, ein Kind mit einer anderen zu zeugen, da ich es mit meiner Liebsten nicht mehr konnte.
Doch ich schaffte es nicht von Bella loszukommen. Jedes Mal, wenn wir zusammentrafen, artete es in wilde Leidenschaft aus oder in heftige Streitereien. Wir heizten uns auf, taten uns ständig weh und konnten doch nicht voneinander lassen. Der Höhepunkt wurde erreicht, als wir uns endlich unseren Gefühlen ergaben und im Begriff waren, uns zu lieben. Bei Bella brachte ich das Wort vögeln, einfach nicht über die Lippen, denn es war so viel mehr als das. Ich glaubte noch immer ihren Geschmack auf der Zunge zu haben, hörte ständig die süßen Laute, die sie von sich gab, während ich sie befriedigte.
Dass ausgerechnet meine Mutter reinplatzen musste, war extrem unangenehm. Oder ein Wink des Schicksals? Ich war so kurz davor, das Paradies zu betreten und es wurde mir vor der Nase weggeschnappt. Aufgebracht stand ich auf und starrte auf meine Armbanduhr. Es wurde Zeit zur Familienvilla zu fahren und den lieben Schwager zu spielen. Ich hoffte darauf, etwas von Bella in Erfahrung zu bringen, da sie sich seit jenem Abend krankgemeldet hatte und für mich nicht mehr erreichbar war. Zu ihr nach Hause konnte ich nicht, da ich ihr vor ihrem Kind keine Szene machen wollte.
Verdammt, es war sowieso alles egal! In zwei Tagen würde ich Jessica Stanley heiraten. Die standesamtliche Trauung würde am selben Tag stattfinden, wie Bellas Heirat mit dieser Pfeife George. Ob es Zufall oder Kalkül war, wusste ich nicht, doch es war schon merkwürdig, dass wir beide gleichzeitig unsere größte Lebenslüge vollbrachten. Ich lachte bitter auf! In guten und in schlechten Zeiten, hieß es doch immer, wobei eine Ehe mit mir, wohl nur aus schlechten bestehen würde. Herzlichen Glückwunsch, Jessica, dachte ich ironisch und verließ meine Penthouse- Wohnung.
Der Lift brachte mich nach unten in die Tiefgarage und ich stieg in meinen neuen Porsche Panamera, den ich mir in einem Anflug von Frustration gegönnt hatte. Ich trat das Gaspedal voll durch und riskierte Kopf und Kragen mit meinem halsbrecherischen Fahrstil. Ich liebte es schnell zu fahren und scherte mich einen Dreck um Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mit den Geldstrafen, die ich dafür schon erhalten hatte, wäre ich in der Lage gewesen ein ganzes Waisenhaus zu finanzieren.
Innerlich notierte ich mir, genau dieses noch zu tun. Ich gefiel mir in der Rolle des reichen Gönners und es vertrieb mir zumindest stundenweise das schlechte Gewissen, wegen meines oft gewissenlosen Verhaltens. Mein Anstand und mein Gewissen waren mit Tanya gestorben, seitdem versuchte ich meinen Schmerz zu verdrängen, indem ich spielte, rumhurte und das Geld meiner Familie mit beiden Händen zum Fenster rausschmiss. Dies war ein weiterer Grund, warum mein Dad mir die Leitung des Unternehmens übergab. Er drückte mir damit wahrhaftig sein vollstes Vertrauen aus, trotz meines fragwürdigen Lebenswandels und half mir damit wieder in die Spur. Ich mochte vieles sein, aber auf keinen Fall ein mieser Sohn. Ich hätte mich eher selbst kastriert, als meinen Dad zu enttäuschen.
Geschickt lenkte ich den Wagen durch das nächtliche Seattle, bis ich die Stadt verlassen hatte und auf der Landstraße unterwegs war. Genüsslich beschleunigte ich diesen fantastischen Wagen und brauste die Straße entlang. Ich schaltete das Radio an und suchte mir einen Sender, bis ich den passenden gefunden hatte. Ich blieb bei einem Lied hängen, das mir wie ein Sinnbild für die Beziehung zwischen mir und Bella vorkam. http://www.youtube.com/watch?v=-oaHHrNQVrg
Es waren wirklich gemeine Spiele, die wir spielten und doch war alles was mit ihr zusammenhing erregend und lebendig. Ich spürte nicht mehr diese allumfassende Leere in mir. Sie weckte etwas, wofür ich keine Worte fand. Seit Tanya, war dieser Funken weg, der sich entzündete, wenn ein bestimmter Mensch in dein Leben trat. Dann kam Bella und der Funken war wieder da, flammte auf und wurde zu einem lodernden Feuer.
Himmel, warum quälte ich mich so! Ich musste nur die Hand ausstrecken und diese Frau nehmen, sie würde sich mir nicht mehr verweigern. Doch ich war zu feige! Lieber ging ich eine lieblose Ehe ein, um an den Erinnerungen an eine Tote festzuhalten zu können, als mich fallenzulassen und endlich ein neues Glück zu genießen. Bella würde es irgendwann schaffen meinen Panzer zu durchstechen und Tanya aus meinem Gedächtnis verscheuchen. Irgendwann wäre es soweit und uns würden mehr Erlebnisse und Erinnerungen verbinden, als es mit Tanya der Fall war, die mir ja schon nach so kurzer Zeit genommen wurde. Wir hatten gar nicht die Chance bekommen, viel Zeit miteinander zu verbringen und unsere Liebe wurde auf ihrem Höhepunkt unterbrochen. Auf der einen Seite sehnte ich mich danach, wollte wieder glücklich sein, auf der anderen, tat ich alles, um genau das zu verhindern.
Nach wenigen Minuten war ich auf dem Anwesen meiner Familie und parkte den Wagen auf dem Kiesweg, direkt vor dem Eingang. Lässig stieg ich aus und zündete mir eine Zigarette an, inhalierte tief den Rauch und stieß ihn aus meinen Lungen. Ich brauchte dringend noch eine kurze Schonfrist und rauchte seelenruhig zu Ende, bevor ich das Haus betrat. Meine Mutter kam mir schon entgegen.
„Du bist spät, Edward!“, sagte sie ohne Tadel in Stimme und küsste mich auf die Wange. Wie immer sah sie perfekt aus. Man hätte nie vermuten können, dass sie bereits auf die Fünfzig zuging, denn sie wirkte eher wie Ende Dreißig. Auch mein Vater war mit diesem jugendlichen Aussehen gesegnet und die zwei bildeten ein unglaublich schönes Paar. Froh darüber, dass sie mir wegen dem Eklat im Restaurant nicht mehr böse zu sein schien, legte ich den Arm um sie und betrat das Wohnzimmer. Es war ein reines Familienessen und außer meinen Eltern und Emmett mitsamt Braut, war nur noch ich da.
Wir genossen noch einen Aperitif vor dem Essen und setzten uns an den Tisch, wo das Personal uns das Essen auftat. Ich musste grinsen, als ich Roses hilflosen Gesichtsausdruck bemerkte. Es war schon beeindruckend im großen Esszimmer der Cullens zu sitzen, mit tausend verschiedenen Bestecksorten und einem Essen, dessen Namen sie nicht mal aussprechen konnte. Emmett strich ihr beruhigend über den Arm und lächelte sie zärtlich an, während er ihr flüsternd soufflierte, welche Gabel für welchen Gang gedacht war. Sofort entspannte sie sich und betrachtete liebevoll seine Gesichtszüge.
Neid machte sich in mir breit. Nicht, wegen der Frau an seiner Seite, obwohl sie wirklich eine Schönheit war, sondern weil Emmett einen Menschen gefunden hatte, der ihn ergänzte. Ich hatte diesen Menschen auch mal und verlor sie viel zu früh. Bella wäre in der Lage diesen Platz einzunehmen, wenn ich sie nur ließ, doch etwas sträubte sich in mir.
Nach dem Diner unterhielten wir uns zwanglos. Rosalie war sichtlich aufgetaut und plapperte munter darauf los, was meine etwas elitären Eltern, zuerst erstaunt und dann sichtlich amüsiert zur Kenntnis nahmen. Sie waren keine Snobs, aber sehr mit den alten Traditionen und Umgangsformen verwoben, sodass Rosalie einen angenehmen frischen Wind in die Familie brachte. Mit einem weiteren Drink in der Hand begab ich mich zum Kamin und starrte in die Flammen.
„Na, planst du den nächsten Eroberungsfeldzug gegen Bella, oder denkst du zur Abwechslung mal an die Frau, die du übermorgen heiraten willst.“
Ich lächelte erheitert. Emmett´s Verlobte nahm wirklich kein Blatt vor den Mund.
„Du bist ganz schön gehässig, meine liebe Rose.“
„Lieber gehässig, als ein betrügerisches Arschloch!“, sagte sie böse.
Jetzt wurde ich doch böse.
„Du solltest dich nicht mit mir anlegen, Rose. Ich kann dir dein Leben in dieser Familie ganz schön schwer machen, wenn ich es will.“
„Schwerer als Bellas Leben, kann es gar nicht werden. Schämst du dich nicht dafür, ihr so zugesetzt zu haben. Sie liebt dich, du Trottel und würde dich glücklich machen.“
„Genau das ist mein Problem! Ich will nicht glücklich sein. Es würde bedeuten, Tanya und meine Liebe zu ihr zu verraten.“
Sie schüttelte ungläubig den Kopf.
„Du hörst dich an, wie eine Schallplatte mit einem Sprung. Wie lange willst du dir diesen Blödsinn noch einreden. Du hast einfach Angst, auch sie eines Tages zu verlieren. Das ist es doch. Oder? Du fürchtest dich zu Tode davor, wieder aus ganzem Herzen zu lieben, weil du Panik hast, wieder das gleiche zu erleben wie mit Tanya. Aber manchmal muss man einfach Risiken eingehen, sonst bleibt man ewig einsam und allein.“
Sie ließ mich stehen und eilte an Emmetts Seite zurück, der sie sofort mit beiden Armen umschlang. Ich musste schlucken, als ich ihre Worte sacken ließ. Der Abend war für mich gelaufen und ich verabschiedete mich relativ schnell.
Der nächste Tag verging, der Abend kam und diesen verbrachte ich allein in meiner Wohnung. Jessica hatte mich noch angerufen und mich mit ihrem sinnlosen Geplapper über ihr Kostüm in den Wahnsinn getrieben. Während ich ihrer quengeligen Stimme lauschte, wäre ich am liebsten in katatonische Starre verfallen, um ihr zu entkommen. Diese Frau würde in den nächsten Jahren mein Leben teilen und das verursachte mir Übelkeit, da sie mich jetzt schon bis zur Besinnungslosigkeit nervte. Ich würgte sie relativ schnell ab und schaute auf den Hörer in meiner Hand. Sollte ich vielleicht…..?
Ich wählte entschlossen Bellas Nummer. Wenigstens noch mal ihre Stimme hören, dachte ich und wunderte mich über mich selbst. Meine Besessenheit war unvermindert und ich begehrte sie noch genauso so sehr, wie an jedem Tag, seit unserer ersten Begegnung. Beinahe hätte ich wieder aufgelegt, weil niemand sich meldete, als ich dann doch ihre Stimme hörte. Sofort reagierte ich körperlich darauf und ich musste ein bisschen schmunzeln. Sie schaffte es allein mit ihrer Stimme, mich in rauschhafte Erregung zu versetzen.
„Hallo?“, hakte sie mit zarter Stimme nach und dann…
„Edward?....Bist du das?“
„Ja, ich bin es. Du fragst dich sicher, warum ich dich anrufe?“
Sie seufzte zittrig und ihre Stimme klang erstickt, als sie mir antwortete.
„Du musst sauer sein, dass ich nicht bei der Arbeit war. Aber ich hatte wirklich einen Infekt.“
„Bella, der Laden ist mir scheißegal. Ich….ich….scheiße…ich weiß gar nicht warum ich angerufen habe. Es war ein Fehler, tut mir leid.“
Ich wollte schon auflegen, weil ich es nicht mehr ertrug, als ihre Stimme mich zurückhielt.
„Nicht auflegen! Bitte!“
Ich streckte mich auf meinem Bett aus und schloss die Augen, versuchte verzweifelt mir Tanyas Gesicht vorzustellen, um mir selbst zu beweisen, dass ich mit Bella reden konnte, ohne dass es einen Einfluss auf meine Gefühle für sie hatte. Doch es misslang kläglich. Bellas Gesicht schob sich immer davor und ließ keinen Raum mehr für Tanya. Der Himmel mochte mir verzeihen, aber ich ließ es zu. Das erste Mal seit neun Jahren, erlaubte ich es mir mich fallenzulassen.
„Du fehlst mir, Bella!“, flüsterte ich, „Ich weiß, ich sollte es nicht sagen, wir heiraten morgen, aber Gott ist mein Zeuge, du fehlst mir unglaublich.“
Ein merkwürdiges Geräusch war zu hören. Sie weinte!
„Du fehlst mir auch, Edward. So sehr, ich kann es kaum ertragen. Ich wünschte, wir hätten eine kleine Chance gehabt.“
„Es tut mir leid! Ich wollte dir nicht weh tun, Liebes.“
„Wir sollten eigentlich nicht telefonieren, das macht es nur noch schlimmer, aber es tut so gut deine Stimme zu hören.“
„Warum heiratest du ihn?“, fragte ich unvermittelt. Ich wusste, warum ich es tat, es war eine Flucht. Doch warum wollte sie heiraten?
„Ich habe keine andere Wahl. Danny´s Vater hat sich nach fünf Jahren urplötzlich gemeldet und das alleinige Sorgerecht beantragt. Durch die Heirat kann ich sicherstellen, dass ich ihn behalten darf. Du siehst also, ich habe meine Gründe. Ich liebe George nicht, aber er hilft mir aus der Patsche, obwohl er selbst in eine andere verliebt ist. Er ist ein echter Freund.“
So lagen die Dinge also. Ich fuhr mir übers Gesicht, nicht sicher, was ich daraufhin sagen sollte.
„Was erwartest du jetzt von mir. Dass ich alles absage und dich heirate?“ Scheiße, warum musste ich auch noch den Finger in die Wunde legen und ihr weh tun. Ich war ein solches Arschloch!
„Ich erwarte gar nichts von dir Edward! Du hast ja klar gesagt, dass du es nicht erträgst Tanya zu vergessen, welche Chance hätte ich da. Du hast mich gefragt warum und ich habe dir geantwortet. Es hatte nicht den Zweck, dich von deiner Heirat abzubringen, ich weiß ja, dass es nichts bringen würde.“
Sie log! Das hörte ich genau raus. Natürlich war da ein kleiner Funke Hoffnung in ihr, ich würde alles abblasen und stattdessen sie zur Frau nehmen. Ich erstickte fast an dem unerträglichen Gefühl, ihr jetzt so weh tun zu müssen.
„Du hast recht! Es bringt nichts. Morgen werde ich Jessica heiraten und du George. Ich will aber, dass du weißt, wie schwer es mir fällt dich loszulassen. Glaub mir, es ist die gerechte Strafe für mich, dass ich mich ein Leben lang nach dir sehnen werde. Leb wohl, meine Kleine.“
Sie lachte unter Tränen.
„Das hatten wir doch schon mal! Erinnerst du dich?“ Sie machte eine kleine Pause und sprach dann weiter, während ich ihre letzten Worte aufsog wie ein Schwamm. „Ich werde mich auch immer nach dir sehnen, Edward. Du bist der einzige Mann, der solche Gefühle in mir weckt. Aber jetzt muss ich mich auf mein Kind konzentrieren. Ich wünsche dir ehrlich, dass du es schaffst eines Tages glücklich zu werden. Ob mit Jessica oder einer anderen. Du musst Tanya nicht vergessen, wenn du dir erlaubst jemand anderen zu lieben. Eines Tages wirst du das einsehen und dich wieder jemandem öffnen können. Offensichtlich bin ich nicht die richtige Frau dafür, doch du wirst ihr eines Tages begegnen und dann wirst du es sofort wissen. Lauf dann nicht weg, sondern pack das Glück mit beiden Händen und halt es fest. Leb wohl, Edward.“
Sie legte auf und ich spürte ein einzelne Träne, die sich aus meinem Augen stahl. Seit Tanyas Tod hatte ich nicht mehr geweint. Dass ich es jetzt tat, zeigte nur wie hilflos und unglücklich ich war und zum ersten Mal in meinem Leben, wusste ich nicht, was ich jetzt tun sollte.
Hier noch die Übersetzung zum Songtext
Die ganze Welt stand in Flammen und niemand außer dir konnte mich retten.
Schon merkwürdig, was das Verlangen nach Liebe aus Menschen machen kann.
Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal so jemanden wie dich treffe.
Und genauso wenig hätte ich mir träumen lassen, dass ich mal so jemanden wie dich verliere.
Nein, ich will mich nicht verlieben.
(Dieses Mädchen wird dir nur das Herz brechen.)
Nein, ich will mich nicht verlieben ...
(Dieses Mädchen wird dir nur das Herz brechen)
in dich.
Was für ein seltsames Spiel du spielst, um dieses Gefühl in mir auszulösen.
Was für ein seltsames Spiel du spielst, um mich von dir träumen zu lassen.
Was für ein seltsamer Einfall von dir, zu behaupten, du hättest noch nie so gefühlt.
Nein, ich will mich nicht verlieben.
(Dieses Mädchen wird dir nur das Herz brechen.)
Nein, ich will mich nicht verlieben ...
(Dieses Mädchen wird dir nur das Herz brechen)
in dich.
Es gibt überhaupt niemanden, der irgendjemanden liebt.
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