Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 24 - Ohne ihn

Die Tage verstrichen ohne besondere Vorkommnisse und eine gewisse Normalität stellte sich wieder ein. Natürlich fehlte mir Edward wahnsinnig, denn, obwohl unsere Zusammentreffen immer geprägt waren von explosiven Streitereien und heftigen Auseinandersetzungen, war es doch leidenschaftlich und lebendig. Jetzt fühlte ich mich innerlich leer und taub. Es war nicht so, dass ich im Schmerz versank, das konnte ich mir gar nicht erlauben. Es war eher so, dass alles ruhig vor sich hin plätscherte.

Die Führung des Diners fiel mir mit jedem Tag leichter, da Alice und Rose mich unterstützten, wo sie nur konnten. Wenn ich Fragen hatte, wandte ich mich an Edwards Assistenten, einen ganz reizenden weißhaarigen Herren, der mir hilfreich zur Seite stand. Erst war ich verlegen, als ich ihn um Hilfe bat, doch er nahm mir alle negativen Gefühle, durch seine freundliche und ruhige Art. Jeden Abend, nachdem ich Danny zu Bett brachte, büffelte ich wie eine Verrückte BWL, um zumindest mit den Grundlagen vertraut zu werden und selbst Buchführung verlor nach einigen intensiven Sitzungen mit Benton ihren Schrecken. Überhaupt wurde er immer mehr und mehr zu meinem Vertrauten und Freund. Vielleicht lag es daran, dass er meine letzte Verbindung zu Edward darstellte, obwohl er kein Wort über ihn verlor. Er war wirklich die Diskretion in Person! Edward meldete sich überhaupt nicht mehr. Es schien fast so, als hätte er mich aus seinem Gedächtnis und seinem Leben gestrichen.

Wie würde unser nächstes Aufeinandertreffen sein? Wäre er genauso distanziert und kalt, wie in seinen letzten Mails, oder würde ich ihn vielleicht gar nicht mehr sehen. Es bestand ja kein Grund für ihn, nochmals das Diner zu besuchen. Benton könnte das für ihn übernehmen und ihm Bericht erstatten, er bräuchte nicht mehr in meine Nähe zu kommen. Die ganze Zeit wollte ich nichts anderes und jetzt, wo er sich endlich meinen Wünschen fügte, passte es mir auch nicht. Seufzend erhob ich mich von meinem Bürostuhl und streckte mich. Es wurde Zeit ihn endlich zu vergessen. Ich beschloss raus zu gehen und nach dem Rechten zu sehen und vor allem, um mir Cynthias Arbeit anzuschauen.

Nach reiflicher Überlegung und zum Entsetzen aller, entschloss ich mich sie einzustellen. Sie hatte etwas so rührend hilfloses an sich und doch war sie eine der nettesten und fleißigsten Frauen, die mir je begegnet waren. Besonders unsere ältere Kundschaft wusste ihre ruhige, zurückhaltende Art zu schätzen. Ihre Probezeit lief morgen ab und ich musste mich jetzt endgültig entscheiden.

Sie servierte gerade einer alten Lady ihren Morgenkaffee und unterhielt sich noch kurz mit ihr, was der Dame sichtlich guttat, denn sie lächelte dankbar. In mir festigte sich die Entscheidung Cynthia zu behalten. Ihr Äußeres war zwar ein echtes Drama, doch das konnte man ja ein wenig aufpeppen. Alice wäre hierfür genau die Richtige, doch momentan versank die in unendlichem Liebeskummer.

Nachdem sie Jasper ihre Kündigung überbrachte, wurde dieser so wütend, dass er sie hochkant aus dem Club schmiss. Ihre Sachen wurden ihr nach Hause geschickt und sie sah ihn seitdem nicht wieder.

Rose erging es auch nicht besser. Sie erhielt nach ihrem Abgang einen Brief von Emmett, in dem er sich dafür entschuldigte, sie so bedrängt zu haben. Er würde sie fortan in Ruhe lassen und wünschte ihr alles Gute. Rose tat so, als ob es das einzig Richtige war, doch seine schnelle Aufgabe nagte gewaltig an ihr und sie stellte die gemeinsame Nacht in Zweifel. Anscheinend war es keiner von uns vergönnt, den Mann fürs Leben zu finden!

Wir würden uns heute Abend bei mir zu Hause treffen, um uns um das einzige anständige Wesen auf dem Planeten zu kümmern. Danny! Danach, wenn er schlief, würden wir Liebesschnulzen schauen, haufenweise Schokolade in uns reinstopfen und uns gegenseitig unser Leid klagen. Das war das beste Mittel gegen Liebeskummer, das es gab. Cynthia kam in der Zwischenzeit mit ihrem vollbeladenen Tablett zurück und sah mich hinter der Theke stehen.

„Guten Morgen, Miss Swan!“, sagte sie freundlich.

„Sagen Sie Bella zu mir, alle tun das“, befahl ich ihr bestimmt. Ich mochte es nicht bei meinem Nachnamen genannt zu werden, es erinnerte mich zu sehr an meinen Dad. Ein weiterer Mann in meinem Leben, der mich hängenließ, als ich Hilfe bitter nötig hatte.

„Cynthia, Ihre Probezeit geht morgen zu Ende, doch ich will Sie nicht länger schmoren lassen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie unser Team dauerhaft verstärken würden. Kommen Sie doch in mein Büro, wenn die zweite Schicht anfängt, dann machen wir die Arbeitsvertragsänderung. Er ist erst mal auf ein Jahr befristet, danach sehen wir weiter.“

„Oh, Miss…Entschuldigung, Bella“, sagte sie überglücklich, „Sie glauben nicht wie froh ich über diese Chance bin. Alle haben mich immer abgeschrieben und ausgelacht. Sie sind die Erste, die mir die Möglichkeit gibt zu beweisen, dass ich hart arbeiten kann. Danke!“

„Ist schon gut“, meinte ich etwas verlegen, „Sie haben gute Arbeit geleistet und haben sich diese Chance verdient.“

In dieser Sekunde kam George durch die Tür und ich ging mit strahlendem Lächeln auf ihn zu. Seit er seiner "Mutti" Bertha die Stirn geboten hatte, war er richtig aufgeblüht und wurde immer selbstsicherer. Er war noch immer kein Traumtyp, aber er sah jetzt wirklich passabel aus und legte ein ganz neues Selbstbewusstsein an den Tag.

„Bella, schön dich zu sehen. Kriegt ein armer Junggeselle noch ein Frühstück oder bin ich zu spät.“

„Für dich gibt es immer Frühstück. Ich schicke dir Cynthia, die kann dann deine Bestellung aufnehmen“, lächelte ich. Vor ein paar Wochen hätte er so einen Satz im Leben noch nicht rausgebracht.

„Okidoki!“, grinste er und setzte sich an seinen Lieblingsplatz am Fenster. Okay, an seinem Vokabular mussten wir noch arbeiten. „Okidoki“ war kein Wort, das bei Frauen leidenschaftliche Gefühle auslöste. Seufzend sagte ich Cyn Bescheid, die seine Bestellung entgegennahm. Ich ging hinter der Theke noch eine Bestellliste durch und sah schließlich, wie sie stolperte und Georges Kaffee auf seine Hose kippte.

Ich schlug mir die Hand vor den Mund, um mein Lachen zu dämpfen, als ich sah, wie eine völlig aufgelöste Cynthia sich vor ihn kniete und sich am Vorderteil seiner Hose zu schaffen machte.

„Was machen Sie da?“, quiekte George entsetzt und versuchte sie wegzuschieben. Doch sie ließ sich nicht beirren und rubbelte mit einem Geschirrtuch weiter an seiner Vorderfront herum, was nur dazu führte, dass der Fleck richtig schön in den Stoff eingearbeitet wurde. Als sie das schließlich merkte, hielt sie inne und sah zu ihm hoch. Jetzt erst sah sie George so richtig an und wurde über und über rot. Der war ziemlich angefressen von der Tatsache, dass seine Hose ruiniert war und merkte gar nicht, wie sich Cyns Blick verklärte.

Armes Ding, dachte ich. Noch vor ein paar Wochen, als er selbst aussah wie eine Vogelscheuche, hätte sie eventuell noch eine Chance gehabt, doch jetzt…..

„Lassen Sie das“, meinte er ungehalten, „Sie reiben es nur noch stärker ein.“

Sie stand auf und entschuldigte sich noch tausendmal für ihr Missgeschick.

„Ist schon gut, machen Sie kein Drama daraus, ich tu es ja auch nicht“, meinte er dann etwas freundlicher.

Tödlich verlegen kam sie zu mir und sah mich schuldbewusst an.

„Es tut mir leid, Miss Bella“, sagte sie schuldbewusst, „Ich wollte das wirklich nicht.“

„Das weiß ich doch“, erwiderte ich sanft, „George ist ein guter Freund von mir und ich weiß, dass er es Ihnen nicht weiter krumm nehmen wird.“

„George!“, wiederholte sie verträumt, „Was für ein schöner Name.“

Du liebes bisschen, sie war völlig hin und weg von ihm. Leider schien das nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn George widmete der Tageszeitung seine volle Aufmerksamkeit und sah nicht mal auf, als sie einen neuen Kaffee auf seinen Tisch stellte. Traurig lief sie weiter zum nächsten Gast und schenkte ihm immer wieder sehnsüchtige Blicke. Was war nur mit den Kerlen los? So langsam glaubte ich, dass das Diner verhext war, da alle Frauen die darin arbeiteten, Pech mit den Männern hatten.

Abends kamen Alice und Rosalie und spielten Memory mit meinem Sohn, solange ich das Essen vorbereitete. Sie verloren gnadenlos, da Kinder über ein viel besseres Gedächtnis verfügten. Während Alice und Rose enorme Schwierigkeiten bekamen die Karten zuzuordnen, machte Danny dies mühelos und gewann haushoch. Stolz brüstete er sich mit seinem Sieg über die Erwachsenen und ich fuhr ihm stolz über das Haar.

Das Essen verlief in heiterer Atmosphäre, da mein Sohn es fertigbrachte alle mit seinen Späßen zu unterhalten. Als Danny später im Bett lag, machten wir es uns vor dem Fernseher gemütlich und diskutierten darüber, welchen Film wir sehen sollten. Wir entschieden uns für „Ps. Ich liebe dich“, einen Film, der uns alle kräftig zum Heulen brachte. Die Schokoladentafeln und die Kleenexbox auf dem Tisch schrumpften bedenklich schnell. Es war ein absoluter Frauenfilm und so romantisch und traurig zugleich, dass bei uns alle Dämme brachen. Jetzt fehlte eigentlich nur noch Bibi, doch die war zu Besuch bei ihren Kindern und würde erst in zwei Tagen wiederkommen.

„Oh Gott, war das traurig!“, sagte Rose ergriffen und wischte sich ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Alice schniefte ebenfalls und schnäuzte geräuschvoll ins Taschentuch und nickte bestätigend.

„Mädels, bevor wir uns den nächsten Film antun, muss ich meine Lieblingsklatschsendung sehen. Sie fängt in fünf Minuten an.“

Sie war immer ganz aufgeregt, wenn die Prominenten über den roten Teppich flanierten und betrachtete sehnsüchtig die schönen Abendkleider, die sie trugen. Für kurze Zeit entführte diese Sendung sie in eine andere Welt und sie war die ganze Woche unausstehlich, wenn sie eine Sendung verpasste.

„Dann sehen wir uns mal an, was die Reichen und Schönen so machen“, sagte ich gutmütig und Alice drückte sich fast die Nase an dem Gerät platt, so nah rückte sie heran.

„Hey!“, schimpfte Rose, „Du bist nicht unsichtbar, setz dich gefälligst ein Stück nach hinten.

Alice grinste verlegen und rückte ein Stück nach hinten, Schlussendlich saßen wir wie die Hühner auf dem Sofa und starrten den Bildschirm an, während wir einer Tüte Gummibären den Garaus machten. Es wurde ein Bericht über eine Charitygala gezeigt, die vor drei Tagen hier in Seattle stattfand.

„Das ist die Gala, von der Emmetts Mutter am Telefon gesprochen hat“, flüsterte Rose leise.

Jetzt sah auch ich aufmerksam zu, obwohl mich sowas normalerweise nicht interessierte. Kurz darauf verkündete die Reporterin, dass nach dem Werbeblock ein Interview gesendet würde, über die einflussreiche Familie Cullen, die zu den Hauptsponsoren dieser Veranstaltung gehörte.

Ich saß wie auf glühenden Kohlen, bis endlich die Werbepause beendet war und das Interview begann. Mir blieb fast das Gummibärchen im Hals stecken, als ich sah, dass der komplette Cullen-Clan vertreten war, inklusive Edward und Jessica. Da es eine Aufzeichnung war, die vor drei Tagen aufgenommen wurde, wie zu Beginn der Sendung erklärt wurde, hieß es im Klartext nur, dass Edward schon einige Zeit wieder zurück war und sich nicht gemeldet hatte. Offenbar nahm er sein Versprechen ernst und mied mich, wo er nur konnte.

Selbst im Fernsehen sah er einfach nur gut aus und der elegante Smoking ließ ihn ungemein attraktiv wirken. Sein Haar war wieder auf diese bestimmte Art verstrubbelt, wie es nur ihm zu eigen war und seine grünen Augen wirkten durch den Bildschirm genauso hypnotisch wie in Natura, Unglaubliche Sehnsucht machte sich in mir breit und ich verlor fast die Fassung, als ich den folgenden Wortwechsel zwischen ihm und der Reporterin hörte.

„Mr. Cullen!“, sagte sie sehr professionell, „Beginnen wir doch mit Ihnen! Wie Ihr Pressesprecher verlauten ließ, stehen Sie kurz vor der Hochzeit mit Jessica Stanley. Da sie gerade neben Ihnen steht, scheint dies ja auch der Wahrheit zu entsprechen. Möchten Sie dazu einen Kommentar für unsere Zuschauer abgeben?“

Edward lächelte charmant und zog Jessica eng an seine Seite, küsste sie leicht auf die Lippen, was ihr ein dümmliches Grinsen entlockte und beantwortete die Frage.

„Sie haben richtig gehört. Ich und meine zauberhafte Verlobte werden demnächst heiraten. Genau genommen ist es in acht Wochen soweit und wir sind beide überglücklich, nicht wahr, Liebes.“

Dieses letzte Wort gab mir den Todesstoß. Liebes! Er nannte sie so, wie er mich immer ansprach, als ob es für ihn nichts Besonderes war. Es war auch nichts Besonderes, wurde mir klar. Er hatte mir doch deutlich zu verstehen gegeben, dass er mich nicht liebte, ja, nicht mal verliebt in mich war. Er begehrte meinen Körper und sehnte sich danach meinen Widerstand zu brechen, aber er empfand nichts für mich. Wie viele Beweise brauchte ich denn noch, um endlich zu verstehen? Er sah direkt durch die Kamera in meine Augen, als ob er in diesem Moment wusste, dass ich diesen Beitrag sehen würde. Auch sein Schweigen in den letzten Tagen, war ein Zeichen für das Ende. Er hatte aufgegeben und ließ mich ziehen. Ich machte mir keine Illusionen darüber, dass seine geheuchelte Liebeserklärung für Jessica der Wahrheit entsprach. Er würde sie über kurz oder lang mit anderen Frauen betrügen und seine Spielchen mit anderen Frauen treiben. Ich merkte gar nicht, dass ich weinte, bis sich Alice zarte Arme um mich legten.

„Bella, nicht weinen, das ist er doch gar nicht wert“, sagte sie mitfühlend und schaltete den Fernseher aus. Wir hatten genug gesehen.

„Ich…ich….ich ….wei…weiß es doch“, schluchzte ich stotternd, „ aber es….es tut….so….weh.“

Ich ließ mich von meinen Freundinnen trösten. Die ganze letzte Zeit war ich so stark gewesen, hatte kaum eine Träne vergossen und mich in die Arbeit gestürzt. Jetzt wusste ich auch wieso. Ich hatte innerlich noch nicht mit Edward abgeschlossen, sondern immer noch ganz tief in mir gehofft, dass er es sich anders überlegen würde und Jessica zum Teufel jagte. Dass er Tanya nicht vergessen konnte, war mir bewusst, doch sie war tot. Seine Gefühle waren mit ihr gestorben, doch ich bildete mir ein, sie irgendwann mit viel Geduld wiederzuerwecken. Bis dahin hätte ich genug Liebe für uns beide.

„Ich bin so ein dummes Schaf!“, rief ich aus und wischte trotzig die Tränen von der Wange, „Wann werde ich endlich erwachsen und sehe ein, dass ich ohne Mann besser dran bin. Sie haben mir alle immer nur weh getan und mich verarscht. Erst Jake, als er mich schwanger sitzen ließ, dann Dad, der mir jede Hilfe verweigerte und mich mutterseelenallein nach Seattle ziehen ließ, obwohl ich erst achtzehn und schwanger war. Und jetzt, bin ich auf den nächsten reingefallen.“

Rose sah mich mitfühlend an, brachte aber doch eine kleine Kritik an.

„Ich kann dich verstehen, Bella. Deine Wut, deine Enttäuschung, aber was diesen Edward betrifft, bist du nicht ganz unschuldig. Du hast ihn gereizt bis aufs Blut, ohne die Absicht ihm nachzugeben. Ich habe dich dabei unterstützt und das bereue ich jetzt zutiefst, denn ich habe eigentlich gedacht, dass es durchaus mit euch klappen könnte. Doch ich habe mich wohl getäuscht. Entschuldige bitte!“

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, Rose. Ich bin erwachsen und wusste was ich tue. Ich ärgere mich nur, weil ich geglaubt habe, dass er was für mich empfindet.“

Der Abend war verdorben und selbst Süßigkeiten konnten mich nicht mehr aufmuntern. Alice und Rose waren auch betrübt und ich hasste mich dafür, dass ich ihnen den Abend ruinierte. Die Nacht verbrachte ich schlaflos und in Gedanken an den Mann, der mir das Herz gestohlen hatte, ohne Verwendung dafür zu haben.

Benton war die erste Person die ich am nächsten Morgen sah, als ich das Diner betrat. Es war noch früh und er saß über einem Stapel Akten und kontrollierte meine Buchführung.

„Wie lange ist er schon wieder zurück?“, fragte ich ihn.

Er nahm seine Brille von der Nase und putzte sie umständlich, bevor er mir antwortete.

„Seit einer Woche!“, antwortete er knapp.

Ich lachte bitter auf.

„Und er hat es nicht für nötig gehalten sich zu melden?“, fragte ich scharf. Ich wusste, ich war ungerecht, aber ich musste irgendwohin mit meiner Wut und der arme Benton, war nun mal da.

„Es tut mir wirklich leid, aber er hat darauf bestanden, dass Sie vorerst nichts davon erfahren.“

„Ich muss ihn sprechen!“, rief ich und verfluchte mich in derselben Sekunde dafür. War ich denn wahnsinnig? Alles würde wieder von vorne losgehen. Auch wenn er mich nicht liebte, so konnte er kaum die Finger von mir lassen. Ihn wiederzusehen grenzte schon an Selbstzerstörung.

„Es tut mir leid“, wiederholte er, „aber er wünscht keinerlei Kontakt mit Ihnen.“

Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich setzte mich sehr langsam auf den erstbesten Stuhl und senkte den Kopf.

„Sie müssen mich für eine dumme Gans halten.“, flüsterte ich leise und beschämt.

„Nein, Bella“, sagte er weich, „ich halte Sie für eine ganz reizende, warmherzige Person. Ich weiß, ich höre mich an wie ein defekter Plattenspieler, wenn ich ständig wiederhole, wie leid mir das alles für Sie tut, Ich kenne Edward schon seit er in den Windeln lag und habe viele seiner Entscheidungen, ob geschäftlicher oder privater Natur nicht gutgeheißen. Doch dieses Mal macht er wohl den größten Fehler seines Lebens mit der Heirat. Aber er ist nicht davon abzubringen. Ich persönlich glaube, dass Sie die bessere Wahl gewesen wären. Er braucht jemanden, der seinen kalten Panzer durchdringt und ihn von seiner Trauer von Tanya ablenkt. Sie waren schon so nah dran.“

„Kannten Sie sie?“

„Ja, und ich muss Ihnen sagen, sie war wirklich eine ganz reizende Person. Er hat sie zu Recht geliebt.“

Seine Worte schnitten mir ins Herz, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass sie außer ihrer ungewöhnlichen Schönheit, auch noch ein guter Mensch war. Wie sollte man denn an so ein Ideal heranreichen
.
„Wie lange ist diese Sache her?“, fragte ich neugierig. Ich wusste so wenig über Edward, kannte noch nicht mal sein Alter.

„Er war zwanzig, als Miss Tanya verstarb, das ist jetzt acht Jahre her.“

„Acht Jahre?!“, antwortete ich betroffen, „So lange schon! Ich dachte, es wäre viel eher gewesen.“

Acht Jahre waren zwischenzeitlich verstrichen und er konnte sie nicht vergessen.

„Ich weiß, was Sie jetzt denken und ich muss Ihnen leider Recht geben. Er liebt sie immer noch,  auf seinem Nachtisch hat er noch heute ein Bild von ihr stehen. Er besucht ihre Grabstätte einmal die Woche, wenn er in Seattle ist und erweist ihr so die Ehre. Er meinte mal, so würde er sich ihr nahe fühlen.“

Ich schluckte. Er würde niemals aufhören sie zu lieben.

„Ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit, zwar verstehe ich immer noch nicht, warum er jetzt so extrem kühl reagiert, aber ich werde wohl nie schlau aus Edward werden.“

„Sie sind ihm zu nahe gekommen und das ängstigt ihn zu Tode. Verstehen Sie mich nicht falsch. Er ist nicht in Sie verliebt, aber Sie lassen ihn auch nicht kalt. Er ist wohl sehr verwirrt und treibt daher die Hochzeit voran. Ursprünglich war sie erst in einem halben Jahr geplant, doch er hat den Termin vorverlegen lassen.“

Müde stand ich auf.

„Dann soll es so sein“, sagte ich fest, „Wir sollten an die Arbeit gehen, sonst feuert er mich noch und ich sitze auf der Straße“, schloss ich ironisch.

Der Tag verlief ruhig und ereignislos. Alice und Rose spürten die merkwürdige Stimmung, in der ich mich befand, doch sie ließen mich in Ruhe. Nach einem langen Tag kam ich dann zu Hause an und freute mich auf Danny, irgendwelchen Nonsens im Fernsehen und ein abschließendes Bad. Ich nahm noch die Post nach oben und schaute sie durch, während ich langsam die Stufen hochstieg. Bei einem Kuvert blieb ich stehen, riss es hastig auf und las den Inhalt. Voller Entsezten ließ ich das Blatt sinken. Mein schlimmster Alptraum wurde wahr!

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