Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 28 - Ohne Ausweg

Nervös zupfte ich mir die Rüschen meiner weißen Bluse zurecht und strich mir wohl zum hundertsten Mal die Hose glatt. Abschließend zog ich mir den seriös wirkenden Blazer an und versuchte mir einzureden, dass schon alles gut laufen würde. Danny war mein Sohn, ich kümmerte mich seit seiner Geburt hingebungsvoll um ihn und kein Richter der Welt würde es wagen, ihn mir wegzunehmen. Das wiederholte ich auf dem ganzen Weg zum Gericht, in der Hoffnung, dass es sich bewahrheiten würde. Es war ein merkwürdiges Gefühl nach all diesen Jahren Jake wiederzusehen, denn ich ging schon davon aus, dass auch er anwesend sein würde. Seit er sich damals so feige abgesetzt hatte, gab es keinerlei Kontakt zwischen uns. Ich schrieb seinem Vater damals, dass er Großvater eines Jungen geworden war und bat ihn, Jake darüber zu informieren. Doch es kam nie eine Rückmeldung, weder von Billy Black noch von Jacob. Irgendwann gab ich es auf, sie über Dannys Entwicklung auf dem Laufenden zu halten, da es ja niemanden zu interessieren schien.

Bibi hatte mir ihren Anwalt zugeschanzt, der mir einen „Freundschaftspreis“ machte. Er war schon lange für sie tätig und schien sehr kompetent zu sein. Er würde zumindest vor Gericht einen guten Eindruck hinterlassen, da war ich mir sicher. Ich stieg in die U-Bahn und knetete nervös meine Finger, die ansonsten gezittert hätten. Der Kloß in meinem Hals wurde mit jedem zurückgelegten Meter größer und machte mir das Atmen schwer. Mein Magen drehte sich mir um und ich hätte am liebsten in die nächste Ecke gespien, so übel war mir plötzlich. Mir war klar, dass ich kurz vor einer Panikattacke stand, doch ich rang meine Ängste nieder und versuchte ruhig zu bleiben. Das Letzte was ein Richter sehen wollte, war eine völlig aufgelöste Mutter, die sich nicht im Griff hatte. Dann könnte ich gleich selbst Dannys Sachen packen und ihn persönlich bei Jake abliefern. Ich musste selbstbewusst und voller Tatendrang rüberkommen, damit nicht der geringste Zweifel daran bestand, dass Danny bei mir am besten aufgehoben war.

Ich betrat das Gerichtsgebäude und traf mich mit Mr. Rodrigez, meinem Anwalt, direkt vor dem Verhandlungsraum. Es war eine nichtöffentliche Anhörung. Nur der Richter, die Anwälte, die gegnerischen Parteien und die Gerichtsschreiber. Mr. Rodrigez wartete schon auf mich, ein einnehmendes Lächeln auf dem Gesicht. Bibi war eine Zeitlang mit ihm ausgegangen und der ältere, spanische Herr, war trotz seines fortgeschrittenen Alters, immer noch ein attraktiver Mann.

„Miss Swan, sehr schön, Sie sind pünktlich. Lassen Sie uns schon mal hineingehen. Es ist immer gut, wenn man sich seinen Platz zuerst aussuchen kann.“

Ich folgte ihm ins Amtszimmer und wir setzten uns an die Fensterseite. Von dort aus, hatte man einen guten Blick auf den ganzen Raum und ich saß nicht mit dem Rücken zur Tür. Diese öffnete sich gerade und eine Frau in atemberaubend hohen Stöckelschuhen betrat den Raum. Sie musste um die vierzig sein, wirkte aber immer noch recht jugendlich. Sie war bekleidet mit einem maßgeschneiderten, feuerroten Kostüm und wirkte dadurch sehr aggressiv. Ihre vermutlich langen, schwarzen Haare, trug sie streng aus dem Gesicht genommen und im Nacken zu einem Knoten geschlungen, was ihr eine gewisse Härte gab. Alles in allem, war sie eine schöne Frau und ihr folgte ein sehr großer, sehr indianisch aussehender Mann auf dem Fuße. Jake!

Er grinste, als er mich erblickte und wirkte so siegessicher, dass meine Übelkeit sich augenblicklich zurückmeldete. Warum war er so gutgelaunt? Er setzte sich mit der Frau, offenbar seine Anwältin an den Tisch, sodass er einen guten Blick auf mich hatte. Rodrigez fluchte leise und ich starrte ihn an.

„Was ist los?“, fragte ich ihn flüsternd.

„Die Anwältin, die ihr Ex da angeschleppt hat, ist Justine Mendelson, das gerissenste Luder, das Sie sich nur vorstellen können. Machen Sie sich auf einen harten Kampf gefasst, Bella und lassen Sie sich nicht verwirren. Sie wird versuchen Ihnen das Wort im Mund umzudrehen und alles was Sie sagen anders auslegen, als es gemeint ist. Sprechen Sie so wenig wie möglich und antworten Sie nur mit JA oder NEIN. Okay?“

„Okay“, bestätigte ich beunruhigt und sah wieder zu meinen Gegnern. Jake hielt es offenbar nicht für nötig, mich zu begrüßen, also verzichtete ich auch darauf. Nach all diesen Jahren dachte ich, ich hätte meinen Hass auf ihn überwunden, doch ich täuschte mich gewaltig. Er flammte mit aller Macht wieder auf, spülte wie eine Welle über mich hinweg und ließ mich zitternd und bebend vor Wut zurück.

Dieser elende Dreckskerl! Was fiel ihm ein, nach so vielen Jahren ohne ein Wort wieder aufzutauchen, um Danny aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen. Selbst wenn der Richter gegen ihn entschied, so würde es ein Besuchsrecht geben. Ich könnte es nicht ertragen mein Kind leiden zu sehen, wenn Jake seiner „Vaterliebe“ wieder überdrüssig wurde und sich abermals aus dem Staub machte. Für Danny würde es sowieso schockierend sein, dass sein Vater plötzlich wieder auftauchte und man musste ihn behutsam damit vertraut machen. Der Richter und der Gerichtsschreiber betraten den Raum. Er war schon ein älteres Semester und setzte sich ziemlich umständlich auf seinen Platz, putzte sorgfältig seine Brillengläser und nahm die betreffenden Akten zur Hand.

„Einen schönen guten Morgen, die Damen und die Herren. Wie ich sehe, sind wir vollzählig und können mit der Anhörung beginnen. Ich fasse nochmals zusammen und korrigieren Sie mich, falls ich mit etwas falsch liegen sollte“, sagte er mit autoritärer Stimme, „Es handelt sich um die Verhandlung der Sorgerechtsregelung für Daniel Swan. Gegnerische Parteien sind die Mutter, Isabella Marie Swan, ledig, und der Vater des Kindes, Jacob Black, verheiratet.“

Jetzt blieb mir fast die Spucke weg. Jake war verheiratet. Ich sah sämtliche Felle davon schwimmen. Er schien finanziell mittlerweile gutsituiert zu sein, da sein Anzug und auch seine Uhr teuer aussahen. Sein Haar trug er militärisch kurz, im Gegensatz zu früher, wo es schulterlang und meist zu einem Zopf zusammengebunden war. Er wirkte sehr solide und er hatte eine Ehefrau. Das waren so ziemlich die besten Voraussetzungen, um in Ruhe ein Kind großzuziehen, zumindest in den Augen von Fremden. Was hingegen hatte ich anzubieten? Nicht viel, außer mir selbst! Ich lebte in keinem besonders angesehenen Viertel, musste lange und hart arbeiten und Danny abwechselnd in verschiedene Hände geben, um ihn betreuen zu lassen. Es waren allesamt großartige Menschen, denen man ohne weiteres ein Kind anvertrauen konnte. Doch sah das Gericht es ähnlich?

Für eine gewiefte Anwältin wie dieser Mendelson, musste es doch ein Leichtes sein, mein Leben in sämtliche Einzelteile zu zerpflücken und alles was mir lieb und teuer war, in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Jetzt bekam ich es wirklich mit der Angst, vor allem weil mein eigener Anwalt alles andere als glücklich war, mit der Wahl von Jakes Anwältin.

„Wenn Sie erlauben, beginne ich zu sprechen, um die Situation darzustellen“, sagte Justine in ruhigem Tonfall und verzog die rotgeschminkten Lippen, zu einem einnehmenden Lächeln. „Mein Mandant Jacob Black, der ein angesehener Bürger ist, verlangt das alleinige Sorgerecht für seinen Sohn Daniel. Sie fragen sich sicher, warum Mr. Black erst jetzt darauf pocht und nicht schon vor Jahren einen Vorstoß in dieser Richtung wagte.“ Sie machte eine dramatische Pause, sah jedem einzelnen fest in die Augen und fuhr fort. „Nun, ich werde es Ihnen sagen. Diese Frau hier“, sie zeigte auf mich, „hat meinem Mandanten böswillig verschwiegen, dass er Vater eines fünfjährigen Jungen ist. Sie brachte Mr. Black, um die Möglichkeit seinem Sohn ein guter Vater zu sein und stahl ihm und auch ihrem Sohn wichtige Erfahrungen. Nur durch Zufall, bei dem Miss Swans eigener Vater eine nicht unbeträchtliche Rolle spielte, erfuhr er von seinem Fleisch und Blut.“

Fassungslos hörte ich die Worte der Anwältin und war wie erstarrt. Doch dann kam Leben in mich. Ich sprang auf.

„Sie lügt, das entspricht nicht der Wahrheit. Jake wusste von der Schwangerschaft, ich habe seinen Vater wiederholt angeschrieben, um ihm meinen Aufenthaltsort mitzuteilen, damit er Jake kontaktiert. Ich selbst konnte das nicht tun, weil er sich einfach abgesetzt hat.“

„Miss Swan!“, donnerte der Richter, „Setzen Sie sich wieder auf Ihren Stuhl und bewahren Sie Ruhe. Sonst verurteile ich Sie wegen Missachtung des Gerichts. Ich dulde so ein Benehmen nicht. Mr. Rodrigez, ermahnen Sie Ihre Mandantin zu Ruhe.“

Verzweifelt blickte ich zu meinem Anwalt, der mir in einem vergeblichen Versuch mich zu beruhigen, eine Hand auf den Arm legte.

„Fahren Sie fort, Mrs. Mendelson!“, sagte der Richter. Die nickte ihm zu und sprach weiter.

„Wie ich schon sagte, der Kläger wusste nichts von seiner Vaterschaft. Er besuchte seinen Vater im Quileute Reservat und ging abends noch auf einen Drink in die dortige Bar. Dort wurde er Zeuge eines Gespräches von Miss Swans Vater und einer anderen unbeteiligten Person. Diese Person fragte ihn nach dem Befinden seiner Tochter. In besagtem Wortwechsel erwähnte Mr. Swan, dass seine Tochter völlig den Kontakt zu ihm abgebrochen hätte und auch zu seinem Enkel hätte er keinen Kontakt. Desweiteren erwähnte er in diesem Gespräch, dass der Vater des Kindes, Jacob Black sei.“

„Einspruch, euer Ehren!“, warf Rodrigez ein, „Das sind alles Mutmaßungen und es gibt keinen Beweis, dass dieses Gespräch jemals so stattgefunden hat. Außerdem trägt der Umstand, dass Miss Swan keinen Kontakt zu ihrem Vater hat, nichts zum Sachverhalt bei. Desweiterem hat Miss Swans Vater auch nicht behauptet, seine Tochter hätte die Schwangerschaft verschwiegen. Das ist alles an den Haaren herbeigezogen und beweist nicht die Behauptung von Mr. Black.“

„Stattgegeben! Miss Swan, möchten Sie sich zu diesen Vorwürfen irgendwie äußern?“

„Euer Ehren“, begann ich mit zitternder Stimme, „ich weiß, Sie haben keinen Grund mir mehr zu glauben, als Mr. Black. Doch ich schwöre Ihnen, dass ich nur die Wahrheit sage. Ich habe meine Pflicht erfüllt und alle Möglichkeiten genutzt, um Jacob über die Geburt seines Sohnes in Kenntnis zu setzen. Es kam jedoch nie die geringste Reaktion, bis jetzt. Ich weiß nicht, warum er so plötzliches Interesse an Daniel zeigt und will ihm auch nicht absprechen, dass er sein Verhalten bereut, aber ich schwöre Ihnen, er wusste von dem Kind. Ich habe nicht viel Geld und muss arbeiten, aber ich liebe mein Kind über alles. Nehmen Sie ihn mir nicht weg, nur weil ich mir keine teure Armbanduhr und Designerklamotten leisten kann. Diese Dinge ersetzen nicht die Liebe, die ich für Danny empfinde und ich weiß, dass er zutiefst unglücklich wäre, wenn man ihn mir wegnehmen würde.“

Flehend sah ich den Richter an, der mich prüfend betrachtete. In meinen Worten war die ganze Verzweiflung und Angst herauszuhören, die ich empfand und ich hoffte das Herz des Richters damit rühren zu können. Mrs. Mendelson meldete sich wieder zu Wort.

„Das war ja alles sehr rührig, aber wir sollten nicht das Wichtigste außer Acht lassen. Daniel wächst momentan in einer sozial schwachen Gegend auf, muss jeden Tag kilometerweit durch Seattle fahren, um zu seiner Vorschule zu gelangen. Seine Mutter, die ihn ohne Zweifel sehr liebt- das will hier auch niemand anzweifeln- arbeitet, fast zehn Stunden täglich in einem Schnellrestaurant und kann sich in dieser Zeit nicht persönlich um den Jungen kümmern. Er wird dann meistens von einer gewissen“, sie sah in ihre Unterlagen, „von einer gewissen Barbara Vogelman betreut. Sie ist eine sehr liebenswerte, wenn auch durchgeknallte alte Dame, die erhebliche Herzbeschwerden hat, was die ständigen Besuche bei einem Kardiologen stützen.“

„Einspruch, euer Ehren!“, unterbrach Rodrigez wieder, „Es sind erneute Spekulationen. Mrs. Mendelson verfügt nicht über die nötigen Beweise, um Mrs. Vogelman Herzbeschwerden nachzuweisen. Auch das sind reine Vermutungen und können nicht durch ärztlich beglaubigte Aussagen belegt werden, da dies unter die ärztliche Schweigepflicht fällt.“

„Einspruch stattgegeben! Gerichtsschreiber, bitte streichen Sie die Frage von Mrs. Mendelson aus dem Protokoll. Fahren Sie fort, meine Liebe.“

„Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Mr. Black und seine Frau haben den finanziellen und sozialen Backround, um Daniel ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Mr.Blacks Ehefrau ist den ganzen Tag zu Hause, was nichts anderes bedeutet, als dass er immer ein und dieselbe Bezugsperson um sich hätte. Er würde in einem schönen Haus leben, mit einem weitläufigen Garten, hätte viele andere Kinder in unmittelbarer Umgebung und könnte ein glückliches Leben führen.“

„Danny ist glücklich!“, schrie ich verzweifelt. Sie zog alles in den Dreck. Mein Leben, Dannys Umgebung, als wären wir Menschen zweiter Klasse. „Sie können den Leuten nicht die Kinder wegnehmen, nur weil sie arm sind.“

Jetzt meldete sich auch Jake zu Wort.

„Bella, du darfst nicht nur an dich denken. Danny wäre bei mir und Leah in guten Händen. Wir würden für ihn sorgen und ihn lieben. Er hätte ein wesentlich besseres Leben bei uns, ein Leben, wie du es ihm niemals bieten könntest.“

Das brachte das Fass zum Überlaufen.

„Du verdammter Mistker!“, schrie ich und mein Anwalt musste mich festhalten, damit ich nicht über den Tisch sprang und ihm an seine Gurgel ging. „Die ganzen Jahre hast du dich einen Dreck gekümmert und jetzt kommst du einfach zurück und willst Daddy spielen. Das lasse ich nicht zu, du elender Bastard. Du wirst ihn niemals bekommen, das schwöre ich bei allem was mir heilig ist.“

Der Richter klopfte ein paar Mal mit seinem Hammer kräftig auf den Tisch.

„Ruhe in meinem Amtszimmer!“, übertönte er mich. „Miss Swan, noch ein einziger derartiger Ausbruch und ich lasse Sie für eine Nacht in der Arrestzelle unterbringen. Ich wiederhole mich ungern und möchte Sie darum bitten, die Ruhe zu bewahren.“

Geschlagen sank ich auf meinen Stuhl zurück und war zu keinem klaren Gedanken fähig. Was passierte hier nur? Mit allem hatte ich gerechnet, nur nicht mit solchen Lügen.

„Ich habe genug gehört. Ich vertage die Verhandlung und wir sehen uns in vier Wochen wieder. Miss Swan, Sie haben jetzt die Zeit sich zu überlegen, wie Sie mich davon überzeugen können, dass das Kind bei Ihnen bleiben soll. Nutzen Sie diese Chance! Mr. Black, ich bin durchaus geneigt, Ihnen das Sorgerecht zuzusprechen, aber Miss Swan hat auch recht. Wir können den Leuten nicht die Kinder wegnehmen, nur weil sie finanziell nicht gut gestellt sind. Sie müssen schon mit mehr aufwarten, als mit Geld und schicker Wohngegend. Ein Kind aus seiner gewohnten Umgebung zu reißen ist immer schwierig, vor allem da er sie überhaupt nicht kennt. Ich werde sehr genau darüber nachdenken, was ich tun werde.“

Er machte eine Pause und sah alle der Reihe nach ernst an.#

„Miss Swan!“, wandte er sich dann an mich, „Ich weiß nicht, wem ich glauben soll. Ihnen oder Mr. Black. Beide hätten Sie Gründe die Unwahrheit zu sagen, doch ich muss gestehen, dass es mir schwerfällt zu glauben, dass Mr. Black sich fünf Jahre nicht um sein Kind kümmert und dann aus heiterem Himmel seine Vatergefühle entdeckt. Es ist also durchaus glaubhaft, wenn er behauptet, sie hätten ihm die Existenz des Kindes verschwiegen. Selbst wenn wir dies alles außer Acht lassen, bleibt immer noch die Frage der Betreuung. Ich weiß nicht, ob eine ältere Dame, auf Dauer die richtige ist, um Daniel zu betreuen. Wenn wir uns in vier Wochen wiedersehen, da erwarte ich eine Lösung der Situation, was die Betreuung angeht, außerdem sollten Sie unbedingt ihre Arbeitszeiten reduzieren, da ich mir nicht vorstellen kann, dass Sie Danny oft sehen. Wenn Sie diese Dinge nicht bis zum nächsten Termin zufriedenstellend lösen können, dann muss ich Ihnen leider das Sorgerecht entziehen und es dem leiblichen Vater zusprechen. Meine Damen und Herren, die Sitzung ist geschlossen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

Er nahm seine Unterlagen und verließ zusammen mit dem Gerichtsschreiber das Zimmer. Wie betäubt saß ich auf meinem Stuhl, erschüttert vom Verlauf der Dinge und bekam nicht mal mehr mit, wie Jake seine Anwältin umarmte und lachend mit ihr den Raum verließ.

„Es tut mir leid, Miss Swan“, sagte Rodrigez bekümmert, „Ich hätte nicht gedacht, dass er lügen würde, um zu seinem vermeintlichen Recht zu kommen.“

Ohne ihn anzusehen, stand ich auf, öffnete die Türe, lief den Flur entlang und die Treppen runter, die zum großen Eingangsbereich des Gerichtsgebäudes führten. Mechanisch setzte ich einen Fuß vor den anderen, verließ das Gebäude und machte mich auf zu U-Bahn Station. Automatisch stieg ich in den Wagon und fuhr in den Stadtteil in dem das Diner lag. Als ich ausstieg, war ich nicht mehr weit entfernt und wanderte tränenblind weiter, bis ich an einen harten Männerkörper stieß. Es war George!

„Bella! Was ist mit dir? Was ist denn passiert?“

Der liebevolle Klang seiner Stimme brach alle Dämme in mir.

„Oh George!“, schluchzte ich verzweifelt, „Ich…ich…ka..kann nicht ….mehr.“

Zitternd und bebend schüttelte sich mein Körper und all der Schmerz, der sich in den letzten Wochen in mir angesammelt hatte, bahnte sich seinen Weg nach außen. George legte den Arm um meine Schultern und zog mich fort von den vorbeilaufenden Menschen, die mich merkwürdig ansahen.

„Komm, wir trinken jetzt einen Kaffee und dann erzählst du mir was los ist.“

Wenige Minuten später saßen wir in einer uneinsehbaren Ecke eines Bistros. Er bestellte uns Kaffee und sah mich ernst an, nachdem der Kellner uns versorgt hatte.

„So, jetzt noch mal in Ruhe und von vorne. Was ist passiert, dass du dermaßen die Fassung verlierst.“

Ich erzählte George jede Einzelheit, redete es mir von der Seele und als ich ihm von den Worten des Richters erzählte, brach ich wieder in Tränen aus.

„Was soll ich denn jetzt machen? Ich müsste meinen Job aufgeben, aber wovon soll ich ihn dann ernähren. Auch habe ich niemanden außer Bibi, die sich um ihn kümmern kann. Eine Tagesmutter kann ich nicht bezahlen, selbst mit meinem jetzigen Gehalt nicht. Es ist wie verhext, egal was ich tue, es wird mich nicht weiterbringen. Ich werde Danny verlieren, George und es gibt nichts was ich dagegen tun kann.“

Weinend vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und schluchzte jetzt lautlos. Ein paar Minuten herrschte Stille und keiner sagte etwas. Plötzlich spürte ich Georges Hand auf meinem Arm und ich sah zu ihm auf.

„Es gibt etwas, das du tun kannst, Bella“, sagte er mit fester Stimme.
Ungläubig sah ich ihn an.

„Was sollte es denn geben? Ich sitze in der Zwickmühle und komm da nicht raus. Aber bitte, sag mir was ich übersehen habe.“

„Der Richter will, dass du jemanden hast der sich ständig um Danny kümmert. Wie wäre es denn, wenn du selbst die Person wärst, die ständig um ihn ist. Du müsstest natürlich deinen Job aufgeben, aber ich glaube, das wäre kein großes Opfer für dich, wenn du dafür dein Kind behalten dürftest.“

Kopfschüttelnd sah ich ihn an.

„Ich verstehe nicht!“, sagte ich.

„Bella. Würdest du mir die Ehre erweisen und meine Frau werden?“
Fassungslos starrte ich George an.

„George…!“, sagte ich schwach, „Ich….ich….ich weiß gar nicht, was….was ich dazu sagen soll. Ich…ich meine…es …es ist natürlich sehr schmeichelhaft für mich, aber…“

George unterbrach mich, indem er die Hand hob.

„Bitte Bella, versteh das nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich in dich verliebt wäre, oder so. Ich will dir helfen! Du hast mein Leben auf so positive Weise verändert, völlig uneigennützig und ich will dir etwas davon zurückgeben.“

„Meinst du nicht, dass es ein bisschen übertrieben ist, mir gleich einen Antrag zu machen“, lächelte ich leicht.

„Verstehst du denn nicht? Wenn wir verheiratet sind, dann ist deine Situation der seinen angepasst. Ich verdiene gutes Geld, Bella. Wir Wirtschaftsprüfer sind nicht gerade schlecht bezahlt. Du könntest aufhören zu arbeiten oder zumindest drastisch reduzieren, damit wärst du frei, um dich selbst um Danny zu kümmern. Du verschaffst dir damit Zeit, dir eine passende Lösung für die Zukunft auszudenken und wenn es soweit ist, dann lassen wir uns wieder scheiden. Ganz einfach!“

„Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was ich jetzt sagen soll.“

„Sag einfach ja!“ grinste er, „Wir zeigen diesem Jake, was eine Harke ist und lassen ihn ganz dumm dastehen. Der Richter wird dir Danny keinesfalls mehr wegnehmen. Und mach dir auch keine Sorgen, um die Art unserer Ehe. Ich sehe dich als liebe Freundin und werde dich nicht belästigen. Außerdem gibt es da jemanden, den ich toll finde, aber das muss ich erst noch klären. Also, was sagst du? Abgemacht?“

Voller Dankbarkeit sah ich George an und nahm seine ausgestreckte Hand.

„Abgemacht“, schlug ich ein, „ich werde dich heiraten!“

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