Ich starrte ihn an wie eine übernatürliche Erscheinung, während er grinsend am Türrahmen lehnte, um dann vollends einzutreten.
„Ich dachte schon, du wachst gar nicht mehr auf, Liebes. Du hast dich ganz schön verausgabt gestern.“
Meine Augen weiteten sich ungläubig, als ich in sein selbstzufriedenes Gesicht blickte. Ich zog die Bettdecke enger um meinen Körper und blinzelte verstört. Konnte es wirklich sein, dass wir miteinander geschlafen hatten?
„Soll…soll das heißen, wir…wir ha...haben miteinander geschlafen?“, fragte ich stotternd.
„Aber Bella!“, antwortete er tadelnd, „ Sag bloß, du kannst dich nicht mehr erinnern! Ich bin wirklich enttäuscht. Da verbringen wir eine unglaubliche Liebesnacht zusammen und du weißt nichts mehr davon. War ich so schlecht?“
Er blickte mich gespielt betrübt an und in mir machte sich nackte Panik breit.
„Oh mein Gott, lass mich sterben!“, rief ich jammernd und verkroch mich unter der Bettdecke, um mich wie ein Embryo zusammenzurollen.
Ich spürte einen Finger, der mich an der Schulter stupste.
„Willst du nicht wieder rauskommen? Das ist doch albern, Bella!“, sagte er amüsiert.
„Geh weg!“, antwortete ich, meine Stimme durch die Laken gedämpft, „Ich mag nicht mit dir reden.“
Er fing an zu kichern, während er versuchte mir das Laken vom Kopf zu ziehen.
„Bella, komm da raus, oder ich schwöre dir, ich schmeiße dich mit samt der Bettdecke in den Whirlpool“, drohte er.
Ich spitzelte ein kleines Stück aus der Decke hervor, aber wirklich nur ein kleines Stück.
„Du hast einen Whirlpool?“, fragte ich neugierig.
Er grinste jungenhaft.
„Willst du ihn ausprobieren?“, lockte er.
„Vergiss es!“
Prüfend sah ich ihn an.
„Haben wir wirklich…?“, ich beendete den Satz nicht, er wusste auch so, was ich sagen wollte.
„Liebes, ein Gentleman genießt und schweigt!“, sagte er süffisant.
„Du bist kein Gentleman!“, schoss ich sofort zurück.
„Autsch!“, sagte er und verzog das Gesicht, als hätte er schmerzen, „ Das hat weh getan, Liebes!“
„Hör auf, mich ständig „ Liebes“ zu nennen!“, schnappte ich wütend und massierte mir die pochende Schläfe.
Der Schmerz in meinem armen Kopf steigerte sich von Sekunde zu Sekunde mehr und seine Andeutung, wir hätten letzte Nacht Sex gehabt, machte es nicht besser. Ein plötzlicher Geistesblitz ließ mich entsetzt aufkeuchen.
„Edward! Hast… hast du was benutzt?“, fragte ich panisch.
Etwas indigniert sah er mich an.
„Ich habe keine ansteckende Krankheit, Bella. Du kannst ganz beruhigt sein.“
„Darum geht es doch gar nicht!“, schrie ich ihn an. Um sofort gepeinigt zusammenzuzucken. Notiz an mich selbst! Niemals brüllen, mit etlichen Whisky intus.
„Ich nehme die Pille nicht, du Dödel. Ich könnte jetzt schwanger sein.“
„Mir hat es besser gefallen, als du mich „Augenweide“ genannt hast“, meinte er seelenruhig.
Wie konnte er nur so dasitzen, als wäre nichts passiert, wenn immerhin die Chance bestand, dass ich schwanger…Halt! Stopp! Es war gar nichts passiert, wurde mir klar. Dieser Kerl nahm mich auf den Arm und machte sich lustig über mich. Er wäre niemals so ruhig geblieben, bei so einer Eröffnung, wenn tatsächlich was gelaufen wäre. Ich raffte das Bettlaken so eng es ging um meinen Körper und stand auf, bemüht, ihn so wenig Haut wie möglich sehen zu lassen.
„Oh, du Schuft!“, wütete ich, „ Es ist gar nichts passiert, nicht wahr? Wie kannst du mich so auflaufen lassen?“
Schwankend stand ich vor ihm, weil sich mein Fuß in der Decke verfing und ich fiel wie ein nasser Sack um. Diese verdammte Tollpatschigkeit! Musste sie ausgerechnet jetzt wieder zurückkommen. Wütend und völlig in der Decke verfangen, lag ich auf dem Bett und versuchte mich so würdevoll wie möglich wieder aufzurichten. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, weil der seidige Stoff förmlich auf meiner nackten Haut klebte. Er musste jede Kurve meines Körpers erahnen können, da das weiche Gewebe mich wie eine zweite Haut umgab und es war mir unendlich peinlich, dass er mich so sehen konnte. Sicher, er hatte seine Hände und Lippen schon fast überall auf meinem Körper, aber da war es immer Nacht und in irgendeiner Weise abgedunkelt. Jetzt im gleißenden Licht der Morgen- oder war es schon die Mittagssonne, war es etwas völlig anderes.
Ich spürte wie sich die Matratze unter seinem zusätzlichen Gewicht senkte, als er sich zu mir setzte und sich ein schlankes Bein von mir schnappte. Das erste Mal in meinem Leben, war ich froh darüber, dass ich mich alle paar Wochen von einem Kosmetikstudio wachsen ließ, denn so waren meine Beine seidenglatt. Nicht, dass ich mir das wirklich leisten konnte. Aber die Besitzerin des Studios war ein Stammgast vom Diner und als wir einmal ins Gespräch kamen, fragte sie mich, ob ich mich nicht alle paar Wochen, für ihre Schülerinnen zur Verfügung stellen wolle. So ergab es sich, dass ich in den Genuss von kosmetischen Behandlungen kam, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen. Das Ergebnis hielt er gerade in seinen wahnsinnig, aufregenden Händen, die unablässig über meine seidenweiche Haut strichen.
„Lass mich los!“, bat ich mit schwacher Stimme. Seine streichelnden Hände verursachten erregende Schauer auf meiner Haut und ich verspürte schon wieder dieses zarte Pochen zwischen meinen Beinen. Schnell entzog ich ihm meinen Fuß wieder und wich zurück, soweit es in dem Bett eben ging.
Er seufzte und fuhr sich durch sein ohnehin schon total verwuscheltes Haar. Dieser Mann sah einfach immer göttlich aus, egal, zu welcher Tageszeit und es war wirklich unfair vom lieben Gott, so ein Prachtexemplar auf die Weiblichkeit loszulassen! Edward stand auf und ging zur großen Fensterfront, von der aus man einen wundervollen Blick auf ganz Seattle hatte. Er drehte sich so, dass er einen guten Blick auf mich hatte und grinste leicht, doch es erreichte seine Augen nicht und wirkte leicht gequält.
„Weißt du, dass du richtig niedlich bist, wenn du schläfst? Du rümpfst immer die Nase so entzückend und ich könnte dir stundenlang zusehen.“
„Du hast mir beim schlafen zugesehen?“, fragte ich etwas ungläubig, „Edward, du bist verdammt nah dran als Stalker durchzugehen, ist dir das klar?“
Er grinste wieder, wortlos.
Seufzend fuhr ich mir durch mein völlig zerzaustes Haar: Was für einen Anblick musste ich jetzt wohl bieten? Völlig verkatert, mit verschmiertem Make-up, totenbleich und nicht geduscht. Wenn ihn das nicht von seiner Obsession mir gegenüber heilte, dann wusste ich auch nicht. Etwas verlegen blinzelte ich zu ihm rüber und merkte, dass er mich interessiert beobachtete. Als wäre ich eine Ratte in einem Versuchslabor, die gefangen gehalten wurde, um ihre Verhaltensmuster zu ergründen. War ich das für ihn? Ein Experiment!
„Hättest du vielleicht die Güte und sagst mir, wie ich überhaupt hierhergekommen bin? Ich habe ehrlich gesagt einen totalen Filmriss und keinen Schimmer mehr was passiert ist“, bat ich ihn eindringlich.
Er stemmte sich vom Fenster weg und ging mit geschmeidigen Bewegungen in die Mitte des Raumes.
„Tja, wo soll ich anfangen! Du hast mit dieser alten Fregatte Brüderschaft getrunken, genau wie deine Freundinnen, dann habt ihr ordentlich gebechert, bis die alte Dame fast vom Barhocker gerutscht ist. Sie wurde noch rechtzeitig von einem zufällig vorbeilaufenden Mann aufgefangen, den sie prompt mit ihrer Handtasche verprügelte, weil sie dachte, er schmeißt sich an sie ran. Du hast ihr geholfen und ihn beschimpft, er solle sich gefälligst eine Frau in seinem Alter suchen“, prustete er sichtlich belustigt, „ Es war ein Anblick für Götter und ich habe selten so gelacht. Dann ist plötzlich Jasper aufgetaucht, mit diesem George im Schlepptau. Der hatte ein Einsehen und hat sich seiner Mutter angenommen, während du fröhlich deinen nächsten Drink bestellt hast.“
Entsetzt sah ich ihn an, in der Hoffnung, dass er sich das alles aus den Fingern sog, doch sein Gesicht zeigte, dass er diesmal die Wahrheit sagte. Lieber Himmel, da hatte ich mich aber ganz schön blamiert! Hoffentlich war es das gewesen. Doch sein immer breiter werdendes Lächeln, ließ vermuten, dass es erst der Anfang war. Er kam näher, setzte sich wieder zu mir aufs Bett und das diabolische Grinsen verstärkte sich.
„Alice wurde von Jasper gepackt, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und sie hat für alle gut hörbar verkündet, dass er ihre große Liebe ist und sie um ihn kämpfen würde. Seine Freundin, mit der er sich wieder versöhnt hatte, war nicht sehr erfreut und ist abgerauscht, was meiner Meinung nach kein großer Verlust war. Ich habe nie verstanden, was, außer den großen Silikonbrüsten, so interessant an ihr sein sollte. Jasper hat übers ganze Gesicht gegrinst und Alice über seine Schultern geworfen. Das hätte er allerdings lieber unterlassen , weil ihr ganzer Mageninhalt auf seinem Rücken gelandet ist.“
„Heilige Maria!“, rief ich, „Sie hat ihn vollgekotzt! Wie konnte sie nur, das wird ihr bis ans Lebensende peinlich sein. Arme Alice!“
„Arme Bella!“, sagte er und beugte sich näher zu mir, „Soll ich dir verraten, was du angestellt hast?“
Ich schüttelte nur den Kopf und wich vor ihm zurück. Er kam mir nach, stütze die Hände auf dem Bett ab und robbte sich Stück für Stück zu mir. Seine Augen verdunkelten sich lustvoll und nach wenigen Sekunden war das Bett zu Ende und ich konnte keinen Millimeter mehr zurückweichen. Er war direkt über mir und verschränkte seine Hände mit meinen, ragte groß und mächtig über mir auf. Ich schluckte, weil es erregend und bedrängend zugleich war. Ich startete mit letzter Kraft einen Versuch ihn abzulenken.
„Was hast du mit Jessica gemacht? Sie scheint nicht hier zu sein, ich weiß aber durchaus noch, dass sie im Club aufgetaucht ist.“
Sein Blick wurde grimmig und er drängte seine Hüften an meine, was eine unmittelbare Wirkung auf meinen heißen Schoß hatte.
„Ich habe sie relativ schnell nach Hause komplimentiert. Es war nicht ausgemacht, dass sie kommt und ich hasse Überraschungen!“, sagte er ungnädig.
Seine Hand legte sich auf meine Wange, lag warm und weich auf meiner Haut, glitt vorsichtig, fast schon tastend über meinen Kiefer zu meinem Hals, um schließlich die zarte Haut an meinem Schlüsselbein zu liebkosen.
„Du bist so wunderschön!“, wisperte er erregt und rieb sich sachte an meinem Unterleib.
Ich wollte ihn, ich wollte ihn wirklich, aber es war ganz und gar nicht richtig. Aber konnte ich jetzt aufhören? Seit Wochen schlichen wir umeinander herum, machten uns gegenseitig wahnsinnig, reizten uns bis aufs Blut. Wie viel konnte er noch ertragen, bevor er alle Hemmungen fallen ließ und sich einfach nahm, was er wollte. Mir war durchaus bewusst, dass es nur sein Wille war, der mich bisher vor einer Affäre bewahrte. Meinen Körper hätte er schon längst haben können, das wussten wir beide, da er mich viel zu stark erregen konnte. Wenn er alle Skrupel fahren ließ und ein „Nein“ ignorierte, würde er mir innerhalb kürzester Zeit ein „Ja“ abringen. Das wäre das kleinste Problem für ihn. Doch Edward wollte nicht meinen Körper erobern, sondern meinen Willen brechen, wollte, dass ich freiwillig zu ihm kam und ihn darum anbettelte, mit mir zu schlafen.
„Warum gibst du nicht auf?“, fragte ich leise und genoss sein Gewicht auf meinem Körper. Warum fühlte sich etwas, das nicht sein durfte, so richtig an?
„Ich kann nicht aufgeben, Isabella! Ich bin wie besessen von dir, kann an nichts anderes denken, Noch nie bin ich einer Frau so hinterher gestiegen wie dir und es ist jetzt keine Frage vom Wollen mehr, sondern ein Muss!“, erwiderte er, „Ich will dich!“, sagte er eindringlich.
Zart küsste er meine Mundwinkel und verharrte über meinen Lippen. Ich spürte seinen köstlichen Atem, seine Wärme, die auf mich überging und meinen Körper zum Brennen brachte. Seine Worte berührten mich gegen meinen Willen. Es schien fast so, als hätte er keinen Einfluss mehr auf seine Handlungen, als wäre die Jagd auf mich eine Notwendigkeit. Wir gierten beide nacheinander, aber was würde passieren, wenn es vorbei war, wenn er genug von mir hatte. Ich empfand jetzt schon zu viel für ihn und würde daran zerbrechen. Ich schwor mir, von jetzt an keine Spielchen mehr zu spielen, denn es war weder mir noch ihm gegenüber fair. Sanft schob ich ihn von mir weg.
„Kann ich deine Dusche benutzen, ich fühle mich nicht sehr wohl?“
Er wirkte frustriert, weil er nicht zu seinem Kuss kam, aber er rollte sich dennoch von mir runter.
„Ich habe dir von meiner Sekretärin ein paar Sachen besorgen lassen. Ich hoffe die Größe stimmt“, sagte er unvermittelt.
„Wo ist denn mein Kleid?“
„Du bist deiner Freundin gestern etwas zu nahe gekommen, als sie ihren Mageninhalt auf Jasper entleert hat. Dein Kleid hat ganz schön was abbekommen und ich habe es in die Reinigung bringen lassen.“
„Du hast mich mit vollgekotztem Kleid in deinem Auto mitgenommen?“ Das fand ich jetzt irgendwie süß.
Er räusperte sich und sah mich merkwürdig an.
„Ich warte in der Küche auf dich, dann kannst du mir alle Fragen stellen, die dir unter den Nägeln brennen. Ich sehe dir förmlich an, wie du dir in deinem hübschen Köpfchen allerlei Blödsinn zusammenreimst, was gestern Abend angeht.“
Beleidigt sah ich ihn an. War es denn ein Wunder, wenn ich misstrauisch war? Was sollte ich denn denken, wenn ich nackt in seinem Bett erwachte. Dass wir brav zusammen eine fromme Hymne sangen!
Er verließ das Schlafzimmer und ich rappelte mich auf, um die nächstgelegene Tür zu öffnen. Das Bad verschlug mir förmlich den Atem. Es war riesengroß und statt einem Fenster, handelte es sich auch hier um eine komplette Glasfront, die den Blick auf Seattle freigab. Er musste in einer Penthousewohnung leben, denn ich befand mich hoch über der Stadt. Auf einer Art Podest stand eine überdimensionale Badewanne, in der locker zwei Personen Platz fanden. Ob er hier mit Jessica zusammen badete? Neid erfüllte mich bei dem Gedanken, dass er sie hier verwöhnte. Ich verdrängte dieses Gefühl sofort wieder und stieg in die gläserne Dusche. Das warme Wasser prasselte auf meinen Körper, wusch mir den Schaum von der feuchten Haut. Ich genoss es, wie sich meine Muskeln entspannten, wie meine Nase sich mit dem frischen, sauberen Duft des Duschgels füllte. Als ich aus der Kabine stieg, fühlte ich mich wie neugeboren und griff nach dem flauschigen Badetuch, welches schon bereitstand.
Ein Keuchen ließ mich aufblicken und ich ließ vor Schreck das Badetuch fallen, weil Edward, mit Kleidungsstücken beladen mitten im Raum stand. Sein Blick wanderte über meinen nackten, feuchtglänzenden Körper, prägte sich jede Linie ein. Langsam kam er auf mich zu, bis er direkt vor mir stand.
Oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott, mein Herz hämmerte wie rasend, mein Atem beschleunigte sich und die Hitze an meinen Wangen verriet mir mein Erröten. Hastig bückte ich mich nach dem Handtuch und band es mir ungeschickt um meinen Körper. Als meine Hände wieder frei waren, nahm ich ihm die Kleidungsstücke ab und hielt sie mir wie ein Schutzschild vor die Brust.
„Danke!“, brachte ich heraus.
Er ging rückwärts zur Tür, biss sich dabei auf die volle Unterlippe und ein leichtes Lächeln lag auf seinem attraktiven Gesicht. Das Glühen in seinen Augen ließ keine Sekunde lang nach, machte mich trunken vor Anstrengung ihm nicht sofort in die Arme zu fallen.
„Jederzeit wieder!“, hauchte er und verließ das Badezimmer.
Jetzt erst wurde mir seine unglaubliche Präsenz bewusst, wenn er sich in einem Raum mit mir befand, denn das Badezimmer wirkte fast doppelt so groß, ohne seine Anwesenheit. Noch nie war mir so ein unglaublicher Mann begegnet. Seine Aura war überwältigend und diese Boshaftigkeit, die in ihm wohnte, machte ihn wahrscheinlich nur noch aufregender. Frauen standen wohl wirklich auf böse Jungs! Er war nicht gut für mich, machte aus mir eine Frau die ich nicht sein wollte und doch konnte ich mich ihm nicht entziehen. Ständig provozierte ich ihn, als ob ich nur darauf hoffte, dass er irgendwann die Kontrolle verlor. So konnte ich mich ihm hingeben, ohne meinen Stolz zu verlieren. Doch es war dumm so zu denken! Er würde die Beherrschung nie verlieren und ich würde genauso wenig nachgeben. Es wurde Zeit, endlich Klartext zu sprechen!
Schnell schlüpfte ich in die Unterwäsche, es war reine Seide, in die Hose, um dann schlussendlich die Bluse anzuziehen. Noch nie trug ich so edle Kleidung und ein Blick auf das Label der Hose ließ mich kurz aufquieken. Sie war von Valentino! Ich traute mich gar nicht mehr nachzuschauen, von wem der Rest war und mein Vorsatz, die Sachen zu Hause zu waschen, verlor sich augenblicklich. Diese Kleidungsstücke musste ich wohl oder übel in eine Reinigung bringen. Nicht auszudenken, wenn sie aus Versehen eingingen, sowas passierte mir ständig. Auch meine rosa Unterwäsche, die wohlgehütet in der Kommode neben dem Schlafzimmerschrank ruhte, war ein Zufallsprodukt und früher mal weiß. Unwillig zog ich den eleganten Gürtel durch die engen Schlaufen der Hose. Das würde mich ein Vermögen kosten! Edward Cullen strapazierte nicht nur meine Nerven, sondern auch meinen Geldbeutel. Ich straffte die Schultern, strich mir glättend über die Haare und machte mich auf den Weg zu Edward.
Ich verließ das Bad, lief durch das Schlafzimmer durch Tür und drückte die Klinke hinunter. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen, ging durch einen sehr modernen Flur und stand schließlich in seinem Wohnzimmer (1). Jetzt blieb mir wirklich die Spucke weg. Es war so…so….so….Edward!
Auch hier war das Beeindruckendste die große Fensterfront. Davor stand ein moderner Tisch, der ein Teil der Wohn-Essküche war, die supermodern und völlig unbenutzt wirkte. Das Wohnzimmer selbst war puristisch und durch und durch männlich eingerichtet. Ein dunkler Parkettboden bildete die Grundlage. Das schwarze Ledersofa, mitsamt Ledersessel, befand sich vor einer Holzwand, in die ein großer Flachbildschirm eingelassen worden war. Flankiert wurde dieser von schwarzlackierten Hochglanzschränken die nebendran angebracht wurden. Alles in allem, war es trotz der unpersönliche Note die diese Möbel ausstrahlten, sehr ansprechend und toll anzuschauen.
„Gefällt dir meine Wohnung?“
Ich drehte mich zu ihm um.
„Es ist wirklich sehr schön“, flüsterte ich etwas schüchtern und strich mir verlegen eine Haarsträhne hinters Ohr. Ich war jetzt doch ein wenig eingeschüchtert, durch so viel Luxus und mir wurde klar, wie reich er sein musste, um sich so eine Wohnung leisten zu können.
„Ich wollte dir danken, dass du mich gestern Abend aufgesammelt hast. Ich denke, das war das letzte Mal, dass ich Alkohol getrunken habe, denn er bekommt mir überhaupt nicht. Vergiss alles was ich möglicherweise zu dir gesagt oder getan habe. Ich war nicht ganz bei mir.“
„Ich fand dich ehrlich gesagt ziemlich bemerkenswert und werde das sicher nicht so schnell vergessen!“, grinste er, „Möchtest du was essen?“
„Nein, bloß nichts essen“, erwiderte ich und verzog angeekelt den Mund, „ ich möchte jetzt einfach nur nach Hause. Danke für die Kleidung! Ich bringe dir die Sachen gereinigt zurück, das verspreche ich dir.“
„Das brauchst du nicht. Es ist ein Geschenk!“
„Hat deine Verlobte nichts dagegen, wenn du anderen Frauen solche Geschenke machst?“, wollte ich wissen. Ich dachte ja nicht im Traum daran, die Sachen anzunehmen.
„Jessica hat mit uns beiden nichts zu tun!“, meinte er verbissen, „Sie ist eine ganz andere Baustelle.“
Bitter verzog ich den Mund, während ich mich langsam aufmachte die Wohnung zu verlassen.
„Eine andere Baustelle?“, sagte ich fragend, „Wie unterteilst du das? Ist sie der Luxusschuppen für die tägliche Bequemlichkeit und ich das Ghetto, wenn dich die Abenteuerlust packt. Ich sage dir nur eines, Edward. Das alles hier ist durchaus beeindruckend und wunderschön, doch trotzdem bist du nicht glücklich und zufrieden. Du hast solche Langeweile, dass du einer Frau hinterherjagst, die niemals deine Ansprüche erfüllen kann, einfach um deinen Spaß zu haben. Ich habe eine Weile mitgespielt, weil ich es aufregend fand, doch damit ist jetzt Schluss. Du musst dich jetzt allein auf dem Spielfeld vergnügen. Ich kann nicht verhindern, dass wir uns sehen, da du jetzt mein Vorgesetzter bist, aber ich kann versuchen, nicht auf deine Spiele einzugehen. Gib auf, Edward! Lass mir meinen Seelenfrieden, ich bitte dich.“
Sein Mund verhärtete sich, sein Adamsapfel hüpfte beim Schlucken unkontrolliert auf und ab, als er zur Antwort ansetzte.
„Wie kann ich dir deinen Seelenfrieden lassen, wenn du mir meinen seit der ersten Sekunde raubst. Ich werde keine Ruhe haben, bis ich dich endlich besitze, Liebes. Du kannst betteln solange du willst, die einzige Möglichkeit mich loszuwerden, ist, mir nachzugeben.“
Traurig sah ich ihn an.
„Dann werden wir weiterhin beide schlaflose Nächte haben. Auf Wiedersehen, Edward!“
Ich verließ seine Wohnung und verspürte eine Leere in mir, wie es seit Jakes Vertrauensbruch nicht mehr der Fall war.
(1) Wohnzimmer von Edward

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen