1 Jahr später
Ich beugte mich über das Waschbecken und spuckte die Zahnpasta aus. Aus dem goldenen Hahn unter mir, lief das Wasser und ich fing mit dem Mund einen Teil des Strahls auf, um den Rest auszuspülen. Als ich mich wieder aufrichtete, sah ich im Spiegel Edwards grinsendes Gesicht, der mich ziemlich belustigt beobachtete.
„Mrs. Cullen, noch nie was von Zahnputzbechern gehört?“, neckte er mich und verschränkte die Arme vor der nackten Brust. Er trug nur eine sehr knappe, an den Hüften sitzende Pyjamahose, seine Haare standen ihm wirr vom Kopf ab und sein Bartschatten vom Tag, verdunkelte sein Gesicht. Die grünen Augen strahlten mich funkelnd und herausfordernd an und wie immer, wenn ich ihn ansah, beschleunigte sich mein Puls. Edward sah höllisch sexy aus.
„Liebling, du weißt doch, dass ich nie eine feine Lady sein werde“, grinste ich zurück und versuchte so zu überspielen, wie sehr sein Anblick mich anmachte. Manchmal fand ich seine Wirkung auf mich, geradezu erschreckend und beruhigend zugleich. Sie war noch immer die gleiche und somit war die Anziehung, die er auf mich ausübte, eine wichtige Konstante in meinem Leben. Aber es bedeutete auch, ich würde nie mehr in der Lage sein, ohne ihn zu leben, nicht nach den wundervollen Monaten, die wir zusammen verbracht hatten.
Dannys Adoption war reibungslos über die Bühne gegangen und er war jetzt ganz offiziell Edwards Sohn. Das hatte in der Öffentlichkeit für massenhaft Spekulationen gesorgt und viele hatten nachgefragt, ob Danny wirklich sein Sohn sei. Ich konnte mich noch gut an das dumme Gesicht eines Reportes erinnern, als Edward ihm daraufhin todernst geantwortet hatte:
„Natürlich ist er das! Was haben Sie denn gedacht?“
Mit dieser Aussage waren alle Klatschmäuler gestopft und mein Glück vollkommen. Er kümmerte sich so liebevoll um ihn, unternahm all die Dinge mit ihm, die Väter eben mit ihren Söhnen machten. Angeln, Fußball spielen und er brachte ihm das Klavierspielen bei. An einem richtigen Flügel, der in einem separaten Raum in unserem Haus stand. Die Übungen machte Danny dann auf seinem Keyboard, das ich ihm zu Weihnachten geschenkt hatte. Überraschenderweise erwies sich Danny als recht talentiert und er hatte einen Heidenspaß mit Edward. Oft hörte ich ihr Gelächter aus dem Klavierzimmer und das Geklimper, wenn sie anfingen rumzublödeln, anstatt richtig zu spielen.
Dannys richtige Einschulung war eines weiteres Highlights in unserem Familienleben. Nie würde ich sein überglückliches kleines Gesicht vergessen, als er zu uns allen im Publikum sah. Jeder war gekommen, um ihn bei diesem ganz besonderen Tag zur Seite zu stehen. Edward und ich, Emmett und Rose, Esme und Carlisle, und natürlich durften auch Bibi und Benton nicht dabei fehlen. Wir saßen allesamt als Zuschauer im Raum und platzten fast vor Stolz, wie die anderen Familien auch. Doch in den Augen meines Sohnes, sah ich einen Glanz, den ich bei den anderen Kindern vermisste. Sie hatten fast alle von Geburt an das Glück von beiden Elternteilen aufgezogen zu werden und wie vieles im Leben war das selbstverständlich. Für meinen Sohn nicht. Er hatte schon früh auf einige Dinge verzichten müssen und dann zu beobachten, wie er vor Glück fast platzte, hatte mir die Tränen in die Augen getrieben. Ich hatte geheult wie ein Schlosshund und Edward hatte mich getröstet. Beim anschließenden Familienessen saß Danny dann zwischen uns beiden und bewegte sich keinen Millimeter weg. Er war genau dort, wo er sein wollte und glücklich damit. Edward und Danny wuchsen immer mehr zusammen und gerade jetzt wurde mir noch mal mit aller Deutlichkeit bewusst, wie viel Glück Danny und ich hatten.
Ich heftete meinen Blick auf ihn, während er immer näher kam und seine Augen liebevoll über meinen Körper glitten. Ich trug einen knappen, aber einfachen weißen Baumwollslip und ein Unterhemd von ihm. Er selber trug sie nie, weil er es einengend fand, aber ich liebte es, in den Dingern zu schlafen, weil sie einfach schön bequem waren.
„Du siehst süß aus, Mrs. Cullen!“
Er hatte wieder diesen bestimmten Tonfall in der Stimme und mir wurde warm.
„Findest du?“
Natürlich fischte ich nach Komplimenten und er tat mir den Gefallen. Edward setzte einen Fuß vor den anderen und drängte mich an den Rand des Waschbeckens. Seine Hände legten sich an meine Taille und strichen meine Seiten rauf und runter.
„Das weißt du doch, Liebes“, flüsterte er leise und senkte seinen Mund auf meine wartenden Lippen. Jedes Mal wenn Edward mich küsste, fühlte ich mich so geborgen und so geliebt. Es war einfach unbeschreiblich schön. Warm und weich bewegten sich seine Lippen über meine und seine Zunge drängte sich vorsichtig und sanft in meinen Mund hinein. Der erste Kontakt mit ihr, ließ mich förmlich explodieren und mit einem sanften Stöhnen schlang ich ihm die Arme um seinen Hals. Ich liebte ihn so sehr, und die Gefühle für ihn wurden scheinbar täglich stärker und wurden mir von ihm im gleichen Maße wiedergegeben. Meine nackten Füße berührten kaum noch den Fliesenboden, schon gar nicht, als Edwards Griff um meine Taille fester wurde, um mir den nötigen Halt zu geben.
Der Kuss wurde schnell leidenschaftlicher und ich spürte seine rauen, warmen Hände, wie sie vorsichtig unter den Saum seines Unterhemdes glitten. Sie legten sich auf meine Brüste und strichen in gleichmäßigem Rhythmus über meine harten Brustwarzen. Keuchend löste ich meinen Mund von seinem und legte die Stirn unterhalb seines Halses ab. Ich konzentrierte mich ganz auf das unglaubliche Gefühl seiner Fingerspitzen, die zärtlich meine Knospen streichelten und drückten, während sein stetig heftiger werdender Atem an mein Ohr drang. Er genoss das mindestens so sehr wie ich, auch wenn ich diejenige war, die berührt wurde und nicht er. Er brauchte nie lange, um mich zu erregen und ich spürte schon die erste Feuchtigkeit, die sich zwischen meinen Schenkeln bildete. Edward ging dazu über, meinen Busen jetzt etwas fester anzupacken und ich biss mir in stiller Qual auf die Lippe.
„Ich liebe deine Brüste, Liebes!“, hauchte er mir ins Ohr. „Sie sind so unglaublich weich und trotzdem so fest.“ Er küsste mein Ohr. „Zieh das Hemd hoch! Ich will dich sehen.“
Meine Hände zogen ohne Zögern das Hemd über meinen Kopf und ich stand nur noch im Slip vor Edward. Er heftete sofort seinen Mund auf die Hügel und küsste meine helle Haut. Edward benutzte seine Lippen, seine Zunge, seine Finger, schabte mit seiner unrasierten Wange an der empfindlichen Haut entlang, bis sich eine leichte Röte darauf bildete. Ich schüttelte mich heftig, weil dieses süße Gefühl in mir kaum zu ertragen war, es bündelte sich in einem heftigen Ziehen in meinem Unterleib und verlangte nach Befriedigung. Es war fast schon schmerzhaft und doch sehnte ich mich nach mehr. Ich wollte ihm ganz gehören und ihn tief in mir haben. Sofort.
„Dreh dich um“, befahl er mir leise und ich tat was er wollte. Ohne Zögern und voller Erwartung. Es war spät, Danny schlief schon längst und keiner würde uns stören.
Ich sah mein erregtes, erhitztes Gesicht im Spiegel. Edward ragte hinter mir auf, seine eigenen Züge lustverzerrt und ich konnte sein hartes Glied an meiner Rückseite fühlen. Er war vollständig erregt und bereit in mich einzudringen, nur ein winziges Stück Stoff trennte mich von dem wundervollen Gefühl, wenn er sich hart in mir bewegte. Sein Arm schlang sich von hinten um meinen Bauch, um mir erneut Halt zu geben und in diesem Moment fiel mein Blick auf meine Anti-Baby-Pillen, die ich noch nehmen musste.
„Warte, Edward!“, bat ich ihn leise und griff danach. Doch seine Hand legte sich sanft um mein Handgelenk und hielt mich davon ab.
„Nicht…..“
Mein überraschter Blick traf seinen im Spiegel. Ich konnte nichts als Liebe, Zärtlichkeit und Lust in seinem Blick erkennen.
„Edward?“
Sein Name von meinen Lippen war eine einzige Frage. Er lächelte sanft.
„Nimm sie nicht, Liebes. Lass uns ein Baby machen.“
Er schaffte es immer wieder, mich zu überraschen. In diesem letzten Jahr, hatte er mir derart viele verschiedene Seiten seiner Persönlichkeit gezeigt. Wir lernten uns so langsam richtig kennen und immer wieder gab es etwas Neues am anderen. Es war aufregend, nervenaufreibend und manchmal auch frustrierend. Edward war nach wie vor stur und trieb mich hin und wieder mit seiner Arroganz in den Wahnsinn. Doch die war ein Teil von ihm und er hatte sie zum Größenteil abgelegt. Zumindest mir gegenüber. Er behandelte mich liebevoll und ließ mir meinen Freiraum als Persönlichkeit, weil ich nicht nur „Edward Cullens Ehefrau“ sein wollte. Die Babyfrage war eigentlich nie ein großes Thema gewesen. Zwar hatte mir seine Bemerkung in Esmes Strandhaus gezeigt, dass er durchaus an leibliche Kinder dachte, aber darüber hinaus, waren wir nicht mehr näher auf dieses Thema eingegangen. Er hatte sich auf Danny konzentriert und versuchte eine echte Vater-Sohn-Beziehung zu ihm aufzubauen.
Es klappte überraschend gut, und nach anfänglichen Schwierigkeiten, war er sogar in der Lage, Dannys bittenden Augen zu widerstehen und auch mal „Nein“ zu sagen. Aber es war ein langer Weg dahin gewesen und hatte so manchen Krach bei uns zur Folge gehabt, weil die beiden bisweilen zusammenhielten wie Pech und Schwefel. Wir waren einander aber nie lange böse, denn einer von uns kroch immer zu Kreuze und bat um Verzeihung. Wir schenkten uns da beide nichts, weder im Negativen noch im positiven Sinne. Doch trotz der sich immer stärker entwickelnden Vatergefühle auf seiner Seite, hatte ich noch nicht daran geglaubt, dass er so schnell ein weiteres wollte. Mit mir. Ich hätte platzen können vor Glück, weil ich mir insgeheim schon lange ein Baby von ihm wünschte, ihm und Danny aber die notwendige Zeit zusammen geben wollte. Aber jetzt…
„Bist du sicher?“ Meine Stimme bebte.
Er lächelte.
„Danny hat mich neulich gefragt, wann er denn endlich einen Bruder oder eine Schwester bekommt. Er wird sonst zu alt dafür“, erzählte er mir grinsend.
Ein befreites Lachen brach aus mir heraus und ich schüttelte kichernd den Kopf, ehe ich wieder ruhig wurde und ihn prüfend betrachtete. Gott, ich liebte ihn so sehr………..
„Und du willst ihm seinen Wunsch erfüllen?“, fragte ich zärtlich.
Er nahm mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich sanft auf die Nasenspitze.
„Willst du denn keins?“
„Doch….doch natürlich, Edward“, hauchte ich. „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als unser Baby zu bekommen.“
Edward sah auf das Päckchen mit den Pillen und griff danach.
„Ich denke, wir brauchen die nicht mehr“, sagte er bestimmt und ließ es in den Mülleimer segeln. Danach hob er mich einfach auf die Arme und trug mich in unser Schlafzimmer. Wir sanken zusammen auf unser Bett und küssten uns zärtlich, ließen unsere Hände über die Haut des anderes streicheln. Alles geschah langsam und ohne Eile. Wir wollten es genießen einander in den Armen zu liegen und uns mit Küssen und Berührungen zu verwöhnen. Die Liebe in seinen Augen steigerte meine Erregung noch mehr und wir waren bald nur noch ineinander verschlungene Hände, Lippen und Körper, die sich gegenseitig zum Orgasmus schaukelten. Danach lagen wir noch lange wach und sahen uns glücklich in die Augen.
„Ich liebe dich, Bella“, flüsterte er mir zu. „Du bist das größte Glück, das ich je erfahren durfte. Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass er dich in mein Leben gebracht hat.“
Tränen der Rührung standen in meinen Augen, weil seine Worte haargenau meine Empfindungen widerspiegelten.
„Ich liebe dich auch, Edward. Du hast mir gezeigt, wie schön Liebe und Vertrauen sein kann und es tut mir leid, dass ich an dir gezweifelt habe. Ich habe mir nur so schwer getan, als Tanya wieder aufgetaucht ist.“
Ich konnte mehr spüren, als sehen, wie er den Arm ausstreckte und die Nachttischlampe einschaltete. Warmes Licht verlieh dem Raum eine gemütliche und gedeckte Atmosphäre und ich kuschelte mich tiefer in seine Arme.
„Hast du noch was von Tanya gehört?“
Die Frage kam mir locker über die Lippen, es tat jetzt nicht mehr weh, über sie zu sprechen. Seine ehemalige Verlobte war schon lange keine Gefahr mehr für unsere Ehe, war es im Grunde auch nie gewesen.
„James hat ihrer Bitte nachgegeben und sie in eine Zweigstelle seiner Firma in Mexico versetzt.“
Überrascht sah ich hoch.
„Mexico? Zu Irina?“
Edward schüttelte verneinend den Kopf.
„Nein, anscheinend nicht. Das Thema scheint für sie erledigt zu sein. James hat mir erzählt, sie wollte wieder zurück in ihre vertraute Umgebung. Immerhin hat sie die letzten Jahre dort verbracht und sich auch einen Freundeskreis aufgebaut. Da sie sich dank James, jetzt selbst versorgen kann, hat sich wohl stark genug gefühlt, um hier alle Brücken abzubrechen. Es war ein Schock für sie, als rauskam, dass ihre eigene Mutter sie anonym bei der Polizei angezeigt hatte. Zu blöd für Carmen, dass sie sich vor lauter Wut über das Scheitern ihres Plans verplappert hat.“
Nachdenklich fuhr ich mit dem Finger über eine seiner Brustwarzen, während ich ihm zuhörte.
„Ein gutes hatte es ja. Tanya hat es endlich geschafft, sich von ihr loszusagen und hat ihr Leben wieder in die Hand genommen“, sagte ich leise.
„Aber nur, weil ihr wieder jemand geholfen hat. Ohne James Hilfe, würde sie wahrscheinlich immer noch bei ihrer Mutter sitzen“, sagte Edward fast schon abfällig.
„Sei nicht so hart, Liebling. Wie sie es geschafft hat, ist doch egal. Jetzt lebt sie endlich ihr eigenes Leben.“
„Du klingst, als würde sie dir leid tun.“
„Irgendwie schon. Ich sehe sie jetzt mit einigem Abstand, auch als Opfer an, Edward. Sie hat nie die Chance bekommen sich zu entwickeln. Erst haben jahrelang ihre Mutter und ihr Großvater über sie bestimmt, später du und Irina….“
Edward wollte schon zum Protest ansetzen, verstummte aber, als ihm klarwurde, dass ich Recht hatte.
„Wir haben nicht viel dazu beigetragen, dass sie erwachsen wird“, gab er schließlich zu und schloss mich dabei noch fester in seine Arme. Er war so warm……
„Lass uns nicht mehr über sie sprechen. Die Hauptsache ist doch, dass sie es jetzt endlich zu schaffen scheint und niemand mehr in Seattle, noch was mit Carmen Denali zu tun haben will.“
Er drehte mich auf den Rücken und beugte sich über mich.
„Und was würden Sie gerne machen, Mrs. Cullen?“, fragte er warm.
„Du hast da was erwähnt, von einem Baby“, hauchte ich dicht an seinen Lippen. „Weißt du, das macht sich leider nicht von alleine.“
Er lachte heiser und fing an, mich leidenschaftlich zu küssen…..
5 Monat später
Ich parkte den Wagen in der Garage und stieg aus, um die im Kofferraum verstauten Einkäufe zu holen. Die zwei braunen Papiertüten quollen vor lauter Lebensmitteln schier über und ich schwankte ein bisschen, als ich mich bepackt durch die Verbindungstür quälte, um zur Küche zu gelangen. Während ich das ganze Zeug ächzend auf die Theke stellte, klingelte das Telefon. Rasch sprintete ich in den Flur raus und erwischte den Anrufer noch, ehe der Anrufbeantworter ansprang.
„Cullen“, rief ich keuchend.
„Ich bin´s Esme“, hörte ich meine Schwiegermutter am anderen Ende der Leitung kichern. „Warst du gerade joggen, oder habe ich dich und meinen Sohn bei etwas anderem gestört.“
„Edward ist gar nicht zu Hause“, antwortete ich liebenswürdig. Ich war ihr nicht böse, denn es war in der ganzen Familie bekannt, wie verrückt Edward nach mir war und kaum seine Hände bei sich behalten konnte. Obwohl das hin und wieder richtig peinlich werden konnte, dachte ich nicht im Traum daran, Edward davon abzuhalten, mich zu berühren, wann immer er das Bedürfnis danach verspürte. Dafür genoss ich das viel zu sehr.
„Bella, ich rufe an, wegen der Eröffnungsfeier für das Jungendzentrum. Hast du schon jemanden gefunden, der sich um das Catering kümmert.“
„Ja, ist alles schon geregelt. Rose hat noch guten Kontakt zu ihrem früheren Arbeitgeber. Sie hat hin und wieder für ihn gearbeitet, wenn sie nebenher etwas dazuverdienen wollte. Du kennst ihn auch. Die Firma hat damals die Verpflegung für Edwards Verlobungsfeier mit Jessica übernommen.“
Bei der Erwähnung dieses Ereignisses, das mir damals schier das Herz aus dem Leib gerissen hatte, verzog ich kurz das Gesicht. Nie würde ich die Enttäuschung und den Schmerz vergessen, der mich damals tagelang gequält hatte. Jessica selber war ich seit meiner Heirat nur einmal auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung begegnet. Wie erwartet, hatte sie mich und Edward ignoriert und war mit hoch erhobener Nase an uns vorbeigerauscht. Böse war ich ihr nicht. Immerhin hatte ich ihr den Mann vor der Nase weggeschnappt.
„Oh ja…“meinte Esme lahm. „Erinner mich bloß nicht daran. Aber lassen wir das Thema. Du musst doch schon wahnsinnig aufgeregt sein, immerhin ist das Zentrum dein Werk.“
Ich lächelte stolz. Es hatte lange Monate an Planung, viel Schweiß, Nerven und Schlaf gekostet, doch jetzt waren wir endlich am Ziel. Das „Cullen- Jugendzentrum“ stand kurz vor der Eröffnung und würde in wenigen Tagen seine Pforten für benachteiligte junge Menschen aus den untersten Schichten öffnen. Es befand sich in meinem ehemaligen Viertel und sollte den jungen Leuten einen neutralen Platz geben, an dem sie ihre Hausaufgaben machen konnten, sich treffen und austauschen, oder einfach nur abhängen konnten. Keine Gewalt, keine Drogen und keine gähnende Langeweile, die sie dazu verführte irgendwelchen Blödsinn anzustellen. Es gab im Hinterhof die Möglichkeit Basketball zu spielen, ferner einen Musikraum, wo sie sich an einer Vielzahl von Instrumenten erproben konnten, und einen Billard- und Fernsehraum. Ausgebildetes Personal, das sich um die jungen Leute kümmerte und sie unauffällig beaufsichtigte, wurde ebenfalls eingestellt. Sie wurden zur einen Hälfte von Cullen-Industries bezahlt und der Rest wurde durch Spenden finanziert.
Endlich hatte ich eine Aufgabe gefunden, die mich ausfüllte und sogar dem Cullen-Standard standhielt. Mehr noch. Edward unterstützte meine Ambitionen finanziell und obwohl es anfangs schwer für mich war, zu akzeptieren, dass es ohne sein Geld nicht ging, hatte ich es doch geschafft, darüber hinweg zu sehen. Edward hatte nun mal Geld wie Heu, und hier benutzte er es für etwas unglaublich Gutes und Sinnvolles. Wichtig war nur das Ergebnis und nicht wie es zustande kam. Trotzdem machte ich immer noch große Augen, wenn ich an seinen Kontostand dachte. Daran würde ich mich wohl nie gewöhnen. Nichts desto Trotz, nahm ich sein Geld an und baute mit Esmes tatkräftiger Hilfe dieses Zentrum auf und nach vielen Monaten harter Arbeit, würde es bald so weit sein. Doch ich war nur ein kleiner Teil des Ganzen. Auch Rose hatte mich kräftig unterstützt, genauso wie Alice und Bibi. Unermüdlich hatten sie sich ans Telefon gesetzt, Werbung gemacht und zu Spenden aufgerufen. So ein Zentrum kostete eine Unmenge an Geld und jede der Drei trug dazu bei, dass es ein Erfolg wurde.
Die Idee zu dem Ganzen bekam ich, als ich bei einem meiner Besuche im Diner Jermaine wiedertraf, der mit ein paar anderen Halbstarken dort herumgelungert war. Ich begrüßte ihn und wir kamen ins Gespräch. Was er mir erzählte, löste wirklich Entsetzen bei mir aus. Sein älterer Bruder war wegen bewaffneten Raubüberfalls im Knast gelandet und er würde für lange Zeit im Gefängnis bleiben müssen. Jermaine selbst, war auch ein potenzieller Kandidat dafür. Ich hatte ihn zwar nie als gewalttätig erlebt, wusste aber um die Gefahr, dass es irgendwann so kommen konnte. Die Aussichtslosigkeit seines Alltags und die fehlenden Perspektiven für die Zukunft, würden ihn irgendwann in den gleichen Teufelskreis aus Drogen und Gewalt ziehen, wie seinen Bruder. Ich mochte den Jungen wirklich sehr gerne und es tat mir in der Seele weh, wenn ich daran dachte, wie er vielleicht eines Tages enden würde. Dabei war alles was er brauchte, eine Chance und einen Platz, wo er seine Zeit sinnvoll verbringen konnte. Jugendliche wie er hatten einfach Menschen nötig, die ihnen Mut machten, an sich, und an ein besseres Leben zu glauben, damit sie wenigstens versuchten, etwas zu ändern und nicht von vorneherein aufgaben. Doch wo und wie? Ich war an dem Tag furchtbar traurig und Jermaines mutloses und resigniertes Gesicht ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Tagelang grübelte ich nach und vertraute mich schließlich meiner Schwiegermutter an, die mich mit der Nase darauf stieß, eine Stiftung zu gründen. Das war jetzt mehrere Monate her und ich war überglücklich über die baldige Eröffnung.
Ganz in Gedanken versunken, vergaß ich, dass ich Esme noch in der Leitung hatte.
„Bella….Bella……bist du noch dran?“
Ich räusperte mich.
„Ähm….ja. Entschuldige bitte, ich war ganz in Gedanken. Glaub mir, Esme. Es ist eigentlich fast alles erledigt. Wir müssen nur noch die Eröffnungsparty schmeißen.“
Esme lachte.
„Liebes, danach geht der ganze Terz erst richtig los. So ein Zentrum zu eröffnen ist das kleinste Problem. Es zu führen, ist viel schwieriger. Aber du wirst das wunderbar machen. Davon bin ich überzeugt und wenn du mal nicht weiter weißt….“
„…dann frage ich einfach dich“, beendete ich grinsend ihren Standardsatz in den letzten Wochen. Mama Cullen, wie ich sie heimlich getauft hatte, überhäufte mich mit ihrer Liebe, als wäre ich ihr Kind und nicht Edward. Von der ersten Sekunde an, hatte sie mir geholfen und mir Mut gemacht diese Sache durchzuziehen. Glücklicherweise musste ich das nicht allein machen. Rose wollte unbedingt weiterhin helfen, und begeisterte sich immer mehr für organisatorische Aufgaben in diesem Bereich. Sie drückte sogar abends wieder die Schulbank, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Dadurch wollte sie den Kids zeigen, dass es nie zu spät war, etwas aus seinem Leben zu machen. Sicher, die Grundvoraussetzungen was das anging, waren bei mir und Rose etwas anders, als bei diesen Jugendlichen. Die hatten keine reichen Cullens in der Hinterhand, die ihnen mit Geld den Weg ebneten. Aber gerade deswegen, war es mir so wichtig, etwas von dem Glück an andere weiterzugeben, das mir zuteil geworden war. Das Zentrum war eine gute Möglichkeit und die Arbeit dort gab mir jetzt schon das letzte bisschen Zufriedenheit, das mir noch gefehlt hatte. Doch seit ein paar Tagen hatten sich meine Prioritäten ein wenig verlagert und Rose würde bald mehr Aufgaben übernehmen müssen, als sie bislang angenommen hatte. Ich selbst würde nicht mehr lange dazu in der Lage sein.
„Esme, hör mal. Edward kommt bald und ich muss mich noch um die Einkäufe kümmern. Ich fürchte, das Eis schmilzt mir gleich weg.“
Sie lachte.
„Dann will ich dich nicht weiter aufhalten. Gib Edward einen Kuss von mir und melde dich, sobald du kannst. Bye, Liebes.“
„Bye.“
Ich legte auf und sah noch eine Weile versonnen auf das Telefon, bis ich mich wieder zusammenriss und in meine Küche zurückging. Das Eis war Matsch, aber das machte mir nichts aus. Das Lächeln auf meinem Gesicht wollte einfach nicht verschwinden, während ich alles verstaute und dabei immer wieder aus dem Fenster schielte. Edward hatte mir heute versprochen, etwas eher nach Hause zu kommen und ich konnte es kaum erwarten ihn zu sehen. Es kam selten vor, dass er mitten am Tag heimkam und gerade heute freute ich mich besonders darüber.
Ich legte mir sanft die Hand auf den Bauch und spürte ein ganz besonderes warmes Glühen in mir. Ein süßes Geheimnis war darin verborgen und heute wollte ich es mit Edward teilen. Ein Arztbesuch am Morgen hatte mir die letzte Bestätigung gegeben, die ich noch gebraucht hatte. Dass Danny heute mit Bibi und Benton im Zoo unterwegs war, passte mir ganz gut in den Kram. Bei dieser Nachricht wollte ich mit Edward erst mal allein sein. Ich hatte Angst, dass er sich durch überschwängliche Freude verraten würde, denn wir hatten beschlossen, Danny eine derartige Nachricht ganz in Ruhe mitzuteilen. Angst hatte ich keine davor, weil er ständig nach einem Geschwisterchen fragte. Aber alles zu seiner Zeit.
Ich sah auf die Küchenuhr. Es war gerade mal kurz nach zwei und es würde wohl noch eine Weile dauern, ehe Edward kommen würde. Selbst wenn er nach seinem Meeting schnell aus der Firma wegkam, würde der Weg hier her, doch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Also beschloss ich, mich noch ein bisschen frisch zu machen und mich ein wenig hinzulegen. Die Schwangerschaft war derzeit in einem recht frühen Stadium – gerade mal 11. Woche – aber müde war ich trotzdem ständig. Oben schlüpfte ich in bequemere Sachen und klatschte mir ein wenig Wasser ins Gesicht, ehe ich es mir mit einer Zeitschrift im Bett bequem machte. Ich legte mich auf den Bauch – das musste ich noch ausnutzen, solange das noch möglich war – und blätterte in einem Klatschmagazin. Ab und an las ich so ein Zeug ganz gerne, weil ich da nicht viel denken musste und mich einfach über das Leben der Reichen und Schönen amüsierte. Irgendwie gehörte ich jetzt auch in diesen illustren Kreis, und irgendwie auch nicht. Es gab sehr viele nette Menschen bei den „Reichen“ und auch ziemlich viele, die es nicht waren. Die Erfahrungen mit meinem Dad und Jake hatten mir außerdem recht früh bewiesen, dass ein mieser Charakter nicht unmittelbar mit dem Bankkonto eines Menschen zusammenhing.
Ein Bericht fesselte mich besonders. Es ging um Carmen Denali, die ihre Hochzeit mit einem alternden Millionär bestätigte. Kopfschüttelnd schaute ich auf dieses Horrorpaar. Der Kerl war gut und gerne fünfundzwanzig Jahre älter als sie und kurz vorm Abnippeln. Sie hatte also wieder einen Dummen gefunden, der für sie bezahlte, doch wenn ich mir diesen hässlichen Geldsack so ansah, dann war sie gestraft genug. Er war mir mal auf einer Gala vorgestellt worden und einer der unangenehmsten Menschen, die mir jemals begegnet waren. Aber wenn sie bereit war, ihn zu ertragen, dann sollte sie es tun. Mitleid hatte ich sicher keines mit ihr. Die Gesellschaft in Seattle würde ihr nie verzeihen, was sie ihrer Tochter angetan hatte, da halfen auch die Millionen ihres neuen Gatten nicht. Sie hatte verloren, was ihr immer am Wichtigsten gewesen war. Das Ansehen der High Society, was anderes war ihr nie wichtig gewesen. Weder ihr Mann, noch ihre Tochter und Carlisle schon gar nicht.
Für Tanya tat es mir leid, weil ich genau nachvollziehen konnte, wie sie sich fühlen musste. Bei ihr war es die Mutter gewesen und bei mir der Vater. Der Unterschied war geringfügig, der Effekt der Gleiche. Wir fühlten uns beide ungeliebt. Doch auch Tanya hatte scheinbar ein neues Glück gefunden und ging laut James, mit seiner Niederlassungsleiterin in Mexico aus. Ich bewunderte Tanya ein Stück weit zu dem Mut, zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen und wünschte ihr alles Gute. Auch wenn Edward Wort gehalten hatte und jeglichen Kontakt zu ihr abgebrochen hatte, so hatte ich wirklich nichts mehr dagegen, wenn James uns hin und wieder berichtete. Es war mir wichtig, dass sie auch ihr Glück fand, weil sie abgesehen von dem riesigen Fehler vom damals, kein schlechter Mensch war.
Ich war so in Gedanken versunken, dass ich heftig zusammenschrak, als ich einen sanften Kuss auf meinem Nacken spürte.
„Hallo Schönheit“, hörte ich Edwards tiefe Stimme und ich drehte mich nach dem ersten Schock freudestrahlend zu ihm um.
„Du bist ja schon da!“, rief ich glücklich aus und umklammerte seinen Hals mit meinen Armen. Er fiel halb auf mich und stützte sich grinsend an den Unterarmen ab, um mich mit seinem Gewicht nicht zu erdrücken.
„Wenn du mich jedes Mal so begrüßt, dann komme ich in Zukunft öfter früher nach Hause“, sagte er und schenkte mir sein hinreißendes schiefes Grinsen. „Wo ist Danny?“, wollte er dann wissen, senkte aber gleich darauf den Kopf und küsste mich kurz auf den Mund.
„Zoo…“, nuschelte ich undeutlich und küsste ihn sofort zurück. Edward schmeckte einfach zu gut, ich konnte nicht widerstehen. Unsere Lippen schmiegten sich aneinander und bewegten sich in perfekter Harmonie. Wir verschmolzen geradezu, zu einem einzigen Körper, während wir uns küssten und schwelgten in den Gefühlen, die uns dabei jedes Mal überkamen. Doch irgendwann löste ich mich höchst widerwillig von seinem verführerischen Mund und seufzte tief auf. Es war so unglaublich gut und doch wollte ich keine Sekunde länger warten. Den ganzen Morgen hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich es ihm sagen wollte, und war zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Jetzt sah ich in seine liebenden Augen und es war ganz einfach.
„Edward…“
„Was ist, Liebes?“
Ich schob ihn ein wenig von mir weg und nahm dann seine Hand. Vorsichtig legte ich sie mir auf meinen Bauch und sah ihn bedeutsam an. Er wirkte erst verwirrt, weil er erst nicht wusste, worauf ich hinaus wollte. Doch als er mein geheimnisvolles Lächeln sah, dämmerte es ihm recht schnell.
„Nein….du…..ernsthaft…..“, stotterte er herum und sah fast schon ehrfürchtig auf seine Hand, die auf meiner Bauchdecke lag. „Bella! Oh Gott, Liebes, das ist ja unglaublich. Ich meine, wow, wir bekommen ein Baby. Oh Liebes….“
Das Nächste, was ich spürte, waren seine Lippen, die sich heftig auf meinen Mund pressten. Er legte seine ganze Leidenschaft, seine ganze Liebe und all sein Glück in diesen Kuss, und ich wusste, es würde uns unser ganzes gemeinsames Leben lang begleiten.
THE END
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