Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Donnerstag, 25. November 2010

Kapitel 50 - Alltag

Am nächsten Morgen wurden wir von Danny aus dem Bett geschmissen. Er stürmte in unser Schlafzimmer und brüllte.

„Mum, Edward, ihr müsst aufstehen, es ist schon hell!“

Stöhnend öffnete ich die Augen und hörte Edward neben mir gepeinigt aufstöhnen. Blinzelnd sah ich meinen Kleinen mit einem Teddybär an unserem Bett stehen. Erwartungsvoll wartete er darauf, dass wir uns bewegten. Da es ohnehin keinen Sinn hatte, darauf zu hoffen, dass Danny wieder ins Bett gehen würde, richtete ich mich etwas auf. Die Decke hielt ich vor der Brust. Ich war nicht so verschlafen, dass ich nicht mehr wusste, dass ich absolut nichts am Leib trug. Jetzt musste ich Danny nur noch kurzfristig aus dem Zimmer manövrieren, damit ich mich anziehen konnte.

„Danny, warum gehst du nicht schon vor und ich komme sofort nach. Ich muss noch für kleine Mädchen.“

Er grinste.

„Hihihi, du bist doch gar nicht mehr klein. Okay, ich geh solange in mein Zimmer.“

Dann flitzte er aufgeregt los. Ich ließ mich nach hinten fallen und wandte mich Edward zu. Sein Kopf war mittlerweile unter dem Kissen verschwunden.

„Edward…Edward“, säuselte ich, „Schatz, bist du schon wach.“

Natürlich war er wach, doch er murmelte nur völlig unverständliches Zeug. Ich beugte mich über seinen nackten Rücken und drückte einen Kuss auf sein Schulterblatt.

„Hm, mach weiter.“

Das verstand ich sehr wohl, doch jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Wenn ich nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten bei Danny aufkreuzte, würde er gleich wieder auf der Matte stehen. Er war in der Hinsicht nicht sehr geduldig, wie eben alle Kinder. Er konnte es kaum erwarten, zu hören, was wir alles auf Hawaii erlebt hatten und er würde nicht locker lassen.

„Edward, wir müssen aufstehen. Es ist schon Morgen.“

„Wie spät genau?“

Die Uhr zeigte kurz nach sieben an und ich nannte ihm die Uhrzeit.

„Das ist viel zu früh!“, beschwerte er sich, „Ich will weiterschlafen.“

Okay, jetzt musste ich wohl meine Taktik ändern.

„Edward, wie sehr liebst du mich?“, fragte ich ihn mit meiner schönsten Kleinmädchenstimme. Dabei strich ich ihm über seinen schönen, muskulösen Rücken, sanft und zärtlich.

„Sehr.“

Ich grinste.

„Wenn du mich also so sehr liebst, dann würde es dir doch bestimmt nichts ausmachen, mit mir aufzustehen. Oder ?“

Sein Kopf kam aus dem Kissen hervor und er sah mich durchdringend an.

„Isabella Cullen, du versuchst doch nicht etwa mich zu manipulieren?“, fragte er skeptisch, „Baby, du weißt, ich bin darin um einiges besser als du.“

Ich lächelte geheimnisvoll wie die Sphinx.

„Edward, das liegt nur daran, weil ich bisher noch keinen Versuch gemacht habe es zu tun.“ Ich beugte mich nah an sein Ohr. „Das heißt aber nicht, dass ich es nicht kann.“

Seine Hand legte sich um meinen Nacken und er zog mich mit einem leichten Ruck zu sich. Mein Haar flog mir ins Gesicht und legte sich teilweise auch auf seines. Unser Atem vermischte sich, als wir aus kurzer Distanz in die Augen sahen. Sein Griff war hart, unnachgiebig.

„Ich werde mit dir aufstehen, Liebes. Weil ich es will. Ich kann ohnehin nicht mehr schlafen. Aber ich schwöre dir Bella, es wird dir nicht gelingen deinen Willen bei mir durchzusetzen, wenn ich etwas nicht tun möchte. Keiner kann das.“

Das flirrende Grün seiner Augen flackerte beunruhigend. Unter dieser charmanten, liebevollen Oberfläche, die er wohl nur für mich und seine Familie reserviert hielt, verbarg sich noch eine andere Person, jemand, den ich noch nicht kennengelernt hatte. Edward konnte skrupellos sein. Er hatte es mir gegenüber schon angedeutet, als wir uns kennenlernten, doch so richtig raus gelassen hatte er es nie. Seine Gefühle für mich hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und die harte Schale seines Wesens durchbrochen. Was hätte er alles getan, um mich zu bekommen, wenn es ihm wirklich nur um sein Ego und meinen Körper gegangen wäre?

„Sag mal, kann ich dich was fragen?“

„Sicher, tu dir keinen Zwang an, Liebes.“

Ich wartete einen Moment und versuchte meinen Nacken aus seiner Umklammerung zu lösen. Vergeblich.

„Als du das Diner gekauft hast, wolltest du wirklich alle rausschmeißen, wenn ich nicht bleibe. War das ernst gemeint?“

Ich lachte ein wenig, weil ich es mir einfach nicht vorstellen konnte, dass dieser Mann tatsächlich so unbarmherzig und mitleidlos war. Doch bei seinen nächsten Worten, verging mir das Lachen augenblicklich.

„Natürlich.“ Er sagte es, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. „ Ich drohe nie sinnlos, Liebes. Das wäre absolute Zeitverschwendung. Wenn ich etwas erreichen will, tue ich, was dafür nötig ist.“

„Du hättest diese Erpressung wirklich durchgezogen?“, rief ich entsetzt aus. Mir wurde ein wenig übel.

„Nennen wir es doch lieber Überredung. Erpressung klingt, als wäre ich ein Mitglied des organisierten Verbrechens und das ist ja nun wirklich nicht der Fall.“

Seine Worte klangen fast schon heiter. Für ihn war so was offenbar völlig normal. Dannys Verhalten gestern, kam mir wieder in den Sinn und Edwards stolze Reaktion darauf. Es passte alles ins Bild. Fassungslos sah ich auf ihn hinab und richtete mich auf. Unwillkürlich zog ich das Laken enger um mich. Mir wurde eisig kalt, obwohl die Zimmertemperatur alles andere als kühl war. Mit ein paar Sätzen hatte Edward mir meine rosarote Brille abgezogen. So was nannte man dann wohl, wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

„Du bist jetzt enttäuscht, weil ich nicht der Ritter in der goldenen Rüstung bin, nicht wahr?“

Edward klang nicht überrascht, eher milde.

„Können wir das Gespräch nicht auf später verschieben, Edward.“

Ich spürte, wie sich Kopfschmerzen ankündigten und rieb mir mit zwei Fingern über das Nasenbein, als könnte ich deren endgültiges Ausbrechen dadurch verhindern.

„Sicher, Liebes. Aber wir werden nicht drumherum kommen darüber zu reden.“

Fest sah ich ihn an.

„Ich habe dir auch einiges zu sagen.“

Es war nicht so, dass wir Streit hatten, aber ein unangenehmes Gefühl blieb trotzdem in mir zurück, als ich ins Bad ging, um mich fertigzumachen. Edward war kein Heiliger, doch in ihm steckte mehr von einem Teufel, als ich bisher wahrhaben wollte. Das tat meiner Liebe zu ihm keinen Abbruch, da er mich wirklich absolut liebevoll behandelte, ja, man konnte fast schon sagen, dass er mich vergötterte. Doch konnte ich die andere Seite in Edwards Wesen ignorieren, wollte ich das überhaupt?

Seufzend bürstete ich mir das Haar, putzte mir in Windeseile die Zähne und ging wieder zurück. Edward stand am Fenster, trug nur eine Boxershort und blickte gedankenverloren hinaus. Das erste Sonnenlicht flutete hinein und hüllte ihn in einen goldenen Lichtmantel. Er war vielleicht nicht der Ritter in der goldenen Rüstung, wie er sich ausdrückte, aber er war mein Mann. Ich hatte ihm Liebe, Treue und Beistand geschworen und tief in mir immer gewusst, dass er Fehler hatte. Leise trat ich zu ihm und legte eine Hand auf seinen Arm. Edward sah mich an und seufzte.

„Es tut mir leid, ich wollte dir nicht die Stimmung verderben, aber ich habe dir ja gesagt, ich bin ….“

„Nicht einfach“, beendete ich an seiner statt den Satz.

Er lächelte traurig.

„Bist du jetzt abgeschreckt? Ich könnte es verstehen. Du hast so wenig gemein mit der Welt, in der ich lebe. Sie ist hart und brutal, Bella. Ich treffe täglich Entscheidungen, die das Leben von vielen Menschen beeinflusst und die meisten würden dir nicht gefallen.“
„Ich weiß nichts über diese Dinge, Edward. Ich verstehe sie nicht. Doch ich bin nicht dumm. Es gibt einen Unterschied zwischen Willkür und Notwendigkeit. Ich möchte nicht, dass Danny mit so etwas in Berührung kommt. Was du meinst tun zu müssen, ist deine Sache, doch zieh nicht meinen Sohn da mit hinein. Er ist noch so klein und unverdorben, ich möchte, dass das so bleibt.“

Sein Lächeln schwand.

„Ist es das, was du jetzt von mir denkst? Dass ich verdorben bin.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Dreh mir nicht die Worte im Mund um, Edward. Ich liebe dich, auch wenn ich nicht gutheiße, wie du manchmal mit den Menschen umspringst. Du hast aber auch eine andere Seite. Du kannst so liebevoll sein. Ich bin überzeugt davon, dass das dein wahres Wesen ist. Diese kalte, berechnende Person die du zu sein glaubst, ist nur eine Fassade.“ Meine Hand legte sich an seine Wange, strich sanft über seine Bartstoppeln und seinen Mund, der sich leicht öffnete. „Ich schwöre dir, dass ich diese Fassade niederreißen werde, damit der wahre Edward wieder zum Vorschein kommt.“

Sein Mund suchte meine Handfläche und drückte einen Kuss hinein.

„Wenn es jemand schaffen kann, dann du, Liebes. Aber erwarte nicht zu viel. Außerdem würdest du dich zu Tode langweilen, wenn ich so ein Weichei werde.“

„Du wirst niemals ein Weichei sein. Ich will auch nicht, dass du dich komplett veränderst. Das Einzige was ich will, ist, dass du dir über die Folgen deiner Handlungen bewusst wirst, wenn du mit den Menschen spielst. Ein bisschen Rücksicht schadet doch keinem.“

Aufmunternd sah ich ihn an. Edward schüttelte den Kopf.

„Meine kleine Weltverbesserin!“ Er sah traurig aus. „Da hast du dir aber den schwersten Brocken in den Vereinigten Staaten rausgesucht. Mal sehen, wie lange es dauert, bis du aufgibst."

Ich umschloss sein Gesicht mit meinen Händen und flüsterte leidenschaftlich.

„Ich werde dich niemals aufgeben, nicht solange ich lebe.“

Meine Worte drangen zu ihm durch, staunend, fast schon ehrfürchtig betrachtete er mich.

„Ich frage mich schon, was ich getan habe, um so eine Frau zu verdienen.“

Eine Antwort blieb ich ihm schuldig, denn Dannys helle Kinderstimme schallte durch den Flur und war selbst durch die geschlossenen Schlafzimmertüren deutlich zu hören.

„Muuuuuuum, komm doch endlich!“

„Ich glaube, ich gehe dann mal. Kommst du auch?“

Edward nickte.

„Ja, gib mir ein paar Minuten, dann komme ich nach. Ich hüpfe schnell unter die Dusche und muss dann Benton anrufen.“

Nach einem viel zu kurzen Kuss, ließ ich ihn zurück und ging hinaus auf den Flur, wo Danny schon ungeduldig auf mich wartete.

„Da bist du ja“, freute er sich und nahm meine Hand. Mit einem Grinsen zog er mich mit sich.

„Du hast es aber eilig“, schmunzelte ich.

„Ich habe Hunger, Mum.“

Danny zog mich problemlos durch das Haus. Er fühlte sich hier sichtlich wohl und hatte keinerlei Probleme mehr sich  zurechtzufinden. Auf dem Weg ins Frühstückszimmer blieb er immer wieder stehen, um mir etwas zu erzählen und so brauchten wir eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich dort ankamen. Im Vergleich zu unserer winzigen Wohnung früher, war das hier ein Palast, ein wahrer Irrgarten. Es war erschreckend, wie schnell man sich an solchen Luxus gewöhnte und ihn als normal empfand. So langsam konnte ich daher Edwards lockere Einstellung zum Geld verstehen.

Selbst ich, die ich zeitlebens finanziell nie besonders gut gestellt war, vergaß viel zu rasch, wie hart man es sich verdienen musste. Vielleicht war es notwendig wieder einen Abstecher ins Diner zu machen, damit ich mich wieder daran erinnerte. Es würde mir guttun, Cynthia wiederzusehen, die sich wirklich als Glücksgriff erwies. Sie managte das Diner mit Links und war der ganze Stolz von George und Mutti.

Endlich erreichten wir das Esszimmer. Wir traten gemeinsam ein, die bodenlangen Fenster ließen die Sonne herein scheinen und der Duft von Kaffee stieg mir in die Nase. Ein sehnsuchtsvolles Stöhnen entwich mir. Ich konnte es kaum erwarten, den ersten Schluck die Kehle hinab laufen zu lassen. Der Frühstückstisch war mit allen möglichen Köstlichkeiten gefüllt. Früchte, Eier, Speck, Croissants, Honig, Milch. Irgendwann gab ich es auf, feststellen zu wollen, was noch alles darauf stand.

„Wer soll denn das alles essen?“, wunderte ich mich und setzte mich auf einen der Stühle. Sofort kam eines der Hausmädchen und goss Kaffee in meine Tasse.

„Oh, das kann ich doch selbst machen“; rief ich peinlich berührt aus.

„Bella, das gehört zu ihren Aufgaben. Denk nicht darüber nach und genieße es einfach verwöhnt zu werden“, hörte ich Edwards Stimme.

Ertappt drehte ich mich um und sah in gerade eintreten. Er trug einen schwarzen Anzug, eine schön gemusterte grüne Krawatte und sein Haar war vom Duschen noch feucht. Er sah einfach nur scharf aus. Ich schluckte hart. In dem Outfit wirkte er ziemlich unnahbar, was er wohl auch beabsichtigte.

„Du bist schnell“, sagte ich nur.

Er lächelte wissend.

„Nicht immer.“

Prompt wurde ich rot bei dieser Anspielung. Edwards Ausdauer war wirklich bemerkenswert.

„Edward, setz dich doch zu uns“, lenkte ich ab, doch er schüttelte nur den Kopf.

„Tut mir leid, Liebes, aber ich muss gleich los. In der Firma wartet eine Menge Arbeit auf mich. Benton, stapelt schon die Akten auf meinem Schreibtisch.“

„Oh“, sagte ich enttäuscht, „Ich hatte gehofft, wir könnten wenigstens den heutigen Tag noch miteinander verbringen, bevor du wieder in die Firma musst. Wir könnten uns ein paar Möbel für das Haus ansehen.“

Edward seufzte.

„Das geht nicht, Bella. Du wirst das mit den Möbeln alleine machen müssen. Ich habe vollstes Vertrauen in dich, was das angeht. Warte nicht auf mich. Es wird spät werden.“

Er beugte sich zu mir hinunter, küsste mich flüchtig auf die Schläfe und lächelte Danny an.

„Viel Spaß noch in der Schule, Kleiner.“

Der schaufelte gerade eine Portion Cornflakes in den Mund und nickte kauend. Edward packte mich ein zweites Mal an diesem Morgen um den Nacken und sah mir eindringlich in die Augen.

„Mach dir einen schönen Tag, Bella. Geh einkaufen, in den Schönheitssalon oder shoppen. Du hast die freie Wahl.“

Er presste seinen Mund hart auf meinen, küsste mich schwindelig, und war weg, bevor ich wieder richtig Luft holen konnte. Ein bisschen belämmert saß ich auf meinem Stuhl. Die Flitterwochen waren wohl endgültig vorbei.


Trotz meiner Rückkehr wollte ich Danny nicht erlauben zu schwänzen. Er war zwar nicht begeistert, fügte sich aber. Sein Unterricht begann heute etwas später, da eine der Lehrerinnen krankheitsbedingt fehlte. So saßen wir also noch eine ganze Weile zusammen und ich erzählte ihm von den Walfamilien auf Maui, die sich jedes Jahr zahlreich zu dieser Zeit dort tummelten. Vom riesigen Krater des über 3000 Meter hohen Haleakala-Vulkan. Es war einer der wenigen Ausflüge die wir unternahmen, abgesehen vom Faulenzen am Strand. Jeden Morgen kamen viele Touristen zum Gipfel, um den spektakulären Sonnenaufgang zu beobachten. Wir schlossen uns an und es war ein unvergessliches Erlebnis. Danny hörte aufmerksam zu, doch ich merkte schnell, dass seine Aufmerksamkeit wieder nachließ. Er konnte mit all dem nichts anfangen und ich machte mir im Geist eine Notiz, heute noch ein Buch zu besorgen, mit vielen Bildern.

Dobson kam herein.

„Mrs. Cullen, wenn Sie erlauben, bringe ich Ihren Sohn jetzt zur Schule.“

„Das ist wirklich reizend von Ihnen, Dobson, aber ich bringe ihn selbst zur Schule.“

Dobson lächelte.

„Das dachte ich mir schon, Mrs. Cullen. Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Tag. Sollten Sie etwas benötigen, so scheuen Sie sich nicht, mir Bescheid zu geben.“

„Das ist sehr freundlich von Ihnen. Ich werde das sicher irgendwann in Anspruch nehmen.“

Er verbeugte sich kurz und ging wieder seiner Wege.

„Na komm schon, mein Schatz. Es wird Zeit. Wir müssen noch deine Sachen holen.“, forderte ich Danny auf.

Der hopste von seinem Stuhl.

„Wer zuerst in meinem Zimmer ist“, schrie er begeistert und ich jagte ihn lachend und unter den amüsierten Blicken des Personals, durch das gesamte Haus. Ich würde wohl nie eine Dame werden, doch das war mir herzlich egal.



Ich brachte Danny wie gewohnt zum Unterricht. Die Verabschiedung war wie immer, kurz und schmerzlos und ich setzte mich anschließend in mein Auto. Etwas verloren saß ich drin und überlegte, was ich mit dem angebrochenen Tag anfangen sollte. Mein Sohn würde nach dem regulären Schulbesuch noch am Schwimmunterricht teilnehmen und anschließend mit den anderen zum Hamburgeressen gehen. Er hat einen volleren Terminplan als ich, dachte ich seufzend und trommelte mit den Fingern am Lenkrad herum. Zum ersten Mal in meinem Leben wusste ich nichts mit mir anzufangen. Ich hatte immer gearbeitet, hatte eine Aufgabe und war das nicht mehr notwendig. Ich fühlte mich absolut nutzlos.

Ich beschloss spontan Alice anzurufen. Rose war nicht da. Sie besuchte zusammen mit Emmett ihre Familie in Wisconsin und würde erst zum Wochenende hin wieder eintrudeln. Ich hoffte jedoch, dass wenigstens Alice etwas Zeit für mich erübrigen konnte.

Nach einigen Versuchen gab ich entnervt auf. Der Anschluss sei vorübergehend nicht erreichbar, flötete mir eine mechanische Stimme ins Ohr. Enttäuscht steckte ich das Handy weg und bemitleidete mich selbst ein wenig. Das Diner wäre eine Option gewesen, doch um diese Zeit war dort immer viel los und ich würde nur stören. Auch ein Besuch auf der Baustelle war nicht ratsam. Solange dort Maler, Elektriker und sonstige Handwerker umherschwirrten, war für mich dort nichts zu tun. Benton kümmerte sich um die Renovierungen, nachdem er genauestens mit Edward und mir abgesprochen hatte, was wir wollten.

Ich konnte ohnehin nicht sehen, ob sie ihre Arbeit richtig machten. Meine Person würde wieder gefragt sein, wenn es um die Einrichtung ging. Doch das würde noch einige Tage dauern, bis es soweit war. Sollte so mein Leben aussehen? Ich brauchte eine Aufgabe und das schnellstens, sonst würde ich in meinem Luxusleben noch den Verstand verlieren, vor lauter Langeweile.
Entschlossen drehte ich den Zündschlüssel des Wagens und reihte mich in den fließenden Verkehr ein. Ich wollte ja noch ein Buch über Hawaii für Danny besorgen. Da ich ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, konnte ich es genauso gut gleich erledigen.


Ich stöberte schon seit einer geschlagenen Stunde durch die Buchhandlung und suchte mir eine Lektüre für die kommenden, langweiligen Tage zusammen. Da ich jetzt quasi arbeitslos war, musste ich mir ja mit etwas halbwegs sinnvollem die Zeit vertreiben. Ich ahnte jetzt schon, dass ich Edward in nächster Zeit nicht sehr oft zu Gesicht bekommen würde und wollte schon mal vorsorgen, für die langen Abende, die ich eventuell alleine verbringen musste. Jetzt waren da noch Carlisle und Esme, die mir Gesellschaft leisten konnten, doch die zwei führten ihr eigenes Leben und ich wollte mich da nicht reindrängen. Das Buch für Danny hatte ich schnell ausgesucht. Ein Band über Hawaii mit vielen bunten Bildern. Das würde ihm gefallen.

Mein Augenmerk fiel gerade auf den neuesten Roman von Dan Brown und ich las mir neugierig die Inhaltsangabe durch. Meine Konzentration war jedoch gestört, weil ich das komische Gefühl verspürte, beobachtet zu werden. Ich hob die Augen und sah mich um. Mein Blick fiel auf eine Frau in mittleren Jahren, die mich interessiert musterte. Sofort senkte sie den Blick und drehte sich weg, als sie meinen fragenden Blick bemerkte. Etwas verunsichert senkte ich die Augen wieder auf mein Buch, hatte aber jegliches Interesse daran verloren. Wieder sah ich hoch, doch sie war weg. Kopfschüttelnd stellte ich den Schmöker wieder ins Regal und beschloss zu zahlen. Jetzt bekam ich schon Verfolgungswahn.

Das Buch war bezahlt und ich tigerte noch ein wenig durch die Stadt. Es war jetzt kurz nach zwölf. Ohne die geringste Idee, was ich mit mir anfangen sollte, steuerte ich auf ein kleines Restaurant zu, wo ich etwas essen wollte. Ich setzte mich dort in die hinterste Ecke und wurde sogleich von einem freundlichen Kellner belagert. Doch ich bat ihn etwas später wiederzukommen, wenn ich mir einen Überblick über die Karte verschafft hatte. Konzentriert nahm ich sie in Augenschein, bis ein Schatten auf die Karte geworfen wurde. Irritiert sah ich auf und blickte direkt in die strahlend blauen Augen, der Frau, die mich im Buchladen beobachtet hatte.

„Kann ich mich setzen?“, fragte sie und deutete mit der Hand auf den freien Stuhl.

Zu überrascht, um zu verneinen, deutete ich mit der Hand auf den Stuhl vor mir. Sie setzte sich, legte die teuer aussehende Lederhandtasche auf ihren Schoss und hielt den Rücken kerzengerade. Mit ihrem rotblonden, kinnlangen Haar und den blauen Augen, kam sie mir merkwürdig vertraut vor. Doch ich konnte mich nicht daran erinnern, sie jemals zuvor gesehen zu haben.

„Sie kennen mich nicht“, fing sie an. Sie klang sehr distanziert, fast schon hochmütig.

„Das stimmt. Wollen Sie mich nicht aufklären?“

Mein Interesse war geweckt, obwohl mich ihre eindeutig feindselige Haltung mir gegenüber irritierte. Was hatte ich ihr getan? Wir waren uns noch nie begegnet und ich konnte mir nicht vorstellen, was ich getan haben sollte, um ihre Verachtung zu verdienen. Denn das war es, was in ihren Augen lag, als sie mich kühl fixierte.

„Sie kennen mich nicht, aber ich kenne Ihren Mann“, fuhr sie fort.

„Weiter.“

Sie lächelte arrogant.

„Vielleicht hilft Ihnen ja mein Name auf die Sprünge, meine Liebe“, sagte sie. Ihre Stimme klirrte geradezu vor Kälte, „Ich heiße Carmen Denali.“

Sprachlos starrte ich in diese meerblauen Augen, die mich mein Entsetzen mit sichtlichem Entzücken verfolgten. Grundgütiger! Vor mir saß Tanyas Mutter.

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