Mit festen Schritten lief ich zu Edward und dem Fremden, um ihn zu begrüßen. Wenn Edward glaubte, er könnte mich einfach fertigmachen, so hatte er sich geschnitten. Das Gespräch der beiden stockte, als ich mich ziemlich dreist neben sie stellte und Edward auffordernd ansah. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, als mich vorzustellen und ich lächelte den äußerst attraktiven Mann an seiner Seite an.
„Willst du mich nicht vorstellen?“, fragte ich mit strahlendem Lächeln.
Die blauen Augen seines Geschäftspartners leuchteten amüsiert auf und ich übernahm die Vorstellung einfach selbst, nachdem Edward keinerlei Anstalten machte, ihm zu sagen, wer ich war. Ich streckte die Hand aus, die er mit festem, warmem Griff umschloss.
„Mein Name ist Isabella Swan und ich bin die Geschäftsführerin hier. Falls ich Ihnen irgendwie helfen kann, dann lassen Sie es mich wissen.“
Er führte die Hand an seine Lippen, wie ein Kavalier alter Schule, drückte einen sanften Kuss darauf und lächelte einnehmend. Edward neben ihm, schnaubte erbost.
„Ich bin sehr erfreut Sie kennenzulernen, Miss Swan. Mein Name ist James Fenmore. Edward hat gar nicht erzählt, was für eine hübsche Geschäftsführerin er hat. Edward, alter Freund, das nehm ich dir echt übel.“
Ich warf einen Blick zu ihm und sah, wie er mit den Zähnen knirschte.
„Das wundert mich überhaupt nicht“, warf ich ein, „Mr. Cullen neigt dazu, mich zu verschweigen. Fragen Sie mich nicht wieso.“
Das saß. Edward kniff die Augen zusammen und sah mich mit eindringlichem Blick an.
„Nun, ich werde Sie sicher nicht ignorieren“, lächelte James charmant, „ich habe viele Fragen, was den Ablauf und die Strukturierung des Diners angeht, schließlich wollen, sowohl Edward, als auch ich, dass unser Vorhaben gelingt. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir es schaffen, den Charme dieses Diners auf die neuen, geplanten zu projezieren. Ich bin sicher, Sie können mir und Edward wunderbar dabei helfen. Was halten Sie von einem Essen, dann können wir uns besser kennenlernen und Sie erzählen mir von Ihrer Arbeit.“
Strahlend lächelte ich ihn an und nickte zustimmend. Ich wusste, dass ich Edward mit der Annahme dieser Einladung bis aufs Blut provozierte und genau das war auch meine Absicht. Andere Mütter hatten auch hübsche Söhne und ich war jetzt so wütend auf ihn, dass ich am liebsten den Salzstreuer, der in unmittelbarer Nähe stand, nach ihm geworfen hätte. Sein unverschämtes Benehmen im Büro und seine verletzenden Worte klangen mir noch in den Ohren und es dürstete mir nach Rache. Irgendwie war es merkwürdig. Beide hatten wir das, was wir scheinbar wollten und doch konnten wir nicht aufhören uns zu piesacken. Wann würde das endlich ein Ende haben?
„Das würde ich furchtbar gerne, da Mr. Cullen selbst noch nicht lange Besitzer des Diners ist, kann er unmöglich wissen, wie es in so einem Schnellrestaurant zugeht. Ich kann Ihnen da mit meiner langjährigen Erfahrung sicherlich besser weiterhelfen“, flirtete ich ihn schamlos an. Ich sah zu Edward und in seinen Augen lag ein gefährliches Funkeln. Plötzlich huschte Cyn vorbei und dieser James hob unmerklich die Augenbraue.
„Sie haben wirklich interessantes Personal hier im Diner“, meinte er mit einem gutmütigen Blick auf Cynthia. Ich war begeistert. Was für ein netter Mann! Kein Wort über ihr zugegeben, etwas reizloses Aussehen. Aber in einem Punkt hatte Edward schon recht. Wir mussten Cynthia unbedingt etwas aufhübschen, nicht übertrieben, aber ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass sie glücklich war, so, wie sie jetzt aussah. Das war ein Fall für die Modepolizei namens Alice.
Die Gute konnte etwas Ablenkung gebrauchen, denn nicht nur, dass Jasper sie hochkant aus dem Club geschmissen hatte, nein, sie musste jetzt auch noch ein paar Abende anrücken, um ihre Nachfolgerin einzulernen. Jasper bestand darauf, dass sie es selbst tat und sie fügte sich zähneknirschend.
Rose kam gerade zur Tür hinein, es stand der erste Schichtwechsel an. Sie sah wirklich grauenhaft aus! Alles Strahlen war aus ihrem hübschen Gesicht gewichen und sie zeigte an nichts mehr Interesse. Ich hätte diesen Trottel Emmett eine runterhauen können. Warum gab er so schnell auf? Diese Cullen-Männer hatten einfach kein Stehvermögen, wenn es kompliziert wurde, machten sie sich aus dem Staub. Diese Sorte Mann kannte ich schon zur Genüge und ich bekam das große Würgen, wenn ich daran dachte, dass diese Trottel uns immer wieder das Herz brachen. Wortlos ging sie an uns vorbei.
Seufzend beschloss ich, später noch mal mit ihr zu reden, um sie etwas aufzumuntern, das war ich ihr einfach schuldig, nach den unzähligen Malen, bei denen sie mir ihre Ohren lieh, um mir zuzuhören. Jetzt wandte ich mich wieder an James, der mich erwartungsvoll ansah.
„Ich würde furchtbar gern mit Ihnen Essen gehen, Mr. Fenmore“, säuselte ich.
„James“, sagte er mit dunkler Stimme, „meine Freunde nennen mich James.“
„James“, hauchte ich und sah aus dem Augenwinkel zu Edward, der sichtlich blass geworden war. Offenbar passte ihm mein Flirt mit seinem Investor überhaupt nicht. Dessen Handy klingelte gerade und er stellte sich mit entschuldigendem Blick leicht abseits, um zu telefonieren.
„Was soll das?“, zischte Edward.
Ich sah ihn voller Unschuld an.
„Ich weiß wirklich nicht, was du meinst?“, lächelte ich lieblich.
„Du weißt genau, wovon ich spreche, Liebes. Du wirst nicht mit ihm Essen gehen. Ich verbiete es dir“. befahl er ohne Umschweife.
Ich starrte ihn ungläubig an.
„Habe ich das richtig verstanden? DU willst mir verbieten, mich mit einem Mann zum Essen zu verabreden. Edward, ich glaube bei deinem Versuch, sämtlichen Frauen in deiner Umgebung das Hirn rauszuvögeln, ist deines selbst beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Hör mir gut zu, mein Freund. Ich gehe essen mit wem ich will, wann ich will und so oft ich will. Du hast kein Recht, was mich betrifft und ich will, dass du aufhörst, ständig in mein Leben einzugreifen. Du hast dich für Jessica entschieden, schon vergessen.“
„Du wirst nicht mit ihm Essen gehen“, beharrte er weiterhin stur und ich konnte nur ungläubig den Kopf schütteln.
„Du spinnst ja! Ich werde sehr wohl mit ihm Essen gehen und ich werde eine Menge Spaß dabei haben“, sagte ich mit erhobenem Kinn und drehte mich von ihm weg. Idiot!
„Das werden wir ja noch sehen, wie viel Spaß du mit ihm haben wirst“, flüsterte er dicht an meinem Nacken und ein angenehmer Schauer erfasste meinen Körper. Himmel, dachte ich, er hat immer noch so viel Macht über meinen Körper. James kam zurück und lächelte uns an.
„Leider muss ich weg, aber ich habe schon einen recht guten Eindruck gewonnen. Isabella, soll ich Sie abholen, oder treffen wir uns direkt am Restaurant?“
„Wir treffen uns im Restaurant. Rufen Sie mich doch hier an und sagen Sie mir Bescheid, wann und wo.“
„Mit dem größten Vergnügen“, hauchte er und küsste erneut meine Hand. Er nickte Edward noch zu und verschwand dann eilig.
Ich beschloss Edward zu ignorieren und ging zur Theke, wo ich völlig sinnlos die Servietten ordnete. Er kam mir prompt nach, stand nah hinter mir.
„Ich lasse nicht zu, dass du dich mit diesem Kerl triffst. Er wird versuchen dich ins Bett zu kriegen.“
„Hast du Angst, dass er mehr Erfolg hat, wie du?“, fragte ich ihn spöttisch.
Das hätte ich wohl lieber nicht gesagt. Er packte mich am Arm und zerrte mich nach hinten ins Büro, wo er die Tür mit einem lauten Knall zuschmiss.
„Du hast sie ja nicht mehr alle!“, schrie ich ihn an.
„Sag mir, dass du nicht mit ihm weggehen wirst“, forderte er schweratmend und presste mich gegen die Wand. Ich sah auf, bereit ihm eine entsprechende Antwort zu geben und versank in den grünen Tiefen seiner Augen. Er wirkte durcheinander, seine Wangen waren leicht gerötet, die Haare zerzaust und sein Mund mit diesen unglaublichen Lippen war leicht geöffnet. Alles an ihm wirkte anziehend, erotisch. Ich wollte ihn so sehr, aber ich würde nicht nachgeben und dieses Date mit James absagen.
„Ich werde gehen“, hauchte ich schwach und sein Mund kam meinem immer näher.
„Geh nicht“, flüsterte er und setzte einen zarten Kuss auf meinen Mundwinkel. Alles in mir schrie nach ihm und ich schloss flatternd die Augenlider. Wieder ein leichter Kuss. „Geh nicht“, wiederholte er. Noch ein Kuss. Wie Schmetterlingsflügel streiften seine Lippen die meinen. Es war quälend, weil er mich nicht voll küsste, mich nur neckend berührte, ohne den Kontakt zu vertiefen.
„Bitte!“, flüsterte ich verzweifelt und wusste nicht mal, worum ich ihn bat. Aufhören oder weitermachen, ich war mir selbst nicht im Klaren darüber.
„Geh nicht“, war seine einzige Antwort. Er rieb seine Nase an meiner Wange, atmete tief den Duft meiner Haut ein und schmiegte meinen Körper eng an den seinen. Er war so warm, er roch so fantastisch und seine Muskeln die ich spüren konnte, machten mich wild. Aber er tat dies nur, weil er seinen Willen durchsetzen wollte. Edward konnte es nicht ertragen, dass man einen anderen Mann ihm vorzog. Ich tat das einzige wozu ich mich noch befähigt fühlte. Ich packte seinen Kopf, zog ihn zu mir runter und flüsterte in sein Ohr.
„Du wirst mich nicht daran hindern, mit James den Abend zu verbringen. Deine Eifersucht kannst du dir wirklich sparen.“
Er riss sich los und sah mich panisch an.
„Ich bin nicht eifersüchtig!“, schrie er, „Das bildest du dir nur ein.“
„Natürlich bist du eifersüchtig!“, beharrte ich stur, es war schließlich wahr.
„Nimm das zurück!“, befahl er.
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn trotzig an.
„Nein!“
Er raufte sich die Haare.
„Du bist unglaublich.“
Jetzt musste ich grinsen. „Ich weiß.“
Er schüttelte den Kopf und betrachtete mich einen Augenblick lang, ehe er selbst leicht zu lächeln begann.
„Ich muss jetzt gehen. Wir sehen uns noch.“
„Davon geh ich aus. Einen schönen Tag noch Edward“, antwortete ich freundlich und er sah mich misstrauisch an. Nach einem letzten Blick auf mich, verließ er das Büro und ich ließ mich grinsend auf einem Stuhl nieder. Wann zum Teufel war ich von der Gejagten zur Jägerin geworden, fragte ich mich ein bisschen verwirrt. Der Gedanke gefiel mir. Ich hatte es satt das Opfer zu sein. Er würde mir nie gehören, aber warum sollte er nicht genauso leiden wie ich? Egal, was er auch behauptete, er wollte mich immer noch. Ich würde ihn quälen, so wie er es mit mir machte. Wer wusste schon, wer am Ende als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen würde.
Edward war schon eine Weile weg, als ich wieder raus ging. Der Laden war gut gefüllt, die Gäste zufrieden und alles wirkte ruhig, bis ich Roses leisen Aufschrei vernahm. Irritiert blickte ich in die Richtung, die ihre Augen nahmen und musste schmunzeln. Draußen marschierte ein zu allem bereiter Emmett Cullen auf das Diner zu. Sein Gesichtsausdruck wirkte sehr energisch, wie der eines Mannes, der einen festen Entschluss gefasst hatte und diesen jetzt um jeden Preis durchsetzen würde.
„Bella, ich verschwinde auf die Toilette. Wehe, du sagst ihm, wo ich bin“, verlangte sie und war auch schon verschwunden.
Die Tür ging auf und Emmett ging ohne Umschweife auf mich zu.
„Wo?“, fragte er knapp.
„Toilette!“, antwortete ich genauso kurz angebunden.
„Danke!“
„Gern geschehen!“
Er stapfte in die hinteren Räume und ich gleich hinterher. Das wollte ich um nichts in der Welt verpassen. Emmett hämmerte gegen die Toilettentüre.
„Mach die Tür auf, Rose. Ich weiß, dass du da drin bist“, brüllte er.
„Das verzeih ich dir nie, Bella!“, schrie sie raus und ich zuckte zusammen. Mann, war die sauer.
„Verschwinde Emmett!“
„Rose, mach die Türe auf, oder ich schwöre dir, ich trete sie ein.“
Kurz war es still, doch dann ging sie mit leisem Knarren auf und eine eingeschnappte Rose stand vor einem wütenden Emmett.
„Sag, was du zu sagen hast und dann verschwinde.“
„Du bist mit Abstand das sturste Weibsbild, das ich kenne, Rosalie Hale. Ich schwöre dir, du wirst dein ganzes Leben brauchen, um die letzten Wochen wieder gut zu machen. Ich bin deinetwegen durch die Hölle gegangen. Nicht mal mehr das Essen hat mir geschmeckt.“
„Pah, als ob es dir was ausgemacht hätte. Du hast dich doch nicht mehr gemeldet.“
„Du kommst jetzt mit mir mit!“
„Ach und wohin, wenn ich fragen darf?“, sagte sie spöttisch.
„Zu meinen Eltern“, antwortete er knapp.
„Zu…zu…zu..deinen E..Eltern“, stotterte sie, „Warum denn das?“
„Ich muss ihnen doch meine zukünftige Frau vorstellen und das würde ich lieber vor der Hochzeit erledigen.“
Fassungslos starrte sie ihn an, leise Hoffnung im Blick. Emmett nutzte die Gelegenheit, um ihr einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen zu drücken.
„Kommst du jetzt freiwillig mit, oder muss ich dich zwingen“, fragte er verführerisch.
„Nein!“, sagte Rose entschlossen, „Es geht nicht, Em. Wir kommen aus völlig verschiedenen Welten, das wird niemals funktionieren. Du und ich, das ist unmöglich.“
„Du hast es ja nicht anders gewollt“, sagte er bedrohlich und in der nächsten Sekunde wurde Rose über seine Schulter geworfen und er stampfte mit einer sich windenden Rosalie aus dem Diner.
„Du musst für den Rest des Tages auf sie verzichten, Bella“, rief er mir noch zu.
„Kein Problem!“, winkte ich ab, „Viel Spaß noch!“
Rose schrie empört auf und fluchte wie ein Postkutscher, was Emmett nur zum Lachen brachte. Ich seufzte. Das war wirklich romantisch, wie er sich seine Traumfrau geschnappt hatte. Wenn Edward doch nur ein bisschen Ähnlichkeit mit ihm hätte, in dieser Hinsicht. Doch der würde niemals alles stehen und liegen lassen, um mir seine Liebe zu gestehen.
Am nächsten Abend machte ich mich fertig, für meine Verabredung mit James. Danny übernachtete bei einem Freund und ich musste mir daher kein schlechtes Gewissen machen. Zufrieden betrachtete ich mich im Spiegel. Dank einer ordentlichen Gehaltsaufstockung war nach Bezahlung der anfallenden Rechnungen und Dannys Keyboard noch genug Geld übriggeblieben, um mir ein neues Kleid zu gönnen. Es war nicht sehr teuer oder exklusiv, aber das schwarze Etuikleid stand mir ausgezeichnet und wirkte sehr feminin an mir. Das Haar trug ich hochgesteckt, sodass mein Nacken freilag und ich verwendete sogar ein leichtes Make-up. Ich schnappte mir meine Tasche und verließ mit beschwingten Schritten die Wohnung.
Ich freute mich auf einen Abend in angenehmer Atmosphäre, denn James schien wirklich sehr nett zu sein. Auf jeden Fall würde er mir nicht so gierig hinterher steigen, wie Edward es getan hatte.
Das Restaurant im Herzen Seattles war äußerst elegant und höflich wartete James vor der Eingangstüre, damit ich nicht allein hinein musste. Er half mir aus dem Mantel und seine Augen glitten bewundernd, aber keineswegs lüstern, über meinen Körper. Es war schön, mal zur Abwechslung wie eine Dame behandelt zu werden und er wurde mir mit jeder Sekunde sympathischer.
Leider besaß er nicht ansatzweise die Ausstrahlung eines Edward Cullen. Doch welcher Mann konnte sich schon mit seinem Sexappeal, seiner Arroganz und seiner Aura messen? Mir war noch keiner begegnet! Doch es war auch nicht notwendig. Ich hatte keineswegs die Absicht, gleich in die Arme des nächsten Mannes zu segeln, sondern wollte einfach nur ein bisschen nette Unterhaltung.
Wir setzten uns an den Tisch und begannen eine leichte Konversation, die schnell in die geschäftliche Schiene abrutschte. Ich erzählte ihm von den Anfängen im Diner, von der Aufopferung Lou´s für sein Geschäft und den skurrilen Gästen, die uns immer wieder besuchten. Er hörte aufmerksam zu, stellte hier und da eine Frage und schien beeindruckt von meinen Ausführungen. Plötzlich wurden Stühle gerückt und zwei hochgewachsene Körper setzten sich zu uns an den Tisch. Es dauerte einen Moment, ehe ich registrierte, dass es dabei um Edward und Emmett handelte.
„Schönen Abend!“, sagte Edward gutgelaunt, „Wie ich sehe, habt ihr schon angefangen. Es tut mir leid, dass ich mich verspätet habe. Aber meine Verlobte konnte mich einfach nicht von ihrer Seite lassen.“
Grimmig sah ich ihn an. Er ruinierte mir „meinen“ Abend, dieser Mistkerl. Und was tat Emmett hier? Sollte er nicht bei Rose sein und ihr Liebesschwüre ins Ohr flüstern?
„Du hättest gar nicht kommen müssen, Edward!“, sagte ich angesäuert, „Ich kann mich nämlich gar nicht daran erinnern, dass du eingeladen warst.“
Gespielt erstaunt sah er mich an. Dieser elende Schauspieler!
„Ist das etwa kein Geschäftsessen? Ich meinte, so etwas gehört zu haben.“
„Natürlich ist das Essen geschäftlicher Natur, Edward“, sagte James beschwichtigend, der die Spannung zwischen mir und Edward genau spürte. Der sah mich nur überheblich an und weidete sich an meiner Verärgerung. Emmett grinste nur gutmütig und bestellte sich sein Essen. Edward tat es ihm gleich und mein Abend war gelaufen. Ich wusste nicht, wie ich es aushielt, ihm nicht an die Gurgel zu springen, doch ich schwor mir innerlich Rache.
„Bella ist wirklich eine sehr kompetente Person. Was ihr an Wissen fehlt, macht sie locker durch ihre Menschenkenntnis und eine gesunde Arbeitseinstellung wieder wett“ , fing James an, um ein Gespräch in Gang zu bringen.
Aus halbgeschlossenen Lidern sah Edward mich an, sein Blick ein einziges Versprechen, das er aber niemals halten würde.
„Ich konnte mich schon selbst von ihren „Qualitäten“ überzeugen“, sagte er zweideutig und ich trat ihm unter dem Tisch gegen das Schienbein. Er zuckte kaum merklich und grinste teuflisch, als er meine Wut bemerkte. Na warte, Cullen! Dir wird gleich das Lachen vergehen. Ich schlüpfte aus meinem Schuh und legte meine Fußsohle direkt auf seinen Schritt.
Er verschluckte sich an seinem Wein, während er unter der Tischdecke, nach meinem Knöchel griff. Doch anstatt ihn wegzuziehen, drückte er mich nur noch fester gegen seine Erregung. Sein Blick war heiß, die Wärme die von seinem Schoss ausging, verbrannte meine Fußsohle. Ich sollte endlich lernen, ihn nicht zu unterschätzen.
„Bella, ich würde gerne noch auf einen Sprung in den Club von meinem Freund Jasper gehen. Hätten Sie Lust mich zu begleiten“, startete James einen neuen Versuch, mir und ihm, ein paar Stunden allein zu verschaffen. Ich dachte darüber nach. Alice war gerade bei der Einarbeitung von ihrer Nachfolgerin und würde auch anwesend sein. Da ich ihr ein paar Tage freigab, um diesen letzten Gefallen an Jasper möglich zu machen, hatte ich sie nicht mehr gesehen, um mit ihr Cynthias „Verwandlung“ zu besprechen. Es wäre die perfekte Gelegenheit, dies nachzuholen.
„Das ist eine großartige Idee“, lächelte ich, „Ich habe selbst dort gearbeitet, aber den Job aufgegeben. Es wäre schön, meine alten Kollegen wiederzusehen.“
„Ihr habt doch nichts dagegen, wenn wir uns anschließen?“, fragte Edward penetrant und drückte meinen Fuß noch fester gegen sich. Wenn er nicht bald aufhörte, würde er nicht aufstehen können, ohne dass es richtig peinlich für ihn wurde. Doch es war schon zu spät! Er war schon hart und ich riss die Augen auf, als ich spürte „wie“ groß er war. Heilige Maria, mir brannten die Wangen vor Scham. Ich hatte seit Jahren keinen Mann mehr so direkt gefühlt und Jake war in dieser Hinsicht lange nicht so gut bestückt gewesen wie der Mann vor mir. Er wusste genau, was in mir vorging und ein vorfreudiges Grinsen lag auf seinem Gesicht. Mit aller Kraft entzog ich ihm meinen Fuß und er entließ ihn aus seinem Griff. Schwer atmend griff ich nach meinem Wasserglas und schüttete den Inhalt in einem Zug weg.
James war nicht begeistert über Edwards Ankündigung uns zu begleiten, war aber viel zu höflich, um ihm eine Absage zu erteilen. Nach allem was ich so raus gehört hatte, war James ein kleiner Fisch im Vergleich zu Edward. Wir machten uns also auf und teilten uns zu viert ein Taxi. Emmett saß vorn beim Fahrer, während ich zwischen James und Edward eingequetscht in der Mitte der Rückbank saß. Ich quiekte fast auf, als ich plötzlich Edwards Hand spürte, die mir unter seinem Mantel, den er unauffällig über seinen Schoss gebreitet hatte, unter den Rock fuhr. James bekam davon gar nichts mit, denn er starrte gedankenverloren in die dunkle Nacht hinaus.
Mit klopfendem Herzen, wartete ich was passierte und spürte seine streichelnden Bewegungen auf meiner Haut. Es war so unglaublich prickelnd, verboten und sinnlich, was er mit mir anstellte. Am liebsten hätte ich mich zurückgelehnt, die Beine gespreizt und mich von ihm verwöhnen lassen. Er war wirklich gut mit seinen Händen, das musste man ihm lassen. Er tat jedoch nichts weiter, als immer wieder zärtlich über meinen Oberschenkel zu streicheln, was den Aufruhr in meinem Inneren nicht mindern konnte. Ich war Gott froh, als wir endlich im Club waren und erstarrte, als uns plötzlich Jessica entgegenkam. Er fluchte leicht, was mich wiederum zu einem Grinsen verleitete. Von wegen, würdiger Ersatz!
„Edward, was für eine Überraschung!“, rief sie mit ihrer nasalen Stimme.
„Jessica“, meinte er nur kühl und küsste sie auf die Wange, „Ich dachte, du bist heute abend bei deinen Eltern? Hast du nicht so etwas erwähnt.“
Sie wirkte ertappt, fing sich aber schnell wieder.
„Da wollte ich auch hin, aber Mutter hat mal wieder eine ihrer berühmten Migräneattacken. Dabei habe ich ihr doch ausdrücklich gesagt, sie solle es mit dem Tennismatch nicht übertreiben. Jetzt ist sie völlig erschöpft und der Kopf plagt sie fürchterlich“, meinte sie furchtbar affektiert, „Jedenfalls ist es großartig dass du hier bist, Darling. Komm, ich stell dich meinen Freunden vor.“
Mit diesen Worten zog sie ihn von uns weg, ohne mir und James auch nur die geringste Beachtung zu schenken. Sie war ja so fürchterlich unhöflich. Wenigstens war jetzt sichergestellt, dass er mir den Rest des Abends nicht zu nahe treten würde. Ob ich es bedauern oder gutheißen sollte, wusste ich selbst nicht so genau. Ich sagte James, dass ich nur kurz meiner Freundin Alice „Hallo“ sagen wollte und machte mich auf die Suche nach ihr.
Extra Kapitel
Alice PoV
Grimmig beobachtete ich die neue Bedienung, wie sie vergeblich versuchte die Kasse zu bedienen. Ich hatte ihr bestimmt schon über ein Dutzend Mal erklärt, wie sie funktionierte, doch sie bekam es einfach nicht in ihren Schädel. Dabei war es doch wirklich nicht schwer. Mittlerweile fragte ich mich ernsthaft, warum Jasper ausgerechnet diese wandelnde Dumpfbacke eingestellt hatte. Obwohl, wenn ich sie mir so ansah, dann war mir schon klar, welche „Attribute“ den guten Jasper von ihrer Befähigung überzeugten.
Sie besaß einen enormen Vorbau, bei dem der Onkel Doktor sicherlich seine Hand im Spiel hatte, eine wallende rote Mähne, Angelina Jolie-Lippen und eine unmissverständliche „Leg mich flach“ Ausstrahlung. Vor lauter Ärger würde ich noch anfangen zu wachsen und alles in mir sträubte sich, dieser dummen Pute etwas beizubringen. Vielleicht hätte ich sie sogar nett gefunden, wenn sie Jasper nicht gar so offensichtlich nachgestellt hätte. Sie spielte jedes Mal mit ihren Haaren, wenn er in der Nähe war, lächelte verführerisch und streckte ihm ihren Atombusen entgegen.
Und was tat Jasper? Dieser Idiot, hatte nichts Besseres zu tun, als auch noch auf diese Flirterei einzugehen. Was war nur aus dem Mann geworden, der sich nie an eine weibliche Angestellte herangemacht hätte. Offenbar war er zu der Überzeugung gekommen, dass er durchaus etwas Spaß haben könnte und die Frauen schmissen sich ihm förmlich an den Hals.
Kaum dachte ich an ihn, da kam er auch schon um die Ecke. Mein Herz blieb mir fast stehen, bei seinem Anblick und ich versank wieder in absoluter Trostlosigkeit. Seit ich einfach aus seinem Apartment abgehauen war, behandelte er mich mit Eiseskälte. Der Höhepunkt wurde erreicht, als ich ihm meine Kündigung präsentierte und er mich ohne Umschweife aus dem Club warf. Ich solle meine Sachen packen und sofort verschwinden, sagte er damals und brachte mich persönlich zur Tür. Er schob mich raus und schloss sie wieder, während ich draußen stand und die aufsteigenden Tränen unterdrückte.
Ich hatte schon eine leise Hoffnung gehabt, dass er die Gelegenheit nutzen würde, um mich zu fragen, ob wir uns mal treffen konnten. Schließlich war ich keine Angestellte mehr. Dass er so heftig und unnachgiebig reagieren würde, hätte ich nie vermutet. Doch schon nach ein paar Tagen ließ er mir über Juan ausrichten, dass ich noch Minusstunden hätte und diese in Form einer Einarbeitung reinzuholen hatte. Mir bleib nichts anderes übrig, als dieser Aufforderung Folge zu leisten und so stand ich jetzt hier, unglücklich verliebt, hatte Miss Erbsenhirn persönlich an der Backe kleben und zu allem Unglück, grinste er die Erbse auch noch strahlend an, während ich komplett ignoriert wurde.
„Lola“ , rief er mit seinem verführerischsten Lächeln, „du bist wie immer ein atemberaubender Anblick.“
Dieser Schleimer! Jetzt fehlte nur noch, dass er sie vor mir, um ein Date bat und mein Leben wäre eine einzige Katastrophe.
„Ich hoffe, Miss Brandon konnte dir einige nützliche Tips geben. Zumindest in ihrem Job war sie halbwegs zuverlässig.“
Oh,oh,oh, diese…..diese…..diese….eingebildete, degenerierte, völlig nutzlose Ausgabe von einem Mann! Was fiel ihm eigentlich ein? Lola kicherte geziert und wand sich zum hundertsten Mal in seiner Gegenwart eine Locke um den Finger. Bald würde sie keine Dauerwellen mehr brauchen, wenn sie so weitermachte.
„Sie tut ihr Bestes, aber sie kann mir sicher nicht so viel beibringen wie Sie“, hauchte sie zweideutig. Arrghhhh! Ihm gefiel das auch noch!
„Vielleicht kann ich bei Gelegenheit Ihren Unterricht noch vertiefen“, entgegnete er heiser und sah mich mit gemeinem Gesichtsausdruck an. Er wusste, dass er mir damit weh tat! Es reichte! Genug war genug!
„Jasper, ich muss mit dir reden!“, kommandierte ich und schob ihn in Richtung seines Büros. Dort schmiss ich die Tür zu und ging wie eine Furie auf ihn los.
„Jetzt hör mir mal genau zu, du selbstverliebter Prolet! Ich habe die Schnauze voll, hörst du. Ich lasse mich von dir nicht mehr so behandeln und du kannst deinen Scheiß hier alleine machen. Die ganzen letzten drei Jahre habe ich dir hinterher geschmachtet und du hast mich nie beachtet. Und jetzt, nachdem ich es dir im Suff erzählt habe, bist du sauer. Okay, daran kann ich nichts ändern. Ich schäme mich nicht für meine Gefühle und werde mich auch nicht dafür entschuldigen. Wenn du meinen Anblick nicht erträgst, warum hast du dann darauf bestanden, dass ich noch mal wiederkomme? Aber es reicht jetzt, ich mache das nicht mehr mit. Leb wohl, Jasper!“
Nach diesen Worten stand ich schwer atmend vor ihm und sah zu ihm auf. Meine Wut hatte mich mutig gemacht und jetzt konnte ich genauso gut aufs Ganze gehen. Ich zog ihn an seinem Hemd zu mir runter und küsste ihn leidenschaftlich. Wenigstens einmal wollte ich eine Erinnerung an ihn, die nicht durch Alkoholeinfluss getrübt war. Sanft presste ich meinen Mund auf seinen und merkte überrascht, dass er seinen Mund, meiner Zunge öffnete und leidenschaftlich mit ihr zu spielen begann.
Er hob mich hoch, sodass meine Beine über dem Boden baumelten und seine Arme zitterten nicht mal vor Anstrengung. Ich ließ mich endgültig fallen und genoss einfach nur noch seine Nähe. Die Küsse wurden immer tiefer und erließ mich langsam an seiner Brust entlang wieder auf den Boden zurückgleiten. Er machte jedoch keine Anstalten loszulassen, sondern umschloss mit beiden Händen meinen Po. Erregt stöhnte er auf und die Beule in seiner Hose rieb sich an meinem Unterleib.
„Alice!“, stöhnte er haltlos und tupfte Küsse auf meinen Hals. Er ließ dann langsam von mir ab und sah mich eindringlich an.
„Es….es….tut mir….leid“, brachte ich kläglich heraus. Jetzt war es mir peinlich, ihn so überfallen zu haben, auch wenn er am Ende mitgemacht hatte. Traurig wendete ich mich ab und lief mit hängenden Schultern zur Tür. Da wurde ich von ihm herumgerissen, auf seine Arme gehoben und zur Couch getragen, die in seinem Büro stand. Er legte mich darauf ab und sich selbst auf mich. Seine Hände umschlossen mein Gesicht und er küsste mich kurz aber leidenschaftlich.
„Du läufst mir nicht noch mal weg, Alice Brandon. Hast du das gehört! Sonst kette ich dich an mir fest und versohle dir den Hintern, damit du da bleibst, wo du hingehörst. An meiner Seite, wie es sich für eine Ehefrau gehört“, wisperte er lächelnd.
„Was?...Wie?...Wieso? ….Jasper?!“, stotterte ich herum. Ich verstand kein Wort, wollte er mich auf den Arm nehmen?
„Ich liebe dich auch, Alice! Als du so niedlich vor mir standst, damals nach deinem Aussetzer, da wurde es mir klar. Ich wollte dich mehr als alles andere, doch als du nach dem Abend im Club plötzlich ohne ein Wort verschwunden bist, dachte ich, du bereust deine Worte und ich war furchtbar enttäuscht. Deshalb war ich auch so kalt zu dir.“
„Oh Jasper! Wie kannst du das nur denken. Ich liebe dich und wünsche mir nichts sehnlicher, als mit dir zusammen zu sein.“
Er neigte lächelnd den Kopf, um mich zu küssen, als ein Klopfen an der Tür uns störte.
„Jasper, hier ist Bella. Hast du Alice irgendwo gesehen?“
Er grinste mich an.
„Sollen wir sie reinlassen?“
Ich nickte glücklich. Auch wenn der Zeitpunkt nicht glücklich gewählt war, so würde ich meine liebste Freundin niemals draußen vor der Tür stehen lassen.
„Du kannst reinkommen“, sagte Jasper grinsend und die Tür schwang auf. Kurz darauf stand eine überraschte Bella im Zimmer und starrte verblüfft zu Jasper, der noch immer auf mir lag.
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