Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 3 - Die erste Begegnung

Frierend wartete ich vor dem Hintereingang des Clubs auf Rosalie. Der Plan sie meinem Boss Jasper Whitlock vorzustellen, hatte mit dem vereinbarten Treffen hier endlich Gestalt angenommen und sie würde hoffentlich jeden Augenblick aufkreuzen, bevor ich mir in dieser Arschkälte sämtliche Gliedmaßen abfror. Jasper hatte nichts dagegen gehabt, sie sich wenigstens mal anzusehen und damit hatte sie den Job quasi schon in der Tasche. Er wäre verrückt sie nicht zu nehmen. Wo schöne Frauen waren, da befanden sich auch haufenweise männliche Gäste, die ihr Geld ausgaben. Das Dumme war nur, dass sie einfach nicht auftauchte und langsam wurde die Zeit knapp.

Irritiert über diese untypische Unzuverlässigkeit, blickte ich die dunkle Straße hinab und runzelte dabei die Stirn. Verdammt, wo blieb sie denn nur? Hüpfend sprang ich auf und ab, um mich ein wenig aufzuwärmen und rieb die klammen Finger aneinander. Immer wieder schaute ich auf die Uhr und ärgerte mich ein wenig darüber, dass sie sich tatsächlich verspäten würde, wenn sie nicht in den nächsten Augenblicken aufkreuzen würde. Jasper hasste Unpünktlichkeit und wenn sie schon zum Vorstellungsgespräch zu spät kam, würden ihr ihre langen blonden Haare und das schöne Gesicht auch nichts mehr nutzen. Meine Geduld neigte sich auch rapide dem Ende zu,  als ich sie in einem Affentempo auf mich zurennen sah. Erleichtert  atmete ich auf und wartete, bis sie schnaufend vor mir zum Stehen kam. Rosalie atmete heftig und hielt sich die Seiten.
 
„Entschuldige", japste sie und beugte ihren Oberkörper nach vorne, „die U-Bahn kam viel zu spät…. ein Unfall …..es hat….“, sie schnappte erneut nach Luft, wie ein Fisch auf dem Trockenen, „…. sich wohl jemand vor die Gleise geschmissen. Ich musste laufen und  bin jetzt völlig fertig…..sorry."

Gierig sog sie erneut die Luft ein und erholte sich so langsam von ihrem Sprint. Von meinen Sorgen befreit, sah ich sie lachend an.

„Mann, Rose! Deine Kondition ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Jetzt müssen wir uns aber beeilen. Jasper wartet nicht gerne."

Wir traten durch einen breiten Eingang in einen schmalen, sehr langen Gang ein, der zu den Privaträumen des Clubs führte. Die Wände waren kahl, der Putz zeigte erste feine Risse und auch sonst wirkte es nicht sonderlich einladend. Ich fing Rose zweifelnden Blick auf und führte sie schnurstracks durch den  Flur, bis wir vor einem zweiten Eingang hielten. Seitlich war ein Apparat befestigt – die Alarmanlage, deren Punkt momentan grün leuchtete, da sie entsichert war. Wie immer, zog ich meine Personalkarte durch den Schlitz,  ein leises Summen ertönte und ich konnte die dicke Stahltür aufstoßen, die in Jaspers Reich führte. Hier wirkte alles schon viel freundlicher und Rose sah sich neugierig um. Hier waren die Wände nicht schmutziggrau, sondern strahlend weiß gestrichen, der Boden war sauber und auch sonst machte alles einen viel solideren Eindruck. Mehrere Türen führten in unterschiedliche Räume. Der Personalraum war verschlossen, genau wie Jaspers Büro und der Notausgang, der in solchen Etablissements vorgeschrieben war und sich aber jederzeit von Innen öffnen ließ.  Am Ende des Ganges gab es eine kleine Treppe, deren wenige Stufen hinunter zu einer dunkelvertäfelten Tür führten. Von dort aus gelangte man direkt in den Club hinein.  Doch jetzt zog es mich erst mal woanders hin und ich klopfte leise bei Jasper an. Um diese Zeit war er meistens noch dort. Erst kurz bevor  die ersten Gäste eintrudelten, ließ er sich draußen blicken, um den Clubraum noch einer letzten Kontrolle zu unterziehen. Jasper war unglaublich pingelig und wenn nicht alles an seinem Platz war und vor Sauberkeit blinkte, konnte er ziemlich unangenehm werden.

„Herein!“, hörte ich dumpf seine Stimme durch das Holz und ich nickte Rose aufmunternd zu.

„Na los, du kannst unbesorgt reingehen. Er beißt nicht und erwartet dich schon. Wir treffen uns dann draußen im Club, sobald ihr fertig seid.“ Damit öffnete ich ihr die Tür, sie trat mit einem höflichen „Guten Abend, Mr. Whitlock“ hinein und ich schloss vorsichtig die Tür hinter ihr.  Alles Weitere musste sie selber machen. Schnell lief ich zum Umkleideraum, in dem sich außer mir keiner mehr befand. Routiniert öffnete ich meinen Spind und holte meine Arbeitskleidung raus. Alle weiblichen Bedienungen trugen ein kurzes, schwarzes Kleid. Es war sexy, wirkte aber zum Glück nicht billig, und endete knapp oberhalb der Knie in einem leicht ausgestellten Rock. Trotzdem war es für meinen Geschmack noch zu aufreizend, ich fühlte mich in Jeans und meinen heißgeliebten Rollkragenpullovern einfach am Wohlsten. Sicherer. Schnell schlüpfte ich in das Kleidchen hinein, zupfte noch ein wenig am Ausschnitt herum, in dem völlig aussichtslosen Versuch ihn ein gutes Stück nach oben zu ziehen. Danach prüfte ich kurz am Spiegel neben der Tür, ob sich meine hochgesteckten Haare noch an ihrem Platz befanden und trollte mich dann zu den anderen in den Club. Schon bevor ich eintrat, konnte ich  von außen die laute Musik gedämpft  durch die Tür hören und  sobald ich diese aufstieß, schallte sie mir auch bereits in voller Lautstärke entgegen.

Es war jedes Mal von neuem beeindruckend,  wenn ich diesen großflächigen  Raum betrat. Den Mittelpunkt bildete eine riesige Bar, die wie ein Quadrat mitten im Club stand. Drumherum konnten es sich dir Gäste auf den Barhockern gemütlich machen, oder sich in die etwas versteckteren Bereiche mit den Tischgruppen zurückziehen. Auf der oberen Etage befand sich der VIP- Bereich. Dort hielten sich nur die reichsten und wichtigsten Gäste auf, ein Security verhinderte, dass ein Normalsterblicher dort hinaufgelangte. Grüßend trat ich an die lange Bar und nickte unserem frechen Barkeeper zu, ehe ich einen Blick auf den heutigen Einsatzplan warf. Sofort stöhnte ich innerlich auf, als ich lesen musste, dass ich zusammen mit Alice unsere superreichen VIP´s bedienen musste. Das hieß wieder dämliche Anmache und noch dämlichere Sprüche von diesen Möchtegern Machos, die mehr Dollars auf ihrem Konto liegen hatten, als Gehirnzellen in ihren Köpfen.

Ich sah mich um und entdeckte die kleine Schwarzhaarige am Tresen. Alice lachte und befestigte nebenbei ihren Geldbeutel an der Hüfte.

„Hi, Alice", rief ich über den Krach hinweg und sie drehte sich um. Das kinnlange, tintenschwarze Haar flog ihr ums Gesicht und ihre grünen Augen strahlen, sobald sie mich entdeckte.

„Hey!“

Fröhlich winkte sie und kam tänzelnd auf mich zu. Sie war schon ein verrücktes Huhn und wer sie nicht kannte, dachte unwillkürlich, sie hätte eine Handvoll Muntermacher verschluckt. Aber es lag einfach in ihrer Natur gute Laune zu haben und sie versprühte sie großzügig an ihre Umgebung.

„Bella, wie schön, du bist endlich hier. Ich wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben.“

„Sorry, mir kam noch was dazwischen, aber du brauchst keine Angst zu haben, dass du allein da rauf musst.“ Ich deutete mit einer leichten Kopfbewegung nach oben und sie verzog ein wenig das Gesicht.

„Du hast also schon gesehen, dass wir zwei heute wieder die Ehre haben. Mal sehen, was für Sprüche unsere oberen Zehntausend heute wieder draufhaben."

Ich verzog  ebenso genervt mein Gesicht, wie Alice gerade eben.  Sicher, die Trinkgelder waren hervorragend, aber lieber hätte ich meinen Abend zusammen mit einer Horde Affen verbracht, als mir das geistlose Gequatsche von diesen Neureichen anzutun. Auch ich nahm meinen bereits bestückten Geldbeutel aus dem kleinen Tresor unterhalb der Bar und hängte ihn mir um die Hüften und machte mich mit ihr auf den Weg zur Treppe. Jeden Augenblick würde der Club seine Pforten öffnen und die Gäste wie ein Bienenschwarm hereinströmen. Die Putztrupps wischten noch die letzten Tische ab und auch das restliche Personal machte sich bereit, um die Mengen an Gästen anzufertigen. Kurz darauf war es auch schon soweit und wie immer war der Laden innerhalb weniger Minuten rappelvoll. Alice und ich begaben uns auf die Empore und bedienten die ersten Gäste. Es war ein knochenharter Job. Ständig musste man die Stufen mit den Tabletts rauf und runter laufen und wehe es dauerte mal länger. Diese Gäste waren unglaublich anspruchsvoll und es war schwer ihnen immer gerecht zu werden. Die Musik donnerte zusätzlich ohrenbetäubend durch den Raum, die Luft war verraucht und die Menschenmassen, die sich über die Tanzfläche bewegten, sorgten für einen unangenehmen Schweißgeruch. Ich blendete all diese Eindrücke aus und machte einfach meine Arbeit. Nebenbei schaute ich mich mehrmals suchend um, in der Hoffnung, irgendwo in der Menge Rose zu entdecken.

Das Gespräch dauerte schon ziemlich lange, was positiv war. Ich war mir sicher, dass sie den Job bekommen würde und wohl gerade den Vertrag unterschrieb. Nach einigen weiteren Minuten entdeckte ich dann schließlich ihren blonden Haarschopf in der Menge. Sie versuchte gerade vergeblich einen Kerl loszuwerden, der sich an ihren Rockzipfel gehängt hatte und kämpfte sich bis ans Fußende der Treppe. Der Security stoppte sie und auch der herzerweichende Blick aus ihren blauen Augen, half ihr da nicht weiter. Schnell ging ich zu ihr hinunter.

„Wie ist es gelaufen?", fragte ich sie atemlos.

Sie grinste triumphierend und zwinkerte dem Bodyguard zu, der sie trotz seiner Weigerung, sie nach oben zu lassen, hingerissen anstarrte. Innerlich seufzte ich. Ob mich jemals ein Mann so ansehen würde? Ich bezweifelte es stark.

„Ich hab den Job", schrie sie laut um den Lärm zu übertönen, „ nächste Woche fange ich an."

„Das ist ja großartig!", schrie ich ebenso laut zurück und drückte sie begeistert. „Hör mal, ich muss jetzt weitermachen. Wir telefonieren morgen, okay!"

Sie gab mir durch Handzeichen zu verstehen, dass sie verstanden hatte und verließ  unter den begehrlichen Blicken einiger Männer den Club. Etwas besser gelaunt machte ich mich wieder an die Arbeit. Zur Abwechslung waren die Gäste heute mal ganz erträglich, doch nur ein paar Minuten später wurde ich eines Besseren belehrt.

Während ich einen  reservierten Tisch ganz in der Ecke des VIP-Bereichs abwischte, hörte ich eine weibliche Stimme hinter mir. Sie klang ziemlich geringschätzig, geradezu verächtlich und ich erstarrte mitten in der Bewegung.

„Edward, warum müssen diese Bedienungen immer so lahm sein? Die wischt schon eine Ewigkeit an diesem Tisch rum. Man sollte es Jasper sagen, was für eine unfähige Person er da unter seinem Personal hat und sie rausschmeißen."

Meine Erstarrung löste sich schlagartig und ich drehte mich abrupt um. Wie erwartet stand ich einer kleinen Gruppe schöner Menschen gegenüber. Die weibliche Stimme von eben gehörte zu einer hübschen Rothaarigen, die mich verächtlich musterte. Schluckend nahm ich die anderen nur noch schemenhaft wahr, da ihre Worte mich sehr getroffen hatten. Hinzu kam noch die Angst, dass sie ihre Drohung wahrmachen würde und Jasper um meine Entlassung bitten würde. Ich straffte die Schultern und sah die Frau fest an. Jetzt half nur die Flucht nach vorn! Ich brauchte diesen Job um jeden Preis, sonst war ich aufgeschmissen.

„Verzeihen Sie, aber wir möchten unseren Gästen eine möglichst angenehme Umgebung bieten und geben uns daher besondere Mühe, alles sauber zu halten. Wenn dadurch eine kurze Verzögerung eingetreten ist, tut es mir leid. Ich hoffe der Rest des Abends wird zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen", entschuldigte ich mich mechanisch und hätte am liebsten gekotzt, weil es mir so zuwider war, vor dieser eingebildeten Pute auf dem Boden zu kriechen. Doch der Gedanke an Danny und mein ziemlich leeres Konto half mir dabei. Abwartend sah ich die Frau an, aber sie schnaubte nur unwillig.

„Ja, ja ist schon gut“, erklärte sie dann zu meiner grenzenlosen Erleichterung. „ Machen Sie einfach fertig! Ich habe keine Lust hier noch länger rumzustehen."

Wie leicht es doch war, diese Leute zu manipulieren. Es reichte schon, sich unterwürfig zu geben und sie waren zufrieden. Das war erbärmlich und Verachtung stieg in mir hoch. Sollte ich jemals viel Geld besitzen, würde ich die Menschen nicht so behandeln. Jeder verdiente Respekt, egal, ob arm oder reich. Ich beugte mich nochmal über den Tisch und wischte hastig die Tischplatte sauber, ehe ich mich wieder aufrichtete, nur um wie vom Blitz getroffen zu erstarren.

Neben der unmöglichen Frau tauchte der schönste Mann auf, den meine Augen jemals erblicken durften. Er schlang besitzergreifend seinen Arm um ihre schmale Taille und streichelte mit der Hand ihre Hüfte auf und ab. Doch obwohl er gerade eine andere Frau liebkoste, brannte sich sein Blick in meinen. Dunkelgrüne, tiefliegende Augen beherrschten ein perfekt geformtes Gesicht und ein respektloses und geradezu anzügliches Lächeln umspielte die vollen Lippen. Er war groß, wenn ich mich neben ihn stellen würde, dann wäre er bestimmt zwanzig Zentimeter größer als ich. Meine Augen glitten wie ferngesteuert über seine restliche Gestalt und nahmen jede noch so kleine Einzelheit auf. Auffällig war die Haarfarbe dieses Mannes. Ein ganz außergewöhnliches und schönes Bronzebraun, das wunderbar mit seinen eher blassen Gesichtszügen und seinen Augen harmonierte. Der leichte Dreitagebart, der seine Wangen und das Kinn bedeckte, bewahrte ihn davor zu verweichlicht auszusehen und verlieh ihm einen ganz eigenen Sexappeal. Seine Schultern waren breit und der restliche Körper wirkte passend zu seiner Größe eher athletisch, als übermäßig muskulös. Der Kerl hatte richtige Modelmaße, aber nicht so androgyn wie es momentan so gefragt war, sondern eher männlich markant mit klassischer Eleganz gepaart. Ein James Bond Typ, schoss es mir durch den Kopf, während ich merkte, wie sein intensiver Blick mir die Hitze in die Wangen trieb. Auch das noch!

Den Augenkontakt abbrechend trat ich zur Seite, damit sie sich setzen konnten. Er und die Rothaarige waren in Begleitung von drei weiteren Personen. Ein großer und muskulöser Mann mit dunklen Locken, der mich seltsamerweise freundlich anlächelte, dann noch ein blonder Kerl mit schmierigem Grinsen, der seiner Begleiterin gerade die Zunge bis zum Anschlag in den Hals steckte. Sie schoben sich nacheinander an mir vorbei, um endlich den ersehnten Sitzplatz in Beschlag zu nehmen. Der Schönling nutzte sofort die Gelegenheit und ging so eng wie möglich an mir vorbei. Er streifte mich leicht seitlich und ein wahrer Schauerregen überzog meinen gesamten Körper. Auch dieser männlich herbe Geruch den er verströmte, erschlug mich förmlich. Verwirrt starrte ich auf die Gruppe hinunter und brachte nur mühsam die nächsten Worte raus.

„Guten Abend, mein Name ist Bella und ich werde mich heute Abend um Sie kümmern. Was darf ich Ihnen bringen?"

Wusste Jasper eigentlich wie zweideutig dieser Satz klang? Aber er bestand darauf, sich den Gästen so vorzustellen, obwohl ich mir deswegen schon viele eindeutige Kommentare antun musste. Der attraktive Fremde namens Edward, fuhr sich durch sein bronzefarbenes Haar und grinste mich süffisant an.

„Bella, was für ein hübscher Name“, stellte er  fest. „Da hab ich aber Glück, dass du dich um unser Wohl kümmerst. Wie weit geht denn dein Service?"

Er lachte dreckig und ich war entsetzt, weil er mich so offen beleidigte. Ich war doch keine Nutte! Die anderen fanden das aber ziemlich lustig und stimmten in sein blödes Lachen mit ein. Nur der Große mit den Locken hielt sich zurück und verzog angewidert den Mund. Wenigstens einer mit ein bisschen Anstand dachte ich und fragte mich gleichzeitig, warum er mit solchen Idioten unterwegs war. Dann starrte ich wieder diesen Edward an und war irgendwie enttäuscht. Wie konnte so ein schöner Mensch nur so gemein sein? Geld verdarb wirklich den Charakter, denn das musste er im Überfluss besitzen, wenn er sich für sein Outfit und die Accessoires nicht hoffnungslos in Schulden gestürzt hatte. Doch eigentlich hatte er die Ausstrahlung eines Menschen, der sich nicht um ein paar Dollar mehr oder weniger sorgen musste. Zudem trug er eine superteure Uhr ums Handgelenk. Eine Breitling. Die erkannte sogar ich auf den ersten Blick, weil ich mir gern die funkelnden Auslagen der Juweliere anschaute. Ich müsste für so ein Ding mindestens ein Jahr lang arbeiten und er trug sie mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er sie für ein paar Cent aus einem Kaugummiautomaten gezogen.

„Sir, ich bin für Ihre Getränke zuständig und nicht zu Ihrer Belustigung da", erwiderte ich gespielt selbstsicher, obwohl mir die Knie zitterten. Ich wollte keinen von denen verärgern, weil ich meinen Job gerne behalten hätte, aber ich wollte mich nicht weiterhin beleidigen lassen. Er lehnte sich zurück und musterte mich träge von oben bis unten. Ich spürte seine Blicke, als würde er die Konturen meines Körpers mit den Händen nachfahren und irgendwie spürte ich auch, dass er das wohl auch ganz gerne gemacht hätte. Er leckte sich leicht über die Lippen, biss sich dann auf die untere und wirkte keineswegs beeindruckt von meinem Ausbruch. Das Lächeln auf seinem Gesicht vertiefte sich, ehe er sich wieder an seine Begleiterin wandte.

„Wie schade, dann muss ich mich halt wieder mit dir begnügen, Tracey", frotzelte er.

Wow, was für ein Riesenarschloch, schoss es mir sofort durch den Kopf und ich bekam sogar Mitleid mit der Frau, obwohl sie nicht sonderlich nett war. Doch sie tat es nur mit einem Schulterzucken ab.

„Edward, solange du meine Rechnungen zahlst, kannst du dich mit der Kleinen vergnügen, solange du willst. Du hast genug Kraft und Ausdauer, um dich mit zwei Frauen zu befassen, ich werde sicher nicht darunter leiden."

Mein Mitleid schwand sofort und ich fühlte mich wie in einem schlechten Film. Diese kleine Gruppe präsentierte mir eindrucksvoll, wie anders ihre Welt doch war. Verdorben durch zu viel Geld, interessierten sie sich nicht für die Gefühle anderer, und in diesem Fall nicht mal für die Eigenen. Machte es ihr denn gar nichts aus, dass ihr Freund offen eine andere anmachte? An ihrer Stelle wäre ich ausgeflippt, denn sie zeigte deutlich, dass es ihr wohl nur um sein Bankkonto ging.  Viel Kohle, aber kein Stolz. Na, besten Dank auch! Das war in meinen Augen ausgleichende Gerechtigkeit und ich fühlte mich sofort wieder etwas besser und sicherer.

„Bringen Sie uns doch bitte allen einen Martini. Ich denke, das war es für das Erste", sagte der Dunkelhaarige freundlich und unterbrach so diese unangenehme Situation.

Erneut fragte ich mich, warum er sich mit denen abgab? Die Frage wurde mir gleich darauf beantwortet.

„Brüderchen, warum so voreilig?", zischte dieser Edward eiskalt und warf mir einen komischen Blick zu, unter dem mir ganz unwohl zumute wurde. Ich fühlte mich wie eine Beute, die gejagt und schon bald erlegt werden würde.  Es passte ihm jedenfalls nicht, dass sein Bruder sich eingemischt hatte. „Ich war noch nicht fertig mit ihr, Emmett. Sie holt die Bestellung, wenn ich es sage und keine Sekunde eher."

Wütend wartete ich die Antwort des netten Mannes gar nicht erst ab, der nur genervt den Kopf nach hinten fallen ließ und die Augen verdrehte.

„Aber ich bin fertig mit Ihnen!", schrie ich sauer und kam einen Schritt näher an ihn heran. Da er in dem weichen Sessel thronte wie ein Prinz, war ich diejenige, die ihn jetzt überragte. Ich lehnte mich ein gutes Stück nach vorne zu ihm hin und achtete nicht darauf, dass ich ihm so einen hübschen Einblick in mein Dekolleté gewährte.

„Jetzt hören Sie mir mal gut zu, Freundchen!“, zischte ich wütend und vergaß meinen Job und meine bescheidene finanzielle Situation. „So viel Geld können Sie gar nicht bezahlen, damit ich so jemanden wie Sie weiterhin bediene. Sie sind der schlimmste Kotzbrocken, der mir hier jemals begegnet ist und glauben Sie mir, ich habe schon einige kennen gelernt. Meinetwegen rennen Sie zu meinem Boss und heulen Sie ihm die Ohren voll, aber mit mir spielen Sie solche Spielchen nicht.“

Seine Augen weiteten sich erstaunt und er war zu verblüfft über meine Attacke, um darauf zu reagieren. Ich nutzte seine augenblickliche Sprachlosigkeit, drehte mich  auf dem Absatz um und stürmte die Treppen runter. Als hätte er etwas geahnt, kam mir Jasper entgegen und ich segelte fast schon in seine Arme, weil ich Tollpatsch die letzte Stufe verfehlte und gerade noch so vor einem peinlichen Sturz bewahrt wurde. Doch das machte mir momentan nichts aus, weil ich immer noch stinkend wütend war. Ich warf einen Blick nach oben und sah, dass er mich weiterhin anstarrte. Sein Gesichtsausdruck war verbissen und alles andere als fröhlich.

„Jasper, ich kann diese Leute da oben nicht mehr bedienen. Das Verhalten dieses Kerls da oben, ist einfach widerlich. Er behandelt mich wie ein Stück Dreck und hat mich beleidigt. Selbst wenn ich dafür rausfliege, ich werde da nicht mehr raufgehen."

Jasper blickte hoch, erkannte wohl sofort, wen ich meinte und nickte verstehend.

„Du hast die Aufmerksamkeit von Edward Cullen geweckt, du armes Ding. Der lässt sich nicht von einer Frau abkanzeln und vergisst es dann.“ Jaspers blaue Augen blickten mitleidig. „Oh Bella, der wird dir nachstellen, bis du ihm nachgibst. Durch deinen Abgang hast du sein Interesse höchstens noch verstärkt. Er kann es gar nicht ab, wenn man sich ihm widersetzt. Das gilt geschäftlich genauso wie privat."

„Heißt das, ich muss da wieder rauf?" , brach es entsetzt aus mir heraus. Das kam gar nicht in Frage! Lieber hätte ich eklige Bahnhofstoiletten geschrubbt, als mich noch mal in die Nähe dieses arroganten Mistkerls zu wagen.  Mit weit aufgerissenen Augen sah ich zu Jasper hoch und betete um negative Antwort. Meine Gebete wurden erhört, denn Jasper schüttelte den Kopf.

„Nein, ich schicke jemand anderes hoch. Sally soll deinen Platz einnehmen. Sag ihr die Bestellung durch und dann tauscht ihr. Ich regle das mit Cullen, denn ich will ihn als Gast nicht verlieren.“

„Tut mir leid, aber er war so gemein“, erwiderte ich beklommen und war froh über Jaspers verständnisvolle Reaktion.

„Ist schon okay. Ich führe einen Club und kein Bordell. Meine Bedienungen sind dazu da, um die Getränke zu servieren und nicht, um die Männer hier zu belustigen. Ich werde ihm das schon begreiflich machen und er wird mir sicher nicht als Gast abspringen. Wenn du Glück hast, lässt er dich laufen."

„Glück hin oder her, wenn ich nicht will, kann er gar nichts ausrichten", sprach ich entschlossen.

Jasper lachte leise und sah mich an, als wüsste er etwas, das ich nicht wusste. Das machte mir ein bisschen Angst, aber ich schob dieses unnütze Gefühl von mir weg.

„Mach nicht den Fehler ihn zu unterschätzen, Bella. Da sind schon ganz andere auf die Nase gefallen. Er ist ein eiskalter Hund und hat keine Skrupel, sich einfach das zu nehmen, was er haben will. Fühl dich also nicht zu sicher und forder ihn nicht zu sehr heraus, wenn ihr das nächste Mal aufeinander trefft. Das könnte nach hinten losgehen."

„Woher kennst du ihn so gut?"

„Du hast doch bestimmt den großen Lockenkopf gesehen? Das ist sein Bruder Emmett. Ich bin mit ihm befreundet und daher bestens über Edward Cullens Charakter im Bilde."

Unbehaglich sah ich nach oben und merkte wie Cullen mich weiterhin wie hypnotisiert angaffte. Dieser Blick ging mir durch und durch. Jasper hatte Recht, Edward Cullen wollte mich haben. Aber warum in aller Welt ausgerechnet mich? Ich war wirklich nichts Besonderes. Mit den dunklen Haaren und der viel zu blassen Haut, war ich ganz hübsch, aber nicht so spektakulär wie die Rothaarige, die er bei sich hatte.  Das einzige worauf ich stolz sein konnte, war meine Figur. Trotz Kind war ich schlank und hatte perfekte Proportionen. Meine Beine waren auch hübsch anzusehen, obwohl sie wegen meiner bescheidenen Körpergröße von 1,63 nicht sehr lang waren.

Alles in allem spielte er in einer ganz anderen Liga und hätte trotz seines schweinischen Benehmens jede haben können – außer mir. Allerdings musste ich zugeben, wenn sein Auftreten nicht so großspurig und mies gewesen wäre, hätte ich durchaus schwach werden können. So aber verbaute er sich sämtliche Sympathien und ich war nur noch genervt. Jaspers Warnung nahm ich nicht allzu ernst, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass er mir noch mehr Aufmerksamkeit schenken würde.

„Ich danke dir dafür, dass ich da nicht mehr rauf muss", sagte ich ehrlich, „ich gehe jetzt zu Sally und sag ihr Bescheid."

Nach kurzer Erklärung tauschte ich mit Sally und bediente die Gäste im unteren Bereich. Es war unglaublich stressig, doch ich bewegte mich sicher durch die Menge und versorgte alle mit den bestellten Getränken. Glücklicherweise hatte ich meine Tollpatschigkeit größtenteils abgelegt, sonst wäre dieser Job ein Ding der Unmöglichkeit. Ich fühlte mich jetzt viel wohler und kurz bemerkte ich, dass Jasper bei IHM war und ihm was ins Ohr flüsterte. Neugierig wartete ich auf seine Reaktion, doch sein Gesichtsausdruck war undurchschaubar.

Kurz darauf zog er die Rothaarige an sich und küsste sie hart und verlangend, während Jasper wieder  nach unten verschwand. Der Anblick von ihm mit dieser Frau versetzte mir unerwartet einen kleinen Stich, doch schnell schüttelte ich dieses absurde Gefühl wieder ab. Ich konnte froh sein, wenn er sein Interesse wieder anderen Dingen oder Personen widmete. Doch irgendwie konnte ich die Augen nicht von dieser Szene abwenden und ich erschrak beinahe zu Tode, als ich merkte, dass er während des Kusses die ganze Zeit auf mich nieder sah. Dieser Kuss war nur eine reine Demonstration seiner Macht und nicht dazu gedacht diese Tracey zu verführen oder mich eifersüchtig zu machen. Er sagte aus, dass er sich wirklich nahm was er wollte, wann und wo es ihm gefiel.

Endlich ließ er von der Anderen ab und zwinkerte mir zu. Sein Mund formte lautlose Worte und ich glaubte ein "Es ist noch nicht vorbei" zu erkennen. Blitzartig drehte ich mich um und ging wieder meiner Arbeit nach. Von dem würde ich mich nicht unterkriegen lassen! Wenn er glaubte, er würde mich mit seinem Verhalten einschüchtern, dann hatte er sich geschnitten. Niemals würde ich ihm nachgeben, das schwor ich mir.

Den Rest des Abends schaffte ich es ihn zu ignorieren, obwohl ich genau wusste, dass er mich laufend beobachtete. Seine Anwesenheit reichte, um mich unglaublich nervös zu machen. Ständig verwechselte ich Bestellungen und ich machte drei Kreuze, als die Schicht endlich zu Ende war.

Müde und geschafft stieg ich in mein Auto und legte den Kopf auf dem Lenkrad ab, um durch zu schnaufen.  Edward Cullen war irgendwann plötzlich verschwunden, ohne sich mir nochmals zu nähern und ich hatte die schwache Hoffnung, ihn niemals wiederzusehen. Erleichtert startete ich mein Auto und hörte in der nächsten Sekunde nur ein grauenvolles Röcheln und Knattern, sobald der Motor anlief. Kurze Zeit später stieg Rauch aus der Motorhaube auf und ich zog den Schlüssel wieder ab und verließ schlecht gelaunt und fluchend den Wagen. Wütend und überfordert verpasste ich dem VW einen kräftigen Tritt.

„Du blödes Ding, hättest du damit nicht warten können, bis ich wieder zuhause bin?“ Ich blickte verzweifelt in den nächtlichen Himmel. Was hatte ich in meinem früheren Leben nur verbrochen, dass ich so gestraft wurde. Jetzt war ich gezwungen den Bus zu nehmen und brauchte mit Sicherheit doppelt solange, um nach Hause zu kommen.

„Kann ich dir irgendwie helfen?"

Diese amüsierte Stimme war mir nur allzu bekannt und als ich den Kopf herumriss, sah ich in das grinsende, hübsche Gesicht von Edward Cullen.

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