Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 6 - Ablenkung

Als ich ihm einen letzten Blick zuwarf, bemerkte ich,  dass er die Brünette wütend an der Hand hinter  sich herzog, ohne darauf zu achten, ob sie Schritt halten konnte oder nicht. Er wirkte ungehalten und die junge Frau tat mir jetzt schon leid.
Ein verärgerter Edward Cullen war nicht unbedingt die beste Gesellschaft und jetzt war er sauer.  Sehr sogar.

Ich warf einen vorsichtigen Blick zu Bibi und fragte mich, was sie jetzt wohl dachte, nachdem sie endlich die Bekanntschaft mit meinem persönlichen Alptraum gemacht hatte.

„Das ist er also“, sagte sie und betrachtete seinen Rückzug mit einem erstaunten Lächeln, “ ich muss zugeben, dass er durchaus ein reizvolles Mannsbild ist, aber sein Charakter ist  verbesserungswürdig. Du solltest meine Warnung ernst nehmen und ihn nicht zu sehr reizen. Es könnte sein, dass der Schuss nach hinten losgeht.“

Unbehaglich betrachtete ich meine ältere Freundin. Sie besaß eine unglaubliche Menschenkenntnis und hatte in ihrem Leben schon mit vielen unliebsamen Zeitgenossen zu tun gehabt. Es versetzte mir  einen kleinen Stich, dass meine Meinung über ihn, von ihr so rigoros bestätigt wurde.  Hatte ich innerlich vielleicht gehofft, sie würde Cullen ansehen und doch einen guten Kern in ihm entdecken? Das war so lächerlich, dass ich den Kopf  über mich selber schütteln musste.  Cullen war und blieb ein Mistkerl wie er im Buche stand und sein zweifelhafter Charme würde an dieser Tatsache auch nichts ändern.

„Glaubst du,  er wird mich in Ruhe lassen, wenn ich ihn ignoriere? “, fragte ich Bibi.

„Nein,  er wird es vermutlich als Herausforderung ansehen. Das Einzige, was du jetzt noch tun kannst, ist ihm zu widerstehen,  so gut du kannst.  Es ist  schon bemerkenswert, wie versessen er auf dich ist. Du scheinst es ihm wirklich angetan zu haben.“

Seufzend vergrub ich den Kopf zwischen meinen Händen. Warum ausgerechnet ich? Konnte er seine unerwünschten Aufmerksamkeiten nicht an einer anderen Frau auslassen?

Leider war ich mir gar nicht so sicher, ob es mir so leicht fallen würde, ihm zu widerstehen, da ich ihn  unglücklicherweise, mehr als attraktiv fand und das machte es nicht leichter für mich. Diese Anziehung, die er auf mich ausübte, würde mich noch in Teufels Küche bringen.
Warum war er nur hier im Park aufgetaucht? Bibi hatte schon Recht mit ihrer Vermutung, dass er nicht der Typ für sonntägliche Spaziergänge war. Doch jemand hatte ihm verraten,  dass ich die Sonntage meistens im Park verbrachte. Wer immer ihm das gesteckt hatte, würde etwas erleben!

„Bella, mach dir nicht so viele Gedanken. Du bist eine starke Frau und Cullen wird dir nichts anhaben können. Er mag zwar gefährlich sein, aber deswegen ist er noch lange kein Monster. Ich möchte nur verhindern, dass dir das Herz gebrochen wird, weil Männer wie er, mit den Gefühlen der Frauen spielen. Er genießt die Jagd mehr, als die Eroberung selber. Solltest du dich auf ihn einlassen, wird immer mehr Gefühl von deiner Seite her da sein, als von seiner.“

Sie betrachtete mich mitfühlend, als ahnte sie meinen inneren Konflikt. Aber sie irrte mit ihrer Annahme, ich hätte irgendwelche Gefühle für Cullen. Es war eine rein körperliche Reaktion, da ich schon seit Jahren enthaltsam lebte und ich daher den Sexappeal von Cullen mit voller Wucht zu spüren bekam.  Doch ich dachte gar nicht daran, dieser Anziehung nachzugeben. Egal, was er auch anstellte, er würde mich nicht rumkriegen. Noch besaß ich einen enorm ausgeprägten Stolz und ich würde mich  nicht  in die endlosen Reihen seiner Betthäschen eingliedern.

„Du brauchst dir um mich keine Sorgen machen, Bibi.  Ich weiß genau, welcher Typ Mann er ist und werde es auch nicht vergessen. Sein Ego erträgt eine Zurückweisung nicht und er will mir und sich selbst beweisen, wie unwiderstehlich er ist. Doch da ist er bei mir an die Falsche geraten.“

„Das sind mutige Worte, mein Kind. Ich hoffe du erinnerst dich daran, wenn er in die Offensive geht, weil ich genau gesehen habe, wie du ihn ansiehst. Er reizt dich und bringt dein Blut zum Kochen. Bisher habe ich dich noch nie so aufgedreht erlebt, wie in den letzten Tagen und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast dich Hals über Kopf in diesen Kerl verliebt.“

Entsetzt über ihre Worte starrte ich sie an.  Ich konnte ihn nicht ausstehen und wollte nicht näher auf das Thema eingehen. Je mehr ich mich gedanklich mit ihm auseinandersetzte, umso klarer wurde mir, dass ich begann, eine fatale Schwäche für ihn zu entwickeln.

„Können wir vielleicht das Thema wechseln, Bibi. Danny wird jeden Augenblick zurückkommen und ich will den Rest des Tages mit dir und meinem Kind genießen. Cullen hat schon zu viel Raum in meinem Leben eingenommen und ich würde ihn gerne für die nächsten paar Stunden vergessen.“

„Aber natürlich, ich kann verstehen, dass dich das belastet. Du solltest wieder mal ausgehen und auf neue Gedanken kommen. Warum rufst du nicht deine Freundin Rose an und unternimmst was mit ihr.“

Vielleicht wäre es eine ganz gute Idee.  Alice würde sicher auch gerne mitkommen und Rose könnte eine ihrer neuen Kolleginnen kennenlernen. Ein toller Mädchenabend wäre genau die Art von Abwechslung die ich brauchte, um mich von ihm abzulenken.

„Würdest du denn heute nochmal auf Danny aufpassen?“ fragte ich mit schlechtem Gewissen.

„Mach nicht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter, Bella. Ich weiß genau, was jetzt in dir vorgeht. Du hältst dich für eine schlechte Mutter, nur weil du mal an dich denkst. Aber ich sag dir mal was! Ich kenne kaum eine Mutter, die selbstloser für ihr Kind da ist, als dich. Du verdienst es auch mal etwas Spaß zu haben. Also mach dich nicht verrückt, sondern ruf deine Freundinnen an und amüsier dich.“

Erleichtert sah ich Bibi an. Sie kannte mich eben doch zu gut und mit meinen Ängsten stand ich mir oft selbst im Weg.

Danny kam auf uns zugerannt und alles Weitere geriet in den Hintergrund. Der Tag gehörte meinem Sohn und nichts würde mich davon abhalten dies zu genießen.

„Mummy, ich hab vorhin ein Tor geschossen, “ schrie er mir schon von weitem begeistert entgegen.

Ich betrachtete Dannys glückliches Gesicht und vergaß meine Probleme komplett. Er war das wichtigste in meinem Leben und nur sein Wohl zählte für mich.
Er sprang mir in die ausgebreiteten Arme und strahlte mich an.

„Das ist großartig, Danny. Ich hab dir doch gesagt, wenn du nur oft genug spielst und Freude daran hast, wirst du irgendwann auch ein Tor schießen.“

Er grinste über das kleine Gesichtchen und nickte eifrig.

„Ich hab nur meinen Fuß hingehalten und bums war er drin. Die Jungs haben mich gefragt, ob ich nächsten Sonntag wieder mitspielen will.“
Der Stolz klang unverkennbar aus seiner Stimme und ich freute mich sehr für ihn. Er tat sich nicht leicht neue Freunde zu finden, weil er im Grunde sehr schüchtern war. Auch in diesem Punkt kam er ganz nach mir.

„Wir kommen auf jeden Fall nächsten Sonntag wieder und du kannst deine neuen Freunde sehen. Möchtest du jetzt ein Eis? „
„Au ja, fein. Krieg ich auch ne Extraportion Schlagsahne? Bitte!“

Lachend durchwühlte ich seinen Lockenkopf und stand auf, um mit ihm und Bibi zum Eiswagen zu laufen.

Als Danny abends längst im Bett lag, machte ich mich hübsch, um mit Rose und Alice auf die Piste zu gehen. Beide waren begeistert von der Aussicht auf einen Frauenabend und wollten mich abholen, da mein Wagen endgültig nicht zu retten war. Ein Schrotthändler hatte mir noch zweihundert Dollar für die Ersatzteile gegeben, somit war es kein Totalverlust, doch ein neues Auto konnte ich mir nicht leisten. Zumindest sparte ich mir zukünftig teure Reparaturkosten und die Versicherungsprämie, auch wenn es schon lästig war, immer von der U-Bahn abhängig zu sein. Aber man gewöhnte sich ja bekanntlich an alles und das U-Bahnsystem in Seattle, war durchaus nicht das Schlechteste.
Etwas unschlüssig stand ich vor meinem Kleiderschrank und überlegte was ich anziehen sollte, da ich nicht übertrieben aufgestylt wirken wollte. Ich fand immer, dass es einen Hauch von Verzweiflung  hatte, wenn eine alleinerziehende Frau sich zu sehr aufbrezelte.
Mein Handy vibrierte und ich nahm das Gespräch an.

„Bella Swan,“ meldete ich mich
.
„Hey, ich bin es Alice, “ zwitscherte mir eine fröhliche Stimme ins Ohr,“ ich steh hier mit Rose vor deiner Tür und trau mich nicht zu klingeln. Wir wollen Danny nicht wecken.“

„Wartet, ich lass euch rein, “ sagte ich und lief schon in Richtung Wohnungstür.

Beide schlüpften durch die Tür und grinsten mich verschwörerisch an.

„Na, bereit für den Abend deines Lebens?“ kam es von Rose.

„Wenn ich mich entschieden habe, was ich anziehen soll, dann ja, “ erwiderte ich.

Das rief sofort Alice auf den Plan.

„Laß mal sehen was dein Kleiderschrank so zu bieten hat. Du brauchst für heut Abend das perfekte Outfit. Wenn wir in den Club wollen, dürfen wir uns nicht lumpen lassen."

„Was soll das heißen, wir wollen in den Club? Das ist doch hoffentlich ein Scherz, Alice. Es gibt so viele tolle Möglichkeiten etwas zu unternehmen, da finden wir doch sicher etwas anderes.“

Alice sah mich bettelnd an.

„Bella, bitte, “ rief sie mit ihrem wirkungsvollsten Welpenblick, “ ich muss da hin. Jasper wird heute Abend auch privat dort sein und das ist meine Chance, ihn auch mal außerhalb der Arbeit zu erwischen. Vielleicht spricht er ja mal mit mir. Du kannst mir das nicht abschlagen.“

Seufzend sank ich auf mein Bett, während Rose uns amüsiert betrachtete.

„So, du bist also in deinen Chef Jasper verknallt, “ meinte sie erheitert und Alice nickte heftig.

„Verknallt ist noch untertrieben, “ unterbrach ich, “ seit dem ersten Tag schmachtet sie ihm schon hinterher und kommt auf keinen grünen Zweig.“

Die arme Alice sah traurig von mir zu Rose und wieder zurück.

„Ich weiß, dass es hoffnungslos ist. Er schenkt mir nicht mehr Aufmerksamkeit, als jeder anderen Bedienung im Club, aber ich kann nun mal nichts gegen meine Gefühle ausrichten. Eines Tages wird er merken, dass ich die Richtige bin und dann werde ich zur Stelle sein.“

Rose sah sie erstaunt an, machte Alice aber nicht darauf aufmerksam, dass sie sich selber widersprach.

Wenn sich der kleine Wirbelwind etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es auch gnadenlos durch. Ob Jasper ihre Gefühle jemals erwidern würde, stand in den Sternen und war wohl eher unwahrscheinlich. Sie ließ sich jedoch trotzdem nicht entmutigen, und schwärmte weiterhin hartnäckig für den Mann, der auch als Eisblock bezeichnet wurde. Außer seinem Club schien ihn nichts zu interessieren und er arbeitete wie ein Besessener um erfolgreich zu sein.

„Wir sollten jetzt nicht rumtrödeln, Bella. Lass mich mal einen Blick in deinen Kleiderschrank werfen.“

Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, dass ich einen weiteren Abend im Club verbringen würde, da konnte ich Alice auch erlauben mich einzukleiden. Sie würde nicht lockerlassen, bis sie mich in sämtliche Kleider und Röcke gesteckt hatte, die in meinem spärlichen Schrank zu finden waren. Ergeben begab ich mich in ihre Hände und nach wenigen Minuten schon fand sie das perfekte Outfit für mich.

Ein rotes, enges Neckholderoberteil, das meinen Rücken freiließ und einen BH unmöglich machte, zusammen mit einem schwarzen Bleistiftrock, der kurz oberhalb meiner Knie endete. Schwarze Stilettos bildeten den Abschluss meines Outfits und sogar ich musste zugeben, dass ich gut aussah.

„Du siehst wirklich wunderhübsch aus, “ sagte Rose bewundernd.

Etwas verlegen drehte ich mich vor dem Spiegel hin und her. Mein Haar ließ ich ausnahmsweise mal offen und es fiel in weichen Wellen meinen Rücken hinab.

Alice betrachtete zufrieden ihr Werk. An ihr war wirklich eine Stylistin verlorengegangen, denn sie schaffte es immer, aus wenig etwas Besonderes zu machen.

„Ich wusste schon immer, dass du unglaublich hübsch bist. Kein Wunder, dass dieser Typ, mit den bronzefarbenen Haaren, so verrückt nach dir ist.“

Rose bekam sofort ihren Röntgenblick, als sie mich fixierte.

„Bella Swan, was hast du mir verheimlicht? Was für ein Typ ? Wie heißt er? Sieht er gut aus? Ist er reich?“

Sie ratterte die Fragen mit einer Geschwindigkeit hinunter, dass mir schwindelig wurde und ich keine Möglichkeit hatte ihr auszuweichen.

„Da ist nichts weiter. Er ist ein Idiot und will nur mit mir ins Bett. Ende der Geschichte! Ich will weder über ihn reden, noch an ihn denken. Edward Cullen kann mir gestohlen bleiben, “ sagte ich bestimmt und mein Tonfall ließ keine weitere Diskussion zu.
   
Rose schnappte nach Luft, als sie den Namen hörte.

„Edward Cullen! Hab ich richtig gehört? Oh mein Gott, Bella. Der Kerl hat die letzten zwei Jahre Europa unsicher gemacht und ist seit kurzem wieder in der Stadt, um die Leitung des Familienunternehmens zu übernehmen. Er ist der begehrteste Junggeselle im ganzen Bundesstaat und jedes weibliche Wesen würde töten, um ihn zu kriegen. Liest du denn keine Klatschzeitungen? Die sind voll von ihm und seinen Eskapaden.“

„Von mir aus können sie ihn alle haben. Ehrlich gesagt, höre ich das erste Mal von diesen Geschichten, aber ich kann mir lebhaft vorstellen, dass jedes Wort davon wahr ist. So ein unverschämtes Verhalten wie bei ihm, habe ich noch nie erlebt. Er hatte doch wirklich die Dreistigkeit mir zu sagen, dass er mich als seine nächste Geliebte auserkoren hat. Dabei war er nicht mal allein, sondern in Begleitung seiner aktuellen Flamme.“

Rose pfiff durch die Zähne und sah mich schwer beeindruckt an.

„Cullen ist also scharf auf dich, “ stellte sie fest und machte große Augen.

Unwillig sah ich sie an, denn es passte mir gar nicht, dass sie das so toll fand.

„Ich geh jetzt rüber zu Bibi und sag ihr Bescheid, dass wir gleich loswollen.“

Froh darüber erneuten Fragen ausweichen zu können, ging ich die kurze Strecke zu meiner älteren Freundin und klingelte.
Diese öffnete schnell die Tür und sah mich wohlwollend an.

„Hübsch siehst du aus. Ich wünsche dir viel Spaß und laß dir Zeit. Danny ist bei mir in guten Händen.“

Sie begleitete mich in meine Wohnung und ich ging noch kurz in Dannys Zimmer, um ihm einen Kuss zu geben. Er schlief ruhig und selig in seinem Bett, seinen Stoffbären im Arm und rührte sich überhaupt nicht. Beruhigt ging ich wieder ins Wohnzimmer zurück und brach mit den Mädels auf.


Wir teilten uns zu dritt ein Taxi und kamen schon bald an unserem Ziel an. Das einzig Gute an der Sache war, dass wir uns nicht anzustellen brauchten. Wir liefen direkt zum Eingang und Jack, der bullige Türsteher, ließ uns sofort zu den Kassen durch, was uns einige neidische Blicke und Flüche von den wartenden Gästen einbrachte.

Im Inneren des Clubs kämpften wir uns zur Bar vor. Es war unglaublich voll und meine Hoffnung einen Sitzplatz zu ergattern schwand mit jeder Sekunde. Trotzdem würde ich mir den Abend nicht verderben lassen, schließlich war ich hier um Spaß zu haben und ein fehlender Sitzplatz würde mich auch nicht davon abhalten.

Endlich erreichten wir unser Ziel und der Barkeeper winkte uns fröhlich zu. Heute hatte José Dienst, ein spanischer Einwanderer, der ein wahres Talent im zusammenmixen der unterschiedlichsten Alkoholsorten war. Er versorgte uns sofort mit einem leckeren Cocktail und ich schlürfte genüsslich an dem fruchtig, süßlichen Getränk, während ich meinen Blick vorsichtig durch die Menge wandern ließ.
Suchend scannte ich den gesamten Raum, um festzustellen, ob nicht ein gewisser Kerl mit bronzefarbenen Haaren und traumhaft schönen Augen anwesend war. Erleichtert und doch irgendwie enttäuscht, konnte ich ihn nirgends entdecken. Angewidert von mir selber starrte ich auf meinen Cocktail. Wieviel Alkohol war denn da drin, dass ich so die Kontrolle über meine Gedanken verlor?

Ein Kreischen von Alice ließ mich heftig zusammenzucken.

„Oh mein Gott, da kommt Jasper, “ schwärmte sie und verfiel wieder in fanatische Anbetung.

Ihre Freude über sein Auftauchen wurde schnell getrübt, als sie sah, dass er nicht allein war. Das war also der Grund, warum er privat seinen Club besuchte. Er hatte eine aufregende Blondine im Arm, die ihm beinahe das Ohrläppchen abzukauen schien.

Mitleidig blickte ich zu meiner Freundin, die wie hypnotisiert auf die Szene starrte. Für Jasper zu schwärmen, mit dem Wissen, dass er sie wohl nie beachten würde, war eine Sache, aber direkt vor Augen geführt zu kriegen, dass es tatsächlich so war, eine ganz andere.
Ich drückte sie leicht und sie sah zu mir auf. Dicke Tränen standen in ihren Augen und sie musste sich wohl beherrschen, um nicht in aller Öffentlichkeit zu weinen.  Rose merkte auch schnell, was los war und nahm die Sache in die Hand.

„Hör auf zu heulen, Alice. Andere Mütter haben auch hübsche Söhne und du kannst an jedem Finger zehn haben. Trinkt euren Cocktail aus Mädels, wir stürmen jetzt die Tanzfläche.“

Wir zogen die widerstrebende Alice einfach mit und schon bald bewegten wir uns im Rhythmus der mitreißenden Discoklänge. Schon lange hatte ich nicht mehr getanzt und ich  merkte schnell, wie sehr ich es genoss, mich im Takt der Musik treiben zu lassen.
Nach einigen Minuten gingen wir zurück an die Bar, um uns erneut einen Cocktail zu holen. Das Zeug war unglaublich süffig und ich spürte schon die ersten Auswirkungen des Alkohols in meinem Blut. Aber es war ein angenehmes Gefühl und selbst Alice schien es deutlich besser zu gehen, zumindest, wenn es ihr gelang, den Blick von Jasper und seiner Eroberung zu nehmen.

Die Beiden saßen oben in der VIP Lounge und knutschten hemmungslos. Es war völlig untypisch für Jasper sich so aufzuführen, aber er genoss offensichtlich den Abend in vollen Zügen. Die anderen Plätze an seinem Tisch waren leer und es sah so aus, als würden sie noch jemanden erwarten.

„Alice, “ sagte ich mitfühlend,“ mach dir nichts draus. Du hast doch immer gewusst, dass es mit euch nie was werden wird. Jetzt kannst du dich endlich auf jemand anderes konzentrieren.“

Sie nickte etwas kläglich und versuchte ein zaghaftes Lächeln. Tapfer prostete sie mir zu und sagte

„Zum Teufel mit den Männern!“

Wir stießen miteinander an und alberten herum, bis Rose mir heftig auf die Schulter schlug.

„Oh Gott, sieh nur diesen fantastischen Kerl, der jetzt bei Jasper mit am Tisch sitzt. Hast du den schon mal gesehen?“

Irritiert sah ich hoch und sah zu meinem Entsetzen, den netten Bruder von Edward Cullen. Wenn er hier war, dann war Cullen selbst auch nicht weit.

„Das ist der Bruder von Cullen. Sein Name ist Emmett, und er scheint ja nicht in den Klatschmagazinen vertreten zu sein, wenn du ihn nicht kennst. Was ich durchaus positiv finde, “ schloss ich trocken.

Völlig hin und weg, ließ Rose den Kerl nicht mehr aus den Augen.

Verstohlen sah ich mich jetzt um. Mit etwas Glück war er gar nicht hier, da Jasper ja erwähnt hatte, er wäre nur mit Emmet befreundet.
Doch wie so oft im Leben wurde ich vom Pech verfolgt. Er kam hereinstolziert und an jedem Arm hing eine Schönheit, die ihn anhimmelte. Angewidert und doch fasziniert beobachtete ich, wie er mit seiner Eskorte, die Treppen zur Lounge hochstieg und sich zu seinem Bruder und Jasper an den Tisch gesellte.

Er nahm Platz auf der kleinen Ledercouch und lehnte sich mit einem zufriedenen Grinsen zurück.
Mit gemischten Gefühlen drehte ich ihm meinen Rücken zu, in der Hoffnung, er würde mich nicht bemerken. Aus einem unerfindlichen Grund war ich stinksauer. Wenn er wirklich so scharf auf mich war, warum schleppte er dann ständig neue Frauen an? Dachte er vielleicht, er könnte so meine Eifersucht wecken?

Obwohl ich wusste, dass es falsch war, sah ich wieder hoch zu ihm und registrierte, dass er mich sehr wohl bemerkt hatte. Wahrscheinlich schon, als er den Raum betrat.

Der Ausdruck in seinem Gesicht ließ mich erschauern. Er fixierte mich mit seinen brennenden, grünen Augen und ließ keinen Zweifel offen darüber, dass ich ihm heute Abend nicht entkommen würde.
Wenn ich klug wäre, würde ich jetzt gehen, dachte ich, aber ich blieb wo ich war. Es war mir unmöglich meinen Blick von seinem zu lösen und sein unwahrscheinlich schönes Gesicht bekam einen befriedigten Ausdruck.

Er stand auf, stieg langsam die Treppen hinunter und bannte sich seinen Weg durch die Menschen, ohne mich aus den Augen zu lassen.

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