Nach einer schlaflosen Nacht quälte ich mich am nächsten Morgen aus meinem Bett. Der ganze Abend gestern war ein Fiasko. Angefangen damit, dass Edward plötzlich eine Verlobte aus dem Hut zauberte, endend damit, dass er mir ein unmoralisches Angebot machte.
Meine Wut war schon längst verflogen, die Tränen endlich versiegt und getrocknet. Das Einzige was übrig blieb, war das Gefühl tiefer Trauer, welches mich völlig gefangen nahm und mich zu einer leblosen Hülle machte. Sorgfältig machte ich mich zurecht, nahm mir viel Zeit bei der Morgentoilette und bei der Auswahl meiner Kleidung.
Selbst die so selten verwendete Schminktasche wurde geplündert und kam wieder mal zum Einsatz. Diese alltäglichen Handlungen lenkten mich gerade soviel ab, um mich für die Begegnung mit Bibi und Danny zu rüsten. Sie durften auf keinen Fall mitbekommen, was mir gestern passiert war, vor allem meine liebe Freundin Bibi nicht.
Was Edward Cullen anging, so konnte er mir gestohlen bleiben, doch ich wusste es würde lange, sehr lange, dauern, bis ich auch nur ansatzweise über ihn hinwegkam.
Ich prüfte mein Aussehen sorgfältig vor dem Spiegel. Irgendwie fehlte was.
Meine trüben, matten Augen die so traurig aus meinem blassen Gesicht hervorstachen, konnte ich nicht wegschminken, doch ein bisschen Farbe auf den Lippen würde wahre Wunder wirken und davon ablenken. Ich kramte in meiner Handtasche nach meinem Lippenstift, der schon monatelang auf seinen ersten Einsatz wartete.
Heute war ein guter Tag dafür, beschloss ich kurzerhand und schraubte den Deckel ab. Stück für Stück wand sich der Stift nach oben und ragte schließlich aus dem Gewinde heraus.
Mit zitternden Händen setzte ich den Stift an und zog meine Lippen mit der Farbe nach. Schon bald leuchteten sie in zartem Kirschrot und betonten den Kontrast zwischen meiner durchscheinenden Haut und der Masse an dunkelbraunem Haar, welches mir weich auf die Schultern floss.
Kritisch beugte ich mich vor und fand das Ergebnis zufriedenstellend genug, um die Wohnung zu verlassen. Das Herz klopfte mir bis zum Hals. Es war wichtig, mir nicht das Geringste anmerken zu lassen, denn ein Gespräch darüber würde ich momentan nicht verkraften. Meine Selbstbeherrschung hing an einem seidenen Faden und es fehlte nicht mehr viel und die mühsam aufgebaute Schicht an Selbstbewusstsein, würde zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.
Es war noch lange nicht jede Träne um Edward geweint, doch ich wollte für mich sein und keine Zuschauer dabei haben, wenn ich mich meinem Schmerz hingab.
Danny würde Morgen in ein zweitägiges Kindercamp fahren, welches speziell für die Kleinen organisiert wurde. Es war eine Mischung aus Spaß und der Heranführung an die richtige Schule, die ja im nächsten Jahr beginnen würde. Sie würden dort singen, spielen und am Abend gab es eine Lesung mit harmlosen kleinen Gruselgeschichten. Sie würden dann mit Schlafsäcken in dem Lesungsraum übernachten und dabei eine Pyjamaparty feiern. Danny war schon furchtbar aufgeregt und freute sich wahnsinnig darauf, mit seinen Freunden wegzufahren.
Er würde mir sehr fehlen, wenn er zwei Tage weg war, doch es war ganz praktisch. So konnte ich mich in meinem Liebeskummer suhlen und mir meinen Schmerz endlich von der Seele weinen. Jetzt brauchte ich nur noch eine Riesenpackung Kleenex und Unmengen an Schokolade.
Bibi öffnete wie immer mit einem strahlenden Lächeln die Türe und ich verkrampfte schier bei dem Versuch es zu erwidern.
„Bella, einen guten Morgen wünsch ich dir. Wie war der Job beim Catering? Hat alles geklappt?“
„Alles Bestens!“, log ich ohne mit der Wimper zu zucken. Langsam wurde ich richtig gut darin.
„Bist du sicher?“, fragte sie argwöhnisch, „ Du siehst irgendwie komisch aus. Und seit wann schminkst du dich?“
„Es ist wirklich alles okay, Bibi. Mach dir nicht immer soviel Sorgen“, meinte ich, „ Ich habe nur sehr schlecht geschlafen und die Erkältung hat auch ihre Spuren hinterlassen. Du hättest mal mein Gesicht sehen sollen! Ich hätte jeder Vogelscheuche Konkurrenz machen können und deswegen habe ich optisch ein bisschen nachgeholfen, damit die Kunden im Diner nicht schreiend davonlaufen.“
Wow, langsam machte ich Edward richtig Konkurrenz was das Lügen anging und ich fragte mich, warum es mir so leicht fiel. Bibi glaubte meinen Worten jedenfalls und es blieb auch keine Zeit für eine längere Konversation. Danny stürmte schon auf mich zu und wir mussten uns sputen, um nicht die Bahn zu verpassen.
Die Frühschicht im Diner war wider erwarten sehr ruhig und so kam ich leider viel zu viel zum Nachdenken. Was plante Edward wohl als Nächstes? Er würde nicht so einfach aufgeben, da war ich mir sicher.
Lou kam um die Ecke gebogen, wieder mal tief in Gedanken versunken, wie so oft in letzter Zeit.
„Lou?“, fragte ich ihn vorsichtig und er sah zu mir nieder, „Lou, was ist denn los mit dir in letzter Zeit? Du bist so still und in dich gekehrt, so kenne ich dich gar nicht.“
Er seufzte schwer.
„Du wirst den Grund bald erfahren, aber mach dir keine Sorgen, um einen alten Mann. Es wird sich alles finden.“
Ich schaute ihn etwas zweifelnd an, doch er tätschelte mir nur väterlich die Wange.
„Schau ein bisschen fröhlicher Kind. Egal, was auch passiert, du wirst hier immer einen Platz haben, dass verspreche ich dir! Ich muss jetzt weg und mich umziehen, denn ich habe in zwei Stunden einen wichtigen Termin. Halt du die Stellung und sorg dafür, dass die Mädels keinen Blödsinn machen, in meiner Abwesenheit.“
Er verschwand durch die Hintertür und ich begab mich wieder in den Innenbereich des Restaurants. Immer noch war es extrem ruhig und ich beschloss, meine längst überfällige Pause zu machen. Rose hatte heute frei und ich hatte ihr Angebot meine heutige Schicht zu übernehmen abgelehnt. Sie ahnte nicht, wie tief ich bereits im Netz von Edward Cullen gefangen war und glaubte mir unbesehen, dass mich der gestrige Abend von ihm kurierte.
Das stimmte nur zur Hälfte, denn die andere Seite war furchtbar traurig darüber, dass er so ein Widerling war. Es war fürchterlich naiv von mir zu glauben, ich könnte ihn von seiner Eiseskälte befreien und ihn zu einem Musterbeispiel an Tugend und Anständigkeit umerziehen. Denn wenn ich ehrlich war, hatte ich genau das, tief drin in mir geglaubt.
Die Dummen sterben niemals aus, dachte ich bitter.
Nachdenklich goss ich mir eine Tasse Kaffee ein und setze mich an den kleinen Tisch, der uns für die Pausen zur Verfügung stand.
„So nachdenklich heute?“, riss mich Edwards Stimme aus meinen Gedanken.
Mein Kopf schoss hoch und ich starrte auf seine wie immer perfekte Erscheinung. Zumindest schien er gut geschlafen zu haben, denn er sah im Gegensatz zu mir keineswegs übernächtigt aus.
„ Du bist eine echte Landplage, Edward. Ich glaube, ich verleihe dir demnächst den Orden für den nervtötendsten Mann in Seattle.“
Er grinste nur unbeeindruckt und trat näher.
„Du weißt doch mittlerweile, dass mich eine Standpauke nicht abschrecken kann. Ich dachte mir, du willst vielleicht noch mal eine Nacht drüber schlafen, bevor du endgültig ablehnst. Aber mehr als die 250000 plus Wohnung sind nicht drin, Liebes. Auch ich habe meinen Stolz.“
Ich war gerade dabei einen weiteren Schluck meines Kaffees zu nehmen, als diese Worte kamen. Ich spie die ganze Brühe quer über den Tisch, so sehr schockten mich seine Worte.
Hustend hielt ich eine Serviette vor den Mund und sah ihn dann mit geröteten Augen an, während ich nach Luft rang.
„Sag mal, wie oft bist du als Baby von der Wickelkommode geflogen? Irgendwie habe ich das Gefühl, wir haben den Abend gestern völlig unterschiedlich wahrgenommen!“, sagte ich ungläubig, „ Du solltest ernsthaft professionelle Hilfe annehmen, denn ich fange so langsam an, an deinem Verstand zu zweifeln.“
„Für so eine kleine Person bist du ganz schön frech, Bella. Ich verzeihe dir jedoch!“, meinte er großmütig.
Aus irgendeinem Grund war er blendender Laune und sah sich interessiert im Aufenthaltsraum um.
„Hier verbringt ihr also eure Pausen! Ist ein bisschen eng, findest du nicht auch?“
„Was soll der Scheiß, du bist doch nicht hier, um dich mit mir über die Räumlichkeiten im Diner zu unterhalten. Ich habe wirklich keine Lust meine Pause mit dir zu verplempern und möchte dich bitten zu gehen.“
Nach außen hin war ich sehr gefasst und selbstsicher. Nichts deutete darauf hin, dass mir bei seinem Anblick sämtliche Gehirnfunktionen durchdrehten. Ich hasste den Kerl genauso sehr, wie ich ihn liebte.
Wie konnte er es wagen hier aufzutauchen, um sein schändliches Angebot zu wiederholen. Dann auch noch von Stolz zu sprechen, war der Gipfel der Geschmacklosigkeit.
Gut, dass ich so naiv war und tatsächlich hoffte, er würde sich meinetwegen ändern. Es war meine eigene Schuld, denn, wenn ich ehrlich war, erwähnte er nicht mit einem Wort, dass er etwas anderes für mich empfand, als körperliches Interesse. Den Schuh musste ich mir wohl anziehen!
Aber alles andere, war einfach nur demütigend und zeugte von schlechtem Charakter. Er wollte mich kaufen, wie ein Stück Vieh. Wie ich so tiefe Gefühle für ihn entwickeln konnte, war mir ein Rätsel.
Er setzte sich auf den zweiten Stuhl, kreuzte die Beine auf dem Tisch und verschränkte die Hände hinter dem Nacken.
„Nimm die Füße vom Tisch, du Ferkel!“, rief ich in meiner strengsten „Mamastimme“, „ Wir essen hier! Das ist keine Fußablage für neureiche Schnösel.“
Grinsend nahm er die Füße wieder runter und sah mich mit seinen tiefliegenden Augen an.
„Du kannst ja ganz schön rigoros sein, Liebes. Das gefällt mir. Bist du im Bett auch so dominant?“, flüsterte er.
„Also gut, Edward. Du bist offenbar nicht bereit, mir eine zufriedenstellende Antwort auf meine Frage zu geben. Ich habe es satt, dass du mit mir spielst und werde jetzt wieder an die Arbeit gehen. Hab noch ein schönes Leben!“
Ich stand auf und wollte gehen, als er mich mit stahlhartem Griff umfasste und auf seinen Schoss zog.
„Nicht so schnell, Liebes!“, meinte er kalt.
Seine gute Laune war verflogen und ein beängstigendes Lächeln spielte um seinen Mund. Er packte meinen Nacken und zog meinen Kopf zu sich heran, sein Mund ganz nah an meinem Ohr.
„Ich bin aus einem bestimmten Grund hier! Ich wollte dir mitteilen, dass ich keineswegs die Absicht habe aufzugeben, mein Herz.“
Ich fing an zu zappeln, doch sein Griff wurde nur noch stählerner.
„Hör auf dich zu wehren, Liebes. Du kannst mir nicht ewig widerstehen. Wenn deine Wut verflogen ist, wirst du mir bald wieder aus der Hand fressen. Du hast es schon einmal getan, erinnerst du dich daran. Gott, du weißt nicht, wie befriedigend es für mich war, dass du mich freiwillig geküsst hast. Ich will das wieder spüren! Ich denke nur noch daran, wie es mit uns sein würde und das macht mich noch wahnsinnig.“
„Du hattest deine Chance, doch du hast es vermasselt, Edward.“
Er lachte nur.
„Fehler können korrigiert werden. Geld ist nicht dein Preis, das habe ich jetzt auch kapiert. Ich finde, es ist eine interessante Abwechslung eine Frau zu kennen, die nicht anfängt zu sabbern, wenn sie von meinen Millionen erfährt.“
Einen Moment war er unachtsam und ich befreite mich aus seiner Umklammerung.
„Es tut mir ehrlich leid für dich, dass die Frauen immer nur dein Geld wollen. Du solltest dich jedoch fragen, warum das so ist! Wenn du zu allen so bist, wie zu mir, dann wundert es mich überhaupt nicht. Ich kann an dir momentan auch nichts Liebenswertes finden.“
Böse sah er mich an und erhob sich geschmeidig. Himmel, er war soviel größer als ich und wirkte fast bedrohlich, als er auf mich niedersah. Jetzt war ich zu weit gegangen!
Zu sagen, er wäre nicht Liebenswert, war gemein gewesen. Außerdem war es gelogen!
Er war nie nett zu mir und ich liebte ihn trotzdem. Warum ich das tat, verstand ich selber nicht, da er wirklich nichts getan hatte, um dieses Gefühl zu verdienen. Doch ich schenkte ihm meine Liebe und durfte sie doch nicht ausleben, weil mein Verstand jetzt das Ruder übernahm.
Liebe war eben nicht genug! Vor allem, wenn sie einseitig war.
„Du lehnst dich gerade ganz schön weit aus dem Fenster, mein Schatz! Aber du wirst noch merken, dass man mich nicht ungestraft beleidigt. Ich werde dich niemals in Ruhe lassen. Ich weiß, dass du mich haben willst und aus diesem Grund, werde ich solange in deiner Nähe bleiben, bis du deinen Gefühlen nachgibst. Und wenn es soweit ist, Liebes, werde ich dich und deinen Körper genießen, wie noch nie etwas zuvor in meinem Leben.“
Er zog mich abermals näher an sich ran.
„Ich muss gestehen, es ist irgendwie aufregend auf dich zu warten.“
„Lass mich los!“, sagte ich drohend.
Er grinste nur spöttisch, machte aber keine Anstalten meiner Anweisung Folge zu leisten.
„La…la..lassen Sie Bella in….in Ru…Ruhe!“, stotterte eine männliche Stimme.
Ich drehte den Kopf und in der Tür stand….
George! http://www.imdb.com/media/rm1772722432/ch0006389
„Oh Gott sei Dank! George, ich bin so froh, dass du da bist. Ich dachte schon, du hast unsere Verabredung zum Kaffee vergessen. Edward wollte gerade gehen.“
Er ließ mich los und sah ungläubig von mir zu George.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
Jetzt war er tatsächlich sprachlos und ich freute mich diebisch darüber.
Ich schlenderte zu George, gab ihm einen Kuss auf die Wange und hakte mich bei ihm ein.
„Wir haben uns ausgesprochen und George hat mir mein Verhalten im Restaurant verziehen. Wir sind wirklich gute Freunde.“
Edward schüttelte nur den Kopf und wandte sich zur Tür. Im Vorbeilaufen warf er mir noch einen eisigen Blick zu und George wurde von seinem stechenden Blick beinahe aufgespießt. Ich spürte, wie der arme Kerl neben mir anfing zu zittern.
Edward Cullen in Rage war wirklich ein furchterregender Anblick!
„Wir sehen uns noch, Liebes. Schneller als du denkst!“
„Nicht, wenn ich es vermeiden kann!“, schoss ich mindestens genauso böse zurück.
Er schnaubte nur unwillig und ich war mit George allein.
„George, ich weiß nicht warum du hier aufgetaucht bist, aber ich danke Gott dafür. Du warst meine Rettung!“
Der gute George wurde puterrot im Gesicht und strich sich mit seinem Taschentuch über die Stirn.
„Ich…ich … dachte, dass du etwas Hilfe brauchen kannst. Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“, sagte er schließlich.
Seit Edward den Raum verließ, wurde er merklich entspannter und schenkte mir ein leichtes Lächeln.
„Ich hoffe, du bist mir nicht böse, weil ich einfach hier aufgetaucht bin. Aber deine Kollegin hat gesagt, ich soll ruhig nach hinten gehen, weil du Pause hättest. Und dann habe ich diesen Kerl gesehen wie er dich belästigt. Mann, bin ich froh, dass er mir keins auf die Nase gegeben hat.“
„Edward, ist lästig, aber nicht gewalttätig. Er würde niemals jemanden schlagen, das wäre unter seiner Würde.“
„Ist es denn würdevoller, eine Frau gegen ihren Willen festzuhalten? Ich würde sowas nicht machen. Frauen haben Rechte!“, meinte er überzeugt.
Lächelnd betrachtete ich meinen neuen Freund. George hatte das Herz auf dem rechten Fleck und war tiefgründiger, als man zu zuerst annahm.
Prüfend musterte ich ihn. Er war wirklich keine Augenweide! Aber mit ein bisschen weiblicher Unterstützung, könnte man durchaus ein brauchbares, männliches Exemplar aus ihm machen. Vielleicht würde er dann mehr Selbstbewusstsein aufbauen und seiner „Mutti“ endlich die Stirn bieten. Dass er nicht feige war, bewies er vorhin bei Edward.
Ich legte ihm einen Arm um die Schultern und führte ihn wieder raus in das Diner.
„George, was hältst du davon, wenn wir beide mit meiner Freundin Alice zum einkaufen gehen?“
„Einkaufen! Mit mir? Sachen?“, brachte er verdattert raus.
„Genau! Einkaufen! Mit dir! Sachen!“, wiederholte ich grinsend.
George war genau die Ablenkung, die ich jetzt brauchte. Ich wollte nicht ständig an Edward denken, also brauchte ich eine Aufgabe. Danny war ab morgen zwei Tage weg, ihn würde ich also nicht vernachlässigen und so konnte die Aktion „Rettet George“ beginnen.
Widerstandslos folgte mir George nach draußen und wir unterhielten uns noch eine Weile. George war nicht dumm und erstaunlich belesen. Er gestand mir, dass er viel Zeit zum Lesen hätte, da er keine Freunde besaß.
„George, das war mal! Ich bin deine Freundin!“, sagte ich herzlich und seine Wangen röteten sich zart, bis er richtige Apfelbäckchen hatte.
Er war wirklich ein liebenswerter Kerl! Warum konnte ich mich nicht in ihn verlieben, das würde vieles erleichtern.
Aber zuerst müsste ich „Mutti“ um die Ecke bringen, dachte ich grinsend. Seit Edwards unfreiwilligem Abgang war meine Laune viel besser und ich löste meine Kollegin ab, um sie zur Pause zu schicken.
Kurz vor Feierabend, trudelten alle meine Kollegen im Diner ein. Verwirrt sah ich sie an und konnte mir keinen Reim darauf machen. Rose kam zu mir.
„Bells, weißt du was los ist? Lou hat uns alle zusammentelefoniert für eine Betriebsversammlung. Hat er dir erzählt, was er vorhat?“
„Nein, gar nichts. Er war nur sehr merkwürdig in letzter Zeit. Ich glaube, dem Diner geht es nicht so gut“, mutmaßte ich, „ er hat alle seine Bücher weggeschlossen, sowas machte er sonst nie. Hoffentlich muss niemand entlassen werden.“
„So schlimm wird es schon nicht sein“, meinte Rose optimistisch, „ wir werden vielleicht den Gürtel etwas enger schnallen müssen, aber er wird niemanden feuern. Der Laden läuft doch nicht schlecht.“
Das stimmte wohl, aber Rose fiel nicht auf, dass wir viel mehr Ruhephasen hatten, als noch letztes Jahr. Das konnte sich in Summe ganz schön negativ auf die Bilanzen auswirken. Das wusste ich auch ohne Studium!
Nachdem der letzte Gast das Diner verließ, versammelten sich alle und warteten auf Lou´s Eintreffen. Die Spannung stieg ins Unermessliche und die Nervosität war mit den Händen greifbar.
Endlich traf auch Lou ein und sofort wurde mir leichter ums Herz. Er sah deutlich zufriedener aus. Wahrscheinlich ist sein Termin erfolgreich gelaufen und er hatte seine Probleme gelöst, wie immer sie auch aussahen. Bestimmt war er bei der Bank und bekam einen Kredit genehmigt!
„Meine lieben Mitarbeiter!“, fing er an, „ Ihr fragt euch sicher, warum ich euch hierher bestellt habe. Nun, der Grund ist ganz einfach! Ich habe euch eine schwerwiegende Mitteilung zu machen und ich habe beschlossen, es nicht einzeln zu tun, sondern es euch allen gemeinsam zu sagen.“
Er hielt inne und sah jedem von uns fest in die Augen.
„Es ist euch vielleicht aufgefallen, dass ich in den letzten Wochen sehr geknickt war und ich hatte auch allen Grund dazu. Dem Diner ging es finanziell sehr schlecht und ich war kurz davor Insolvenz anmelden zu müssen.“
Ein geschocktes Raunen ging durch die Reihen, doch Lou hob nur die Hand, um wieder Ruhe reinzubringen.
„Bitte, ich sagte, ich war kurz davor. Es wird nicht soweit kommen und eure Arbeitsplätze sind sicher.“
Na, wenn das mal keine guten Nachrichten waren.
„Aber es wird eine gravierende Änderung geben, meine Freunde! Ich war gezwungen das Diner zu verkaufen, um es zu retten und um noch genug Geld für meine Altersvorsorge zu bekommen. Deswegen habe ich euch hier versammelt. Ich wollte es euch mitteilen und euch gleichzeitig den neuen Besitzer des Diners vorzustellen. Hier ist er, Leute!“, sagte Lou und wies auf die Tür, die sich öffnete.
Wir starrten alle neugierig dorthin, als ein Mann den Raum betrat.
„Darf ich vorstellen, Edward Cullen!“
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