Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 36 - Von Häusern, Wohnungen und Dokumenten

Die Fahrt in meine Wohnung verlief sehr still. Ich spürte Edwards prüfende Blicke, die er mir in unregelmäßigen Abständen immer wieder zuwarf, doch ich ignorierte sie so gut es ging. In meinem Inneren herrschte ein Aufruhr, wie schon lange nicht mehr, weil der Moment in dem Edwards Eltern meine kleine, winzige Wohnung betreten würden, immer näher rückte. Es war nicht so, dass ich mich schämte, doch mir war der riesige Unterschied in unserem Lebensstil zu sehr bewusst, als dass ich dies hätte ignorieren können. Meine und ihre Welt, waren von Grund auf verschieden, hatten keinerlei Überschneidungspunkte und ich verfiel in panische Angst, dass sie mir niedere Beweggründe als Liebe andichten könnten. Edward war reich, seit heute war mir auch klar wie reich und er kam sicher hin und wieder ins Visier einer Goldgräberin, die es auf nichts anderes, als auf sein Geld absah.

Sie waren mir bisher sehr nett entgegengetreten, doch das konnte sich im Handumdrehen wieder ändern. Vielleicht machte ich mir auch viel zu viel Gedanken und das dumpfe Gefühl in meiner Magengrube, machte es mir schwer, unbeschwert zu wirken. Seufzend schob ich meine Haare nach hinten und sah zu Edward. Der zog fragend die Augenbraue hoch und ich lächelte nur beschwichtigend. Es war jetzt nicht mehr zu ändern. Da musste ich jetzt durch und ich hoffte, dass sie nicht allzu geschockt von der beengten Situation in meiner Wohnung waren.

Allein ihre Eingangshalle war fünf Mal so groß, wie meine komplette Behausung. Ich hielt ja Edwards Wohnung schon für den puren Luxus, aber dass meine zukünftigen Schwiegereltern, ein Anwesen in der Größe eines Palastes bewohnten, war überwältigend. Mir kamen Zweifel, ob ich mich jemals an so ein Leben gewöhnen konnte oder wollte. War ich in der Lage, mich nahtlos in seine Familie und seine Lebensweise einzufügen? Es muss gehen, dachte ich entschlossen. Ich wollte Edward nicht verlieren, nur weil ich Angst vor seinem Geld hatte.

„Was hast du?“, fragte mich Edward, „Du machst dir doch nicht etwa Gedanken wegen der Wohnung? Oder? Glaub mir, meine Eltern sind lange nicht so versnobt, wie sie vielleicht im ersten Moment wirken. Hör endlich auf, dir ständig Gedanken, wegen meinem finanziellen Hintergrund zu machen. Ich habe das Geld nun mal, das lässt sich nicht ändern und du wirst auch bald in den Genuss kommen.“ „Ich rühre keinen Penny von dir an“, beharrte ich stur. Er lachte amüsiert. „Liebes, dir wird gar nichts anderes übrig bleiben. Außerdem leben wir im Zeitalter der Kreditkarten. Ich habe schon eine für dich angefordert und ich bestehe darauf, dass du sie benutzt.“ Er schenkte mir einen heißen Blick, der mir durch Mark und Bein ging, „ Es ist erforderlich dich neu einzukleiden. und ich kann es kaum erwarten, dich in etwas anderem zu sehen, als in diesen Klamotten.“

Verletzt sah ich ihn an. „Was stimmt denn nicht mit meinen Kleidern?“, wollte ich wissen. Ich wusste, ich benahm mich kindisch, doch ich konnte mich nicht zügeln und legte nun jedes seiner Worte auf die Goldwaage. Er schüttelte etwas genervt den Kopf. „Ich sehe schon, wir haben noch eine Menge Klärungsbedarf. Aber nicht jetzt!“, meinte er mir einem Blick auf Danny, der hinten saß und interessiert aus dem Fenster blickte. Auf seinen Ohren saß ein IPod von Edward und er hörte Musik. „Du musst lernen, dass du ab jetzt ein neues Leben führen wirst, Bella. Das beinhaltet auch angemessene Garderobe, offizielle Verpflichtungen und ständig Einladungen zu Events, Parties und Geschäftsessen. Als meine Frau, wirst du dich dem nicht entziehen können. Es ist ein Privileg eine Cullen zu werden und du hast deine Pflichten zu erfüllen, wie der Rest der Familie auch.“

Schluckend sah ich ihn an und erkannte ihn fast nicht wieder. Diesen Edward kannte ich noch nicht. Das war nicht der teuflische Verführer, der Charmeur oder Geschäftsmann. In dieser Sekunde zeigte er mir, dass er sich seiner Stellung und seiner Aufgabe in der Gesellschaft sehr wohl bewusst war und diese Rolle auch völlig ausfüllte. Bald würde ich Teil dieser Gesellschaft sein und das gefiel mir gar nicht. Ich wollte nicht in der Öffentlichkeit stehen, den Blicken von ganz Seattle preisgegeben, doch wenn ich mein Leben mit Edward teilen wollte, musste ich eben dies in Kauf nehmen.

„Es ist alles so ungewohnt und neu für mich“, flüsterte ich leise, „ Vor ein paar Monaten, wusste ich nicht wie ich den Krankenkassenbeitrag für Danny bezahlen sollte und jetzt soll ich plötzlich das Geld mit beiden Händen ausgeben. Ich fürchte, darin bin ich nicht sehr gut, Edward.“ Er lächelte milde. „Das macht dich ja so besonders, Liebes. Ich habe noch nie eine Frau kennengelernt, der so wenig an Geld liegt wie dir. Du bist nicht käuflich, das imponiert mir.“

Ich antwortete nicht, da wir in die Straße einbogen, die zu meinem Wohnblock führte. Edward kannte den Weg ja schon und parkte nahe dem Eingangsbereich. Auch sein Dad, der sich dank Edwards Zureden dazu entschloss, ein weniger auffälliges Fahrzeug zu nehmen, als den Bentley, parkte den Lexus unmittelbar hinter Edwards Volvo. Wir stiegen aus und Esme sah sich etwas unbehaglich um. Die Gegend war nicht die schlimmste in Seattle, da gab es weitaus gefährlichere Pflaster, doch die Gruppe Jugendlicher, die sich keine zehn Meter weiter zu einer Meute zusammenrotteten, wirkte nicht gerade Vertrauenerweckend.

„Keine Angst!“, meinte ich beschwichtigend, als der ganze Trupp loszog und uns entgegenkam. Ich kannte die Burschen, allesamt Halbstarke, die mit ihren knapp vierzehn Jahre gerade auf der Schwelle zum Erwachsenwerden standen. Viele wohnten hier und ich kannte sie, seit ich hier herzog. Der Großteil von ihnen traf sich Freitagabend zum Burgeressen im Diner und sie waren absolut harmlos. Für die Cullens mussten sie wohl wie aus einer anderen Welt wirken, doch mir waren die Jungs mit den überweiten Klamotten und den falschherum aufgesetzten Kappen vertraut. Sie standen jetzt direkt neben uns und Esme presste sich hilfesuchend an ihren Mann, der beruhigend ihre Hand nahm. Er blickte abwartend in die Gruppe und schien schon bereit, seine Geldbörse zu nehmen und sie den Jungs auszuhändigen. Selbst Edward starrte skeptisch auf die Jungs und presste angespannt die Lippen zusammen.

„Yoah, Miss Bella, was geht!“, rief Jermaine grinsend und präsentierte mir eine lange Reihe, strahlend weißer Zähne. Er war ein junger Farbiger mit einem unglaublichen Talent fürs Tanzen. Doch eine Tanzschule, in der er seinen Style verbessern und damit die Chance auf eine Karriere bekäme, waren für ihn einfach nicht erschwinglich. Sein Vater saß wegen bewaffneten Raubüberfalls im Knast und seine Mutter fütterte mühsam ihn und seine vier kleineren Geschwister durch. Sie hatte es noch härter als ich und ich bewunderte Jermaine dafür, dass er nicht in der Kriminalität versank. Doch er war erst vierzehn. Was würde passieren, wenn er etwas älter wurde und nicht die Chance bekam, etwas aus seinem Leben zu machen.

„Hey, Jermaine. Du weißt doch, schlechten Leuten geht es immer gut“, feixte ich. Er schüttelte protestierend den Kopf. „Hey, Miss Bella. Reden Sie nicht so. Sie sind eine coole Braut. Nicht wahr, Amigos.“ Er sah Beifall heischend in die Runde und alle nickten bestätigend. Ich grinste breit und tätschelte seine Wange. „Spar dir deine Komplimente lieber für deine Mama, Jermaine“, neckte ich ihn freundschaftlich, „ Die freut sich auch, wenn du ihr was Nettes sagst. Haltet die Ohren steif und macht keinen Blödsinn. Bis dann!“
Johlend und sich gegenseitig in die Rippen schlagend gingen sie wieder ihrer Wege und ich sah erst jetzt die völlig fassungslosen Blicke aller Cullens. Ich zuckte nur die Achseln.

„Hier geht es manchmal etwas derber zu. Lasst uns rauf gehen, bevor wir hier noch Wurzeln schlagen.“ Jetzt fühlte ich mich besser. Ich war in meinem Terrain, hier kannte ich mich aus und fühlte mich wohl. Wenn es seinen Eltern nicht gefiel, konnten sie ja wieder gehen. Danny der die ganze Zeit stilldanebenstand schob seine Hand in meine und wir liefen ins Gebäude hinein, dicht gefolgt von Edward und seinen Eltern. Der Aufzug war wie üblich kaputt und so kämpften wir uns die Stufen hoch ins fünfte Stockwerk, wo wir schließlich vor meiner verschlossenen Haustüre standen. Ich fischte den Schlüssel aus meiner Handtasche und reichte ihn meinem Sohn. Konzentriert schob er ihn in das Schlüsselloch, drehte zweimal und die Tür sprang auf. Aufatmend trat ich ein, nahm meine Winterjacke ab und hängte sie zusammen mit Danny´s auf zwei Bühel in die Garderobe. Damit war der Platz schon erschöpft.

„Wenn ihr mir eure Jacken gebt, lege ich sie in mein Zimmer. Leider ist an der Garderobe kein Platz mehr.“ Sie zogen alle ihre Jacken aus und legten sie mir über den ausgestreckten Arm. „Danny“, bat ich meinen Sohn, „bring doch unsere Gäste ins Wohnzimmer, ich bin sofort da.“ „Ist gut, Mum.“ Fröhlich nahm er Esme und Carlisle an die Hand und zog sie in Richtung Wohnzimmer. Die ließen es sich ohne Widerrede gefallen und folgten ihm widerstandslos. Derweil nutzte ich die Gelegenheit und betrat rasch mein Schlafzimmer, um mich kurz zu sammeln und Kraft zu tanken, für die folgenden Stunden.
„Gott, mach, dass ich mich nicht blamiere.“

„Denkst du, Gott wird dir helfen?“, hörte ich Edwards belustigte Stimme an meinem Ohr. Ich zuckte erschrocken zusammen, hatte ich doch nicht bemerkt, dass er mir gefolgt war. „Edward, musst du dich so anschleichen?“, murrte ich. Seine Lippen liebkosten mein Ohr und ein süßer Schauer erfasste mich. Ich verzieh ihm augenblicklich jegliche Ungezogenheit, während ich verzweifelt versuchte mich auf den Beinen zu halten. Seine Lippen waren in der Zwischenzeit über mein Ohr zu meinem Hals gewandert. Der Rollkragenpullover störte und er leckte an der Unterseite meines Kinns. Da ich mit dem Rücken zu ihm stand, konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, doch das leise Stöhnen verriet ihn.

Er sehnte sich mit derselben Inbrunst nach mir, wie ich mich nach ihm. Es ging dabei nicht mal um Sex, sondern um das Gefühl sich nahe zu sein. Haut an Haut dazuliegen und den anderen zu spüren. Sachte schob er die ausgebreitete Handfläche unter den Pullover, legte sie flach auf meinen Bauch und die Kälte, die sie noch ausstrahlte, jagte mir Gänsehaut durch den gesamten Körper. „Edward!“, stöhnte ich wehrlos, „Edward…..“ Er keuchte und ließ seine Handfläche nach oben wandern, bis sie auf dem zarten Stoff meines BH´s lag. Seine Finger krümmten sich um den Hügel und mein Gehirn verwandelte sich in eine völlig nutzlose, blubbernde Masse. Er war so nah. Er roch so gut. Er raubte mir den Atem. Er machte mich glücklich. Er war…..er war…..er war, mein Schicksal.

„Mum“, hörte ich Danny durch die Gott sei Dank geschlossene Tür brüllen, „Kommst du?“ Zitternd trennten wir uns voneinander. „Ich komme sofort, Schatz.“ Nervös blickte ich auf Edward, der selbst genug damit zu tun hatte, sich zu beruhigen. Seine jetzt fast schwarzen Augen sahen mich begehrlich an und eine unaussprechliche Sehnsucht nach ihm, fraß sich unvorstellbar tief in mein Inneres. „Sprich mit Bibi!“, sagte er mit belegter Stimme, „Frag sie, ob Danny heute Nacht bei ihr schlafen kann. Ich brauche dich!“
Mein Puls, der sich bis eben wieder beruhigt hatte, schnellte wieder nach oben und jagte pumpend das Blut durch meine Venen.

„Das geht nicht, Edward. Sie hat heute selbst ein Treffen mit einer Freundin. Ich kann sie nicht darum bitten, das abzusagen. Sie freut sich schon so lange darauf. Bibi verzichtet sowieso schon auf so viel, weil sie sich so um Danny kümmert. Hab ein wenig Geduld, vielleicht hat sie ja morgen Zeit.“ Frustriert stieß er die Luft aus seinen Lungen.  „Morgen geht nicht, Bella. Ich muss für drei Tage fort!“, schockte er mich. Drei Tage ohne ihn. Wie sollte ich das nur ertragen. Jede Minute kam mir endlos vor, seit er mich aus dem Standesamt heraus entführte und mich für sich selbst beanspruchte.

„Drei Tage!“, wiederholte ich schwach, „Wo musst du denn hin?“
„Unsere Niederlassung in Philadelphia macht Ärger. Die Arbeiter dort streiken, weil die Gewerkschaft ihnen eingeredet hat, sie sollen mehr Lohn verlangen. Dabei zahlen wir schon weit über Tarif, noch mehr und wir können die Fabrik dicht machen. Sie würde sich nicht mehr selbst tragen und ich pumpe kein neues Geld mehr rein. Ich muss mich darum kümmern und komme so schnell wie möglich wieder.“ „Oh!“, machte ich nur.  „Das interessiert dich überhaupt nicht. Oder?“, fragte er belustigt. „Nein, so ist es nicht!“, rief ich beschwichtigend, „Es ist nur, dass ich den Kopf gerade so voll habe, mit anderen Dingen. Ich hoffe, du kannst das klären und es gibt keinen Ärger.“

„Keine Sorge!“, versetzte er kalt, „Jeder, der meint ich zahle zu wenig, der kann sich gern woanders einen Job suchen. Sie werden nirgends eine Firma finden, die auch nur annähernd die Leistungen bringt, wie wir es tun.“ Jetzt war er wieder kühl und geschäftsmäßig und ich bekam eine Ahnung davon, wie hart und unnachgiebig er werden konnte. Hoffentlich kam ich nie in den Genuss, dieses Zynismus und dieser Härte. Es war bestimmt kein angenehmes Gefühl. „Wir sollten jetzt zu den anderen. Sie fragen sich bestimmt schon, was wir hier treiben.“ „Meine Eltern waren selbst mal in unserem Alter, ich wette, sie können sich noch sehr genau daran erinnern, wie es bei ihnen war.“

Ich schnaubte nur unwillig und öffnete mit einem Ruck die Tür. Edward folgte mir ins Wohnzimmer, wo Danny zwischen Esme und Carlisle auf meinem Sofa saß und mit ihnen das Fotoalbum durchsah. Gut! Alben waren unverfänglich. Die meisten Bilder waren sowieso von Danny, da ich es hasste, fotografiert zu werden. Beide lächelten, als Danny ihnen zu jedem Foto eine ausführliche Erklärung gab. Sie schienen den kleinen Kerl schon jetzt ins Herz geschlossen zu haben. Doch es war ja auch kein Wunder. Als Mutter war man nie objektiv, doch Danny gehörte zu den Kindern, die man einfach mögen musste. Selbst Edward konnte sich seinem Charme nicht entziehen.

„Wer möchte einen Kaffee?“, fragte ich in die Runde. „Kaffee wäre toll, was ist mit dir Carlisle?“, wollte Esme wissen.  „Sehr gerne, ich trinke meinen schwarz, ohne Zucker.“ „Okay, ich verschwinde dann mal in die Küche. Es dauert nur einen kurzen Augenblick.“ Ich verschwand in meiner Küche und brühte frischen Kaffee auf .Während ich zusah, wie die dunkle Flüssigkeit durch die Öffnung in die Kanne floss, freute ich mich darüber, dass sich meine Schwiegereltern nahtlos in die Umgebung einfügten. Kein schräger Blick, keine spitze Bemerkung, sondern ehrliches Interesse war zu spüren. Nicht mal die Begegnung mit der Straßengang, schockte sie nicht weiter. Das schlürfende Geräusch der Maschine verkündete, dass das Wasser komplett aufgesogen und als Kaffee in der Kanne gelandet war. Ich entnahm sie und stellte sie auf ein Tablett, zusammen mit Tassen und Löffeln. Danach fügte ich noch Milch und Zucker hinzu und trug das vollbeladene Tablett ins Wohnzimmer.

Edward nahm es mir sofort ab mit den Worten. „Lass mich das machen, das ist doch viel zu schwer für dich!“ Ich ließ es geschehen, da ich keinen Streit vom Zaun brechen wollte. Aber es sah Edward ähnlich, mich wie ein Püppchen zu behandeln, das sich alleine nicht mal die Schuhe zubinden konnte. Er würde schon noch lernen, dass ich keineswegs hilflos war, sondern durchaus im Stande, mir selbst zu helfen. Danny bewahrte uns davor in peinlichem Schweigen zu versinken indem er plappernd alle unterhielt. Unglaublicher Stolz schwoll in meiner Brust an! Er war so ein großartiges Kind. Liebenswert, lustig und meistens sehr unkompliziert. Manchmal war er fast zu perfekt und wieder kam in mir der Wunsch auf, dass er einfach mal wie jedes Kind einen Tobsuchtsanfall bekam, sich im Kaufhaus auf den Boden schmiss und schmollte.

„Bella“, fing Carlisle dann freundlich an, „Sie haben sich hier ein sehr hübsches Zuhause geschaffen. Man merkt, mit wieviel Liebe Sie diese Wohnung eingerichtet haben und man fühlt sich sofort wohl hier.“ Ich errötete bei diesem Kompliment. Es stimmte! Jedes Detail in dieser Wohnung war sorgfältig ausgesucht. Die Teppiche waren von einem hellen Kaffeebraun, passend zum cremefarbenen Sofa, das ich mir vor einem Jahr billig im Ausverkauf besorgt hatte, nachdem das alte dunkelblaue ausgedient hatte. Die zartgelben Gardinen an den Fenstern waren in der Mitte gerafft und bildeten einen passenden Rahmen für die Grünpflanzen, die auf dem Fensterbrett standen. Die Möbel waren allesamt aus mittlerweile nachgedunkelter Buche und vermittelten eine gemütliche Atmosphäre. Bibi, eine passionierte Malerin, hatte einige Aquarelle zu der Einrichtung beigesteuert, die schöne bunte Akzente an den hellen Wänden setzten. Der Fernseher stand in der Mitte einer Vertiefung der Wohnwand und bildete deren Mittelpunkt. Ich hatte neben einem Sessel und einem Sideboard keine weiteren Möbel mehr im Zimmer, es wäre sonst zu überladen gewesen.

„Danke, Mr. Cullen. Das ist sehr freundlich von Ihnen.“ „Oh bitte, sag Carlisle und ich denke, das Du, wäre durchaus angemessen, schließlich gehörst du jetzt zur Familie.“ „Danke Carlisle!“, erwiderte ich noch etwas schüchtern. Er lächelte. „Schön, dass wir das geklärt haben. Edward erzählte uns, dass er Sie an Ihrem Arbeitsplatz kennengelernt hat. Arbeiten Sie für eine unserer Niederlassungen?“ Ich verschluckte mich an meinem Kaffee und hustete. Nachdem ich meine Atemreflexe wieder unter Kontrolle hatte, gab ich die Antwort, die ich ihm noch schuldig war. „Nein, ich habe als Bedienung in einem Club gearbeitet“, sagte ich ehrlich, „Edwards Tisch gehörte zu meinem Bereich. Und schlussendlich hat er das Diner gekauft, in dem ich hauptberuflich gearbeitet habe.“

„Mum ist die hübscheste Bedienung in Seattle!“, sagte Danny voller Überzeugung. „Da könntest du recht haben!“, raunte Edward mit dunkler Stimme und sah mich an, als wäre ich seine nächste heißersehnte Mahlzeit. Er war einfach unverbesserlich. Es schien, als wäre es ihm egal, dass seine Eltern und Danny direkt neben uns saßen. Er ließ wirklich keine Gelegenheit aus, mir zu zeigen, wie sehr er mich wollte.

„Das ist ja wirklich interessant. Edward hat es noch gar nicht erwähnt. Dann arbeitest du wohl im selben Geschäft, wie die liebe Rose.“ Esme strahlte mich an. „Ja, das stimmt. Wir kennen uns durch die Arbeit und sind über die Jahre wirklich gute Freundinnen geworden.“ Esme klatschte begeistert in die Hände. „Und jetzt werdet ihr sogar Schwägerinnen, wenn das mal kein Wink des Schicksals ist. Jetzt darf ich gleich zwei Hochzeiten planen, obwohl Edward mich so drängelt. Er will so schnell wie möglich heiraten. Da ist doch nicht etwa was Kleines unterwegs.“

Edward spuckte den Kaffee über die gesamte Tischplatte und erstickte fast am Rest. Ich klopfte ihm auf den Rücken, während ich Danny in die Küche schickte, um ein Geschirrtuch zu holen.
„Ich schätze, das heißt wohl „Nein“, beantwortete sich Esme die Frage selbst.Ich sagte nichts weiter dazu. Sie hätte mir ohnehin nicht geglaubt, dass ihr Sohnemann partout nicht vor der Hochzeitsnacht mit mir schlafen wollte. Ich konnte es ja selbst kaum glauben. Edwards Lungenfunktion hatte ihre Tätigkeit wieder aufgenommen und er konnte wieder sprechen.

„Glaub mir Mutter, wenn wir ein Baby bekommen, dann bist du eine der Ersten, die es erfährt“, meinte er ironisch. „Wollt ihr denn ein Baby?“, fragte Esme begeistert. Sie suchte im Geiste wohl schon Babystrampler aus! „Mutter!“, stöhnte er genervt, „Können wir vielleicht das Thema wechseln? Du bringst Bella in Verlegenheit.“
„Oh Entschuldige, das wollte ich wirklich nicht. Es ist wohl noch zu früh, um sich um sowas Gedanken zu machen.“

Danny kam zurück aus der Küche und brachte das verlangte Geschirrtuch. Schnell nahm Edward den Lappen an sich und wischte mit roten Wangen das Maleur weg. Grinsend beobachtete ich sein Tun. Man sah ihm an, dass er sowas noch nicht oft gemacht hatte. Die restliche Zeit verging wie im Flug. Als Danny Hunger bekam, bestellten wir ihm zuliebe Pizza, die auch Esme und Carlisle sehr gut zu schmecken schien. Alles in allem herrschte eine gelöste Stimmung zwischen uns und als sie sich verabschiedeten, bedauerte ich es fast, dass sie schon gehen mussten.

Edward blieb noch und ich machte Danny bettfertig. Ich nahm noch das Fieberthermometer in die Hand, um nach seiner Temperatur zu sehen, doch Gott sei Dank, war die plötzliche Hitze und Röte in seinem Gesicht nur eine kurzweilige Erscheinung gewesen. Sie resultierte wohl aus der Aufregung, die ihn befiel, weil er seine neuen „Großeltern“ kennenlernte. Er schlief relativ schnell ein und ich ging zurück zu Edward, der behaglich zurückgelehnt auf meinem Sofa saß. Die Hände hinter dem Kopf verschränkt und breitbeinig lag er praktisch auf den Polstern.

„Komm her!“, verlangte er mit dunkler Stimme. Allein die Tonlage verursachte ein süßes Ziehen in meinem Unterleib und ich schritt langsam auf ihn zu.  „Wir können jetzt nichts machen, wenn Danny neben an ist. Er könnte aufwachen“, hauchte ich erregt und blieb direkt vor ihm stehen.“ „Wir können leise sein!“, widersprach er verführerisch. Langsam setzte er sich geradehin und schob beide Hände unter meinen Rock. „Edward!“; keuchte ich angespannt, doch er ließ ich nicht beirren. Unaufhaltsam glitten seine Hände über meine Knie nach oben, zu meinen Oberschenkeln und drängten sie auseinander. Ich spürte ein Reißen und sah, dass Edward die Überreste meiner Strumpfhose in den Händen hielt. Wie hatte er das gemacht? Nichts war mehr zwischen meiner Haut und seiner Hand, die sich ihren Weg zu meinen intimsten Körperstellen näherte. Ich stöhnte haltlos auf.

„Psst!“, wisperte er mit diabolischem Lächeln, „Böses Mädchen, du wolltest doch leise sein.“ Seine Finger waren längst unter mein Höschen geschlüpft, liebkosten mein seidiges Fleisch, trieben mich immer tiefer in einen Strudel aus purer Lust und Schmerz. „Ich kann auch wieder aufhören!“, quälte er mich weiter. Ich brachte nur ein klägliches Wimmern heraus. Nachdem er heute Mittag Opfer meiner Spielchen wurde, war er jetzt derjenige, der die Regeln bestimmte. Wie ein neutraler Beobachter saß er da, während er mich scheinbar teilnahmslos berührte. Mein Höhepunkt war nicht mehr fern, die gewaltige Welle die sich in mir aufbaute, würde bald über mir zusammenbrechen.

„So ist es gut, Liebes. Lass dich gehen! Du bist so atemberaubend, wenn du kommst. Zeig mir, wie schön du sein kannst. Komm für mich!“ Seine Worte waren ebenso stimulierend, wie die Bewegungen seiner Finger in meinem Inneren. Der Druck zerplatzte wie eine Bombe und ein erschütternder Orgasmus bemächtigte sich meiner. Ich ritt auf den Wellen und er half mir diese auszukosten. Zwischenzeitlich war ich auf seinem Schoß gelandet, völlig außer mir und er strich mir beruhigend über den Rücken. Mein Mund wanderte wie von selbst über seinen Hals auf seinen weichen Mund zu, verschloss seine Lippen mit einem brennenden Kuss. Er erwiderte ihn mit derselben Leidenschaft, doch das Klingeln seines Handys unterbrach diesen Moment. Er griff nach dem Apparat, doch anstatt das Telefon auszuschalten, nahm er das Gespräch an.

„Cullen!“, meldete er sich und horchte eine Weile seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung. „Verstehe, das ist ja interessant. Ja….ja, wir können uns noch sehen, bevor ich abreise. Diese Sache hat höchste Priorität. Ja….Geld spielt keine Rolle. Bieten Sie, soviel wie nötig ist. Danke! Wir sprechen uns noch.“ Er beendete das Gespräch und sah mich bedauernd an. „Ich muss leider schon weg, es geht nicht anders. Ich komme zu dir, sobald ich wieder da bin. Vielleicht kannst du es ja einrichten, dass Danny bei Bibi ist. Ich muss sicher sein, dass Danny uns nicht hören kann.“ Skeptisch sah ich ihn an. „Warum denn das?“, wollte ich von ihm wissen. „Das erklär ich dir, wenn ich wieder da bin. Vertrau mir einfach! Okay!“ „Okay!“, bestätigte ich leise. Er küsste mich noch einmal zärtlich und verschwand.

Die drei Tage zogen sich endlos und ich konnte es kaum erwarten, bis ich Edward wiedersehen würde. Ich ging wie immer ins Diner und erledigte meinen Job. Dann traf mich mit Alice und Rose, die beide im siebten Himmel schwebten und ging mit Danny Eislaufen. Abends kochte ich mit Bibi und ließ einfach die Seele baumeln. Trotz meiner Sehnsucht fühlte ich mich das erste Mal seit Jahren völlig zufrieden und glücklich. Ich hatte keine Sorgen mehr, außer der ungeklärten Sorgerechtssituation mit Danny. Doch ich war mittlerweile überzeugt davon, dass sich auch diese Sache klären würde. Danny gehörte einfach zu mir.

Endlich war es soweit! Danny war total happy, weil er mal wieder bei Bibi übernachten durfte. Aufgeregt machte ich mich so hübsch wie möglich, tupfte mir Parfum auf den Körper und lief aufgeregt hin und her, bis es an der Türe klingelte. Wie der Blitz war ich an der Tür und riss sie mit aufgeregt klopfendem Herzen auf. Es war Edward und er sah wie immer absolut anbetungswürdig aus. Ich fiel ihm glücklich um den Hals und zog ihn in die Wohnung. „Ich sollte wohl öfter wegbleiben, wenn ich dann so begrüßt werde“, neckte er mich.
„Untersteh dich“, lachte ich. Doch mein Lachen verstummte, als ich in seine Augen sah. Er senkte langsam den Kopf, küsste mich unglaublich zart auf den Mund.

„Ich habe eine Überraschung für dich!“, flüsterte er. Er nahm nun seinerseits meine Hand und zog mich ins Wohnzimmer. Dort drückte er mich auf einen Sessel und zog einen Umschlag hervor. „Hier, das ist für dich.“ „Was ist denn das?“, erkundigte ich mich neugierig. „Mach es auf und sieh hinein!“ Ich nahm den Umschlag, öffnete ihn und zog ein Dokument heraus. Ich nahm die seitenlange Abhandlung und verstand erst nur Bahnhof, bis mir die Worte Verzichtserklärung ins Auge fielen. Ich las genauer nach und erkannte, dass es sich um eine schriftliche Einwilligung von Jacob Black handelte, in der er auf alle Rechte, als Danny´s Vater verzichtete. Im Gegenzug erhielt er eine Summe von fünfhunderttausend Dollar. Fassungslos ließ ich das Schreiben sinken und starrte Edward verbittert an.

„Jetzt hast du mich doch noch gekauft“, stieß ich hervor.  Edward erstarrte und sah mich ungläubig an. „Ich dachte, du freust dich. Was soll der Mist, ich hätte dich doch noch gekauft. Ich wollte dir helfen.“ „Mir helfen!“, brüllte ich ihn an. Maßlose Enttäuschung über sein Verhalten erfasste mich. Wie konnte er nur? Ohne mein Wissen und Einverständnis. Was wenn Jacob abgelehnt und das Angebot dem Richter vorgelegt hätte? Dann wäre ich Danny vermutlich für immer los gewesen. „Du weiß, dass er auch hätte ablehnen können. Verdammt, Edward, du hättest mich in Teufels Küche bringen können!“

„Hältst du mich wirklich, für so dilettantisch?“, höhnte er jetzt ebenfalls wutentbrannt und passte seine Stimmlage der meinen an, „Ich habe meine Leute auf ihn angesetzt und rausgefunden, dass er hoffnungslos verschuldet ist. Seine Frau hat Geld, das ist wohl auch der Grund für die Ehe. Er schläft nebenher mit allem, was die Beine nicht schnell genug zusammenbekommt und ist wohl heilfroh, sie endlich loszusein. Seine Schulden wollte sie nur unter der Bedingung zahlen, wenn er ihr ein Kind beschafft. Sie kann wohl keine eigenen bekommen. Wie praktisch für ihn, dass er gleich ein eigenes hatte.“

Ich schüttelte nur noch den Kopf. „Geld…Geld und immer wieder Geld. Das ist die einzige Sprache die du und Jake versteht. Ich wollte Danny auf ehrlichem Weg behalten, ohne Tricksereien und Bestechung. Warum tust du mir sowas an. Du bist nicht besser als er.“ Jetzt war es vorbei mit seiner Beherrschung. „Stellst du mich etwa mit diesem Kerl auf eine Stufe“, brüllte er, „Ich sag dir was, Isabella! Die Einzige, die nur ans Geld denkt bist du. Du wirst es mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor. Aber ich habe es satt, mich ständig dafür zu rechtfertigen. Nimm das Schreiben und lege es dem Richter vor. Jake hat unterschrieben, das ist alles was zählt. Er wird das Geld bekommen, ob es dir passt oder nicht, denn kein Kind der Welt verdient es bei so einem Schwein aufzuwachsen. Was uns beide angeht, Isabella. Vergiss es einfach! Vergiss die Verlobung, vergiss die Hochzeit und vergiss mich. Das mit uns beiden war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ich Dummkopf, hätte mich nie auf dich einlassen dürfen. Ich wusste schon, warum ich bisher keine Gefühle zugelassen habe. Man wird nur verletzt. Leb wohl, Liebes!“ Er rauschte mit diesen Worten aus der Wohnung und aus meinem Leben.

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