Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 41 - Was wäre wenn?

Weihnachten stand vor der Türe und die Vorbereitungen dafür waren in vollem Gange. Wir würden dieses Jahr nicht wie üblich bei Bibi feiern, sondern im Anwesen der Cullens. Natürlich war es selbstverständlich für mich, dass Bibi daran teilnehmen würde, denn niemals würde ich das Fest der Liebe ohne meine liebste Freundin feiern. Sie sträubte sich zuerst, doch nachdem Edward sie mit seinem Charme bearbeitet hatte, sagte sie zu. Danny war total aufgeregt, weil er noch nie mit so vielen Menschen den Heiligen Abend verbracht hatte. Er würde die Geschenke zwar erst am Weihnachtsmorgen bekommen, doch das war für ihn wohl eher zweitrangig.

Er blühte geradezu auf, seit Edward fest in unser Leben integriert war und obwohl der noch seine eigene Wohnung besaß, verbrachte er mehr und mehr Zeit bei uns. Es blieb ihm auch nichts anderes übrig, wenn er mich regelmäßig sehen wollte. Edwards Penthouse war viel zu steril und kinderuntauglich, um sich dort längere Zeit aufzuhalten. Es war jedoch nur noch eine Frage der Zeit, bis wir alle zusammen unser erstes gemeinsames Zuhause beziehen würden.

Der Kauf des von mir ausgesuchten Hauses war fast beschlossene Sache. Ich musste nur noch eine Kleinigkeit überwinden. Edward! Er weigerte sich nach wie vor strikt, dieses „baufällige, marode Ungetüm“ zu kaufen. Doch nach einem Besichtigungstermin verliebte ich mich unwiderruflich in diese charmante Immobilie. Gut, das Haus war wirklich etwas baufällig. Die Leitungen mussten durchweg erneuert werden, eine neue Heizung wäre auch nicht verkehrt. Diejenige, die bis jetzt für die Wärme an kalten Tagen und Nächten sorgte, war vermutlich noch aus dem vorherigen Jahrhundert. Es standen auch noch andere, grundlegende Renovierungsarbeiten an, die nach Beendigung, aus diesem Häuschen ein wahres Schmuckstück machen würden.

Meine Chancen, dass Edward dem Kauf zustimmte, standen am Anfang des Termins gar nicht so schlecht. Von außen betrachtet machte es wirklich einen besseren Eindruck, als es auf den Bildern des Makler´s den Anschein weckte. Doch innen wurde der desaströse Zustand ersichtlich. Es stand schon seit Jahren leer, da durch einen gerichtlich ausgefochtenen Erbstreit, kein rechtmäßiger Besitzer festgelegt war. Doch jetzt war alles geregelt und der neue Eigentümer wollte das Haus so schnell wie möglich loswerden. Wir beschlossen also, auf meine Bitte hin, uns das Haus von innen anzusehen. Jedoch erinnerte ich mich nicht gerne an diesen Termin. Dieser Tag gab mir einen Vorgeschmack darauf, was mich als Edwards Frau in Zukunft erwarten würde. Was ich dabei herausfand, zeigte mir, dass wir noch einen langen Weg vor uns hatten…..



Wir standen vor dem Haus und warteten auf den Makler. Nach einigen Minuten fuhr ein schnittiger Sportwagen den Weg entlang und parkte neben Edwards Fahrzeug. Die Scheiben waren komplett verdunkelt, daher konnte ich nicht erkennen, wer sich dahinter verbarg. Neugierig schaute ich auf die Autotür, die sich langsam öffnete. Das Erste was ich sah, war ein schlankes Bein, dessen Fuß ihn atemberaubend hohen Pumps steckte.

Eine Blondine stieg aus und strich sich den kurzen Rock ihres Kostüms glatt, die langen Haare warf sie gekonnt nach hinten und schenkte uns ein professionelles Lächeln, das bei mir um einige Grade kühler ausfiel, als bei Edward. Ich hasste sie von der ersten Sekunde an!

Geschmeidig ging sie auf uns zu, leckte sich bei Edwards, zugegebenermaßen unwiderstehlichen Anblick, die Lippen und fixierte ihn mit ihren stechend blauen Augen. Sie wirkte auf mich wie eine Spinne, die ihr nächstes Opfer in ihr Netz locken wollte.

„Mr. Cullen nehme ich an?“, hauchte sie verführerisch uns streckte ihm die schlanke Hand entgegen.

Edward ergriff sie und lächelte diese Person an. Es war sein Verführerlächeln, mit dem er mich anfangs auch bedacht hatte. Böse starrte ich zu ihm hoch, doch er schien es gar nicht zu merken. Er war viel zu beschäftigt die heißen Blicke dieser Schlange zu erwidern. Siedendheiß wurde mir klar, dass wir nie über das Thema Treue gesprochen hatten. Nur weil ich automatisch davon ausging, hieß das noch lange nicht, dass für Edward dasselbe galt.

Er wollte sich von seiner toten Verlobten lösen, hatte es zumindest behauptet, doch galt das auch für all die anderen, attraktiven Frauen, die ihm so unverhohlen nachstellten? Wie viel von seinen Worten war echt und wie viel dazu angedacht mich ruhigzustellen.
Es war unglaublich, wie mich eine einzige Frau so verunsichern konnte. Natürlich musste ich Edward vertrauen, wenn ich eine funktionierende Ehe führen wollte. Ansonsten würden wir uns über kurz oder lang gegenseitig zerfleischen, da wir beide stur und unnachgiebig waren.

Doch mit einem Verhalten wie er es jetzt an den Tag legte, machte er es mir nicht gerade leicht. Bisher waren wir noch nicht mal an Tanyas Grab und ich traute mich nicht zu fragen, wann er sie besuchen wollte. Meine Unsicherheit wuchs mit jedem Tag an und meine Angst, diese Unsicherheit auszusprechen ebenso.

„Ich bin Lauren Reynolds. Leider ist es dem Boss nicht möglich, selbst zu kommen. Die Schweinegrippe hat ihn leider erwischt und er steht unter Quarantäne. Ich hoffe jedoch, dass ich ein würdiger Ersatz sein werde.“

Sie klimperte mit ihren falschen Wimpern, die falschen Brüste sprengten fast das Oberteil ihres Kostüms und ich hätte mich am liebsten übergeben. Wie dreist sie sich doch aufführte! Warum waren Männer nur so dämlich und fielen auf so ein Verhalten rein. Edward störte sich anscheinend kein bisschen an ihrem impertinenten Verhalten und führte ihre Hand an die Lippen.

„Ich bitte Sie!“, erwiderte er mit seiner tiefen Samtstimme, „Wie könnte ich enttäuscht sein. Ich bin sicher, Sie werden Ihre Aufgabe genauso gut meistern, wie Ihr Chef. Sie sind wohl neu in der Firma! Ich habe öfter mit Ihrer Immobilienfirma zu tun und ich habe Sie noch nie gesehen.“

Ich knirschte mit den Zähnen. Alle Angst und Unsicherheit war wie weggeblasen. Ich war sauer! Mit einem bösen Seitenblick auf Edward streckte ich die Hand aus und stellte mich diesem lebendig gewordenen Blondinenwitz selbst vor, nachdem sie mich geflissentlich ignorierte
.
„Hallo! Ich bin Isabella Swan. Die Verlobte von Mr. Cullen!“, stellte ich rigoros klar.

Sie sah mich an wie ein widerliches Insekt und schüttelte höflichkeitshalber meine Hand.

„Sehr erfreut!“, würgte sie hervor und. Sie starrte auf meine Hand und grinste dann triumphierend, „Oh, hat Mr. Cullen Ihnen keinen Ring an den Finger gesteckt. Wie nachlässig!“

Bei so viel Unverschämtheit verschlug es mir die Sprache. Wie konnte sie nur so mit potenziellen Kunden reden. Immerhin hoffte sie uns ein Haus zu verkaufen und würde dafür eine dicke Provision einstreichen. Doch wenn sie so weitermachte, dann konnte mir selbst das Haus gestohlen bleiben. Edward der die Spannung durchaus spürte, nahm meine Hand und führte sie an die Lippen.

„Miss Reynolds, ob und wann meine Verlobte einen Ring bekommt, geht Sie nichts an. Sie sind hier, um uns ein Haus zu zeigen und nicht, um unsere privaten Angelegenheiten zu diskutieren. Komm mein Schatz, lass uns reingehen. Es ist wirklich bitterkalt hier draußen.“ Mit einem Blick streifte er diese Lauren und stellte fest „Da Sie ohne Mantel unterwegs sind, könnte ich mir vorstellen, dass auch Sie es vorziehen würden, diese Unterhaltung drinnen fortzuführen.“

Eingeschüchtert von seiner Schelte und seiner jetzt harten Stimme, versuchte sie, sich wieder in ein rechtes Licht zu rücken.

„Verzeihen Sie meine Indiskretion. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Bitte folgen Sie mir.“

Sie stöckelte mit ihren Schuhen vor uns her und schwang dabei ihre Hüften. Sein Blick verweilte einen Moment wohlwollend darauf und ich stieß ihm meinen Ellenbogen in die Seite.

„Edward, wenn du dir das Haus mit ihr allein ansehen willst, dann tu dir keinen Zwang an. Du brauchst nur ein Wort zu sagen und ich verschwinde!“, stieß ich wütend hervor.

Edward bedachte mich mit einem merkwürdig zufriedenen Blick.

„Du bist eifersüchtig!“, stellte er befriedigt fest.

„Auf diese Schnepfe? Das hättest du wohl gerne.“

Edward neben mir lachte leise. Er amüsierte sich köstlich über meinen kleinen Ausbruch. Ich erklomm die letzten Stufen der kleinen Treppe und wartete darauf, dass Miss Reynolds die Türe aufschloss.

„So, wir befinden uns jetzt im Inneren des Hauses“, sagte sie dann.

„Was du nicht sagst!“, murmelte ich leise und ärgerte mich sofort wieder über Edwards impertinentes Grinsen. Er genoss es wirklich zu sehr, der Hahn im Korb zu sein.

Lauren Reynolds lächelte uns strahlend an und machte eine ausladende Geste mit ihrer Hand.

„Das Haus besteht aus zwei Stockwerken, wie Sie feststellen können. Im unteren Bereich befindet sich ein großes Wohnzimmer mit einem Kamin. Die eigentliche Heizung ist eine Öl- Zentralheizung, die jedoch noch aus dem Jahr 1957 stammt. Es wäre durchaus empfehlenswert, diese erneuern zu lassen. Ein Essbereich schließt direkt an die Küche an. Oben sind die Schlafzimmer. Es sind vier an der Zahl. Ein größeres , das als Elternschlafzimmer dient, zwei Kinderzimmer sowie ein weiterer Raum, der als Gästezimmer genutzt werden kann. Eine Wendeltreppe führt hinauf zum ausgebauten Dachboden. Wie man diesen nutzen möchte, ist jedem selbst überlassen. Natürlich gibt es auch noch zwei Bäder im Haus. Eines hier unten, zusammen mit einer Gästetoilette und ein größeres im oberen Stockwerk. Aber ich würde sagen, ich führe Sie einfach mal herum und Sie machen sich selbst ein Bild darüber.“

So begann unsere Besichtigungstour. Das Wohnzimmer war ein Traum. Riesengroß mit einem Zugang zur Terrasse, die in einen etwas verwilderten Garten führte. Bäume und Sträucher waren seit Jahren nicht gepflegt worden, doch mit etwas Mühe und einem Gärtner der mir unter die Arme griff, würde sich sicherlich ein zauberhaftes Kinderparadies daraus machen lassen. Ich konnte förmlich vor mir sehen, wie Danny dort toben und spielen würde. Die Terrasse selbst war mit Holz ausgelegt und würde wohl erneuert werden müssen. Das, was unter der leichten Schneedecke noch zu sehen war, wirkte verwittert und brüchig.

Das Innere des Wohnzimmers war ebenfalls mit Holzparkett ausgelegt. Jedoch war der Boden in einem deutlich besseren Zustand. Er musste nur noch mal abgeschliffen und lackiert werden. Der Putz an den Wänden war bröckelig und man würde ihn abgetragen und erneuern müssen. Schnell wurde klar, dass man noch eine Menge Arbeit reinstecken musste, bevor es auch nur annähernd bezugsfertig war.

„Bella, du musst doch zugeben, dass dieses Haus unseren Ansprüchen nicht mal annähernd genügt“, meinte Edward naserümpfend und wischte mit der Hand ein paar Spinnweben vom Türrahmen. Er war noch nicht mal ins Wohnzimmer eingetreten, sondern betrachtete den Wohnraum aus sicherer Entfernung.

„Edward, man muss nur ein bisschen Arbeit reinstecken, dann wird es ein wundervolles Zuhause sein. Sieh nur den Kamin!“, forderte ich ihn auf, „Kannst du dir vorstellen, wie gemütlich es hier sein wird, wenn wir das Wohnzimmer eingerichtet haben und abends vor dem flackernden Kaminfeuer sitzen können.“

„Bella!“, stöhnte er auf, „In Seattle steht in jedem größeren Haus ein Kamin. Ich möchte, dass wir uns noch ein paar andere Häuser anschauen. Tu mir den Gefallen und leg dich nicht gleich so fest. Ich bin mir sicher, das Haus wird bestimmt so schnell nicht verkauft werden!“, schloss er verächtlichem Blick.

Schmollend sah ich ihn an.

„Na gut, wenn du unbedingt willst. Dann schauen wir uns eben noch ein paar andere Häuser an.“

Lauren klatschte in die Hände.

„Ahhh, dann werden wir uns wohl noch öfter sehen. Wie wundervoll.“

Sie sah Edward mit einem sinnlichen Blick, in die grünen Augen, den der mit einem undefinierbaren Ausdruck auf dem Gesicht erwiderte. Wieder kam meine Unsicherheit zurück. Fand er sie attraktiv? Bereute er schon, sich an mich gebunden zu haben? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Mann kalte Füße bekam. Edward war normalerweise nicht der Typ, der was Festes suchte, sondern flog wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte. Was konnte ich ihm schon bieten, was andere Frauen nicht hatten?

Geknickt ließ ich den Kopf sinken. Mein Selbstbewusstsein war durch diese perfekt gestylte, wenn auch künstlich wirkende Frau, schwer angeschlagen. Es war dumm von mir, einfach Treue von Edward zu erwarten. Dieses Thema wurde noch nie angeschnitten und ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie er dazu stand.

„Miss Reynolds! Ohne Sie beleidigen zu wollen, denke ich, dass Ihr Boss sicherlich die Führungen für mich und meine Verlobte selbst übernehmen wird. Sie sagten ja selbst, Sie sind nur als Ersatz da. Ich erwarte, dass er die nächsten Besichtigungen selbst übernimmt.“ Er sah zu mir. „Bella, kommst du?“

Mit einem Nicken verabschiedete er sich und packte mich an der Hand. Er zog mich aus dem Haus und in seinen Wagen, legte den Gang ein und brauste los. Kein Wort kam über seine Lippen und ich war zu verwirrt, um Fragen zu stellen. Wenigstens hatte er dieser Lauren ihren Platz gezeigt! Er fuhr ein paar Minuten, bis er an einer einsamen Parkbucht am Waldrand hielt. Kein anderes Fahrzeug war zu sehen. Er schaltete den Motor ab, packte mich am Nacken und küsste mich leidenschaftlich. Danach riss er sich von meinen Lippen los und tippte mir mit dem Zeigefinger auf die Nase.

„Ich weiß genau, was in dir vorgeht, Bella. Du musst dir aber keine Sorgen machen. Wenn ich dich habe, brauche ich keine anderen Frauen.“

Mit großen Augen und zitternden Lippen sah ich ihn an.

„Warum hast du dann mit dieser Lauren geflirtet. Hast du eine Ahnung, wie dumm ich mir dabei vorkomme?“

Er seufzte.

„Bella, ich kann nicht innerhalb weniger Wochen, das Verhalten von mehreren Jahren ablegen. Ich habe mein ganzes Leben lang geflirtet. Die Frauen fliegen auf mich, sie klimpern mit den Wimpern, stecken mir ihre Telefonnummern zu und machen mir mehr oder weniger eindeutige Avancen. Das wird sich auch nicht ändern, wenn wir verheiratet sind. Für die meisten ist eine Ehefrau kein Hinderungsgrund. Du wirst mir schon vertrauen müssen, wenn es mit uns klappen soll. Ist denn die Tatsache, dass ich bis zur Hochzeitsnacht mit dem Sex warten will; nicht Beweis genug für dich, dass es mir ernst ist mit uns?“

Fragend sah er mich an.

„Doch schon“, flüsterte ich mit gesenktem Blick. Er legte einen Finger unter mein Kinn, hob es an und suchte den Augenkontakt.

„Schau nicht weg, wenn du mit mir sprichst. Zeig mir deine hübschen, braunen Augen, Liebes.“

Ich schluckte gerührt, doch dieses leidige Thema musste ein für allemal vom Tisch.

„Heißt….heißt das, du…du wirst mir …treu sein?“

Ich musste es aussprechen, ich musste es von ihm hören!

„Ich werde dir treu sein!“, versprach er fest. „Liebes, ich war nicht mit halb so vielen Frauen im Bett, wie mir nachgesagt wird. Hätte ich wirklich mit jeder geschlafen, dann wäre ich aus dem Bett gar nicht mehr herausgekommen.“

Erstaunt sah ich ihn an.

„Aber du hattest viele Frauen!“, beharrte ich.

Er nickte.

„Ja, das stimmt. Ich hatte viele, sehr viele Frauen. Aber sie haben mir nichts bedeutet. Es war purer Sex! Ich bereue es nicht, es wäre lächerlich das zu tun. Immerhin hatte ich meinen Spaß und das nicht zu knapp. Aber es wird in Zukunft keine wechselnden Partnerinnen geben. Ich habe mich für dich entschieden und werde auch danach handeln. Du musst aber damit klarkommen, dass ich hin und wieder einen Flirt erwidere. Es liegt einfach in meiner Natur, Bella und ich kann mich nicht um hundertachtzig Grad drehen. Jahrelange Gewohnheiten sind schwer abzulegen, doch ich werde es dir zuliebe versuchen. Okay!“

Ich war nicht wirklich glücklich mit dieser Aussage. Er schwor mir in ein und demselben Atemzug Treue und versetzte diesem Hochgefühl gleich einen Dämpfer. Was sollte ich davon nur halten?

„Und wenn du es nicht schaffst, Edward!“, wollte ich wissen. „Werde ich dann mein Leben lang zusehen müssen, wie du andere Frauen ansiehst und ihre Blicke erwiderst. Das ist nicht dein Ernst!“

„Liebes, jetzt vertrau mir doch ein bisschen. Ich wollte doch damit lediglich sagen, dass es nicht von Heute auf Morgen funktioniert. Diese Flirts gehen schließlich nicht von mir aus. Ich werde eine Weile brauchen, bis ich meine automatischen Reaktionen darauf unter Kontrolle habe.“

Meine Augen füllten sich mit Tränen.

„Warum fällt dir das so schwer? Bei Tanya hast du doch auch darauf verzichtet.“

Jetzt hatte ich es getan! Ich hatte mich vor Edward mit ihr verglichen. Dabei konnte ich nur verlieren. Sein augenblicklich stählerner Blick, bestätigte meine Vermutung. Bevor er jedoch darauf antworten konnte, fiel ich ihm ins Wort.

„Entschuldige, das hätte ich nicht sagen sollen. Tanya hast du schließlich geliebt und mich nicht. Ich kann nicht erwarten, dass du dich wie bei ihr verhältst. Es war dumm von mir!“

Aufrecht setzte ich mich hin und starrte auf die Windschutzscheibe des Wagens. Stille herrschte und machte mich wahnsinnig. Warum sagte er nichts? Sein erneutes Seufzen ließ mich zur Seite schauen. Sein Blick ruhte auf mir, forschend und mit einer gewissen Melancholie.

„Es wurmt dich, dass wir noch nicht an ihrem Grab waren. Nicht wahr?“

Niemals hätte ich zugegeben, dass mir dies zu schaffen machte. Es war schon mehrere Tage her, dass er mich darum bat. Doch bis jetzt machte er keine Anstalten, dies in die Tat umzusetzen. Er wollte Abschied nehmen und die Akte Tanya für immer schließen. Doch der Schritt fiel ihm wohl noch schwerer als angenommen. Würde sie noch leben, hätte ich nicht die geringste Chance gegen diese Frau.

„Ich bin einfach der Meinung, dass du es nicht schaffen wirst sie zu vergessen. Das will ich auch gar nicht. Aber mir kommen langsam Zweifel auf, ob du je in der Lage sein wirst den nötigen Abstand zu ihr zu bekommen, um mit mir glücklich zu werden. Sei doch mal ehrlich, Edward. Wäre sie noch am Leben, hättest du keinen zweiten Blick an mich verschwendet. Sie ist aber leider tot und du kannst es selbst nach neun Jahren nicht akzeptieren. Dass du mich an ihr Grab mitnehmen wolltest, hat mich fast schon beflügelt, doch wieder war es nur leeres Gerede. Du weißt, ich liebe dich. Sehr! Aber ständig mit ihr in Konkurrenz zu stehen, obwohl sie gar nicht mehr hier ist, ermüdet mich. Es macht mich fertig. Dann deine Unfähigkeit auf deine Flirts zu verzichten. Du musst endlich eine Entscheidung treffen! Gib mir etwas, an dem ich mich festhalten kann. Gib mir wenigstens die Hoffnung, dass du mich eines Tages lieben kannst.“

Beschwörend sah ich ihn an. Edward wirkte schockiert über diesen Ausbruch, doch meine Ängste mussten endlich raus. Jede Nacht träumte ich von ihr. Wie sie mir Edward wegnahm, wie sie darüber lachte, weil ich glaubte, ihn halten zu können.

„Bella…“, flüsterte er erschüttert. Pures Mitgefühl stand in seinen grünen Augen.

„Nicht!“. schluchzte ich leise, „Nicht dieser mitleidige Blick. Ich will kein Mitleid! Ich will deine Liebe verdammt! Und genau die kannst du mir nicht geben.“ Tränen rannen über meine Wangen. „Sag mir eines, Edward und ich verlange eine ehrliche Antwort von dir. Wenn sie heute wieder vor dir stehen würde, würdest du mich dann noch heiraten?“

Fast schon verzweifelt kam seine Antwort.

„Ich weiß es nicht! Scheiße! Das ist doch nicht von Bedeutung!“

„Für mich hat es Bedeutung!“, stieß ich hervor.

Er legte den Kopf auf das Lenkrad, der Atem schwer und stoßweise. Minutenlang saß er so da, ließ mich warten. Schließlich hob er den Kopf.

„Du erwartest eine Antwort von mir auf eine Frage, die ich so nicht beantworten kann. Es wäre auch müßig, weil diese Situation niemals eintreten wird. Was wäre, wenn meine Antwort „Ja“ lauten würde, wenn ich tatsächlich sagen würde, dass ich dich nicht heiraten würde, wenn sie noch lebte. Du willst doch so eine Antwort gar nicht hören und ich lasse mir auch von dir nicht aufzwingen darüber nachzudenken. Verdammt! Ich habe mich für dich entschieden. Diese Flirts kann ich bleiben lassen, sie bedeuten mir überhaupt nichts. Ich sagte dir schon, dass es nur eine jahrelange Angewohnheit ist, nichts weiter. Was den Besuch an ihrem Grab angeht, wollte ich bis nach Weihnachten warten. Ich habe es nicht vergessen und hatte auch nicht vor ihn nicht stattfinden zu lassen. Du hättest doch einfach fragen können? Du kannst mich alles fragen, Liebes.“

Meine Lippen fühlten sich geschwollen an, weil ich darauf herumbiss. Er war wie immer vernichtend ehrlich. Seine Hände umschlossen mein Gesicht.

„Bella, schau mich an!“, bat er mich. Ich erfüllte ihm seine Bitte.

„Liebes, ich weiß, es ist nicht einfach für dich. Ich bin nun mal kein einfacher Typ. Aber ich schwöre dir, es gibt nur noch dich in meinem Leben. Kannst du dich nicht damit zufriedengeben?“

„Ich werde es versuchen! Sei nicht böse auf mich! Aber ich musste dich diese Dinge fragen.“

Zart legte er den Mund auf meinen.

„Ich bin dir nicht böse. Aber versuche dich nicht mit ihr zu vergleichen. Ihr seid verschiedene Frauen, in verschiedenen Lebensabschnitten. Stell dir mal vor, du würdest noch ein Kind kriegen! Du würdest das neue Kind sicherlich sehr lieben, aber Danny deswegen nicht weniger. Oder?“

Ich verstand, was er mir damit sagen wollte. Ich unterließ es, ihn nochmals zu fragen, ob er mich liebte. Sein Satz vorhin ließ diesen Schluss zu und manchmal konnte ich es spüren, auch wenn er es nicht aussprach. Doch ich wollte jetzt nicht noch eine weitere Enttäuschung. Wenn er bereit war, würde er es mir sagen.

„Du hast sicher recht! Können wir wieder fahren. Es wird langsam kalt, wenn die Heizung nicht läuft.“

Ich versuchte mich an einem optimistischen Lächeln. Warum ich mich immer selber regelrecht zerfleischte mit meinem Misstrauen, konnte ich selbst nicht sagen. Es war an der Zeit damit aufzuhören, sonst würde ich mir selber noch alles kaputtmachen. Die Hochzeit mit dem Mann meiner Träume stand bevor, er gab die anderen Frauen für mich auf und wollte sein Leben mit mir teilen. Doch sooft ich mir auch sagte, dass es genügen musste, so fiel es mir trotzdem schwer nicht zu zweifeln. Ich hoffte wirklich, dass ich damit aufhören konnte, denn wenn nicht, standen die Chancen glücklich zu werden mehr als schlecht.

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