Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 19 - Das Höschen-Komplott

Nach dem erfolgreichen Shoppingtrip mit George, fuhr ich mit der  Bahn nach Hause. Meine Begegnung mit Edward beim Herrenausstatter schwirrte noch durch meinen Kopf und ich konnte mir selbst nicht erklären, warum ich mich so verhielt, sobald ich auf ihn traf. Auf der einen Seite beschwerte ich mich darüber, wie er mich behandelte und mir zusetzte, doch andererseits tat ich auch alles dafür, dass er glaubte noch Chancen bei mir zu haben.

Wir kamen nicht ein einziges Mal aneinander vorbei, ohne dass es in einer wilden Knutscherei endete und wenn ich ehrlich mit mir selbst war, so forderte ich dies geradezu heraus. Ich konnte nicht mit ihm und auch nicht ohne ihn, es war eine äußerst vertrackte Situation. Noch dazu war er verlobt und ich sollte mich in Grund und Boden schämen, weil ich trotzdem auf seine Annäherungsversuche einging. Mein Mitleid schmolz jedoch wie Eis in der Sommersonne, als ich an ihre nette Bemerkung ihm gegenüber zurückdachte.

„Ich geh dann mal dein Geld ausgeben.“

Ich war fast hundertprozentig sicher, dass bei beiden keine tieferen Gefühle im Spiel waren. Liebe und Zuneigung sah anders aus! Doch ich wollte mich hier nicht zum Richter über Jessicas Beweggründe aufschwingen. Sie war erwachsen und bestimmt mit Edwards Charakter und Vorleben vertraut. Es war ein offenes Geheimnis, dass Edward seine Bekanntschaften, wie seine Unterwäsche wechselte und auch sonst ein recht lockeres Leben führte. Nicht mal Jessica konnte so blind und taub sein und nichts darüber wissen. Was hatte sie nur für Eltern, dass sie einen solchen Beau und Weiberhelden in die Familie aufnahmen.

Geld und Beziehungen schienen in der Welt der High Society immer noch mehr zu wiegen, als Liebe, Treue und Verständnis. Sie schienen diese Eigenschaften zu verachten und pflegten in ihren Ehen die Langeweile, die sie sich mit gelegentlichen, außerehelichen Fehltritten vertrieben. So ein Leben musste die Hölle, für jeden normal denkenden Menschen sein, doch sie kannten es nicht anders. Die Eltern lebten es ihren Kindern vor und diese eiferten ihnen mit Freuden nach.

Eines jedoch machte mich stutzig! Auf Edwards Verlobungsparty bekam ich die Gelegenheit, seine Eltern unbefangen zu beobachten, bevor ich ahnte, wer sie waren und war erstaunt darüber, wie liebevoll dieses Paar miteinander umging. Die Liebe der beiden, war selbst für Außenstehende spürbar und auch wenn sie schon seit vielen Jahren ihr Leben miteinander teilten, so hielten sie irgendwie die Leidenschaft und die Spannung am Leben.

Warum war Edward dann so kalt und zynisch, scheinbar ohne tiefere Gefühle. Das erste Mal interessierte es mich ernsthaft, was hinter seiner Fassade steckte. Verbarg sich in ihm ein Mensch mit verletzten Gefühlen?

Ich ging in mein Schlafzimmer, um schon vorab das Outfit für den Abend rauszusuchen. Grübelnd besah ich mir meine magere Ausbeute und entschied mich letztendlich für ein dunkelblaues Kleid, das schon seit einer Ewigkeit im Schrank vergammelte, weil es nie den passenden Anlass gab, um es zu tragen. Doch heute lag etwas Besonderes in der Luft!

Zufrieden mit meiner Wahl, an der nicht mal Alice was auszusetzen haben würde, duschte ich ausgiebig, wusch mein Haar mit meinem Lieblingsshampoo und cremte meinen Körper anschließend mit parfümierter Lotion ein. Als würde ich mich für eine Liebesnacht präparieren, dachte ich hysterisch kichernd. Meine Unterwäsche suchte ich ebenso sorgfältig aus, wie zuvor das Kleid. Sie bestand jedoch nur aus einem winzigen Seidenslip in unschuldigem Weiß, da das trägerlose Kleid keinen BH zuließ.

Mein Haar ließ ich offen und glatt auf meine Schultern fließen. Kein Lockenstab, keine komplizierte Hochsteckfrisur. Einfach nur die natürlichen Wellen, die durch den leichten Stufenschnitt erzeugt wurden, der mich beim letzten Friseurbesuch ein klitzekleines Vermögen gekostet hatte. Zumindest für meine Verhältnisse. Wenn nicht die Hälfte der Rechnung, durch einen Geschenkgutschein zu meinem dreiundzwanzigsten Geburtstag beglichen worden wäre, dann wäre es auch unerschwinglich für mich geworden. Doch so gönnte ich mir ausnahmsweise einen teuren Haarschnitt, der sein Geld durchaus wert war.

Als mein persönlicher Stylingmarathon beendet war, setzte ich mich an den Küchentisch, trank einen Kaffee und stellte das Telefon direkt neben die Tasse. Nervös sah ich zur Uhr! Es war jetzt kurz vor  achtzehn Uhr und Danny hatte immer noch nicht angerufen! Zwar machte ich mit Alice aus, dass wir uns um sieben bei Rose treffen wollten, um anschließend gemeinsam zum Club zu gehen, doch ich würde mich nicht vom Fleck rühren, bis Danny den versprochenen Anruf  machte. Ich schlug mit den Fingernägeln auf die Tischplatte und biss auf der Unterlippe herum. Warum rief er nicht an?

Ringringringring!!!!!

Endlich!

Hektisch drückte ich auf den Annahmeknopf und hielt den Hörer ans Ohr.

„Bella Swan! Danny, bist du es?“, rief ich.

„Hallo Mum, ich bin es. Oh Mummy, hier ist es total cool!“, schrie er so laut in den Hörer, dass ich diesen ein Stück weg vom Ohr halten musste.

„Wie schön, dass es dir dort gefällt, Ich habe mir schon ein bisschen Sorgen gemacht, weil du so spät anrufst.“

„Tschuldigung!“, nuschelte er verlegen.

„Ist schon gut, Schätzchen! Hauptsache dir geht es gut und du hast Spaß!“

„Mum, Jimmy will auch seine Eltern anrufen und Mr. Bauer hat gesagt, wir sollen nicht lange drumrum reden. Tschüüüüüüs!“

Bums, aufgelegt!

Etwas verdutzt starrte ich den Hörer an und hörte nur noch ein nerviges Piepsen. Seufzend legte ich ihn wieder auf die Station und schnappte mir eine Jacke und meine Handtasche. Jetzt würde ich doch nicht zu spät zum vereinbarten Treffpunkt kommen. Im Treppenhaus waren die klappernden Geräusche meiner Absätze zu hören, während ich die Treppen förmlich hinunterrannte. Glücklich unten angekommen, da ich meinen Sprint ohne Sturz überstand, machte ich mich auf den Weg zu Alice.


Meine Freundin sah atemberaubend aus, als sie in Roses Wohnzimmer ihre Jacke ablegte und sich in voller Montur zeigte.

„Wow, Alice!“, rief ich begeistert aus, „ Da werden Juan aber die Augen rausfallen.“

Sie kicherte etwas verlegen.

„Ach was, das ist doch nur ein ganz normales Kleid, nichts außergewöhnliches“, antwortete sie.

„Alice, hat dir deine Mutter nicht gesagt, dass man fürs Lügen in die Hölle kommt“, meinte Rose grinsend.

Sie selbst sah in ihrem roten Kleid umwerfend schön aus und ich rätselte immer noch herum, mit wem sie gestern ihr Date hatte. Doch wenn Rose ihre schweigsame Phase hatte, dann war kein Sterbenswörtchen aus ihr herauszubringen. Was für ein Glück, dass sie es aber nie lange aushielt, ihre Erlebnisse geheim zu halten und spätestens nach zwei Tagen sang wie ein Vögelchen.

Jetzt konnte ich nur bewundernd beobachten, wie sie gekonnt eine Augenbraue in die Höhe zog und Alice mit ihrem „Du kannst mir nichts vormachen“- Blick bedachte. Es fehlte nur noch eine Brille, ein Haarknoten im Nacken und sie wäre die perfekte Imitation einer gestrengen Lehrerin.
Wie oft schon übte ich dieses Hochziehen der Brauen zuhause vor dem Spiegel, um jedes Mal grandios zu scheitern. So ein Blick wäre mit Sicherheit enorm hilfreich, um unflätige Kunden zurechtzuweisen oder um Danny wortlos klarzumachen, dass er eine Grenze überschritt. Doch Bella Swan konnte einfach nicht streng aus der Wäsche gucken, also musste ich mir doch mit Worten behelfen.

Alice ließ sich jedoch nicht davon einschüchtern, schließlich war sie durch die tägliche Arbeit im Club abgehärtet. Wer es schaffte, dort tagein, tagaus die neureichen Schnösel zu ertragen, die meinten, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, dem machte auch Roses Killerblick nichts mehr aus.

„Ich weiß nicht was du meinst Rose“, sagte sie in völliger Unschuld und grinste wieder überlegen, „ ich möchte nur, dass Juan sich mit mir sehen lassen kann.“

Die Braue zog sich womöglich noch ein Stückchen höher.

„Ach, und es hat rein gar nichts mit einem gewissen blonden, superattraktiven Clubbesitzer zu tun, der heut rein zufällig auch privat anwesend sein wird, wie er letztens lautstark verkündet hat.“

Alice wurde sofort rot und Rose fing an zu lachen.

„Schätzchen, das ist doch nicht schlimm. Der Kerl ist echt heiß und du solltest wirklich nicht aufgeben. Mit Juan auszugehen ist ein genialer Schachzug, er wird durchdrehen vor Eifersucht. Dann kann seine blonde Mieze einpacken.“

„Wann treffen wir uns mit George?“, fragte ich, weil ich merkte, dass es Alice unangenehm war über Jasper zu reden.

Erleichtert nahm sie das Thema George auf.

„Wir treffen uns direkt vor dem Club“, sagte sie und sah auf ihre Uhr, „ und zwar in exakt einer Stunde.“

„Na, dann lass uns mal los gehen, sonst steht der arme Kerl vor der Tür und haut vor lauter Angst noch ab.“

Lachend machten wir uns auf den Weg.


Vor dem Club wartete schon eine enorme Menschenmenge, trotzdem entdeckten wir George relativ schnell. Er stand schüchtern etwas abseits und wehrte gerade den Annäherungsversuch einer aufgetakelten Rothaarigen ab und wirkte damit völlig überfordert. George sah wirklich überraschend gut aus in seinem schicken Anzug, die Haare waren mal nicht mit Gel  angeklatscht waren, sondern lagen locker um seinen Kopf. Wir traten zu dritt auf ihn zu und Rose verscheuchte die Frau.

„Zisch ab, Rotschopf, der Kerl ist besetzt!“, rief sie unfreundlich und die Frau verzog sich augenblicklich.

„Vielen Dank!“, sagte er ehrlich, „ Ich wusste gar nicht mehr, was ich noch tun sollte. Sie hat die ganze Zeit davon geredet sie wäre die Jungfrau von Orléans und ich solle ihr Feuer löschen. Wisst ihr was sie damit meint?“

Ich verschluckte vor Lachen meinen Kaugummi und erstickte fast daran, während sich Alice mit ihrem schwarzen Täschchen Luft zufächelte. Er war ja so arglos und wir ließen dieses Unschuldslamm auf diese Horde Hyänen los. Wenn das mal gut ging!

Rose war da nicht so zimperlich! Sie zerrte ihn am Arm in Richtung Eingang an den Türstehern vorbei, die uns alle kommentarlos durchließen, da wir ja „Personal“ waren. Im Inneren machte unser neuer Freund riesengroße Augen und starrte auf die Unmengen von leichtbekleideten Frauen, die sich im Takt der Musik bewegten. Auch ich sah mich vorsichtig um, während der Boden unter mir, durch die dröhnenden Bässe der Musikanlage, vibrierte.

Ein wenig enttäuscht und erleichtert zugleich stellte ich fest, dass Edward nirgends zu sehen war. Doch meine Gedanken wurden durch Juans auftauchen gestört, der uns lautstark begrüßte und Alice einfach hochhob, um sie im Kreis herumzuwirbeln.

„Caramba, du bist eine Wucht! Ich bin der glücklichste Mann in Seattle, weil du mit mir ausgehst“, sagte er mit unverkennbar spanischem Akzent.

Alice grinste nur, weil man diesen Kerl einfach nicht ernstnehmen konnte. Doch er war mit seiner Größe von 1,90m und dem langen, zum Pferdeschwanz gebundenen schwarzen Haar, schon eine Erscheinung. Grinsend sah ich, dass Jasper, der wieder in Begleitung dieser Blondine war, fast über einen Gast fiel, während er versuchte zu beobachten, was bei uns vorging. So, so! Er war also doch interessiert an unserer Alice.

„Ladies, wer ist dieser Amigo, den ihr bei euch habt?“, fragte Juan freundlich und deutete auf George.

„Das ist George und er gehört zu mir“, sagte ich schnell, um unnötige Erklärungen zu vermeiden. Juan nahm es einfach so hin, doch nicht, ohne mir einen zweifelnden Blick zuzuwerfen, den ich ohne zu zögern mit einem strahlenden Lächeln erwiderte.

„Na dann, Amigo, sei gut zu unserer Bella, sonst bekommst du es mit mir zu tun!“, meinte er.

Genau in dieser Sekunde lief Edward Cullen an uns vorbei und hörte Juans letzten Satz. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er eingetroffen war und so war ich doch ziemlich überrascht, ihn so plötzlich zu sehen. Er warf einen ungläubigen Blick von Juan zu George und dann zu mir. Er wirkte fassungslos und ging ohne ein Wort weiter. Nun, mir sollte es recht sein, wenn er wirklich glaubte, dass ich eine Affäre mit George hatte.

Edward lief zu Jasper und flüsterte ihm etwas ins Ohr, doch der zuckte nur mit den Schultern und antwortete nicht. Er war viel zu beschäftigt damit, Juan tödliche Blicke zuzusenden, in der Hoffnung, er möge schnell umfallen. Alice registrierte dies wohlwollend und schmiss sich Juan ordentlich an den Hals. Der stieg voll drauf ein und entführte die kleine Alice auf die Tanzfläche, wo er einen heißen Tango mit ihr aufs Parkett legte. Jasper fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er den heißen Tanz seiner Angestellten beobachtete und seine Begleitung rauschte beleidigt ab, nach dem dritten vergeblichen Versuch, seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Ich war mit Rose alleine, da George für kleine Jungs musste und beschloss sie ein wenig über ihr Date auszuquetschen. Ich war mir sicher, dass sie mit Emmett aus war und verstand nicht, warum sie es nicht einfach zugab.

„Rosie“, sagte ich mit meiner liebsten Kleinmädchenstimme, „ wie war denn dein Date gestern Abend? Du hast mir noch immer nicht erzählt, mit wem du aus warst.“

„Es war nichts Weltbewegendes“, meinte sie ausweichend.

Jetzt war ich mir sicher, dass da irgendwas faul war. Aber ich wollte Rose nicht bedrängen und unterließ weitere Fragen. In der Zwischenzeit war George zurück und ich schleppte ihn und Rose auf die Tanzfläche, damit er ein bisschen lockerer wurde, was erstaunlich gut klappte. George tanzte zwar furchtbar, aber mit solchem Elan und so einer Freude, dass alle um ihn rum lächeln mussten. Er legte sich mächtig ins Zeug und schien heute Abend alles nachholen zu wollen, was er bisher durch Muttis Einfluss verpasste. Während George den Abend seines Lebens erlebte, sah ich hoch zu Edward. Er saß allein an der Bar und beobachtete mich auf Schritt und Tritt, ohne jedoch Anstalten zu machen mir nahe zu kommen. Er sah mir in die Augen, die Entfernung spielte keine Rolle. Sein Blick verursachte mir Gänsehaut und ich drehte mich weg. Als ich wieder hinsah, war er verschwunden.

Eine Stunde und drei Cocktails später, war ich in großartiger Stimmung und eindeutig auf dem besten Weg betrunken zu werden. Die Stimmung war ausgelassen, nur Rose war merkwürdig ruhig für ihre Verhältnisse. Doch ich war schon zu angeheitert, um noch groß darauf zu achten. Der Alkohol löste meine Zunge, machte mich mutiger als ich war und ich legte singend mit Alice einen heißen Tanz aufs Parkett, der alle umstehenden Männer sabbern ließ. Sie war zwar nicht betrunken, aber Alice brauchte keinen Anreiz um Spaß zu haben. George fühlte sich augenscheinlich wohl als Hahn im Korb und genoss den Abend in vollen Zügen, jedenfalls sah er total glücklich aus.

Eine weitere Stunde später, war ich ganz schön angeschickert und ließ meine Augen suchend durch die Menge wandern. Ich entdeckte Edwards Bronzeschopf oben in der VIP Lounge, wo er gerade mit eleganten Schritten zu seinem Platz lief. Ich konnte ihn dann nicht mehr sehen, weil der Platz ziemlich versteckt hinter Palmen lag und es sowieso ziemlich dunkel war.  Ich seufzte. Armer Edward! War ganz allein und einsam. Ich würde jetzt zu ihm gehen und ihm etwas Gesellschaft leisten. Schwankend stieg ich die Treppen hoch und kicherte, als ich eine Stufe verpasste und beinahe hinfiel.
„Uups!“, sagte ich und hielt mich am Geländer fest.

Irgendwie schien der Boden immer näher zu kommen und das fand ich tierisch witzig. Die letzten Stufen erklomm ich unfallfrei und runzelte angestrengt die Stirn, als ich versuchte seinen Sitzplatz auszumachen.

„Edward!“, rief ich leise und bewegte mich im Kreis drehend über die Fläche.

„Was guckst du so!“, fuhr ich eine Frau an die mich etwas dümmlich betrachtete.

Sie sah weg und kümmerte sich wieder um ihren Begleiter. Endlich entdeckte ich ihn in der hintersten Ecke. Er war allein und wirkte etwas nachdenklich. Schwungvoll warf ich meine Haare zurück und ging mit wiegenden Hüften zu ihm. Überrascht sah er mich an, als ich mich mit einem gewaltigen Plumps in den Ledersessel vor ihm fallen ließ.

„Hallo Augenweide“, kicherte ich gutgelaunt.

Konnte  es sein, dass er mit jedem Treffen attraktiver wurde? Mir kam es fast so vor. Ihm fiel vor Überraschung die Kinnlade runter, als er meine Begrüßung verdaute und grinste mich dann amüsiert an.

„Du bist betrunken, Liebes!“, sagte er erheitert.

Schmollend verzog ich den Mund.

„Es ist nicht nett, einer Lady sowas ins Gesicht zu sagen.“

Er ignorierte das und lehnte sich entspannt in seinem Sessel zurück.

„Was verschafft mir die Ehre deiner Anwesenheit, du hast doch so viel Spaß mit deinem George. Warum bist du nicht bei ihm, sondern hier bei mir?“

Ich lächelte ihn an und zog mir die Highheels von den schmerzenden Füßen. Was für eine Erleichterung!

„Du sahst so einsam aus und da dachte ich mir, ich leiste dir ein wenig Gesellschaft.“

Er lachte, ehrlich belustigt und sah mich mit funkelnden Augen an.

„Und da dachtest du, du stattest der „Augenweide“ einen Besuch ab. Ich fühle mich geehrt.“

Ich nickte heftig.

„Ja, das solltest du auch. Ich mache das schließlich nicht bei jedem.“

Er beugte sich nah zu mir hin und flüsterte.

„Ich war noch nie „jeder“.“

Er lehnte sich wieder zurück und  grinste süffisant, was mir auch in meinem betrunkenen Zustand sauer aufstieß. Dem würde ich sein Grinsen aus dem Gesicht wischen. Da tat man ihm mal einen Gefallen und er verhielt sich wieder toooootal doof. Ich ließ meinen Fuß, der in halterlosen Strümpfen steckte, langsam über seine Waden nach oben wandern. Er versteifte sich etwas und beobachtete mich wachsam, während mein Fuß gemächlich über seinen Oberschenkel glitt. Seine Anspannung erhöhte sich mit jeder Sekunde und das Grinsen verging ihm. Mit einem sehr weiblichen Lächeln auf den Lippen, verstärkte ich den Druck und fuhr ihm zwischen seine Oberschenkel, an die Stelle, wo seine Erregung sich bereits unter der Hose wölbte.

„Du siehst ein wenig verkrampft aus Edward. Soll ich dir vielleicht helfen, dich ein wenig zu entspannen?“

Er keuchte leise, nicht in der Lage mir eine vernünftige Antwort zu geben, weil mein Fuß jetzt komplett auf seiner Vorderseite zum liegen kam. Mit sanften Bewegungen massierte ich ihn und beobachtete fasziniert, wie er seine schönen Augen schloss.

„Tut das gut?“, fragte ich provozierend und er nickte stöhnend. Den Kopf zurückgeworfen, genoss er meine Liebkosungen und ich fühlte mich unglaublich mächtig.

Verstohlen sah ich mich um. Niemand konnte hier sehen, was wir taten, da sich der Platz in der hintersten Ecke befand und von den Grünpflanzen abgeschirmt wurde. Die Dunkelheit tat ihr übriges und ich war durch den Alkohol enthemmt genug, um aufzustehen und mich rittlings auf seinen Schoss zu setzten. Mitten auf seine stark erregte Mitte, an der ich mich schamlos rieb.

Seine Lider öffneten sich zitternd und ich senkte meinen Mund auf seinen, drängte stürmisch meine Zunge hinein. Leidenschaftlich küssten wir uns, voller Gier aufeinander. In meinem trunkenen Zustand formte sich eine Idee in meinem Kopf, die ich unter normalen Umständen nicht mal in Erwägung gezogen hätte. Meine Hüften bewegten sich in fließendem Rhythmus auf ihm, kreisten auf seinem Unterleib, bis er den Druck erwiderte.

„Warum nur habe ich das Gefühl, dass das alles gleich vorbei sein wird“, flüsterte er mir ins Ohr.

Grinsend stoppte ich meine Bewegungen und zog mich zurück, setzte mich wieder auf meinen eigenen Sessel.

„Ich wusste es! Du machst immer einen Rückzieher, Liebes.“

„Weißt du, es hat nichts mit Feigheit zu tun. Ich habe mich nur besser unter Kontrolle als du, obwohl ich zugeben muss, dass mir ganz schön heiß geworden ist. Ich glaube, ich brauche jetzt eine Abkühlung.“

Lasziv biss ich mir auf die Lippe und griff mir unauffällig unter den Rock. Mit Augen, so groß wie Untertassen, sah er zu, wie ich meinen Slip über die Beine nach unten zog und ihn schließlich in meiner Faust zu einem Ball formte. Mit dem Höschen  in der Hand, als wäre es eine Waffe, setzte ich mich wieder auf seinen Schoss und stopfte es ihm in die Innentasche seines Jacketts. Ich biss ihm in sein Ohrläppchen und erlaubte ihm, seine Hände auf meine nackten Schenkel über den Strümpfen zu legen.
„Das darfst du als kleines Souvenir behalten, Baby“, lachte ich in sein Ohr, „Du musst dich fühlen wie ein Kind vor dem Schaufenster eines Süßwarengeschäftes. Du willst unbedingt naschen und darfst es aber nicht. Armer, armer Edward, du musst dich mit deinen Fantasien zufriedengeben.“

Er lachte gequält.

„Du bist das faszinierendste Geschöpf das ich kenne, Isabella! In der einen Sekunde bist du der reinste Engel, so unschuldig wie frischgefallener Schnee und in der nächsten, benimmst du dich, wie ein ausgekochtes Luder. Ich weiß nie, woran ich bei dir bin und das macht es so aufregend mit dir. Noch nie hat eine Frau es gewagt, mich so zu behandeln."

„Dann wurde es aber allerhöchste Zeit, findest du nicht auch?“

Er fauchte unwillig und rückte seine sehr eng gewordene Hose zurecht.

Mit einem Satz war ich auf den Füßen und sah zu ihm hinab.

„Ich schätze diese Runde ging wieder an mich, Augenweide! Mach´s gut Edward. George wartet auf mich und vielleicht erlaube ich ihm ja, dort weiterzumachen, wo du aufhören musstest.“

Schallendes Gelächter war seine Antwort, als er runter deutete und amüsiert seine Augenbraue hochzog. Warum konnten das alle, nur ich nicht!

„Meinst du den Kerl da unten, der sich gerade mit der alten Dame streitet?“

Verwirrt folgte ich seiner Handbewegung und erstarrte schockiert. Da unten war „Mutti“ und versuchte George aus dem Club zu zerren. Dieser wehrte sich aus Leibeskräften und hielt sich am Barhocker fest, während die Umstehenden irritiert zusahen.

„Oh Scheiße!“, stöhnte ich, „ Du entschuldigst mich.“

Prustend warf er sich auf seinen Platz und hielt sich die Seiten vor Lachen.

„Lass dich nicht aufhalten, Liebes!“, brachte er noch raus, „Dein Freund braucht, glaube ich Hilfe, bevor er von seiner eigenen Mutter gekidnappt wird.“

Hastig sprang ich die Stufen runter, um George zur Hilfe zu eilen.

Was sich dort abspielte, war ein regelrechter Machtkampf zwischen Mutter und Sohn.

„George, du kommst jetzt augenblicklich nach Hause, sonst versohl ich dir den Hintern. Wie kommst du dazu, dich in solchen Etablissements aufzuhalten.“

George schaffte es sich zu befreien und baute sich vor seiner Mutter auf. Er zitterte vor Wut und schrie sie an.

„Nein, ich werde nicht gehen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich Freunde und etwas Spaß. Das lasse ich mir von dir nicht mehr kaputtmachen. Mein ganzes Leben lang hast du mich kleingehalten und zum Idioten abgestempelt, doch damit ist jetzt Schluss. Ich werde ab jetzt tun, was ich will und du wirst mich nicht daran hindern. Ich gehe jetzt etwas raus, um frische Luft zu schnappen und wenn ich zurück bin, bist du weg. Habe ich mich klar ausgedrückt?"

Damit drehte er sich um und verschwand. Mutti sah George verdutzt hinterher und Tränen sammelten sich in ihren Augen.

„Aber George, ich wollte doch immer nur dein Bestes“, sagte sie unendlich traurig und ließ den Kopf hängen. Sie ging auf die Bar zu, sah den Barkeeper an und bestellte.

„Einen doppelten Whisky, bitte!“

„Sind Sie sicher Ma´am?“, fragte der Mann hinter der Bar zweifelnd.

„Sehe ich so aus, als würde ich Witze machen?“, schnappte sie zurück.

Ohne einen weiteren Kommentar schenkte er ihr ein und sie kippte das Getränk in einem Zug hinunter, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Ich setzte mich vorsichtshalber zu ihr, um ein Auge auf sie zu haben, obwohl ich im Moment wahrscheinlich nicht der beste Aufpasser war, da ich selbst nicht mehr nüchtern war.

„Was wollen Sie?“

„Ich wollte Ihnen nur ein bisschen Gesellschaft leisten!“, sagte ich freundlich.

„Pah, als ob Sie mich leiden könnten. Ich weiß schon, was Sie von mir denken. Eine böse alte Hexe, die ihren Sohn am Gängelband hält. Aber ich habe doch niemanden außer George und will nur sein Bestes. Jetzt habe ich dann niemanden mehr, weil Sie ihm einen Floh ins Ohr gesetzt haben.“

Sie tat mir leid. Im Grunde war sie nur eine besorgte Mutter. Plötzlich hatte ich eine Vision von mir selbst, mit ergrauten Haaren, wie ich versuchte meiner Einsamkeit zu entfliehen indem ich Danny nicht losließ. Schaudernd schüttelte ich diese Gedanken ab und schaute nach Alice und Rose. Ich entdeckte erstere mit Jasper auf der anderen Seite des Clubs. Er redete auf sie ein und Alice sah ihn nur an, bis sie ihn am Kragen packte und seinen Kopf zum Kuss hinunterzog. Leidenschaftlich eroberte sie seine Lippen und er ließ sich gerne auf sie ein. Gerade als er sie an sich ziehen wollte, stoppte sie den Kuss, schlug die Hand vor den Mund und flüchtete vor ihm. Er rief ihr etwas hinterher, doch es verhallte ungehört.

Rose schrie irgendetwas in ihr Handy und wirkte unglaublich aufgebracht. Neben ihr tauchte plötzlich Jessica auf und sah sich suchend um. Sie ging dann schnurstracks nach oben, wo Edward am Geländer lehnte. Als er seine Verlobte bemerkte, verzog er die schönen Lippen zu einem schmalen Strich. Sie trippelte auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange. Ich konnte diesen Anblick nicht mehr ertragen und drehte mich von ihnen weg.

„Barkeeper, zwei Whisky für die Lady neben mir und mich“, bestellte ich gefrustet. Nach diesem Abend würde ich mir ein halbes Jahr lang kein Ausgehen mehr leisten können.

Georges Mutter sah mich überrascht an und streckte mir dann zögernd die Hand entgegen.

„Nenn mich Bertha!“, forderte sie mich mit leichtem Lächeln auf.

„Bella!“, schlug ich ein.

Gemeinsam kippten wir den Whisky runter, bis auch Rose und Alice sich zu uns gesellten. Wir waren alle von den Männern gefrustet, auf die unterschiedlichste Art und Weise und gaben uns  gemeinsam die Kante. Irgendwann verlor ich die Orientierung und alles drehte sich um mich.


Mein Kopf schmerzte hämmernd, als ich erwachte und in meinem Mund hatte ich ein pelziges, unangenehmes Gefühl, gepaart mit einem widerlichen Geschmack. Stöhnend richtete ich mich auf und blinzelte verschlafen, bis ich die Augen endgültig öffnete. Ruckartig war ich hellwach. Wo immer ich auch war, es handelte sich hier nicht um mein eigenes Zuhause. Ich befand mich im luxuriösesten Schlafzimmer, das ich je zu Gesicht bekam und lag in seidenen Laken. Alles war in hellen Farben gehalten. Die Wände waren mit einer cremefarbenen Tapete verkleidet, ein dicker caramelfarbener Teppich lag vor dem Bett und der verchromte Spiegelschrank wirkte unglaublich modern und teuer, Wo war ich hier? Zögernd blickte ich unter die schwarzen Laken, die über meinem Körper lagen und erschrak zu Tode. Ich war splitterfasernackt, in einem fremden Schlafzimmer, in einer fremden Wohnung und ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, wie ich hierher gelangte.

„Na, Liebes! Hast du gut geschlafen?“

Schnell drehte ich den Kopf und blickte in Edward Cullens lächelndes Gesicht.

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