Ich spürte beim Aufwachen Edwards Körper nah an meinem. Seine Wärme übertrug sich auf mich und verschaffte mir ein wohliges Gefühl in der Magengrube. Fast unmerklich bewegte ich mich, um eine etwas bequemere Position zu finden, doch Edwards Arm schlang sich nur noch fester um meinen Bauch. Seine Nase vergrub er zwischen meinen Haaren an meinem Nacken und er murmelte unverständliche Worte. Noch im Halbschlaf reagierte er instinktiv auf jede meiner Bewegungen.
Ich seufzte zufrieden, obwohl meine Lage wahnsinnig unbequem war. Mein Kopf lag leicht verdreht auf dem Kissen, mein Rücken bog sich durch und ich besaß keinen Millimeter Bewegungsfreiheit. Es war jedoch das schönste Gefängnis, das man sich vorstellen konnte. Nach einem weiteren, vergeblichen Versuch mich aus seiner Umklammerung zu befreien, spürte ich seinen Brustkorb vibrieren.
„Oh!“, empörte ich mich, „Du bist ja wach, Edward Cullen. Lass mich sofort los, sonst kannst du was erleben.“
Er lachte jetzt offen und drehte mich mit einem Ruck flach auf den Rücken. Ich wollte erst mit ihm schimpfen, doch ich verlor mich rasend schnell in seinen schönen, grünen Augen. Er legte sich auf mich, hielt sein Gewicht aber durch seine aufgestützten Unterarme von mir weg. Sein Unterleib drückte sich fest an meinen und Edward konnte seine aufkeimende Erregung nicht verheimlichen. Sanft stupste er mit seiner Nasenspitze die meine an und hauchte einen leichten Kuss darauf.
„Was kann ich erleben?“, fragte er herausfordernd, „Komm schon, Liebes. Lass mich nicht dumm sterben.“
Keinen Ton brachte ich über die Lippen, meine blassen Wangen wurden heiß, das Blut schoss pulsierend durch meine Adern. Man hätte meinen können nach den letzten Stunden müsste ich vollauf befriedigt sein, doch eine einzige Berührung durch ihn, ließ mich jeden brauchbaren Gedanken vergessen. Mein Körper war ein Verräter und brauchte neues Futter. Diese kleinen Häppchen die Edward mir immer wieder zuwarf, reichten lange nicht aus um den Hunger zu stillen, der seit Wochen in mir tobte. Erst die vollständige Vereinigung würde Ruhe bringen und endgültige Befriedigung.
„Oh Edward!“, hauchte ich, „Ich habe solche Sehnsucht nach dir, ich halte es kaum noch aus.“
Ich schämte mich nicht es zuzugeben. Bei Edward war sowas wie Scham völlig überflüssig. Er war tabulos was seinen Körper anging und scheute sich nicht mir zu zeigen, was ihm besonders gut gefiel. Nachts flüsterte er mir zu, wie sehr er es liebte, wenn ich ihn befriedigte. Er genoss es in vollen Zügen und schenkte mir die gleiche Aufmerksamkeit. Durch seine vielen Frauengeschichten wusste er einfach, wo und wie er mich berühren musste, um mich in den Wahnsinn zu treiben.
Er registrierte meine Worte mit dem ihm ganz eigenen diabolischen Lächeln, was mir vollends den Rest gab. Ich packte sein Gesicht mit beiden Händen und küsste ihn mit leidenschaftlicher Verzweiflung. Heftig bewegten sich meine Lippen auf seinem weichen Mund, versuchten ihn auseinander zu drängen. Ich war erfolgreich und versenkte mit einem sehnsüchtigen Stöhnen meine Zunge darin.
Es kam nicht oft vor, dass er mir die Führung überließ. Lieber hatte er im Bett selbst das Kommando. Doch ab und an und in Zukunft immer öfter, nahm ich mir vor, konnte ich seine Dominanz überwinden und die Führung übernehmen.
Wir versanken in einem leidenschaftlichen Kuss und seine Hüften schaukelten sich drängend gegen meine. Er schob ohne Umschweife mein Top in die Höhe und umfasste meine heißen Brüste. Die Kühle seiner Finger auf meiner erhitzten Haut war so erregend, dass sich die Spitzen augenblicklich steil aufrichteten. Er löste sich aus dem Kuss und schob sich ein Stück hinunter. Sein warmer Atem streifte meine Knospen und ich biss gepeinigt auf meine Lippen. Ich brauchte seine zärtliche Zunge so dringend an dieser Stelle. Er erfüllte mir meinen unausgesprochenen Wunsch und seine Zunge fuhr aus seinem Mund. Mit deren Spitze leckte er lindernd über die schmerzende Knospe. Die verursachte ein heftiges Pochen zwischen meinen Beinen und ich spürte die Feuchtigkeit, die sich dort sammelte.
„Du schmeckst so gut!“, flüsterte er gegen meine Haut.
Ich sparte mir die Worte, dafür war ich viel zu vertieft in seine Liebkosungen und hungerte nach mehr. Doch in den Genuss würde ich nicht mehr kommen.
„Muuuuuuuummm!“, schrie Danny durch die geschlossene Tür. „Kann ich reinkommen?“
Seit Edward regelmäßig bei uns übernachtete stürmte er nicht mehr einfach so in mein Zimmer, worüber ich jetzt grade heilfroh war. Hastig zog ich das Oberteil runter und Edward rollte sich mit einem frustrierten Stöhnen von mir herunter. Auch er zog sich zu meinem Bedauern rasch ein T-Shirt über den nackten Oberkörper und setzte sich brav neben mich ins Bett. Er zwinkerte mir frech zu und ich wurde zu meinem Leidwesen etwas verlegen. Manchmal hatte ich ihm gegenüber noch leise Anflüge von Schüchternheit, doch diese traten nur noch sporadisch auf.
„Danny, du kannst reinkommen, die Tür ist offen“, sagte ich.
Die Türe schwang auf und Danny stand etwas schüchtern im Türrahmen. Er trug seinen Spongebob Schlafanzug und an einer Hand baumelte sein Teddy. Er sah so klein aus, dass mir vor lauter Liebe das Herz eng wurde. Automatisch streckte ich die Arme nach ihm aus und er tapste mit seinen nackten Füßen auf das Bett zu. Er kletterte zu uns ins Bett und kuschelte sich an mich, den Teddy fest an seine Brust gedrückt. Seufzend streichelte ich sein Haar und drückte einen sanften Kuss auf seinen Kopf.
„Hast du gut geschlafen?“, wollte ich leise wissen und Danny nickte glücklich. Edward neben mir wirkte, als ob er nicht wüsste wohin mit sich selbst. Er war sichtlich überfordert mit so viel familiärer Vertrautheit, doch ich nahm es ihm nicht übel. Es machte diesen ansonsten so perfekten Kerl irgendwie menschlicher, dass er nicht immer Herr der Situation war.
„Ähm, ich steh dann mal auf und gehe duschen!“, murmelte er und sah mit ein wenig Neid zu meinem Sohn, der sich fest an mich schmiegte. Ich musste unwillkürlich grinsen. Cullen wäre wohl nur zu gerne selbst an seiner Stelle gewesen. Pech gehabt mein Freund, dachte ich ein wenig schadenfroh, du bist halt nicht der einzige Mann in meinem Leben.
„Ja, tu das!“, erwiderte ich zuckersüß und jetzt war ich diejenige die ihm zuzwinkerte. Das Funkeln in seinen Augen verhieß, dass er sich zu gegebener Zeit an mir rächen würde und ich schluckte aufgeregt. Wie diese Rache aussehen würde, konnte ich mir nur zu genau vorstellen.
Dannys Augen folgten Edward als er im Bad verschwand. Stück für Stück überwand er seine Scheu vor seinem zukünftigen Stiefvater, doch es war immer noch eine gewisse Zurückhaltung spürbar. Edward schüchterte ihn ein, doch er bewunderte ihn auch maßlos. Ich war so froh, dass die zwei sich gut verstanden, ansonsten hätte ich wählen müssen. Diese Wahl hätte Edward zweifellos verloren.
„Danny, was hältst du davon, wenn wir Frühstück machen?“
„Au fein!“, jubelte er und war schneller aus dem Bett, als ich schauen konnte. „Darf ich die Eier aufschlagen? Bittttttttttteeeee!“, bettelte er.
Lachend zerzauste ich seine braunen Locken.
„Okay, aber ich stehe daneben und passe auf, dass die Eier auch in der Pfanne landen.“
Jetzt wirkte dieser Dreikäsehoch gleich etwas großspuriger.
„Mum, ich kann Eier aufschlagen. Ich habe mit Bibi geübt!“, verkündete er stolz und zog die Augenbraue hoch, genauso wie…..Edward!
Himmel, er fing schon an auf mein Kind abzufärben! Das konnte ja noch heiter werden. Ich schlüpfte in bequeme Klamotten und hörte mit halbem Ohr, dass das Rauschen der Dusche aufhörte. Nicht mehr lange und Edward würde zu uns stoßen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück besprachen wir unseren Tagesablauf. Edward musste dringend ins Büro und einiges aufarbeiten, da die anstehende Renovierung unseres Hauses und die daraus resultierenden Gespräche mit den Handwerkern, eine Menge Zeit in Anspruch nahmen. Erst wollte ich ja selbst Hand anlegen. Doch meine Ungeschicklichkeit in diesen Dingen und meine Arbeit im Diner ließen mich von diesem Vorhaben abkommen. Seufzend dachte ich daran, dass ich diesen Job bald aufgeben musste und ich noch immer keine passende Nachfolge hatte. Der Laden lief gut, obwohl ich die letzte Zeit wenig dort war. Doch Cynthia, die gute Seele, kümmerte sich hingebungsvoll um alles was anstand. Hm, ob sie eventuell die Richtige wäre. Sie war ein Ass in Buchführung, ganz im Gegensatz zu mir und der tägliche Ablauf war auch kein Problem. Nur ihre Schüchternheit stand ihr im Weg.
Ich begleitete Edward schließlich zur Tür, wo wir uns wie zwei Idioten angrinsten. Gott, ich war so verliebt in diesen Mann, dass ich mich manchmal selber kneifen musste. Ich konnte einfach nicht glauben, dass wir jetzt zusammengehörten und heiraten würden.
„Also..!“, schnurrte er grinsend.
„Also..!“, gab ich ebenfalls grinsend zurück und fuhr verspielt mit meinem Zeigefinger das Revers seines Jacketts nach.
„Bis heute Abend!“, hauchte er und küsste mich sanft auf meine Lippen. Nach einem letzten heißen Blick verließ Edward die Wohnung und ich blieb mit weichen Knien zurück. Erst Dannys Räuspern brachte mich zurück in die Wirklichkeit.
„Mum, du guckst schon wieder so komisch.“
„Ach ja!“, antwortete ich gutgelaunt, „Wie gucke ich denn?“
„Na komisch eben!“ Er machte meinen Gesichtsausdruck sehr treffend nach und ich musste kichern wie ein junges Mädchen.
„Wenn du mal erwachsen bist, Danny“, fing ich an, „wirst du irgendwann auch ein Mädchen so anschauen.“
„Nie im Leben!“, protestierte er empört. Mädchen waren im momentan ein Gräuel und vermied den Kontakt mit ihnen wo es nur ging. Das war nämlich gar nicht cool!
„Abwarten!“, prophezeite ich ihm. „Danny es wird Zeit die Zähne zu putzen und dich anzuziehen, Wir fahren dann zu Esme wegen der Anprobe.“
Er flitzte ins Bad und ich ging seufzend hinterher. Während ich zusah, wie mein Sohn sich gurgelnd die Zähne putzte, graute es mir schon vor den bevorstehenden Stunden. Mein Brautkleid würde heute ein letztes Mal vom Schneider angepasst werden und das bedeutete nichts anderes für mich, als stillzustehen und mich pieksen zu lassen. Als ich Esme erzählte, ich wolle mir ein Kleid kaufen, war sie entsetzt. Sie erzählte mir mit Tränen in den Augen, dass sie sich immer gewünscht hätte, die zukünftige Braut ihres Sohnes würde mal ihr altes Brautkleid tragen. Gerührt von dieser Geste umarmte ich sie fest und versicherte ihr, dass es mir eine große Ehre wäre ihr Kleid tragen zu dürfen.
Leider war ich etwas schmaler als Esme damals und man musste das Kleid in mehreren Sitzungen anpassen lassen. Heute war es das letzte Mal, dass ich mir von Monsieur Pierre die Ohren zutexten lassen musste. Der sehr feminin wirkende Schneider war ganz offensichtlich vom anderen Ufer und seine übertriebene Gestik und seine ganze Art, waren einfach nur nervtötend und ermüdend.
„Bin fertig!“, krähte Danny.
„Schön, jetzt noch anziehen und dann los!“, kommandierte ich.
Später betraten wir die Eingangshalle des Cullen-Anwesens und wurden von Dobson in Empfang genommen. Seit dem Wasserrohrbruch und meinem hilfreichen Eingreifen, hatte ich in ihm meinen größten Fan gefunden und auch Danny schloss er sehr schnell in sein Herz. Er meinte mal zu mir, dass mein Junge ein genauso süßer Lausbub sei, wie einst Master Edward. Die Worte entlockten mir ein Lächeln, wenn ich mir Edward als kleinen Bub vorstellte. Mit wirren rötlichen Haaren, großen unschuldig blickenden Augen und einem einnehmenden Lächeln, das verbarg was für ein frecher Kerl er eigentlich war. Ich musste Esme unbedingt anhauen, mir ein paar Kinderbilder von ihm zu zeigen. Bisher hatte er sich nämlich erfolgreich davor gedrückt.
Esme kam leichtfüßig die Treppe hinab geschwebt. Sie sah wie immer hinreißend aus. Das Haar floss in weichen Wellen auf die Schultern, in ihren Augen lag ein warmherziges und liebevolles Funkeln und sie streckte die Arme nach mir und Danny aus, während sie letzten Stufen nahm. Die Umarmung versetzte mich zurück in meine Kindheit und ich musste unwillkürlich an meine Mutter denken. Sie war ein ebenso liebevoller und herzlicher Mensch gewesen wie Esme und ich war froh so eine tolle Frau zur Schwiegermutter zu bekommen.
„Bella, Liebes!“, sprach sie mit sanfter, melodischer Stimme. Der volle, großzügige Mund hauchte mir einen sachten Kuss auf die Wange und sie ging gleich darauf in die Knie, um Danny in eine feste Umarmung zu ziehen. Sie war ganz vernarrt in meinen Sohn, was von ihm in gleichem Maße erwidert wurde. Anders wie bei Bibi, denn die hatte die Oma-Position auf ewig in seinem Herzen sicher. Er sah sie mehr als heißgeliebte Tante. Für eine Großmutter sah sie auch definitiv zu jung aus!
„Ist ER schon da?“, fragte ich ängstlich.
„Meinst du Monsieur Pierre?“, grinste Esme.
Ich nickte heftig. Meine Frage wurde sogleich von alleine beantwortet. Die Tür zum Blauen Salon wurde aufgerissen und mein Alptraum stand in dramatischer Pose im Türrahmen. Er hatte eine Hand in die Hüfte gestemmt, während die andere in rechtem Winkel abstand. Seine Finger hielten ein seidenes Taschentuch, welches er aufgeregt hin und her schwang. Er war wie immer perfekt gekleidet. Seine schwarze Hose hatte messerscharfe Bügelfalten und eine goldene Weste mit schwarzen, chinesischen Stickereien an. Das Hemd war blütenweiß, der Kragen war jedoch nicht erkennbar, wegen eine kunstvoll gebundenen Tuch. Es verbarg den dünnen Hals und lenkte die Aufmerksamkeit auf das Gesicht. Sein mit Sicherheit gefärbtes schwarzes Haar war kunstvoll zu Locken arrangiert und er wirkte wie ein Adeliger aus dem 19.Jahrhundert. Sein Gesicht war eine wahre Attraktion. Allerdings nicht im positiven Sinne! Er hätte mit den starren Gesichtszügen, die wohl zu oft eine Botoxspritze gesehen hatten, Mitglied in einem Kuriositätenjahrmarkt sein können. Keine Bewegung war mehr in seinem Gesicht, er schien förmlich erstarrt zu sein.
„Mademoiselle Swan!“, ereiferte er sich, „Sie sind viel zu spät! Wie soll isch denn arbeiten, wenn Sie nischt kooperieren. Die Hochzeit ist schon am Samstag. Zwei Tage“, schrie er, „Was wenn etwas nischt rischtig sitzt? Jede Minute zählt! Also, vite, vite! Ab in diesen wundervollen Blauen Salon und raus aus den Kleidern.“ Er musterte meine Jeans und meine Bluse verächtlich und ich wurde immer kleiner. „Wenn man das als Kleidung bezeichnen kann!“, versetzte er auch prompt.
Esmes Kichern ließ mich schmollen.
„Entschuldige, dass ich dir das antue!“, bettelte sie lachend, „Aber er ist wirklich der beste Schneider in ganz Seattle. Es gibt Dinge, da muss man einfach durch.“
Ich sah Monsieur Pierre nach, wie er im Salon verschwand und schob frustriert die Lippen vor.
„Na, dann auf in den Kampf!“, kommentierte ich mit Leichenbittermiene.
„Wieso denn kämpfen, Mum!“, fragte Danny arglos. Er mochte Monsieur Pierre auch nicht, weil dieser keinerlei Feingefühl im Umgang mit Kindern zeigte. Anwesend sein und stumm, dann konnte er ihnen noch was abgewinnen. Dass Danny diese Voraussetzungen nicht erfüllte, musste man nicht extra erwähnen.
„Ach Schätzchen! Das habe ich nur so dahingesagt. Komm, wir gehen rein und bringen es hinter uns.“
Danny breitete die Arme aus und rannte mit nachgemachten Flugzeuggeräuschen in Schlangenlinien in den Salon. Er verschwand durch die Tür und ich hörte nur noch Monsieur Pierres Gezeter.
„Oh mon Dieu! Dieses Kind! So kann isch nischt arbeiten!“, brüllte er lautstark.
Esme und ich tauschten einen verstehenden Blick und folgten meinem Sohn, um ihn vor dem Zorn des Franzosen zu retten.
Mehrere Stunden später saß ich ausgelaugt mit Esme beim Kaffee. Danny war mit Dobson unterwegs und „half“ ihm bei der Arbeit. Genüsslich trank ich einen Schluck aus der feinen Porzellantasse und lehnte mich zurück. Esme beobachtete mich schmunzelnd.
„Siehst du! Jetzt hast du es endgültig überstanden. Das Kleid passt einfach perfekt. Ich bin so froh, dass du es tragen möchtest“, flüsterte sie, „Tanya wollte….“. Sie brach ab.
„Was wollte Tanya?“, hakte ich nach.
„Oh Bella, ich sollte nicht ständig von ihr anfangen. Ich will gar nicht wissen, wie das auf dich wirken muss. Aber ich bin dir wohl eine Antwort schuldig.“
Sie blickte auf ihre zusammengefalteten Hände hinab, die ruhig auf ihrem Schoss lagen.
„Esme! Hör zu. Ich weiß, dass du nicht gerne über sie redest, aber außer dir hat noch eine andere Person so komische Andeutungen gemacht. Edward kann ich nicht fragen, er würde sofort ausflippen. Wenn ich auch nur eine unpassende Bemerkung über seine heilige Tanya machen würde.“
„Ist er immer noch so auf sie fixiert? Ich dachte, das hätte sich in der Zwischenzeit erledigt?“ meinte sie ernsthaft erstaunt.
Ich schüttelte verneinend den Kopf.
„Leider nur teilweise. Er hat sich an ihrem Grab von ihr verabschiedet und will einen Neubeginn. Doch er stellt sie noch immer auf einen Sockel und verehrt sie nach wie vor. Es ist wirklich schwer für mich, vor allem, weil ich nicht weiß was er für mich fühlt.“
„Er hat dir noch nicht gesagt, dass er dich liebt!“, rief sie aus. Mein trauriger Gesichtsausdruck war ihr Antwort genug. Sie seufzte resigniert.
„Wie der Vater!“, sagte sie nur kopfschüttelnd.
Verdutzt sah ich sie an.
„Was hat das denn mit Carlisle zu tun?“, wollte ich wissen.
„Das erzähle ich dir ein anderes Mal, Bella. Das würde unseren zeitlichen Rahmen sprengen. Komm, wir gehen noch mal alle Einzelheiten der Feier durch. Ich bin so froh, dass du mir nicht böse bist, weil die Verlobungsfeier ein bisschen größer ausgefallen ist, als du wolltest. Aber wenn ich mal anfange, dann bin ich nicht zu halten“, sagte sie zerknirscht.
Sie war wirklich geschickt darin, dass Thema zu wechseln, das musste der Neid ihr lassen. Ich ging auf ihren Ablenkungsversuch ein und erhob mich. Es gab noch einiges zu besprechen und die Hochzeit stand quasi schon vor der Tür. Nur noch zwei Tage, dachte ich. Zwei Tage und ich würde endgültig zu Edward gehören!
Der große Tag war gekommen. Ich schlief die Nacht davor mit Danny im Cullen Anwesen und würde dann zusammen mit Esme, Alice und Rosalie in die Kirche fahren. Edward und Carlisle würden uns zusammen mit den Hochzeitsgästen dort erwarten. Jetzt stand ich in meiner weißen Spitzenunterwäsche vor dem zwei Meter hohen Spiegel und wartete nervös darauf, dass Alice und Rose vorsichtig mein Brautkleid aus dem Kleidersack holten.
Esmes Brautkleid war überraschend modern für die damaligen Verhältnisse. Der obere Teil bestand aus feinster Spitze, genau wie die breiten Träger und ließ einen großen Teil meines Rückens frei. Zwei Bänder wurden hinten zusammengebunden und lagen am bodenlangen Rock an. Dieser war aus einem glatten Chiffonstoff und war so federleicht, dass er sich bei jeder Bewegung aufbauschte. Das Kleid war ein Traum! Elegant, schlicht und trotzdem edel.
„Bella, wir wären soweit!“, rief Alice feierlich und sie traten beide mit gerührtem Gesichtsausdruck an mich heran. „Oh Gott, Bella du wirst eine wunderschöne Braut sein. Edward wird der Schlag treffen, wenn er dich sieht“, meinte sie noch.
Rosalie und Alice halfen mir beim Hineinschlüpfen in mein Brautkleid. Vorsichtig hob ich die Röcke und trat in die schon bereitstehenden Schuhe, während Rosalie meine Haare in die Höhe schob, damit Alice die winzigen Knöpfe am Rücken schließen konnte. Es waren Gott sei Dank nicht sehr viele, weil meine Rückseite größtenteils entblößt war. Doch ohne fremde Hilfe hätte ich sie niemals zubekommen. Als Alice ihre Aufgabe gemeistert hatte, trat sie zurück und Rose ließ meine Locken los. Ich spürte wie die Spitzen an meiner nackten Haut kitzelten und schüttelte den Kopf ein wenig.
„Nicht so hastig bewegen, Bella!“, rief Rose entsetzt, „Du ruinierst sonst deine Frisur!“
Ich verdrehte die Augen leicht, gehorchte aber meiner unerbittlichen Freundin. Sie hatte Stunden damit zugebracht jede Strähne in weiche Korkenzieherlocken zu legen, um diese Pracht seitlich mit winzigen, weißen Sternen festzustecken. Meine braunen Haare türmten sich hinten zu einer wallenden, fließenden Mähne auf und die Löckchen sprangen bei jeder Bewegung die ich machte, lustig hin und her.
„Ich passe schon auf, Rose. Ich will dein Meisterwerk ja nicht ruinieren!“, lächelte ich.
Skeptisch sah sie mich an und ich konnte nicht anders, als sie zu umarmen.
„Verzeih Rose!“, flüsterte ich in ihr Ohr, „Ich weiß deine Mühe zu schätzen und es sieht wirklich wundervoll aus. Ich danke dir von Herzen. Ich habe dich furchtbar lieb. Das weißt du doch. Oder?“
„Oh…oh…oh…jetzt haben wir den Salat!“, schluchzte sie ergriffen, „Jetzt muss ich heulen! Ich werde schrecklich aussehen bei deiner Trauung.“
Ich löste die Umarmung und sah in die tränenfeuchten Augen meiner Freundin und zukünftigen Schwägerin.
„Rose, du kannst gar nicht schrecklich aussehen. Dazu bist du ein viel zu liebenswerter Mensch. Deine Schönheit kommt von innen und ist nicht nur äußerlich. Ich bin stolz dich zur Freundin zu haben“, ich wandte mich gleich darauf an Alice und nahm deren Hand, „Das Gleiche gilt für dich. Du hast mir so oft zugehört, mich getröstet und aufgebaut. Das werde ich nie wieder gutmachen können.“
Jetzt kamen auch mir die Tränen, doch ich drängte sie gewaltsam zurück. Alice lächelte mich liebevoll an.
„Du brauchst gar nichts gutmachen, Bella. Alles was ich tat, habe ich aus Freundschaft getan. Du hast mich mindestens ebenso oft getröstet, als es mir wegen Jasper schlecht ging, wenn nicht sogar öfter.“
„Ich hab dich lieb, Alice!“
Ein strahlendes Lächeln überzog ihr hübsches Gesicht. Wir wollten gerade den Brautstrauß aus der Vase nehmen, als ein Klopfen an der Tür uns dabei störte.
„Bella, lass mich rein!“, rief Edward von der Tür aus.
„Was will der denn hier?“, fragte Rose irritiert, „Er darf dich doch nicht sehen! Edward!“, schrie sie durch den Raum, „Geh wieder runter. Es sind doch nur noch ein paar Minuten. Du weißt doch, du darfst sie vor der Trauung nicht sehen.“
Er hämmerte wieder gegen die Tür.
„Lasst mich rein, sonst trete ich die Tür ein!“, forderte er lautstark. „Bella, Liebes! Bitte, ich muss vor der Trauung unbedingt mit dir sprechen. Lass mich rein!“
Unsicher sah ich von Rose zu Alice und schluckte. Jetzt hatte ich Angst! Wollte er die Trauung platzen lassen? Er war ja ein Meister darin.
„Würdet ihr ihn rein lassen und uns für einen Moment allein lassen?“, bat ich leise.
Sie taten wie geheißen und liefen Seite an Seite zur Tür, drehten am Schloss und öffneten. Ein ziemlich aufgelöster Edward stolperte herein und schob meine Freundinnen resolut hinaus, bevor er die Türe zuwarf. Er stand mit dem Rücken zu mir und atmete tief ein und aus.
„Edward?....Edward was ist denn?“, hauchte ich zart. Meine Angst war deutlich herauszuhören. Etwas Bedeutendes lag in der Luft, doch ich konnte mir nicht vorstellen, was es war. Wenn er mich quasi vor dem Altar stehenließ, dann würde ich zusammenbrechen. Davon würde ich mich niemals erholen!
Langsam drehte er sich um und sah mich an. Er setzte sich in Bewegung, bis er vor mir stand und öffnete den Mund. Ich wartete jedoch vergeblich, denn er brachte keinen Ton heraus. Egal, was er mir zu sagen hatte, es war wohl so gravierend, dass selbst der mutige und selbstbewusste Edward Cullen sich nicht traute.
„Bitte sag doch was, Edward!“, bat ich ihn mit brüchiger Stimme, als ich die Stille nicht mehr ertrug.
Immer noch musterte er mit dieser undurchdringlichen Miene mein Gesicht und legte mir die kühle Hand auf meine heiße Wange. Automatisch schmiegte ich sie in seine Handfläche und schloss die Augen.
„Bella…“, begann er, „Bella, es gibt etwas Wichtiges zu sagen.“
„Kann das nicht bis nach der Trauung warten? Edward, alle warten auf uns!“
Er schüttelte den Kopf.
„Sollen sie doch warten!“, äußerte er mit seiner typisch arroganten Art, „Das was ich dir sagen werde, kann ich nicht aufschieben.“
Er richtete sich auf und holte tief Luft.
„Liebes, ich kann dich nicht heiraten………..“
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