Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Donnerstag, 25. November 2010

Kapitel 57 - Lüge oder Wahrheit?

Edwards PoV

Ich öffnete leise die Türe zu unserem gemeinsamen Schlafzimmer und das Bild das sich mir bot war erschreckend und tröstlich zugleich. Bella befand sich mit meiner Mutter auf dem Bett. Sie saßen sich  gegenüber und die zerwühlten Laken, sowie Bellas verheulte Augen ließen darauf schließen, dass Mum sie in ihrem Kummer getröstet hatte. Der letzte Satzfetzen der von Bellas Lippen geflossen war,  hatte mich für einen Moment irritiert, doch nicht genug, um mich von meiner Frau ablenken zu können. Obwohl ich noch nachgehakt hatte, was genau ich denn nicht erfahren sollte, interessierte mich die Antwort darauf nicht wirklich. Ich sehnte mich danach, endlich mit Bella allein zu sein, um mein Verhalten wieder gut zu machen.

Nach dem Besuch bei Tanya konnte man meinen Gemütszustand  mit einem einzigen Satz umfassen. Ich war völlig von der Rolle. Aufgewühlt war ich vor ihr und meinen Gefühlen geflüchtet, zum Wagen gestürmt und losgefahren. Ursprünglich wollte ich sofort nach Hause, aber ich konnte Bella nicht in diesem Zustand gegenübertreten. Bella war nicht dumm. Sie hätte sofort gemerkt, was mit mir los war. Also war ich mit dem Auto zum Hafen gefahren, um dort wieder auf andere Gedanken zu kommen. Ich musste unbedingt wieder klar im Kopf werden. Normalerweise war ich jemand der sich genau wusste, was er wollte, und wie er es bekam.

Doch durch Tanyas Auftauchen hatte ich den Boden unter den Füßen verloren. So wie ich nach meinem Gespräch mit ihr drauf war, hätte ich Bella nur verschreckt und ihr Misstrauen geweckt. Aus diesem Grund nahm ich mir die Zeit, um wieder zu mir selbst zu finden. Der beruhigende Anblick der ein- und auslaufenden Schiffe, die dunkle, leicht wogende Wasseroberfläche und die einzigartige Mischung aus Seeluft, Fischausdünstungen und Öl, hatte mir dabei geholfen, meine Gedanken zu sortieren. Fast zwei Stunden hatte ich dort gesessen und darüber nachgedacht wie es weitergehen sollte. Eine Antwort darauf hatte ich nicht gefunden.

Mein schlechtes Gewissen wegen dem Kuss setzte mir fast noch mehr zu, wie meine Wut und die Enttäuschung über Tanyas Verrat. Es war im Grunde nichts Weltbewegendes passiert. Früher hatte ich reihenweise Frauen geküsst, mit den meisten geschlafen und es hatte absolut keine Bedeutung gehabt. Sogar nachdem Bella in meinem Leben aufgetaucht war, hatte ich am Anfang noch mit anderen Frauen rumgemacht, um sie aus meinem Kopf zu kriegen. Doch da waren wir noch kein Paar. Jetzt fühlte es sich für mich an, als wäre ich ihr fremdgegangen, dabei war es ganz sicher nicht von mir geplant gewesen, Tanya irgendwie körperlich näherzukommen.

Es war einfach mit mir durchgegangen, als sie vor mir gestanden und mich angelächelt hatte. Lebendig, gesund und immer noch so schön wie damals. Für einen klitzekleinen Moment hatte ich mich nicht unter Kontrolle und war dem Wunsch gefolgt  Tanya in die Arme zu nehmen. Nicht aus Liebe oder Lust, sondern um mich tatsächlich davon zu überzeugen, dass sie kein Produkt meiner Fantasie war.

Ich fühlte mich beschissen deswegen. Es waren Tanyas Lippen gewesen, die ich berührt hatte und nicht Bellas. Ihr Körper war es den ich an mich gedrückt  und gespürt hatte, und nicht der meiner Frau. Doch das Schlimmste an dem Ganzen war - ich hatte es genossen. Nicht auf die gleiche Art wie bei Bella. Ich verspürte bei Tanya nicht dieselbe wilde Leidenschaft, die Bella in mir auslöste, sobald sie sich auch nur in meiner Nähe befand. Aber es war schön gewesen. Mit dieser Erkenntnis war ich wie ein Feigling geflohen. Nicht mal der Wunsch zu erfahren, warum sie so plötzlich wieder  aufgetaucht war, konnte mich dazu bewegen zu bleiben. Ich hatte eine Scheißangst davor einen weiteren unentschuldbaren Fehler zu begehen, denn ich  wollte diese Dinge nicht fühlen, die bei Tanyas Anblick in mir hochstiegen.

Mein Herz gehörte ihr nicht mehr. Bella hatte es über die letzten Monate hinweg wieder zusammengesetzt und erneut zum Schlagen gebracht. Sie war die Einzige die ein Recht auf meine Liebe besaß, und diesen Ausrutscher würde ich bis in den hintersten Winkel meines Gehirns verbannen. Bella durfte niemals davon erfahren. Sie würde mir bestimmt verzeihen, da war ich mir fast sicher. Aber meine Angst ihr weh zu tun, war viel zu groß, um  Bella die Wahrheit zu sagen. Ich bezweifelte außerdem, dass ich den Mut aufbringen würde, ihr den wahren Verlauf über mein  Treffen mit Tanya zu erzählen. Sollte ich mich doch noch dazu entschließen, ihr davon zu erzählen,  würde es danach keine weiteren mehr geben können. In mir brannte aber der Wunsch die ganze Wahrheit über ihr Verschwinden zu erfahren, und zwar von Tanya höchstpersönlich.

Vielleicht würde ich dann endlich lernen mit meiner Vergangenheit abzuschließen, um schließlich mein Glück mit Bella in vollen Zügen genießen zu können. Wenn das bedeutete, dass ich ihr etwas verschweigen musste, um dieses Glück nicht zu gefährden, dann würde ich dieses Risiko eben eingehen. Sollte Bella jedoch jemals von meiner Lüge erfahren, dann…. Ich traute  mich nicht mal den Gedanken zu Ende zu spinnen. Die Konsequenzen meiner Lüge konnten mich meine Ehe kosten, doch ich konnte ihr einfach nicht sagen, dass ich am Morgen eine andere geküsst hatte. Jetzt stand ich in meinem Schlafzimmer, blickte auf meine Frau und betete, dass wir beide unbeschadet aus diesem Wirrwarr wieder herauszukommen würden.

Bella blickte auf, als sie meine Stimme hörte und präsentierte mir ihre rotgeränderten Augen. Die Erleichterung mich zu sehen stand ihr ins Gesicht geschrieben und ich spürte einen schmerzhaften Stich in der Herzgegend. Daran war nur ich schuld. Nur meinetwegen hatte sie geweint, wieder mal. Und doch liebte sie mich und war froh, mich hier zu haben. Bellas schöne braune Augen  wurden ganz klar und ein zaghaftes Lächeln breitete sich auf ihrem bildhübschen Gesicht aus. Tanya rückte in den Hintergrund. Ich war genau da, wo ich hingehörte. Ich spürte es mit jeder Sekunde die verstrich mehr, während wir uns stumm in die Augen sahen. Es war beinahe so, als würde ein unsichtbares Band uns für immer aneinanderketten.

Woah, ich wurde langsam wirklich zu einem romantischen Idioten, doch seltsamerweise machte es mir nicht mal was aus. Zwischen Bella und mir herrschte  einfach vom ersten Moment an eine fast schon magische Anziehungskraft. Ich hatte in den ersten Wochen nach unserem Kennenlernen geglaubt, das würde sich irgendwann legen und weniger werden. Das war wohl der größte Irrtum meines Lebens. Gerade jetzt merkte ich, wie stark ich auf sie reagierte. Das Summen in meinem Körper  wurde immer mächtiger und jede Faser in mir drängte darauf, sie endlich in die Arme zu nehmen.

„Würdest du uns bitte allein lassen?“, sagte ich zu meiner Mutter, die sich daraufhin recht hastig erhob. Sie sagte noch irgendetwas, doch ich hörte ihr schon längst nicht mehr zu. Ich konnte den Blick nicht von Bella abwenden, die mich erwartungsvoll und voller Liebe musterte. Trotzdem konnte ich noch einen Hauch von Angst in ihrem Blick erkennen. Offenbar glaubte sie immer noch an die Möglichkeit, dass ich ihr trotz meiner Anwesenheit hier, den Laufpass geben könnte.  Ich hätte beinahe gelacht. Als ob ich sie jemals aufgeben würde! Bella war meine persönliche Droge, eine Sucht, die mich mein ganzes Leben lang begleiten würde.

Zärtlich erwiderte ich ihren Blick, versuchte ihr so die Angst zu nehmen und breitete die Arme aus.

„Komm her!“, flüsterte ich leise und sie flog gerade zu in meine Umarmung. Ihr zierlicher Körper schmiegte sich an meinen, ihr Duft kroch in meine Nase und ich atmete erleichtert auf. Endlich. Sie war so nah und ich fühlte mich das erste Mal an diesem Tag wirklich gut. Allein ihre Anwesenheit reichte aus, damit es mir besser ging. Diese Empfindung war mir in den letzten neun Jahren fremd geworden. Bella machte mich langsam wieder damit vertraut. Jetzt wollte ich ihr etwas von diesem Gefühl zurückgeben, das sie so mühelos in mir hervorrufen konnte.

Meine Nase vergrub ich in ihrem weichen Haar und schob meine rechte Hand über ihren Rücken nach oben. Gleichzeitig umfasste ich ihren Nacken und schlang den anderen Arm nur noch fester um sie. So standen wir minutenlang da, sprachen kein Wort und hielten uns einfach nur fest. Bellas Atmung wurde immer ruhiger. Sie schien fast im Stehen einzuschlafen, doch ihre zärtlich wandernde Hand, die meinen Rücken auf und ab fuhr, bewies mir das Gegenteil.  Irgendwann seufzte sie tief auf und hob den Kopf von meiner Brust.

„Hey“, begrüßte sie mich zart und streckte die Hand aus, um mir sanft  über die Wange zu streicheln. Ich schloss unwillkürlich die Augen und genoss die seidenweiche Berührung.

„Es tut mir so leid, dass du das alles mitmachen musst, Liebes“, entschuldigte ich mich zerknirscht. Voller Reue sah ich sie an und ihre Augen drückten nichts als Verständnis aus.

„Es ist schon okay. Du musstest das tun“, meinte sie tapfer. „Es war wirklich schrecklich hier auf dich zu warten, und nicht zu wissen, ob  du wieder zu mir zurückkommen würdest. Das gebe ich ja zu. Aber jetzt bist du hier. Das ist alles was zählt.“

Ich legte meine Hand über ihre, drehte leicht den Kopf und hauchte einen Kuss darauf.

„Ich werde immer bei dir sein, Bella“, antwortete ich ihr. „Ich werde dich niemals verlassen, hörst du!“

Sie nickte und sah mir vertrauensvoll in die Augen. Es war wie ein Schlag in die Magengrube. Ich verdiente dieses Vertrauen nicht, ich war….so feige.

„Ich hätte wissen müssen, dass du nicht wie sie bist.“

Ich wusste natürlich sofort, wer damit gemeint war. Ihr Vater und dieser Bastard Jacob Black hatten ihr ziemlich zugesetzt. Wenn ich jedoch an mein eigenes Verhalten heute Morgen dachte, dann fühlte ich mich genauso erbärmlich, wie die zwei es waren. Ich würde alles daran setzen meine Bella zur glücklichsten Frau in Seattle zu machen, um das wieder gut zu machen. Nichts anderes verdiente sie und diesen Kuss wollte ich schnellstmöglich vergessen. Pures Vertrauen lag in Bellas Gesicht und ich schämte mich in Grund und Boden.

Ich konnte es nicht mehr ertragen und fing an sie zu küssen, damit ich ihr nicht in die Augen sehen musste. Tanyas Kuss brannte noch immer anklagend auf meinen Lippen und ich versuchte ihn mit Bellas Mund zu ersticken. Verdammt, wie hatte ich mich nur zu sowas hinreißen lassen können? Das Bild wie ich Tanya geküsst hatte, stieg wieder in mir hoch und ich drängte es fast schon gewaltsam zurück. Ich war nicht richtig bei der Sache und fühlte mich deswegen nur noch schlechter. Angestrengt versuchte ich mich zu konzentrieren, um meine Schuldgefühle loszuwerden. Bellas weicher Mund schmiegte sich inniger auf meinen und plötzlich war es ganz einfach zu vergessen. Sie küsste jeden Gedanken an meinen Ausrutscher fort.  Bellas vertraute Wärme zu spüren tat so unglaublich gut, ihr Geschmack auf meiner Zunge machte mich hart und ich begann sie unwillkürlich stärker an mich zu drücken. Die Reaktion kam prompt. Ihre Arme krochen nach oben und schlangen sich um meinen Hals.

„Ich bin so froh, dass du wieder bei mir bist“, flüsterte sie zwischen ihren immer leidenschaftlicher werdenden Küssen. Fieberhaft versenkte ich meine Zunge in ihren Mund und schob sie Richtung Bett. Ich brauchte sie so sehr…..

Sie stoppte meine eifrigen Hände, als wir schon längst zwischen den zerwühlten Laken lagen und ich mir hastig an ihrer Bluse zu schaffen machte. Ich wollte nichts mehr, als sie nackt unter mir zu haben, um mich mit einem harten Stoß in ihrem Schoß zu vergraben. Vor Ungeduld stöhnte ich auf.

„Edward, warte!“, brachte sie mühsam hervor, als ich einfach weitermachte und ihren Hals liebkoste. Ich unterbrach meine Zärtlichkeiten und legte schweratmend meine Stirn an ihre. „Bitte, du  musst mir erzählen, wie euer Gespräch war? Was ist ihr passiert?“, fragte Bella atemlos.

NEIN!!! Ich wollte nicht mal daran denken. Doch ich wusste, sie würde misstrauisch werde, wenn ich mich weigerte. Ich setze mich auf und versuchte mich in den Griff zu kriegen. Oh Gott, ich sollte es ihr erzählen. Dieser Kuss…  Wenn sie es jemals selbst herausfand…..

„Edward….?“ Sie klang jetzt besorgt - und misstrauisch. Kein Wunder, ich konnte sie ja nicht mal ansehen. „Edward, was ist zwischen euch passiert?“

Ihr Tonfall war scharf geworden, alles Verständnis und Vertrauen war daraus verschwunden. Ich atmete tief ein und drehte ganz, ganz langsam mein Gesicht zu ihr, um den Moment der Wahrheit soweit hinauszuzögern wie möglich. Das  schlechte Gewissen konnte ich wohl nicht länger überspielen, denn ihre strahlenden Augen wurden auf einmal leer und trüb.

„So ist das also“, flüsterte sie und wich  Stück für Stück vor mir zurück. Kaum aus meiner Reichweite, rappelte sie sich hastig auf, und stellte sich  einen Meter entfernt neben das Bett, als könnte sie meine Nähe nicht mehr ertragen.

„Nein, warte….Bella. Bitte Liebes, rede dir nicht wieder was ein, okay!“, rief ich beschwörend. „Es ist nichts, hörst du. Nichts. Ich bin hier bei dir, weil ich DICH liebe. Tanya bedeutet mir nicht mehr die Welt, das bist jetzt du.“

Ich versuchte all meine Liebe in meine Stimme zu legen. Leider war ich verdammt schlecht in solchen Dingen. Neun Jahre Gefühllosigkeit waren verdammt hinderlich, wenn man seiner großen Liebe begreiflich machen wollte, was sie einem bedeutete.
Bella sah verletzt auf mich hinunter und ich fühlte mich nur noch mieser. Ich war ein Idiot. Ich hätte gleich mit ihr reden müssen, nachdem meine Mutter das Zimmer verlassen hatte. Bella legte doch solchen Wert auf Ehrlichkeit und ich hatte ernsthaft überlegt ihr diesen Kuss zu verschweigen. Jetzt war sie von selbst darauf gekommen, dass etwas nicht stimmte. Was zum Teufel sollte ich ihr jetzt erzählen? Würde sie mir glauben, dass es nur eine Kurzschlusshandlung war?

„Ich will jetzt die Wahrheit über dein Treffen mit ihr erfahren, Edward. Du bist vielleicht ein guter Lügner, aber deine Augen kannst du nicht manipulieren“, sie holte tief Luft und ballte die Fäuste, „Verdammt, die Schuldgefühle springen mir ja förmlich ins Gesicht.“

Bellas Stimme wurde immer lauter und ich zuckte zusammen. Scheiße, ich würde alle Register ziehen müssen, um sie von der Wahrheit zu überzeugen. Kuss hin oder her, ich liebte Bella.

„Hast du mit ihr geschlafen?“, wollte sie wissen. Die Frage kam zögernd, sie konnte mich dabei nicht ansehen.

Ich schwieg und suchte nach den passenden Worten.

„Verdammt, nun sag doch etwas! Du bist fast vier Stunden weggeblieben. Genug Zeit hättest du ja gehabt. Ist es das? Hast du mit ihr geschlafen und traust dich jetzt nicht es zuzugeben?  Warum bist du überhaupt zurückgekommen?“, sagte sie mit tränenerstickter Stimme, „Ich hatte dich doch gebeten nicht mehr wiederzukommen, wenn du sie wieder zurück willst.“

Jetzt kam endlich wieder Leben in mich. Sie war schon dabei das Zimmer zu verlassen, hatte schon die Hand an der Klinke, als ich ihr die Tür vor der Nase wieder zudrückte. Ich stand hinter ihr, eng an ihren Rücken geschmiegt.

„Nicht, lass mich erklären was passiert ist. Es gab keinen Sex“, flüsterte ich in ihr Haar, und hinderte sie mit meinem ganzen Körper daran sich aus meiner Umklammerung zu winden. Ihre Schultern spannten sich an, alles an ihr war in Abwehrhaltung.

„Aber irgendwas ist geschehen, sonst hättest du mich nicht so angesehen. Liebst du sie doch noch? Sag mir die Wahrheit, Edward. Das bist du mir schuldig.“

Ich fasste sie behutsam an den Schultern und drehte sie zu mir um. Ihr Gesicht war gerötet, die Augen hatten allen Glanz verloren. Mein Magen drehte sich bei diesem Anblick fast um. Sie sollte nicht so aussehen. Ich wollte sie lächelnd und glücklich. Mein Versuch die Hand an ihre Wange zu legen scheiterte. Sie schlug sie einfach weg, drehte den Kopf und senkte den Blick. Seufzend unterließ ich jeden weiteren Versuch sie anzufassen. Sie war so stur! Böse war ich ihr aber nicht. Die Scheiße in der ich steckte, hatte ich mir selber eingebrockt und ich musste das irgendwie wieder geradebiegen.

„Wirst du mir zuhören?“

Sie blickte hoch. Wütend.

„Darauf kannst du dich verlassen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was du mir zu sagen hast.“

„Setz dich, Bella!“ Ich deutete auf den gemütlichen Sessel, nahe beim Fenster. Sie schob sich an mir vorbei, setzte sich und schlug die hübschen Beine übereinander. Normalerweise hätte ich diesen Anblick genossen, aber jetzt war mir wirklich nicht danach. Ich fühlte mich wieder wie ein Fünfjähriger, der bei seinem Vater antanzen musste, weil er was verbrochen hatte. Ich setzte mich auf die Bettkante und sah sie ernst an. Bella wich mir nicht mehr aus, sondern erwiderte fest meinen Blick. Bewunderung stieg in mir auf. Was für eine starke Frau hatte ich da geheiratet? Jede andere hätte sich in dieser Situation verkrochen und erst mal geheult. Aber nicht meine Bella. Sie sah den Tatsachen ins Auge, egal, wie schmerzhaft sie auch sein würden. Verdammt, ich war so unglaublich verliebt in sie.

Dann fing ich an zu reden. Meine Stimme hörte sich an wie ein Reibeisen, als ich ihr von Tanyas Geschichte erzählte. Bellas Augen wurden immer größer. Das Entsetzen über die Wahrheit, war ihr anzusehen. Was Tanya getan hatte, war unglaublich grausam. Jetzt, mit einem gewissen Abstand, wurde mir klar wie sehr. Die Freude Tanya gesund und wohlbehalten wiederzusehen, hatte meinen Zorn überlagert. Doch jetzt bekam ich eine Mordswut, wenn ich nur daran dachte und trotzdem redete ich weiter. Jetzt war wirklich nicht der geeignete Zeitpunkt, um sich darüber aufzuregen. Ich würde mich dadurch nur noch tiefer in die Scheiße reiten. Schonungslos beendete ich meinen Bericht, bis ich an der Stelle stockte, wo es zu diesem verdammten Kuss gekommen war. Ich hatte eine Scheißangst davor, Bella zu verlieren und hörte einfach auf zu reden.

„Erzähl doch weiter!“, bat sie mich. Sie wirkte nicht mehr sauer, sondern eher mitleidig. Gerade sie wusste, was Tanyas Geständnis für mich bedeuten musste und stellte die eigenen Gefühle mal wieder hinten an.

„Ich….wir haben uns geküsst“, flüsterte ich kaum hörbar. Der Kuss ging zwar von mir aus und  Tanya hatte ihn nicht direkt erwidert, doch ich hatte das Zittern ihres Körpers durchaus bemerkt. Tanya war nicht immun gegen mich, trotz ihrer jahrelang andauernden Beziehung zu einer Frau. Dem Mann in mir schmeichelte das natürlich, doch es war zu spät. Sie hatte ihre Chance gehabt. Beinahe zehn Jahre lang, war ich ihr verfallen gewesen und hätte alles dafür getan, um sie wieder bei mir zu haben. Wenn sie ein paar Monate früher gekommen wäre….. Sofort war ich von mir selbst angewidert. Ich war so ein Arschloch. Was dachte ich nur für einen Scheiß? Es ging hier nicht mehr allein um mich, sondern um meine Ehe. Mein Kopf war noch immer gesenkt, doch ich linste verstohlen zu Bella rüber. Sie sah ziemlich gefasst aus für eine Frau,  die gerade ein schockierendes Geständnis  von ihrem Mann bekommen hatte. Nur das Zittern ihrer Hände verriet sie. Es machte ihr was aus. Sehr viel sogar.

„War …war es schön?“, quälte sie sich selbst.

Noch eine Eigenschaft von ihr, dachte ich bitter. Sie schien eine leicht masochistische Ader zu haben, weil sie selbst immer wieder den Finger in die Wunde legte. Aber ich war Bella eine ehrliche Antwort schuldig.

„Ja, es war schön“, sagte ich mit leichtem Zögern. Leicht fiel mir dieser Satz nicht, doch ich hoffte einfach, dass Bella es verstehen würde.

„Schöner, als mit mir?“

Oh Süße, dachte ich bedauernd. Nichts konnte mich jetzt davon abhalten zu ihr zu gehen, also stand ich auf und kniete vor ihr. Ich bedeckte die bebenden Hände, die auf ihrem Schoß lagen, und drückte sie vorsichtig.

„Nichts lässt sich mit dir vergleichen, Liebes. Dieser Kuss war ein riesiger Fehler, aber ich kann ihn leider nicht mehr rückgängig machen.  Du musst mir einfach glauben, dass ich dich liebe und nicht sie. Ich….ich war einfach nur so verwirrt und überwältigt, weil sie nach so vielen Jahren wieder vor mir gestanden hat. Sie… sie hat mir mal unglaublich viel bedeutet und …..und ja, da sind immer noch Gefühle für Tanya.“, beichtete ich ihr.

„Du kannst uns nicht beide haben“, meinte sie bedrückt. Sie sah unendlich traurig aus, es zerriss mir fast das Herz.

„Das weiß ich doch, Liebes. Ich habe mich an dem Tag entschieden, als ich dich geheiratet habe. Das Einzige was ich noch will, ist, die ganze Wahrheit über ihren Verbleib in den letzten Jahren zu erfahren. Dann kann ich endlich abschließen. In ein paar Tagen ist unser Haus fertig. Wenn es soweit ist, werden Danny, du und ich, endlich unser gemeinsames Leben beginnen. Das ist alles was ich will. Ich brauche dich, Bella. Mehr als du jemals ahnen wirst. Bitte, gib mir die Chance es dir zu zeigen. Ich liebe dich. Was ich für Tanya fühle ist nicht mit dem vergleichbar, was ich heute für dich empfinde.“

Meine Worte zeigten Wirkung. Das Misstrauen wich langsam aus ihren braunen Augen.

„Ich…es….es war ja auch nur ein…Kuss“, stammelte sie.

Sie signalisierte damit ganz klar, dass sie mir verzeihen würde. Pure Erleichterung kam in mir auf.

„Er hätte trotzdem nicht passieren dürfen“, meinte ich mit neuem Mut. „ Ich wollte es dir sogar verschweigen“, packte ich aus. Wenn ich schon ehrlich war, dann richtig.

„Es wäre irgendwann rausgekommen:“

Sie schrie mich nicht an, sie machte mir keine Vorwürfe. Langsam  machte ich mir  immer mehr Hoffnungen. Bella würde mir verzeihen. Sie hatte im Grunde recht. Es war nur ein läppischer Kuss gewesen. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Grund um unsere Ehe zu beenden. Bella umarmte mich schließlich zögerlich und schmiegte ihre Wange an meine.

„Du darfst mich nie wieder anlügen, hörst du.“

„Versprochen“, antwortete ich an ihrem Haar.

Bellas leise dahingesagte Worte waren eine Bitte und eine Aufforderung zugleich. Ich betete, dass ich dieses Versprechen würde halten können. Fest drückte ich sie an mich, genoss ihre Nähe und wünschte mir, Tanya wäre niemals wieder aufgetaucht.

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