Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Donnerstag, 25. November 2010

Kapitel 58 - Gespräche am Morgen, vertreiben Kummer und Sorgen

Bellas POV

Edward schlief noch. Seine Brust hob und senkte sich in gleichmäßigem Rhythmus, er sah so friedlich aus. Als hätte man ihn von der Last der Welt befreit, die jahrelang auf seinen Schultern geruht hatte. Andächtig betrachtete ich sein Gesicht im Licht der ersten morgendlichen Sonnenstrahlen und ich fühlte sie selbst, diese Last, die ich von ihm auf mich genommen hatte. Indem ich seine Entscheidung sie zu sehen akzeptiert hatte, machte ich es ihm leichter und mir ungleich schwerer. Allein, dass ich ihm diesen Kuss verziehen hatte. … Ein zittriges Seufzen entfloh meinen Lippen und ich streckte langsam die Hand nach ihm aus. Er war so schön. Mein Traumprinz, der mich aus meinem selbst auferlegten Dornröschenschlaf erweckt hatte. Ich lebte endlich wieder, nur durch ihn und seine tröstende Nähe. Wie lange hatte ich mich nach jemandem gesehnt, mir jemanden erhofft, der mir die Liebe geben konnte die jeder Mensch in seinem Leben wenigstens einmal erfahren sollte. Ich hatte diesen Menschen in Edward gefunden. Nach vielen Tränen und vielen Kämpfen hatten wir endlich zueinander gefunden und uns unsere Gefühle füreinander eingestanden. Mit jedem Schlag meines Herzens verfiel ich ihm mehr, schenkte ihm all meine Liebe, teilte meine Träume mit ihm und hoffte darauf, dass sie sich erfüllen würden.

Jetzt lag ich neben ihm, bestaunte seine Schönheit und fühlte mich dabei so schwach und klein wie ein neugeborenes Kätzchen. Unser Glück war noch so neu, so furchtbar zerbrechlich. Ein Windhauch hätte es umstoßen und zerstören können.  Doch was in den nächsten Tagen auf uns zukam, war kein laues Lüftchen. Tanya war ein Sturm. Sie würde über uns hinwegfegen wie ein Orkan und konnte unter Umständen alles mit sich nehmen, was wir uns so mühevoll aufgebaut hatten.

Meine Hand schwebte Zentimeter über seiner Stirn und ich traute mich kaum ihn zu berühren. Etwas hielt mich davon ab. Eine irrationale Angst, dass er sich wie eine Seifenblase in Luft auflösen würde, wenn ich ihn anfasste. Edward seufzte leise ihm Schlaf und murmelte etwas. Ich konnte es kaum verstehen und beugte mich näher zu ihm.

„Was, mein Liebling?“, flüsterte ich gedämpft. Ich erwartete keine Antwort, doch sein leises, kaum vernehmbares Murmeln ließ mich trotz meiner trüben Gedanken lächeln.

„Liebe dich…Bella….liebe dich“, hörte ich ihn flüstern und mein Herz wurde leicht. Meine Hand senkte sich wie erlöst auf seine Stirn und strich die leichten Linien darauf glatt. Vorsichtig, als wäre er aus Glas, glitten meine Finger zu seiner Wange. Ich genoss das leicht schabende Gefühl auf meinen Fingerspitzen, die sein morgendlicher Bartwuchs erzeugte. Es war ein erregender Kontrast zu der Weichheit seiner Lippen, die ich genauso ehrfürchtig berührte, wie die markante Linie seines Kinns. Wie samtene Kissen fühlten sie sich an und ich konnte nicht widerstehen. Die zärtlichen Gefühle für Edward drängten mit aller Macht hinaus, ich konnte sie nicht unterdrücken und wollte es auch gar nicht. Voller Hingabe streifte ich seinen Mund mit meinem, ganz leicht nur, um seinen friedlichen Schlaf nicht zu stören. Ich wollte ihn auf keinen Fall wecken und die Magie dieses Augenblicks zerstören. Jetzt, in den ersten Minuten dieses Tages, gehörte er ganz allein mir. Da war keiner der mir Edward nehmen konnte. Ich wachte über seinen Schlaf und wünschte mir  einfach, das bis an mein Lebensende tun zu können.

Ich wollte nicht aufstehen und mich dem realen Leben stellen. Es war so anstrengend und so schrecklich schwer für mich, ihn teilen zu müssen. Denn das tat ich, auch wenn Edward sich dessen noch gar nicht bewusst war. Das Thema Tanya war noch lange nicht vom Tisch. Es war nur aufgeschoben, bis sich die ersten Wogen geglättet hatten. Wenn die erste Aufregung vorbei und seine Wut auf sie verraucht war, würde sich zeigen, wie viel unsere Beziehung aushalten konnte. Ich würde in den nächsten Tagen viel Kraft und Mut brauchen, um ihm zur Seite zu stehen und nicht zu klammern, denn ich hatte Angst, ihn durch so ein Verhalten in ihre ausgebreiteten Arme zu treiben. Dass sie eine lesbische Beziehung gehabt hatte, hieß ja nicht automatisch, dass sie den Männern im Allgemeinen und insbesondere Edward abgeschworen hatte. Rose würde sagen, lieber Bi, als nie. Falls Tanya wirklich vorhatte, Edward zurückzugewinnen, dann hatte ich ein gewaltiges Problem. Noch konnte man sich nicht sicher sein, ob ihre Reue nur ein Masche oder ehrlich gemeint war. Bei Edward funktionierte es jedenfalls schon. Er zeigte längst nicht die Wut, die er eigentlich hätte an den Tag legen sollen und das machte mir schwer zu schaffen.

Prüfend musterte ich sein Gesicht. Edwards Gesichtsmuskeln bewegten sich unruhig, er träumte wohl gerade. Ich war immer noch über ihn gebeugt und mein Mund schwebte nur wenige Millimeter über seinem. Sachte zog ich mich zurück, legte mich seitlich neben ihn, ohne ihn jedoch zu berühren. Mit mulmigem Gefühl fuhr ich fort ihn weiter zu betrachten. Es war komisch. Irgendwie hatte ich jetzt schon das Gefühl, er würde mir nicht mehr gehören. Als hätte ich ihn schon längst  an sie verloren, weil Tanya so viel länger als ich, die Hauptrolle in seinem Leben gespielt hatte. Natürlich war das Unsinn. Edward liebte mich wirklich. Er sagte es sogar im Schlaf. In diesem Zustand war man frei von irgendwelchen Zwängen und frei von Lüge. Ich seufzte schwer. Wie immer machte ich mir zu viele Gedanken, und interpretierte in seine Handlungen mehr hinein, als ich sollte. Ich musste endlich damit aufhören. Mein größter Feind war nicht Tanya, das war ich selbst.

Ich erinnerte mich daran, wie er mich gestern über die wahren Gründe von Tanyas  jahrelanger Abwesenheit aufgeklärt hatte. Wie konnte ein einzelner Mensch nur so grausam sein? Hatte sie denn damals nicht für eine Sekunde daran gedacht, welchen Schaden sie mit ihrem Egoismus anrichten würde? Edward hatte über neun Jahre um sie getrauert. Neun verdammte und verlorene Jahre. Jeder Gedanke an sie war verschwendet gewesen.

Hass stieg in mir auf. Ich wäre am liebsten aus dem Bett gestiegen und zu ihr gefahren, um ihr ins Gesicht zu schlagen. Doch was würde das bringen? Gar nichts. Weder sie noch ich konnten das Rad der Zeit zurückdrehen, um Edward den unsagbaren Kummer zu ersparen, unter dem er so lange gelitten hatte. Keiner konnte mehr ungeschehen machen, was passiert war.

Er tat mir so unendlich leid und das machte es mir schlussendlich leichter Verständnis zu zeigen. Die Verletzungen an seiner Seele waren schon dabei gewesen zu vernarben, erst ihr Auftauchen hatte sie wieder aufgerissen. Ich würde alles dafür tun, um sie wieder zu schließen und ihn ganz sicher nicht kampflos aufgeben. Wenn ein Mensch so verraten wurde wie Edward, dann war es schwer die Liebe und das Vertrauen eines anderen Menschen wieder voll und ganz anzunehmen. Ein Teil von ihm würde wohl immer daran zurückdenken, wie Tanya ihm an einem einzigen Vormittag den Glauben an eine Liebe genommen hatte, die für ihn jahrelang beinahe heilig gewesen war. Doch ich würde es schaffen. Für mich, für ihn und auch für Danny. Edward war genauso ein Opfer von falschverstandenen oder geheuchelten Gefühlen geworden, wie ich.

Das war wohl ausschlaggebend für mich gewesen, ihm diesen Kuss zu verzeihen. Ich konnte zwar nicht nachvollziehen, warum er überhaupt das Bedürfnis dazu verspürt hatte  – immerhin gab es ja da noch mich-  aber ich akzeptierte es. Trotzdem nahm ich es ihm übel, auch wenn ich es runterschluckte. Eigentlich hätte  er sie hassen müssen und nicht küssen. Sie hatte es nicht verdient von Edward in den Arm genommen und liebkost zu werden. Ohne mit der Wimper zu zucken, hatte sie ihm den schlimmsten Schmerz zugefügt, den man einem Menschen zumuten konnte. Jemanden zu verlieren den man über alles liebte, musste unvorstellbar schmerzhaft sein. Ich versuchte mir vorzustellen, was ich fühlen würde, wenn ich Edward….

„Bella..?Du bist ja schon wach.“

Seine Stimme klang heiser, seine Wimpern flatterten und wollten noch nicht so recht das Licht durch seine Lider lassen. Ein schwaches Grinsen legte sich auf meine Lippen. Edward war  wirklich kein Morgenmensch und brauchte eine Weile, ehe er richtig ansprechbar war. Ob sie das auch wusste? Hatten sie überhaupt einige Nächte miteinander verbracht? Ich wusste so wenig über die Beziehung der beiden, wollte aber auch nicht durch Fragen schöne Erinnerungen wecken. Das fehlte noch.

„Hmm..“, antwortete ich ziemlich einsilbig und er grinste über meine fehlenden Enthusiasmus eine Unterhaltung zu führen. Seine Hand legte sich auf meinen Nacken und er zog mich an seinen wartenden Mund. Ein sanfter Kuss…dann noch einer…und noch einer, ehe er sich löste.

„Morgen, Sonnenschein“, flüsterte er heiter.

Wow, Edward schien glücklich. Warum konnte ich dieses Gefühl nicht einfach teilen? Es würde alles einfacher machen.

„Ich würde mich im Moment eher mit einer Gewitterwolke vergleichen“, gab ich etwas verlegen zu. Es war mir peinlich, dass ich einfach nicht genug Optimismus aufbringen konnte, um diese Situation gelassen zu sehen. Aber ich würde nicht mehr den Fehler begehen und alles in mich hineinfressen. Edward sollte ruhig wissen, was mit mir los war. Es war doch gerade mein Schweigen gewesen, das so oft irgendwelche Missverständnisse nach sich gezogen hatte. Ich verlangte absolute Ehrlichkeit von ihm, also stand ihm das Gleiche zu.

„Warum, Liebes?“, fragte er leise. Sein Lächeln sah jetzt nicht mehr ganz so glücklich aus, war aber noch nicht komplett aus seinem Gesicht verschwunden.

Ich schmiss mich frustriert auf meinen Rücken und starrte an die Decke.

„Ich fühle mich gerade nicht besonders wohl“, sagte ich.

Er verstand sofort.

„Wegen Tanya“, mutmaßte er folgerichtig und ich nickte. Jetzt legte er sich seitlich auf das Bett. Die Bettdecke rutschte runter und entblößte seine leicht behaarte Männerbrust. Köstliche Lust wärmte meinen Bauch und sammelte sich in meinem Unterleib. Er hatte diese Wirkung immer auf mich, doch ich verdrängte diese Gefühle vehement. Sex war ein fantastisches Mittel um zu vergessen, doch manchmal war das nicht ratsam. Zumindest nicht jetzt, wenn noch so vieles ungeklärt war.

„Bella, warum fürchtest du dich?“, fragte er sanft und strich besänftigend über die Haut meines linken Armes. Auf und ab, beruhigend und zärtlich. Sofort fühlte ich mich besser und war auch in der Lage ihm zu antworten.

„Tanya wird unser Leben noch sehr stark beeinflussen“, prophezeite  ich ihm. „Edward, ich weiß, du willst das nicht hören und ich will dir auch nicht damit auf die Nerven gehen, aber das Thema ist noch längst nicht vom Tisch.“

Er wirkte ein wenig gefrustet und warf sich jetzt ebenfalls auf seinen Rücken.

„Denkst du, das weiß ich nicht, Liebes. Es sind noch so viele Fragen offen. Ich weiß immer noch nicht, was sie all die Jahre über getrieben hat, wo sie war. Außerdem muss sie ja einen Grund gehabt haben, dass sie wieder aufgekreuzt ist. Das nicht zu wissen macht mich fertig und ich gebe zu, ich kann es kaum erwarten endlich die ganze Wahrheit zu erfahren.“

Er drehte den Kopf und sah mir in die Augen.

„Bist du jetzt sauer?“

„Nein, ich kann das nachvollziehen, Edward. Das hindert mich aber nicht daran, mich vor den Antworten zu fürchten. Wie wirst du reagieren, wenn sie dir plötzlich ihre  Liebe gesteht und dass sie dich nie vergessen konnte?“

Einen Moment lang glaubte ich ein Aufleuchten in seinen Augen erkennen zu können, doch dieser Anflug verging so schnell, dass ich sicher war, ich hätte es mir nur eingebildet.

„Das ist doch Unsinn, Liebes“, meinte er kopfschüttelnd. „Tanya ist lesbisch.“

„Tanya hatte eine Beziehung zu einer Frau, das stimmt.  Das bedeutet aber nicht, dass sie kein Interesse an Männern mehr hat, speziell an dir. Du hast mir selbst erzählt, dass ihr körperlich sehr voneinander angezogen wart. Man kann die Zeichen der Erregung nicht vortäuschen, Edward. Sie hat dich damals gewollt.“

„Aber anscheinend wohl nicht genug.“

Edward klang traurig und sein letzter Satz hing wie eine Mauer  zwischen uns. Schluckend drehte ich den Kopf weg, in die andere Richtung. Sofort spürte ich seine Wange an meiner.

„Liebes, das war nicht so gemeint, wie es vielleicht geklungen hat.“

Er drehte  mein Gesicht zu sich und ich sah unglücklich zu ihm auf.

„Siehst du, es geht schon los, Edward“, wisperte ich schuldbewusst, „Du sagst etwas harmloses und ich mache eine Riesensache daraus. Wo soll das denn hinführen? Ich werde dich wahnsinnig machen.“

„Das machst du doch schon von der ersten Sekunde an“, meinte er grinsend und steckte mich damit an. Ich konnte ihm einfach nicht widerstehen und erwiderte das Lächeln.

„Du wirst nicht irgendwann entnervt davonlaufen, wenn ich wieder mal dumme Gedanken habe?“

Er schüttelte den Kopf.

„Keine Chance, mich wirst du nicht mehr los.“ Er überlegte einen Moment. „Weißt du was, komm doch einfach mit, wenn ich mich zum Gespräch mit Tanya treffe. Dann kannst du dich selbst davon überzeugen, dass alles ganz harmlos ist.“

Der Vorschlag war verlockend, aber nicht richtig. Ich würde damit nur die These stützen, dass ich kein Vertrauen in ihn hatte und Tanya eine weitere Waffe in die Hand geben. Vielleicht tat ich ihr auch Unrecht? Immerhin bestand ja die Möglichkeit, dass sie tatsächlich so ein Engel war, wie von allen behauptet wurde. Oh Gott, ich hätte kotzen können, so übel wurde mir bei dieser Möglichkeit. Eine hinterhältige Tanya wäre mir tausend Mal lieber gewesen, weil ich die ohne Gewissensbisse hassen konnte. Denn egal wie sie charakterlich gestrickt war, ob gut oder böse, ich konnte diese Frau nicht ausstehen. Sie brachte mein Leben durcheinander und zeigte mir meine eigenen Unzulänglichkeiten. Ich war immer so stolz darauf gewesen, fair zu allen zu sein. Doch bei ihr konnte ich das einfach nicht und das machte mich ein Stück wütend. Ich gehörte jetzt zu diesen eifersüchtigen und keifenden Weibern,  die jede Objektivität verloren hatten. Was sagte das, bitte schön,  über mich aus?

„Geh du mal lieber allein“, antwortete ich ihm also, „Ich würde dabei nur stören.“

Er machte keinen Versuch mich umzustimmen. Vielleicht wollte er es auch gar nicht. Jedenfalls kannte er mich mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass es ohnehin zwecklos gewesen wäre.

„Wenn du meinst, Liebes.“

Danach schwiegen wir. Jeder hing seinen Gedanken nach, bis es Zeit war aufzustehen und sich fertigzumachen. Gemeinsam gingen wir ins Bad - wie jeden Morgen - als wäre nichts Außergewöhnliches passiert. Ich stieg unter die Dusche und
Edward putzte sich die Zähne. Das prasselnde Wasser schwemmte fürs erste meine Sorgen weg und ich beobachtete hinter den schützenden Milchglasscheiben, Edwards nach vorne gebeugten Körper über dem Waschbecken. Ich stieg relativ schnell wieder hinaus und schnappte mir ein Handtuch.

„Was hast du heute vor“, fragte mich Edward. Er hatte den Mund voll mit Zahnpasta und spülte ihn aus, während er auf meine Antwort wartete.

Ich war gerade dabei meinen feuchtglänzenden Körper trockenzureiben.

„Ich treffe mich heute mit Alice“, meinte ich leichthin, „Sie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie sich so wenig gemeldet hat. Und du?“

„Büro“, war sein einziger Kommentar.

Warst auch schon mal mitteilsamer, dachte ich ein wenig eingeschnappt. Ich rieb das Handtuch fester als notwendig über meine Haut und erzeugte rötliche Flecken. Plötzlich fühlte ich Edwards Finger an meinem Handgelenk. „Sachte, Liebes!“, hauchte er leise und sah auf mich hinunter. Seine Augen hatten sich eindeutig verdunkelt. „Du tust dir ja weh.“ Er nahm mir das Tuch ab und tupfte mir sehr sorgfältig die restlichen feuchten Stellen auf meinem Körper trocken. Dabei widmete er meinen Brüsten ganz besondere Aufmerksamkeit. Vorsichtig fuhr er mit dem weichen Material über die kleinen Hügel, solange, bis sich die Knospen steinhart aufrichteten.

„Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, aber Benton bringt mich um, wenn ich schon wieder zu spät komme“, sagte er kehlig. Er war genauso erregt wie ich. „Heute Abend, Liebes, werden wir alles nachholen, was wir jetzt verpassen. Wir könnten in meine Penthouse Wohnung fahren und morgen wieder hier sein, wenn Danny zur Schule muss.“

„Wir müssten sehr früh aufstehen“, wandte ich ein. Allerdings nicht sehr abwehrend.

Edward neigte den Kopf zu mir hinab und flüsterte in mein Ohr.

„Wir werden ohnehin müde sein, Liebes. Ich lasse dich die ganze Nacht nicht in Ruhe, bis du mich von dir runter schmeißt.“

Ich schloss die Augen. Die erregendsten Bilder liefen wie ein Film durch meinen Kopf. Edward machte in dieser Hinsicht nie leere Versprechungen. Wie hypnotisiert, von seiner einlullenden Stimme, nickte ich.

„Okay“, gab ich mein Einverständnis und wurde mit einem leidenschaftlichen Kuss belohnt.


Stunden später parkte ich vor Jasper Whitlocks Haus. Alice war bereits mit Sack und Pack bei ihm eingezogen und hatte sich dort häuslich eingerichtet. Ich hatte sie noch nie dort besucht. Die spontane Einladung vom Vortag war wirklich eine willkommene Abwechslung, um mich von Tanya Denalis Auferstehung abzulenken.  Ursprünglich hatte ich vorgehabt sie abzulehnen, in Anbetracht der gegenwärtigen Lage. Immerhin hatte sich gestern erst entschieden, ob meine Ehe weiterhin Bestand haben würde. Da hatte ich wirklich nicht den Nerv gehabt, einer schwerverliebten und glücklichen Alice gegenüberzusitzen. Ich sagte Alice also mit einer etwas lahmen Ausrede ab. Heute Morgen entschied ich mich dann spontan um, als ich unter der Dusche stand und überlegte, was ich mit dem heutigen Tag anfangen sollte. Ich rief Alice an und teilte ihr mit, dass ich meine Meinung geändert hatte. Die dachte sich zum Glück nichts dabei und freute sich.

Etwas besser gelaunt - vor allem, weil ich mich schon auf den kommenden Abend freute -  stieg ich aus und marschierte zur Haustüre. Jasper besaß einen Bungalow in einem ruhigeren Stadtteil von Seattle. Rundherum waren viele Bäume und schicke Einfamilienhäuser. Es wirkte fast schon ein wenig spießig.  Im Club ging es  immer zu wie in einem Bienenstock, da wollte er wenigstens in seinem Privatleben etwas gepflegte Langeweile, hatte Alice mir mit breitem Grinsen erzählt. Während ich den Klingelknopf betätigte, musste ich ein wenig kichern. Seit ihrem Einzug war es bestimmt vorbei mit Jaspers ruhigen Junggesellenhaushalt. Sie konnte einfach nicht lange stillsitzen und stand immer unter Strom. Wahrscheinlich hatte sie ihm schon die komplette Bude einmal auseinandergenommen und umgestellt.

Die Türe wurde aufgerissen und eine strahlende, wunderschöne Alice rannte mich fast um.

„Bella!!!!“, brüllte sie mich an und warf ihre schmalen Arme um mich. Lachend drückte ich sie zurück. Ich hatte fast vergessen, wie ansteckend ihre gute Laune sein konnte. Sie sprühte geradezu vor Frohsinn und verteilte das an alle ihre Mitmenschen.

„Willst du mich nicht hineinlassen?“

„Oh, entschuldige“, kicherte sie, „ich war nur so froh, dich zu sehen. Komm doch rein!“

Alice trat einen Schritt zurück und ich stand gleich darauf in einem sehr großzügigen Flur. Der Boden war abwechselnd bestückt mit weißen und schwarzen Fliesen. Moderne Drucke, ebenfalls in schwarzweiß gehalten, zierten die weißen Wände.  Aus einem gigantischen schwarzen Pflanzentopf wuchs ein Baum heraus und hauchte dem kühl wirkenden Raum mit seinen grünen Blättern etwas Leben ein. Alice nahm mir meine Jacke ab und hängte sie in einen zwei Meter breiten Garderobenschrank. Die komplette Oberfläche war verglast und konnte seitlich ganz einfach aufgeschoben werden.

„Küche?“, wollte sie wissen.

Gute Alice, sie kannte meine Vorliebe sich in einer Küche aufzuhalten, gemütlich einen Kaffee zu trinken und sich dabei die Seele freizuquatschen.

„Küche“, sagten wir einstimmig und lachten über unsere synchrone Antwort. Arm in Arm betraten wir den Raum, der bei den meisten Familien den Dreh- und Angelpunkt des Familienlebens darstellte. Das Gleiche nahm ich mir auch für mein künftiges Zuhause vor. Ich freute mich schon auf die Abende, wenn Edward, Danny und ich unsere Mahlzeiten dort einnehmen und uns unterhalten würden. Für viele mochte das totlangweilig klingen, doch für mich war es nach den harten Jahren als alleinerziehende Mutter, genau das was ich mir wünschte.

Alice führte mich hinein und ich wurde beinahe erschlagen von dem grellen Rotton der Küche.

„Wow, Alice. Dass du da nicht blind wirst?“, sagte ich ein wenig erstaunt und drehte mich im Kreis. Die Küchenzeile, die Hängeschränke, ja selbst die Kücheninsel in der Mitte waren in einem tiefen Korallenton getönt. Hochglanz selbstverständlich.

„Man gewöhnt sich daran“, versicherte Alice mit einem breiten Lächeln.

Skeptisch betrachtete ich die Umgebung, doch ich musste zugeben, dass durch die enorme Größe des Raumes und die bodenlange Fensterfront das ganze etwas abgemildert wurde. An der rechten Seite standen ein Holztisch, den ich noch aus Alice Wohnung kannte, sowie die dazu passenden Stühle. DAS passte jetzt aber wirklich gar nicht hinein.

„Ich konnte mich einfach nicht davon trennen“, sagte Alice etwas schuldbewusst. So wie sie aussah, hatte es sie wohl sämtliche weibliche Überredungskunst gekostet, um die Möbel behalten zu können.

„Jasper muss dich wirklich lieben, wenn er diese ollen Dinger in dieser Hightechküche duldet.“

Alice marschierte zu ihren geliebten, aber wirklich sehr hässlichen Stühlen und setzte sich demonstrativ darauf.

„Ich habe geweint und da hat er eben nachgegeben“, erwiderte sie stolz und sah sehr zufrieden aus.

„Al, du weißt, dass du damit alle Versuche der Frauen zunichte machst, nicht als das schwache Geschlecht dazustehen?“, meinte ich gespielt vorwurfsvoll.

„Wieso?“, antwortete sie mit großen Augen. Ein listiges Funkeln lag in ihnen. „Er hat doch nachgegeben. Wer ist denn hier schwach gewesen?“

Lachend stimmte ich ihr zu und sah aus dem Augenwinkel einen kleinen Fernseher auf der Küchenzeile flimmern.

„Ich mache die Kiste gleich aus, Bella. Ich habe nur die Nachrichten angesehen, als ich den Kaffee vorbereitet habe.“

Sie stand auf und ging auf den Fernseher zu. Gerade als sie ihn ausschalten wollte, sah ich eine Frau auf dem Bildschirm, die mir mehr als bekannt vorkam. Zwar nur von Bildern her, aber ich konnte sie trotzdem gut erkennen.

„Warte Alice, mach mal lauter! Ich will das sehen.“

Etwas verwundert gehorchte sie mir und drehte die Lautstärke auf. Wie gebannt klebten meine Augen am Fernseher und mir wurde beinahe übel. Da war sie. Tanya Denali. Zu meinem Entsetzen war sie noch viel schöner, als ich es mir je hätte träumen lassen. Die Bilder waren ihr in keinster Weise gerecht geworden und hatten nur einen Bruchteil ihres guten Aussehens wiedergegeben.

„Wer ist das, Bella?“

Ich antwortete nicht. Ohne meinen Blick von dieser Frau abzuwenden, starrte ich über die Mattscheibe in das schönste weibliche Gesicht, das ich jemals gesehen hatte. Tränenumflorte, dunkelblaue Augen blickten scheu in die blitzenden Kameras und ein zittriges Lächeln zierte ihren hübschen Mund. Das rotblonde Haar war streng zurückgebunden und betonte nur noch die Makellosigkeit ihres Gesichts. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Sie sah so unschuldig und engelhaft aus, dass ich mich in keinster Weise mehr darüber wunderte, dass Edwards Wut sich in erträglichen Grenzen hielt. Obwohl sie weder klein noch zierlich zu sein schien, sondern eine richtige Vollblutfrau, wirkte sie dermaßen verletzlich, dass sie wohl in den hartgesottensten Männern einen Beschützerinstinkt hervorrufen konnte.

Ich war in viel größeren Schwierigkeiten, als ich geglaubt hatte. Diese Frau stand wirklich außer Konkurrenz und ich konnte jetzt nur noch auf die unerschütterliche Liebe von Edward bauen. Gepeinigt schloss ich die Augen, als mein Handy vibrierte. Unter Alice fragenden Blicken, die von all dem noch keine Ahnung hatte, ging ich an den Apparat und bekam sofort die nächste Breitseite verpasst.

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