Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 25 - He´s back!

Fassungslos starrte ich das Schreiben in meinen Händen an. Es war ein Brief einer Rechtsanwaltskanzlei, die ihren Sitz hier in Seattle hatte. Darin forderte mich ein Anwalt auf, zu einem Sorgerechtstermin zu erscheinen. Es stand auch dort, dass sich der leibliche Vater, Jacob Black, um das alleinige Sorgerecht bemühte. Ich zitterte wie Espenlaub, als ich diese Sätze las. Nach all diesen Jahren fiel diesem Schweinehund plötzlich ein, dass er einen Sohn gezeugt hatte, für den er sich nie interessierte. Niemals hatte er Kontakt aufgenommen, niemals Unterhalt bezahlt und nie das geringste Interesse an den Tag gelegt. Wieso jetzt? Was trieb Jake an, dass er so plötzlich seine Liebe zu seinem Kind entdeckte. Jacob Black tat nichts ohne Grund und in zwei Wochen, wenn der besagte Termin stattfand, würde ich es erfahren.

Ich schloss die Tür zur Wohnung auf und betrat den Flur. Die Jacke von den Schultern streifend, trat ich ins Wohnzimmer, wo Bibi schon zusammen mit Danny am Tisch saß und malte.

„Mom, du bist da!“, brüllte er und stieß vor Freude fast den Becher Wasser um, den er für seine Wasserfarben benötigte.

„Nicht so hastig, kleiner Mann!“, sagte ich beschwichtigend und trat an den Tisch, um ihm einen Kuss zu geben und um sein Werk zu bewundern. Ich erstarrte, als ich das Bild sah. Er hatte das Diner gemalt, mit den typischen, leicht krakeligen Pinselstrichen eines Fünfjährigen, doch es war unverkennbar mein Arbeitsplatz. Es war erstaunlich gut getroffen, die Tische, die Theke, hinter der eine Bedienung stand. Die Personen auf dem Bild waren eigentlich etwas weiterentwickelte Strichmännchen, sie stellten keine Ähnlichkeit mit lebenden Personen dar, bis auf eine. Der Mann, den er an die Theke gelehnt zeichnete, war Edward Cullen und es schockierte mich zutiefst, dass er ausgerechnet ihn malte. Er war gut an dem bronzenen Haarschopf auszumachen, der Rest war natürlich nicht erkennbar. Danny war mit fünf nicht in der Lage richtige Gesichtszüge zu zeichnen, doch in diesem Fall war es auch nicht nötig. Allein die Haare waren Markenzeichen genug.

„Danny, warum hast du denn Mr. Cullen gezeichnet?“, fragte ich leise, immer noch verwirrt darüber.

Er zuckte die Schultern.

„Weiß nicht“, antwortete er ohne große Gefühlsregung, „er war nett.“

Komisch, ich hätte nicht gedacht, dass er Edward als nett empfand. Obwohl, wenn ich es mir recht überlegte, war es durchaus einleuchtend. Ich hatte Danny wegen seines Verhaltens gescholten und Edward hatte ihn verteidigt, natürlich war ein kleiner Knirps beeindruckt von so einem Verhalten. Was wäre nur, wenn Edward sich tatsächlich näher mit ihm beschäftigen würde. Ich hatte die böse Vorahnung, dass mein Sohn ihm genauso verfallen würde, wie jeder andere Mensch auch. Er hatte trotz seiner Arroganz, etwas an sich, das die Menschen anzog, wie die Motten das Licht. Dass Danny im Nachhinein immer noch so beeindruckt war, bewies nur, wie stark er auf andere Menschen wirkte. Keiner konnte sich seiner Anziehungskraft auf Dauer entziehen, ich war der lebende Beweis. Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen, um Edward nicht eine zu starke Bedeutung in den Augen meines Sohnes zu geben. Er war sehr feinfühlig und würde merken, dass seine Mama und dieser Mann eine ganz besondere „Beziehung“ hatten.

Ich wandte mich an Bibi, die mich prüfend mit ihren klugen Augen betrachtete. Vor Danny mochte ich meine Angst und Verzweiflung wegen dem Brief verbergen können, doch Bibi spürte sofort, wenn etwas mit mir nicht stimmte. Ich schüttelte den Kopf und zeigte unauffällig zu Danny. Bibi verstand sofort, dass ich vor ihm nicht darüber sprechen wollte.

„Danny, jetzt wird es aber Zeit für das Bett“, sagte ich gespielt fröhlich. Er murrte zwar ein wenig, doch er stand widerstandslos auf und machte sich auf den Weg ins Bad, wo er sich auf seinen Hocker stellte und begann, sich die Zähne zu putzen. Es dauerte nicht lange und er schlief seelenruhig in seinem Bett. Ich saß noch eine ganze Weile bei ihm und betrachtete ihn voller Liebe. Niemals würde ich zulassen, dass ich ihn verlor, denn Danny war mein Lebensinhalt. Selbst die Enttäuschung durch Edward war nicht so schlimm, wie die Vorstellung mein Kind zu verlieren, es würde mich umbringen.

Bibi wartete schon auf mich. Ich zog ohne große Vorreden den Brief aus meiner Tasche, reichte ihn ihr und wartete, bis sie das Schreiben durchgelesen hatte. Nach einer scheinbaren Ewigkeit, ließ sie es sinken und sah mich danach durchdringend an.

„Das bedeutet gar nichts, hörst du! Ich weiß genau, was jetzt in dir vorgeht, aber mach dich bitte nicht unnötig verrückt. Du bist seine Mutter und hast ihn die letzten fünf Jahre gut versorgt, während Jake sich nie gekümmert hat. Das wird das Gericht auch sehen und Danny nicht in die Hände dieses Mannes geben.“

„Und was, wenn doch!“, rief ich verzweifelt, „Jake tut nie etwas, ohne sich sicher zu sein, dass er gewinnen wird. Er würde sich nie auf einen Sorgerechtsstreit einlassen, wenn er nicht wüsste, dass er gewinnen wird. Ich habe Angst, Bibi! Er hat irgendwas in der Hinterhand, da bin ich mir sicher.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nicht, Bella!“, rief sie, „Du kannst dich jetzt nicht verrückt machen. Er wird dir Danny nicht wegnehmen, kein Gericht entzieht so mir nichts, dir nichts einer Mutter das Sorgerecht. Schon gar nicht einer, die sich so rührend um ihr Kind kümmert, wie du.“

„Ich weiß nicht“, flüsterte ich zweifelnd, „schließlich arbeite ich sehr viel, sehe Danny kaum und kann mich nicht so um ihn kümmern, wie ich es gerne möchte. Was ist denn, wenn das Gericht es ähnlich sieht und Danny seinem Vater zuspricht.“

„Du weißt doch gar nicht, in welchen Verhältnissen Jake lebt. Er muss es schließlich selber erst mal besser machen. Wenn du jemanden brauchst, der für dich aussagt, dann weißt du ja, wo du mich findest“, lächelte sie.

Sie hatte recht! Danny gehörte zu mir und das Gericht würde das genauso sehen. Sie rissen ein Kind nicht ohne triftigen Grund aus seiner gewohnten Umgebung. Dieser Gedanke gab mir wieder Kraft und beruhigte mich. Ich würde um Danny kämpfen, schwor ich mir und am Ende, würde ich aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen.


Am nächsten Tag erwartete mich schon Benton im Diner. Er würde nicht mehr lange kommen, da ich schnelle Fortschritte machte und kaum noch Hilfe bei meinen Entscheidungen benötigte. Die Büffelei machte sich bezahlt und er war sehr stolz auf mich, wie er mir ständig versicherte. Ich war noch geschockt vom gestrigen Abend und deswegen ein wenig abwesend, als Benton seine Brille abnahm, sie gründlich putzte und mich dann direkt auf meine Unaufmerksamkeit ansprach.

„Bella, haben Sie irgendwas auf dem Herzen? Sie sind heute nicht richtig bei der Sache.“

Ich lächelte entschuldigend und schüttelte meine trüben Gedanken ab. Es reichte, wenn ich mich Zuhause meinen alptraumhaften Fantasien hingab, hier musste ich vollen Einsatz zeigen.

„Es tut mir leid, Benton. Ich werde mich bemühen, jetzt etwas konzentrierter zu sein.“

„Ich wollte es Ihnen eigentlich vorhin schon sagen, aber Sie haben so verloren gewirkt, dass ich lieber noch abwarten wollte. Edward wird heute noch bei Ihnen vorbeischauen und bei dieser Gelegenheit einen Investor mitbringen. Er plant irgendwas, auch wenn ich noch keine Ahnung habe was.“

Mein Herz schlug schneller und meine Pulsfrequenz erhöhte sich rapide. Er würde kommen, ich würde ihn endlich wiedersehen. Erst jetzt, wo Benton mich darüber informierte, wurde mir bewusste, wie „sehr“ ich mich danach sehnte seine Stimme zu hören, seinen Anblick zu genießen. Aufgeregt biss ich mir auf die Lippen und versuchte so desinteressiert wie möglich zu wirken, was natürlich grandios scheiterte. Mitleidig starrte mich mein neuer Freund an und verkniff sich jeden Kommentar. Er wollte es nicht noch peinlicher machen, als es ohnehin schon war.

„Wann kommt er denn?“, fragte ich mit brüchiger Stimme.

„Ich bin schon da!“

Ich drehte mich um und mein Magen verknotete sich vor Sehnsucht, als ich in Edwards Augen sah. Er war einfach vollkommen! Wie ein Gott stand er in der Tür, bekleidet mit einem schwarzen Anzug. Himmel, er war einfach nur cool, smart und sexy. Ich bemühte mich redlich meine Atmung unter Kontrolle zu bringen und begrüßte ihn mit erzwungener Ruhe, obwohl ich ihm am liebsten um den Hals geflogen wäre.

„Edward, wie schön, dass du uns auch mal mit deiner Anwesenheit beehrst“, sagte ich spöttisch.

Er zog seine Augenbraue hoch, verzog den Mund verächtlich und antwortete mir kalt lächelnd.

„Weißt du, Isabella. Du solltest Verständnis für einen frischverlobten Mann haben. Unsere Spezies neigt dazu, sich nicht von seiner Angebeteten lösen zu können und ich war mit angenehmeren Dingen beschäftigt.“

Peng! Treffer versenkt, Bella tot. Schmerz machte sich breit und ich drehte mich weg.

„Was kann ich für dich tun?“, fragte ich ihn mühsam beherrscht, meine Stimme drohte zu brechen.

„Wir müssen über die Zukunft des Diner sprechen. Ich habe mir Gedanken gemacht und habe großes vor“, sagte er mit fester Stimme, „ Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir spreche, Isabella.“

Geschockt drehte ich mich um und sah ihn an. Was war denn los mit ihm? Er klang so wütend. Seit wir uns kannten, war er entweder unverschämt, verführerisch, spöttisch oder kalt, aber niemals gemein. So kannte ich ihn nicht und es machte mir Angst. Hatten sich seine Gefühle so stark verändert?

„Sieh mich nicht an, wie ein traumatisiertes Reh. Ich habe wenig Zeit und wir haben noch einiges zu besprechen. Wer ist eigentlich diese neue Bedienung, die da draußen die Gäste verschreckt? Ich dachte eigentlich, ich könnte mich auf dich verlassen, doch es scheint so, als ob ich mich in dir getäuscht habe. Wie kannst du nur so eine Schreckschraube einstellen.“

Entsetzt ließ ich seine Worte auf mich wirken und war nicht in der Lage zu antworten. Doch glücklicherweise tat Benton dies für mich.

„Edward, die Entscheidung, Miss Simmons einzustellen, war wirklich gut. Die ist zwar optisch nicht das größte Highlight, aber sie ist furchtbar nett und fleißig. Bei der älteren Kundschaft ist sie sehr beliebt.“

Edward sah Benton skeptisch an, gab aber schließlich nach.

„Na gut, sie kann bleiben, aber unter einer Bedingung. Sie muss etwas an ihrem Aussehen verändern, bei dem Anblick vergeht einem der Appetit.“

Betroffen sah ich ihn an. Er war so fies! Wut machte sich in mir breit und sämtliche Sicherungen brannten in mir durch.

„Es können ja nicht alle so superperfekt sein, wie „Mr. Ich bin so schön, aber ein Arschloch Cullen“. Du kannst die Menschen nicht nur nach ihrem Aussehen beurteilen. Es wäre nett, wenn du ein bisschen mehr Vertrauen in meine Menschenkenntnis hättest, denn davon habe ich deutlich mehr als du!“, brüllte ich ihn an.

Seine Augen wurden schmal und er spannte vor Wut den ganzen Körper an.

„Benton“, sagte er mühsam beherrscht, „würden Sie mich und Miss Swan für einen Moment alleine lassen.“

„Aber, Edward“, fing dieser an, wurde aber barsch unterbrochen.

„Raus!“

Benton sah ihn verletzt an und betrachtete mich mitleidig, als er den Raum verließ. Edward sah wie sich die Tür schloss, drehte sich mit unheilvollem Blick zu mir um und packte mich am Arm. Grob zog er mich zu sich und flüsterte nah an meinem Ohr.

„Und jetzt zu dir, Isabella“, wisperte er mit leiser, zischender Stimme, „Wage es nie wieder in so einem Ton mit mir zu sprechen, wenn andere anwesend sind. Hast du das verstanden, Liebes?“

Da war es wieder. Liebes! Doch es hatte einen schalen Nachgeschmack. Da er es offenbar verwendete wie eine Begrüßungsformel.

„Ob du mich verstanden hast?“, wollte er kalt wissen.

Er jagte mir beinahe Angst ein, so wie er sich benahm. Ich fühlte mich, wie ein in die Ecke gedrängtes Tier und konnte mich seiner Faszination doch nicht entziehen. Trotzdem wollte ich nicht klein bei geben.

„Was passiert, wenn ich mich nicht daran halte?“, fragte ich provozierend.

Er zog mich nur noch fester an sich, sein Atem beschleunigte sich, ob vor Wut oder vor Erregung, wusste ich nicht. Er war so nah, nach so vielen Wochen ohne ihn, spürte ich ihn dicht an meinem Körper, sein Duft, eine Mischung aus zitronig herbem Aroma und sein ganz eigener Duft, stieg mir in die Nase und ich wollte nichts mehr, als ihn küssen. Er spürte meine Schwäche und lächelte triumphierend.

„Sieh mal einer an. Die süße Unschuld wird geplagt von ihren körperlichen Gelüsten. Schade, dass du das nicht früher festgestellt hast, denn jetzt ist es zu spät. Ich habe passenden Ersatz für dich gefunden und muss mich nicht mehr mit einer Frau rumschlagen, die nicht weiß was sie will. Ich habe dich begehrt, Bella, aber ich bin keiner von diesen Jüngelchen, die dir aus der Hand fressen. Wirklich schade, du wärst bestimmt ein toller Fick geworden.“

Mit schreckgeweiteten Augen sah ich ihn an.

„Das meinst du nicht so!“, flüsterte ich eindringlich, „So bist du nicht, Edward. Du hast gesagt, du wolltest mich für länger, woher plötzlich dieser Sinneswandel.“

„Es ist langweilig geworden mit dir, das Spielchen hat mich ermüdet. Du hast die Spannung gut aufrechterhalten, aber ohne rechtzeitig dafür zu sorgen, dass sich diese entladen konnte. Kein Mann lässt sich das dauerhaft gefallen, Liebes. Außerdem, was schert es dich, du wolltest doch, dass ich dich in Ruhe lasse.“

Ich riss meinen Arm aus seiner Umklammerung.

„Ich habe nicht gespielt, Edward. Es war reiner Selbstschutz und ich habe mich gegen dich gewehrt, weil ich nicht verletzt werden wollte. Kannst du das nicht verstehen?“, sagte ich verzweifelt, „Du hast bei unserer letzten Begegnung gesagt, wenn du wieder lieben könntest, dann wäre ich es. War das auch nur eine Lüge?“

Er grinste und zog mich abermals an sich.

„Bella, Bella, kleine Isabella“, wisperte er verspielt und strich mir mit den Fingern übers Gesicht, „Was bist du doch für ein naives, kleines Ding. Ich hoffte, dich damit umstimmen zu können. Es hätte ja sein können, dass du alle guten Vorsätze über Bord wirfst und trotz meiner Verlobung mit mir schläfst. Leider hat es nicht funktioniert, aber was soll´s“, grinste er, „Jessica ist ein würdiger Ersatz für dich. Außerdem gibt es ja noch Tracey, Monique, Susan und wie sie alle heißen, die mir meine Abende versüßen.“

Sein Gesicht schwebte über meinem, seine Lippen waren ganz nah und ich konnte direkt in seine Augen sehen. Er log! Nichts hatte sich geändert, er wollte mich noch genauso sehr wie immer. Schlief er wirklich mit all diesen Frauen? Ich traute es ihm durchaus zu. Wir kannten uns schon eine ganze Weile und ein Mann wie er, hielt es keine zwei Tage ohne Sex aus. Der Gedanke war mir unerträglich!

„Ich glaube dir kein Wort, Edward. Du willst mich immer noch und erträgst es nicht, dass du verloren hast.“

„Denk doch was du willst!“, erwiderte er in bösem Tonfall und stieß mich heftig von sich. Da hatte ich wohl einen wunden Punkt entdeckt. Es war sein Stolz der angeknackst war, es hatte nichts mit Gefühlen für mich zu tun. Aber Edward wusste wie man zurückschlug.

„Denkst du wirklich, du hättest irgendwann Tanyas Platz einnehmen können, Liebes. Da täuscht du dich aber, du bist nicht annähernd so wie sie. Du wirst es nicht schaffen mir Gefühle zu entlocken, Bella. Das lasse ich nicht zu. Keine andere Frau wird jemals ihr Andenken schmälern, auch du nicht.“

Er sah mich verächtlich an und ich starb mit jedem Wort ein Stück mehr. Er wusste, dass mich diese Worte mehr verletzten, als seine Frauengeschichten, mehr als seine geplante Heirat mit Jessica.

„Genug!“, flüsterte ich geschlagen, „Ich habe schon verstanden. Keine Gefühle von deiner Seite, nur Sex. Ist schon klar.“

„Schön, dass du das endlich kapiert hast. Dann können wir ja zum geschäftlichen Teil übergehen. Ich plane eine Kette von Schnellrestaurants. Sie sollen alle nach dem Vorbild dieses Diners aufgebaut werden. Es ist gemütlich und altmodisch, genau richtig für die ältere Kundschaft. Da es in der Bevölkerung in den nächsten Jahren mehr und mehr Ältere geben wird, die so eine Atmosphäre zu schätzen wissen, ist es eine gute Investition. In einer Stunde kommt ein weiterer Investor, der sich den Laden anschauen wird. Schau, dass alles wie am Schnürchen läuft und schaff um Himmels Willen diese Simmons aus dem Laden. Wenn du keinen Ersatz hast, dann stellst du dich eben selbst hinter die Theke, das kannst du doch so gut.“

Er tat mir absichtlich weh, das war ganz deutlich zu spüren, er wollte mich verletzen, damit ich ihn mir endlich aus dem Kopf schlug. Fein, Mr. Cullen! Wie du möchtest, ich werde dir nicht mehr hinterher weinen.

„Mach dir keine Sorgen, wir werden dich schon nicht vor deinem Geschäftspartner blamieren“, sagte ich kalt.

„Das will ich dir auch geraten haben.“

Er ließ mich stehen und ich musste mich setzen, vergrub die Hände in meinem Gesicht und ließ den Tränen freien Lauf. Eine warme Hand auf meiner Schulter, ließ mich zusammenzucken und ich blickte in das mitfühlende Gesicht von Benton.

„Bella, weinen Sie nicht. Egal, was er Ihnen gesagt hat, nehmen Sie es nicht zu ernst. Er neigt dazu, zu übertreiben und gemein zu werden, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlt. Sie lösen etwas in ihm aus, was er selbst nicht versteht und versucht panisch seine Haut zu retten. Ich hatte gehofft, Sie würden es schaffen ihn aus seiner Trauer zu reißen, doch die scheint noch tiefer in ihm verwurzelt zu sein, als angenommen. Er hat Tanya abgöttisch geliebt und hat ihren Tod nie akzeptiert. Ich fürchte, er wird das auch nie tun, denn er hat sich so hineingesteigert, dass er gar nicht sieht, was für ein wundervolles Wesen er da von sich stößt.“

Ich lächelte zittrig unter Tränen.

„Oh Benton, das ist so lieb von Ihnen. Ich bin wirklich froh, Sie kennengerlernt zu haben.“

„Nicht so froh wie ich“, antwortete er, „Es ist mir eine Ehre, Sie zu kennen, Miss Swan. Kommen Sie, trocknen Sie Ihre Tränen und zeigen Sie ihm, was für eine starke Persönlichkeit Sie sind und was er verpasst.“

Ich schniefte noch mal kurz und stand dann auf.

„Sie haben recht. Er will mich nicht, dann will ich ihn auch nicht. Dieser Idiot soll doch mit seiner Jessica glücklich werden.“

Er verzog das Gesicht bei der Erwähnung dieses Namens, als hätte er in eine Zitrone gebissen.

„Sie scheinen sie nicht sonderlich zu mögen“, stellte ich fest, was er heftig nickend bestätigte.

„Überhaupt nicht!“, gab er zu, „Diese Person ist so impertinent und dämlich, dass mir die Worte fehlen, um es zu beschreiben. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie er ihre Nähe erträgt. Soviel Dummheit in einem Gehirn, ist fast nicht zu überbieten.“

Ich grinste bei seinen Worten und fühlte mich gleich besser. Es stimmte durchaus, wenn man sagte, dass Lästern manchmal überaus heilsam war. Ich hakte mich bei Benton ein und verließ mit ihm gemeinsam das Büro, um die Mitarbeiter über den bevorstehenden Besuch zu informieren. Cynthia würde bleiben wo sie war. Ich hatte sie eingestellt und würde auch dazu stehen. Wenn er eine Gesichtskontrolle vor der Einstellung seinen Bedienungen durchführen wollte, musste er das gefälligst selbst tun.

Er stand draußen und begutachtete den Innenraum, schien durchaus zufrieden und sagte ein paar Worte zu Kendra, einer jungen hübschen Kellnerin, die seit circa einem Jahr hier arbeitete. Sie errötete bei seinen Worten und er lächelte sie charmant an. Dieses Lächeln wurde teuflisch, als er sah, dass ich ihn beobachtete und er verstärkte seine Bemühungen um das hilflose Ding.

Ich riss mich zusammen, rang meine Eifersucht nieder und ging auf die beiden zu.

„Kendra“, sagte ich freundlich, denn sie war wirklich ein liebes Ding, „wärst du so nett und hilfst Cynthia beim Abwischen der Tische. Wir bekommen hohen Besuch und wir wollen doch einen guten Eindruck hinterlassen.“

Sie nickte und machte sich davon.

„Touché!“, flüsterte er erheitert und sah mich träge an, „Du hast den Laden durchaus im Griff, wie ich sehe.“ Er biss sich auf die Lippe. „Ich muss zugeben, dass das ziemlich sexy ist.“

Ich ließ mich nicht auf die Plänkelei ein, denn der Umschwung seiner Launen machte mich noch wahnsinnig. Dieser Wechsel zwischen heiß und kalt, brachte mich noch um den Verstand. Wenn er vorhatte, mich mit seinem Verhalten in die Klapse zu bringen, war er auf dem besten Wege dahin.

„Lass deine Witze, Edward. Du hast dich vorhin in deinem Büro klar genug ausgedrückt und solltest dich vielleicht mal an deine eigenen Worte halten.“

Er grinste nur uns setzte sich in Bewegung, weil ein Mann in einem Anzug zur Tür hereinkam. Es handelte sich wohl um seinen Geschäftspartner.

„Wie gesagt“, rief er mir grinsend über die Schulter hinterher, „Sehr, sehr sexy.“

Irritiert sah ich ihm nach und kapierte gar nichts mehr. Erst so gemein und kalt, jetzt wieder charmant. Sollte doch einer mal schlau werden aus diesem Mann. Ich straffte mich und ging auf die beiden Männer zu, die sich herzlich begrüßten.

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