Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 21 - Darf ich vorstellen?

Ich war keine drei Meter aus der Tür, als mir peinlicherweise einfiel, dass ich keine Jacke, keine Handtasche und keinerlei Bargeld bei mir hatte. Die Stirn runzelnd blieb ich vor dem Aufzug stehen und dachte angestrengt nach. Meine Tasche hatte ich in seiner Wohnung nicht entdecken können, weder im Schlafzimmer, noch in seinem hypermodernen  Wohnzimmer.  Ohne Geld würde ich nicht weit kommen, denn ich konnte ja schlecht quer durch Seattle laufen. Mit grimmig zusammengepressten Lippen setzte ich meinen Körper in Bewegung, langsam, da meine sämtlichen Körperfunktionen im Stand by Modus arbeiteten. Vor seiner Türe ballte ich meine Finger zu einer kleinen  Faust und setzte dazu an, anzuklopfen. Mitten in der Bewegung ließ ich die Hand wieder sinken, weil mich der Mut verließ. Nervös kaute ich auf meiner Lippe herum, bis sie sich ganz geschwollen anfühlte.

Wieder hob ich die Faust und wieder ließ ich sie sinken. Frustriert von meiner Feigheit lehnte ich mich mit dem Rücken an die Tür, um neuen Mut zu sammeln, als diese geöffnet wurde und ich rückwärts hineinfiel. Bevor ich auf dem Fließenboden aufschlagen konnte, wurde ich von kräftigen Armen aufgefangen. Er  stand hinter mir und hakte seine Arme unter meine Achseln, während ich praktisch vor ihm lag. Ich sah nach oben und sein schönes Gesicht war direkt über mir.

„Wen haben wir denn da?“, fragte er mit aufreizendem Grinsen, „ Ich dachte, du wolltest auf dem schnellsten Wege nach Hause.“

Verdammt, dieser peinliche Auftritt versaute mir meinen ganzen Abgang von vorhin. Etwas verlegen blickte ich hoch und hoffte, dass ich nicht zu allem Unglück auch noch rot anlaufen würde, wie ein Feuermelder. Die verräterische Hitze in meinen Wangen zerstörte diese Hoffnung blitzartig und ich schloss genervt die Augen.

„Hättest du vielleicht die Güte mir aufzuhelfen?“, fragte ich beleidigt und zog die Nase hoch.

Er lachte heiter und zog mich mühelos nach oben. Wo hatte dieser Kerl bloß seine Kraft her? Sicher, er war durchaus muskulös, aber mehr auf die hagere Art. Schlaksig, schoss es mir durch den Kopf. Trotzdem besaß er etwas unglaublich verlockendes und ich war mir sicher, dass er nackt absolut sensationell aussah. Die Hitze in meinem Gesicht erreichte seinen Höhepunkt und ich versuchte meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, bevor ich hier anfing zu sabbern und mich vollends blamierte.

Wütend auf mich selbst, klopfte ich den nichtvorhandenen Staub von der teuren Designerhose und richtete mich auf. Eingeschnappt und mit beleidigt vorgeschobener Lippe sah ich ihn trotzig an. Sekundenlang starrte er verbissen zurück, bis es zart an seinen Mundwinkeln zuckte. Dieses Zucken steigerte sich immer mehr, bis er in schallendes Gelächter ausbrach. Dieses war so laut, herzlich und ansteckend, dass ich nicht anders konnte, als darin einzustimmen. Prustend hielten wir uns den Bauch, während dieses Heiterkeitsausbruchs und ließen uns beide, mit dem Rücken an der Wand entlang, auf den Boden sinken. Irgendwann ließ unser Gelächter nach und ich sah zu Edward der nah neben mir saß und mich lächelnd betrachtete.

„Du bist schon ´ne Nummer, Swan“, feixte er.

„Gleichfalls, Cullen!“, erwiderte ich, immer noch amüsiert, „Kann ich jetzt meine Handtasche haben?“

„Tut mir leid, Bella“, meinte er bedauernd, „ aber das ist der Grund, warum du überhaupt hier bist. Deine Handtasche war unauffindbar. Nach deinem Aussetzer bist du einfach umgefallen und eingeschlafen. Deine blonde Freundin ist  fuchsteufelswild auf Emmett losgegangen, als er später dazukam und er hat sie rausgebracht, um das woanders mit  ihr auszudiskutieren. Offenbar erfolgreich, denn sie sind nicht wieder aufgekreuzt. Dein George war völlig ausgelastet damit, seine besoffene Mutter nach Hause zu befördern und Alice, naja, die hing wie ein Schluck Wasser in Jaspers Armen, während er versucht hat sie wiederzubeleben. Doch sie hat nur wirres Zeug vor sich her gebrabbelt und ihn verliebt angegrinst, zumindest solange, bis sie mit einem seligen Gesichtsausdruck eingeschlafen ist.“

Alamiert sah ich ihn an.

„Was genau meinst du mit „Aussetzer“?“, hakte ich nach.

Schnell sah er weg und betrachtete angelegentlich die Spitzen seiner auf Hochglanz polierten Lederschuhe.

„Edward!“, sagte ich mit drohendem Unterton, „Du sagst mir jetzt sofort, was gestern Abend noch passiert ist, sonst…“

Frech sah er mich an.

„Sonst was? Bewirfst du mich mit Wattebällchen oder tanzt du wieder in deinem heißen, kurzen Kleidchen auf der Theke, so wie gestern Abend.“

Wenn meine Wangen vorher brannten, so wich jetzt jegliche Farbe aus ihnen. Mir fiel förmlich die Kinnlade runter, bei seinem Satz.

„Das ….das….war…jetzt nur ein…..ein Spaß. Oder? Sag, dass das nicht wahr ist.“

Bedauernd schüttelte er den Kopf.

„Tut mir leid, Liebes, aber ich muss dich enttäuschen. Das war wirklich das Heißeste, was ich jemals gesehen habe, Süße. Ich habe ja nicht geahnt, dass du dich so verrenken kannst. Biegsam und geschmeidig mit einem unbestreitbaren Talent, sämtliche Männer in einem Raum in den Wahnsinn zu treiben. Bei mir sind jedenfalls sämtliche Synapsen in meinem Hirn durchgebrannt, als ich dich tanzen sah. Und weißt du was?“, hauchte er leise.

„Was?“

„Es war nur für mich, Baby! Du hast mir die ganze Zeit in die Augen gesehen, als deine Hände über deinen Körper glitten, als du deine Hüften in einem Rhythmus bewegt hast, der mich wünschen ließ, ich wäre in diesem Moment in dir. Genau das hast du dir doch vorgestellt, Liebes, so ist es doch.“

Ich schwieg, völlig bezaubert von seiner hypnotischen Stimme und dem gierigen Glanz in seinen Augen. Ich hüstelte betroffen, als ich merkte wie versessen er tatsächlich auf mich war. Dieser Kerl war reines Dynamit und ich würde in die Luft fliegen, wenn ich nicht aufpasste.

„Mei…mei..meinst du, du ka…kannst mir ein paar Dollar leihen, fürs Taxi?“, stotterte ich völlig überfordert.

Sein Kopf knallte an die Wand und er schloss völlig gefrustet die Augen, sein Arm hing baumelnd über seinen angezogenen Beinen.

„Du machst mich noch irre“, flüsterte er gepeinigt.

Schnell rappelte ich mich auf und sah unsicher auf ihn nieder.

„Ich geh dann mal lieber“, sagte ich leise und lief wieder zur Tür. Ich würde schon irgendwie nach Hause kommen, aber jetzt wollte ich nur noch weg. Dass ich mich letzte Nacht aufgeführt hatte, wie ein Flittchen, nagte an mir und ich wollte nur noch in mein Bett und mich verkriechen. Ich wünschte mir, dass sich der Boden vor mir auftat und mich verschlang, so peinlich war mir das alles. Leider musste ich zu meinem Leidwesen, auch noch die Spätschicht im Diner machen, also war es vorbei mit der Vorstellung, mich in meinem Schlafzimmer einzuschließen und mich bis an mein Lebensende dort zu verstecken. Abgesehen davon, würde mein Sohn heute Abend wieder zurückkommen und dann war es eh vorbei mit der Ruhe. Der Gedanke an meinen Sohn zauberte wieder ein kleines Lächeln auf mein Gesicht. Der kleine Kerl fehlte mir unglaublich und ich war unendlich froh ihn heute Abend wiederzuhaben.
„Edward, vergiss einfach alles was gestern passiert ist, okay! Ich kann mich glücklicherweise nicht mehr daran erinnern und hoffe, ich werde es auch nie. Das ist mir wirklich furchtbar peinlich und ich wäre dir dankbar, wenn du in Zukunft nicht mehr darüber sprichst. Auf Wiedersehen.“

Wieder machte ich mich auf den Weg zur Tür, als seine Stimme mich ein weiteres Mal zurückhielt.

„Bella, warte!“, rief er mir nach.

Ich drehte mich zu ihm um.

Er saß noch immer auf dem Boden und schob sich die Hand in seine Hosentasche, um etwas daraus raus zu fischen. Es war ein Autoschlüssel, wie ich feststellen musste und er warf ihn mir zu.

„Das ist der Schlüssel zu meinem Aston Martin. Er parkt direkt vor dem Eingang, ist vollgetankt und startklar. Bring ihn einfach ans Diner, heute Abend und ich werde ihn dort abholen. Er ist voll versichert, du brauchst dich also nicht zu sorgen, falls du ihn zu Schrott fährst“, sagte er gleichmütig.

„Warum tust du das?“, fragte ich verblüfft und starrte auf die Schlüssel in meiner Hand. Damit rechnete ich im Traum nicht.

„Ich muss doch dafür sorgen, dass du sicher nach Hause kommst, nachdem ich dich schon hierher entführt habe. Und da ich mir denken kann, dass du dich nicht von mir fahren lässt, fährst du eben selbst.“

War es ein unkontrollierbarer Anfall von Nettigkeit, oder nur eine Änderung seiner Taktik? Verwirrt schüttelte ich den Kopf.

„Ich kann diesen Wagen nicht nehmen. Vor so einem Gefährt habe ich einen Heidenrespekt. Es wäre mir wirklich lieber, wenn du mir etwas Geld auslegst, damit ich die Bahn nehmen kann oder ein Taxi.“

Mit geschlossenen Augen lehnte er an der Wand und schüttelte unwillig den Kopf.

„Du bist so ein Dickschädel, aber wenn du es unbedingt so haben willst, bitte!“, sagte er eine Spur genervt.

„Fein!“, schnappte ich, weil er deswegen beleidigt war.

„Fein!“, schmollte er,  wie ein Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte. Wahrscheinlich glaubte er, ich würde vor Entzücken in die Luft gehen, weil er mir seinen fahrbaren Untersatz anvertrauen wollte. Obwohl, wahrscheinlich verdiente diese Luxuskarosse so eine Bezeichnung nicht. Es kam wohl nicht oft vor, dass jemand die Gelegenheit dieses Auto zu fahren einfach ausschlug, doch auch wenn ich eine recht sichere Fahrerin war, so traute ich mir nicht zu, dieses PS-Monster unfallfrei durch Seattle zu lenken. Ungeduldig trat ich von einem Fuß auf den anderen, traute mich aber nicht mehr, ihn um das Geld zu bitten, weil es mir furchtbar unangenehm war. Er stand mit der ihm eigenen Eleganz auf und blickte auf mich nieder. Dann drehte er sich um, ging in den Nebenraum und kam mit einer Handvoll Dollarnoten zurück. Er packte meine Hand und drückte mir das Geld in die Innenfläche.

„Da! Ich hoffe, es ist der Dame jetzt genehm!“, sagte er übertrieben.

Er führte sich auf wie ein Kleinkind, da ich nicht vor Dankbarkeit zerfloss, weil er mal die Güte hatte und sich wie jeder normale, hilfsbereite Mensch benahm.

„Danke!“, sagte ich hochmütig und zog meine Nase arrogant nach oben. Was er konnte, beherrschte ich schon lange. „Du kannst es mir vom nächsten Lohn abziehen.“

Er schnaubte nur und ging zur Tür, um sie mir zu öffnen. Schmiss er mich etwa raus?

„Du wolltest ja gehen, nicht wahr? Wir sehen uns heute Abend im Diner. Ich will, dass du mit mir die aktuellen Zahlen durchgehst und mich genauestens über die Abläufe informierst. Euer Lou ist ein netter Kerl, er hat aber einiges schleifen lassen. Ab jetzt weht ein anderer Wind, denn ich habe vor, aus diesem Laden ein gewinnbringendes Geschäft zu machen. Du wirst mir dabei helfen, da ich leider nicht die Zeit habe, um mich täglich selbst darum zu kümmern. Ich hoffe, Lou hat nicht übertrieben, als er dich so in den Himmel gelobt hat. Jetzt musst du beweisen, was in dir steckt. Ich wünsche dir noch einen guten Tag“, beendete er seinen Vortrag.

Ich schluckte und drängte mich an ihm vorbei, ohne ihn noch einmal anzusehen, oder auch nur auf Wiedersehen zu sagen. Seine Worte sickerten langsam zu mir durch und ich bekam leichte Panik. Was erwartete er jetzt von mir? Ich war nur eine kleine Kellnerin, die zwar einen ordentlichen Schulabschluss besaß, aber ansonsten nicht viel vorzuweisen hatte. Im Diner half ich Lou so gut es ging und manchmal hätte ich einiges anders gemacht, als er, doch der Laden gehörte mir nicht und ich wollte mir nicht anmaßen, seine Entscheidungen anzuzweifeln. Wie es weitergehen sollte, jetzt, wo Lou weg war, stand noch in den Sternen, doch Edward schien fest entschlossen mir so viel Arbeit wie möglich aufzubürden. Die nächsten Wochen würden bestimmt sehr hart werden, weil seine ständige Gegenwart mich aus der Bahn werfen konnte. Außerdem verspürte ich durchaus den hartnäckigen Wunsch ihm zu zeigen, was tatsächlich in mir steckte.

Mit der U-Bahn fuhr ich heim, da ein Taxi furchtbar teuer war. Meine nächste Sorge war der Verbleib meiner Handtasche und ich stieg in der Nähe meiner Bank aus, um meine Kreditkarte sperren zu lassen. Auf meinem Konto war nicht viel zu  holen, doch ein Überzug der Karte durch einen Fremden, würde mich finanziell ruinieren. Nachdem das erledigt war und der freundliche Mann hinter dem Schalter mir versicherte, dass ich für eventuelle Schäden  nicht haftbar gemacht würde, ging ich beruhigt nach Hause. Der Spaziergang tat mir gut und half mir den Kater auszukurieren. Daheim setzte ich mich in meinen gemütlichen Sessel und schloss müde die Augen.

Noch eineinhalb Stunden bis ich zur Arbeit musste und diese wollte ich nutzen, um ein wenig auszuruhen. Doch das Klingen an der Haustüre machte jeglichen Erholungsversuch zunichte. Ich öffnete die Augen und rührte mich nicht vom Fleck. Vielleicht würde die Person, wer immer sie auch war, einfach aufgeben und wieder verschwinden, wenn ich nicht öffnete. Pustekuchen! Das Bimmeln an der Tür hielt an und wurde richtig penetrant. Sauer stand ich auf und stapfte zur Türe. Dieser Vertreter würde sich noch wünschen, dass er dieses Haus auf seiner Tour übergangen hätte. Wütend riss ich die Tür auf und setzte zu einer Standpauke an, die sich gewaschen hatte, als ich sah, dass es Alice war, die völlig verheult vor meiner Tür stand.

„Bella!“, heulte sie mitleiderregend, „ Ich habe Jasper vollgekotzt.“

Jetzt fing sie richtig an zu weinen und ich zog sie in meine Arme. Obwohl ich selbst nicht groß war, wirkte sie neben mir klein und zerbrechlich.

„Ich habe es schon gehört, Alice! Mach dir nichts daraus, ich habe mir sagen lassen müssen, dass ich einen heißen Tanz auf der Theke hingelegt habe. Das ist noch viel schlimmer. Sich zu übergeben, steht auf der Liste der peinlichsten Ereignisse,  nicht auf Platz eins. Glaube mir!“, versicherte ich so überzeugend wie möglich.

Zweifelnd sah sich mich an.

„Hast du Edward Cullen etwa auch deine Liebe gestanden und das vor allen anderen Gästen im Club?“, fragte sie mit unüberhörbarem Sarkasmus in der Stimme.

„Äh , nein!“

„Siehst du!“, erklärte sie mir, „ Dann habe ich wohl Platz eins belegt.“

„Was ist denn noch passiert? Ich habe einen totalen Filmriss und habe gar nicht mitbekommen, was Jasper mit dir gemacht hat.“

„Ich bin heute Morgen in Jaspers  Wohnung aufgewacht“, sagte Alice leise, „ doch im Gegensatz zu dir, konnte ich mich schon an den gestrigen Abend erinnern. Ich kann ihm nie wieder unter die Augen treten. Wie konnte ich ihm vor allen Leuten und dem kompletten Personal meine Liebe gestehen, Bella? Das ist nicht nur für mich peinlich, sondern in allererster Linie für ihn.“

„Hast du nicht mit ihm gesprochen?“, wunderte ich mich.

„Er hat geduscht, als ich erwachte. Ich habe mich angezogen und bin einfach gegangen, bevor er aus dem Bad kam.“

„Ist gestern Nacht noch irgendwas gelaufen zwischen euch?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, dazu war ich viel zu breit. Ich weiß nur noch, dass ich bei ihm  aufwachte,  er mich auf sein Bett legte und  mir aus den  Kleidern half. Danach verschwand er im Nebenzimmer und ich bin wieder eingeschlafen. Wie soll ich mich denn jetzt ihm gegenüber verhalten, Bells“, fragte sie verzweifelt, „es wird das Beste sein, wenn ich doch kündige. Meine Anwesenheit dort, ist doch für ihn unhaltbar geworden.“

„Du siehst das viel zu negativ, Alice. Sieh mal“, fuhr ich fort, „er ist nicht mal seiner Freundin hinterher, sondern ist in deiner Nähe geblieben. Er hat sich um dich gekümmert und hat dich sogar zu sich nach Hause genommen. Das bedeutet doch was.“

„Wenn es doch nur wahr wäre“, flüsterte sie, „aber er wollte wohl einfach nicht, dass ich ihn noch weiter blamiere und hat mich deswegen aus dem Club geholt. Aber ich bin nicht nur hier, um dir das alles zu erzählen, sondern um dir deine Handtasche wiederzubringen. Ich habe sie gestern zusammen mit meiner  mitgenommen, ohne es zu merken. Ich hoffe, du hattest deswegen keine Unannehmlichkeiten.“

Erleichtert nahm ich die Tasche an mich, froh darüber, dass ich jetzt nicht auch die Schlösser an den Türen wechseln musste.

„Danke Alice, ich dachte schon, jemand Fremdes hätte sie. Ich musste die Karte sperren lassen, aber sowas lässt sich rückgängig machen. Hauptsache ich habe sie wieder.“

„Ich muss jetzt wieder gehen, Bells. Wir sehen uns noch.“
Bevor ich reagieren konnte, drückte sie mir einen Kuss auf die Wange und verschwand. Ich begab mich in meine Küche,  setzte mir Kaffee auf und aß vorher eine Kleinigkeit. Danach entledigte ich mich der  feinen Kleider und schlüpfte in dunkelblaue Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover. Das Haar nahm ich zurück und schlang sie zu einem Knoten im Nacken. Auf Make-up verzichtete ich gänzlich.
Ungewiss, was mich heute noch erwarten würde, machte ich mich auf den Weg, um zur Arbeit und  Edward Cullen zu gelangen. Unterwegs stoppte ich noch bei der Bank, um die Sperrung rückgängig zu machen und um mir  Bargeld zu besorgen. Ich wollte Edward nichts schuldig bleiben!

Er war noch nicht dort, als ich ankam. Sollte ich die Uniform anziehen, oder wollte er, dass ich nur mit ihm die Zahlen durchging, was ein Umziehen überflüssig machte. Ich beschloss noch abzuwarten und machte mich in der Küche nützlich. Ich tauschte die Filter der Dunstabzugshaube und kontrollierte die Sauberkeit an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Reinlichkeit war in einem Betrieb, der Lebensmittel zubereitete, das A und O. Die Vorschriften hier waren sehr streng und wir wollten uns dahingehend nichts zu Schulden kommen lassen. Es war alles in bester Ordnung und ich ging in das Büro, um auf Edwards Ankunft zu warten. Das Telefon klingelte und ich ging ran.

„Lou´s Diner! Bella Swan am Apparat, was kann ich für Sie tun?“, ratterte ich unser übliches Sprüchlein hinunter.

„Mum“,  schrie mir Danny in den Hörer, „ ich darf mit dem Handy des Lehrers telefonieren. Ich bin bald zu Hause.“

„Oh Schatz, das ist ja wundervoll! Ich freue mich schon so auf dich und kann es kaum erwarten, dich endlich in die Arme zu schließen. Ich liebe dich über alles, mein Süßer“, antwortete ich ihm.

„Ich habe dich auch furchtbar lieb, Mom! Bis dann! Ich muss Schluss machen, ich darf nicht solange.“

Er legte auf und auch ich legte vorsichtig den Hörer auf die Station zurück. Es war wundervoll die zarte Stimme meines Sohnes zu hören und ich bedauerte sehr, dass ich ihn nicht selbst holen konnte. Bibi würde das für mich übernehmen! Bei dem Gedanken an meine Freundin, musste ich seufzen. Das Gespräch mit ihr stand auch noch an, doch bisher ergab sich noch keine Gelegenheit. Das würde ich heute Abend, bei einem Essen nachholen. Ich befürchtete nämlich, dass sie das Gefühl hatte, ich wäre böse auf sie, dabei war es gar nicht möglich ihr dauerhaft negative Gefühle entgegenzubringen. Ich wollte ihr lediglich klarmachen, dass sie sich nicht so massiv in mein Privatleben mischen durfte, da es immer noch meine Entscheidung war, mit wem ich meine Zeit verbrachte. Ich drehte mich um und zuckte leicht zusammen, als ich mich Auge in Auge mit Edward befand.

Er war so leise eingetreten, dass ich ihn gar nicht kommen hörte. Wie viel von meinem Gespräch hatte er mitbekommen? Es war mir natürlich klar, dass er früher oder später von Danny erfahren würde, dazu musste er nur mal in die Personalakte schauen. Doch ich wollte diesen Zeitpunkt solange wie möglich hinauszögern.

Sein Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes! Verkniffen presste er den schönen Mund zusammen und starrte wütend auf einen Punkt hinter mir an der Wand. Er schien nach Worten zu suchen und fand diese auch recht schnell. Seine Stimme war kalt und zischend, wie das Fauchen einer Kobra. Noch nie hatte ich ihn so finster wie jetzt erlebt.

„Wie viele Männer hast du eigentlich, die du dir bei der Stange hältst, Isabella?“, fragte er gefährlich leise. Es war schlimmer als wenn er geschrien hätte und diese subtile Wut ängstigte mich mehr, als alles andere. Drohend kam er näher und packte mich um die Taille.

„Wie viele, Bella?“, drängte er, „Sitzt du daheim in deinem Bett und überlegst dir, welches deiner Opfer du als nächstes beglückst, um sie dann unbefriedigt zurückzulassen.“

„So ist es nicht!“, erwiderte ich erschrocken und riss mich los, „Ich bin kein männermordendes Weibsbild. Das ist eine Kategorie Frau, die vielleicht in deinem Bekanntenkreis gang und gäbe ist, doch ich gehöre nicht zu dieser Sorte. Ich suche mir keine „Opfer“ aus und ich spiele auch keine Spielchen, das ist mehr dein Resort. Hör auf, mich zu verteufeln, nur weil du es nicht schaffst mich flachzulegen.“

Abrupt ließ er mich los und drehte mir den Rücken zu. Er atmete schwer, die Wut ließ seinen ganzen Körper unkontrolliert zucken und ich begann ernsthafte Fluchtpläne zu schmieden. Doch bevor ich diese in die Tat umsetzen konnte, drehte er sich wieder um und war völlig ruhig. Er hatte alle seine Gefühle unter einer Maske vergraben, nur in seinen Augen war noch ein kaltes Funkeln zu sehen.

„Wir sollten mit der Arbeit beginnen!“

Er ging zum Tisch, wo ein Stapel Aktenordner aufgereiht war und zog nach gründlicher Musterung der Beschriftungen einen heraus.

„Wir beginnen mit diesem hier“, sagte er ohne eine Gefühlsregung.

Zwei Stunden später tat mir der Nacken weh, von der ungewohnten Haltung und ich streckte mich, um meine verkrampfte Muskulatur zu lockern. Jedoch  hörte ich sofort auf damit, als ich seinen gierigen Blick sah, der über meine Formen glitt. Es war erstaunlich, dass er auf mich flog, denn im Gegensatz zu dieser Tracey, zu Jessica oder auch zu der Frau, die er damals im Park dabei hatte, war ich nicht sonderlich aufregend bestückt. Zu meinem Bedauern  war  ich eher zierlich und meine Oberweite maß gerade mal eine gute Handvoll, sodass es einen BH eigentlich überflüssig machte. Doch ihn schien es nicht im Geringsten zu stören, im Gegenteil!

„Macht es dir was aus, wenn wir eine Pause einlegen. Ich muss dringend etwas essen“, fragte ich vorsichtig.

„Nein, ich könnte selbst etwas vertragen. Wir machen eine halbe Stunde Pause und machen danach sofort weiter. Ich muss zugeben, du bist besser über die Einzelheiten informiert, als ich dachte.“

Nach seinem Ausbruch vorhin, behandelte er mich zwar kalt, aber mit Höflichkeit. Vielleicht war er jetzt kuriert von seinem Wunsch mich rumzukriegen, wenn er im Glauben war, dass er nicht der einzige Mann war, der sich um mich bemühte. Edward Cullen mochte keine Konkurrenz und war sich zu schade dafür, mit anderen Männern gleichzeitig um eine Frau zu buhlen.

Im Diner bestellte ich mir was zu Essen und er tat es mir gleich. Während ich in meinen Burger biss, ging die Tür auf und ich ließ mein Essen auf den Teller zurückfallen.

„Mom!“, schrie mir Danny entgegen, der in Begleitung von Bibi hineinkam, „ Mom, ich wollte nicht solange warten. Ich habe dich so doll vermisst.“

Er sprang mir in die Arme und schlang seine kleinen, dünnen Ärmchen um mich. Fest drückte ich ihn an mich und gab ihm einen Kuss auf das Haar.

„Ich freu mich auch, Schätzchen. Mummy hat dich so vermisst“, flüsterte ich glücklich in sein Ohr. Es war mir egal, dass Edward mich hören konnte. Irgendwann hätte er es ja doch erfahren. Als ich zu ihm sah, Danny fest an mich gedrückt, blickte ich in ein komplett geschocktes Männergesicht.

„Darf ich vorstellen, Edward! Das ist meine Sohn Daniel:“

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