Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 22 - Schatten der Vergangenheit

„Darf ich vorstellen? Das ist mein Sohn, Daniel!“, richtete ich das Wort an Edward, der absolut geschockt, abwechselnd den Blick von Danny und dann zu mir wandern ließ. Selbst Unbeteiligten musste die große Ähnlichkeit zwischen mir und Daniel auffallen. Dieselben braunen, leicht gelockten Haare, die blasse Haut  und die großen braunen Augen. Mein Sohn war mein Ebenbild und hatte rein gar nichts von Jake, weder optisch und was noch wichtiger war, auch charakterlich nichts. Er sah mich fragend an und starrte Edward neugierig an. Er war Männern gegenüber immer etwas schüchtern, da er eigentlich nur weibliche Bezugspersonen hatte. Doch in letzter Zeit wurde er immer selbstbewusster und war nicht mehr ganz so ängstlich, wenn er mit neuen Menschen zusammentraf.

„Danny, das ist mein neuer Chef Edward Cullen! Sag hallo zu ihm!“, bat ich ihn sanft.

Danny hüpfte von meiner Hüfte, lief zu Edward und streckte die Hand aus.

„Hallo Mr. Cullen“, sagte er artig und legte den Kopf in den Nacken, um ihn ansehen zu können.

Edward starrte ihn an, als sei er ein kleines grünes Männchen. Er legte den Kopf schief und musterte ihn genauestens, als wäre er noch nie einem Kind begegnet. Nun, wahrscheinlich hatte er nicht viel mit Kindern am Hut und ich fragte mich, ob es das jetzt gewesen sei, mit seinen Annäherungsversuchen. Er wäre nicht der erste Mann, der sich von einem Kind abschrecken ließ. Es  wäre wohl das Beste für alle Beteiligten.

„Du bist ja ein Kind!“, sagte er mit merkwürdiger Stimme.

Danny drehte sich leicht zu mir, mit irritiertem Gesichtsausdruck, bevor er sich wieder an Edward wandte.

„Sie sind ganz schön schräg, Mister“, mutmaßte er und mir blieb vor Schreck die Luft weg.

„Danny!!!“ rief ich aus, „Sowas kannst du doch nicht sagen. Entschuldige dich bitte!“, befahl ich. Er war doch sonst nicht so unhöflich, aber seit er auf dieser Vorschule war, kamen selbst meinem liebenswerten Sohn einige Sachen über die Lippen, für die mir mein Dad früher den Mund mit Seife ausgewaschen hätte. Meistens wusste er nicht mal, was er da sagte, sondern er schnappte es irgendwo auf und brachte sein neues Wissen unter die Leute. Es war gar nicht so einfach ihm zu erklären, was richtig oder falsch war.

„Entschuldigung, Mr. Cullen“, flüsterte er ganz leise.

Edward ging in die Knie und sah ihn fest an.

„Entschuldige dich nie für deine Meinung, Junge! Es ist immer besser, zu sagen, was man denkt“, sagte er.

Edward stand auf und warf mir einen langen Blick zu, ehe er ohne ein weiteres Wort im Büro verschwand. Ich sah ihm hinterher und wusste nicht, was ich davon halten sollte. Bibi räusperte sich vernehmlich und ich war prompt wieder in der Wirklichkeit.

„Bella, wenn ich gewusst hätte, dass er hier ist, wäre ich nicht hergekommen, das musst du mir glauben.“

„Ist schon gut, Bibi. Er hätte es spätestens beim durchsehen der Personalakten gemerkt. Er ist für so einen lockeren Vogel sehr gründlich, was seine Geschäfte angeht. Dem entgeht wirklich gar nichts.“

„Kannst du noch ein paar Minuten bleiben“, fragte sie, „Danny hat sich so gefreut, dich endlich wiederzusehen und er wird schon schlafen, wenn du heim kommst.“

„Ich habe noch eine halbe Stunde Zeit“, erwiderte ich und nahm Danny an der Hand, „So, du kleiner Racker, jetzt erzähl mal wie es war.“

Er strahlte übers ganze Gesicht und fing an, wie losgelöst zu plappern. Wir setzten uns an einen Ecktisch, Danny futterte meine Pommes, während ich selbst mit mäßigem Appetit  meinen Burger verspeiste. Lächelnd betrachtete ich ihn, wie er total aufgekratzt von seinen Erlebnissen im Camp erzählte. Edward tauchte nicht wieder auf und meine erste Befürchtung, er könne sich sofort über Danny an mich heranmachen, zerstreute sich ein wenig. Er hätte bestimmt die Gunst der Stunde genutzt und sich die ersten wichtigen Minuten des Kennenlernens zunutze gemacht, vor allem, da er ihn ja mir gegenüber verteidigte, als ich ihn wegen seinem frechen Verhalten zur Entschuldigung zwang.

Die Zeit verging viel zu schnell und ich musste zurück zu ihm ins Büro. Ich hatte ein wenig Bammel davor, ihm jetzt wieder unter die Augen zu treten. Zwar hatte ich nichts Schlimmes verbrochen, außer ihm die Existenz meines Sohnes zu verschweigen, doch es war komisch ihm jetzt als Mutter gegenüberzutreten. Würde er jetzt anders sein? Ich hatte absolut keine Vorstellung davon, wie er sich jetzt verhalten würde, da ich ihn viel zu wenig kannte, um ihn richtig einschätzen zu können. Wahrscheinlich war es ihm egal und er würde fröhlich dort weitermachen, wo er aufhörte und mir genauso hartnäckig nachstellen, wie bisher.

„Ihr könnt ja noch  bleiben und zu Ende essen, ich muss leider wieder ins Büro.“

Bibi sah mich erstaunt an.

„Ins Büro?“, fragte sie nach, „Ich dachte, du arbeitest im Service.“

„Er möchte, dass ich mit ihm die Zahlen durchgehe und ihm die Abläufe hier erkläre. Er hat den Laden gekauft und muss sich erst rein finden. Lou hat ihm empfohlen mich dafür zu nehmen, weil ich ihm schon früher bei der Buchhaltung unter die Arme gegriffen habe.“

„So, so! Er hat das Diner also gekauft!“, meinte sie mehr zu sich selbst und ich merkte, wie sich die Rädchen in ihrem Hirn wieder drehten.

„Bibi!“, sagte ich warnend, „Bild dir jetzt keine Schwachheiten ein, das hat überhaupt nichts zu bedeuten. Es ist nur eine geschäftliche Angelegenheit.“

Sie sah mich an, als wäre ich nicht ganz bei Trost.

„Bella, dieser Mann ist millionenschwer, hat Beteiligungen an Firmen, die über die ganze Welt verstreut sind. Auch wenn die Leitung bisher allein durch seinen Vater erfolgte und er erst seit kurzem die Geschäfte übernommen hat, ist er viel zu reich und mächtig, um Interesse und Zeit in ein winziges Schnellrestaurant zu stecken. Glaubst du ernsthaft, ihm ginge es darum Profit aus diesem Laden zu schlagen. Seine Wohnung hat vermutlich mehr gekostet, als fünf Diner zusammen. Wach auf, Bella. Er tut das nur aus einem einzigen Grund und den kennst du genau.“

Das so krass aus ihrem Mund zu hören, war ernüchternd. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf rein, dass ein solcher Mann wie Cullen, ausgerechnet so viel Zeit und Geld aufbrachte, um mich ins Bett zu bekommen. Er musste wirklich schreckliche Langeweile haben, wenn er sich so dafür ins Zeug legte. Er liebte mich nicht, war nicht mit mir zusammen, aber er stellte Besitzansprüche an mich. Kein anderer außer ihm, durfte mir zu nahe kommen. Er reagierte genervt auf George, den er nicht ernst nahm und beim Telefonanruf von Danny, war er fürchterlich eifersüchtig bei der Vorstellung, ich könnte Kontakt zu anderen Männern haben. Deswegen reagierte er mit diesem merkwürdigen Satz auf Danny, weil ihm klar wurde, dass er im Irrtum war und es sich um ein Kind handelte, dem ich meine Liebe versicherte.

„Du scheinst ja ziemlich gut über ihn informiert zu sein“, sagte ich etwas pikiert, doch böse war ich ihr nicht, „Woher weißt du das alles?“
Sie grinste spitzbübisch.

„Ich hab es gegoogelt!“, sagte sie mit unverkennbarem Stolz in der Stimme.

Ich musste grinsen. Bibi war seit neuestem Besitzerin eines Laptops und eines Internetanschlusses, den sie mit wachsender Begeisterung nutze.

„Du bist unmöglich!“, lächelte ich und beugte mich dann zu Danny runter, „Sei lieb zu Bibi, mein Schatz. Ich komme so schnell es geht nach Hause und sag dir gute Nacht.“

„Darf ich aufbleiben bis du kommst? Ich habe doch morgen keine Schule“, bettelte er.

„Ausnahmsweise, weil ich dich auch so furchtbar vermisst habe. Ich muss jetzt leider wieder arbeiten, aber wir sehen uns ganz schnell wieder.“

„Hast du einen neuen Job, Mum? Du trägst gar nicht dein komisches Kleid.“

„Ich werde das komische „Kleid“ bald wieder anziehen. Heute ist ein Tag der Ausnahmen“, erklärte ich ihm und er grinste mich an. Schnell wischte ich ihm noch die Ketchupspuren aus dem Gesicht, die langsam bis zu seinen Ohren wanderten und ging zurück in die Privaträume.  Ich ging noch zur Toilette, um den Sitz meiner Frisur zu prüfen und weil ich den Gang zurück zu Edward, noch etwas hinauszögern wollte. Ich sah sehr blass aus, was sicher noch an meinem Restkater lag. Das zum Knoten geschlungene Haar saß perfekt, nicht eine Strähne verirrte sich daraus und betonte mein komplett ungeschminktes Gesicht. Nur eine leichte Röte auf den Wangen verlieh meinen Zügen etwas Farbe, sodass es gleich etwas lebendiger wirkte. Schließlich konnte ich nicht mehr länger warten, ohne befürchten zu müssen, dass er sich auf den Weg machte, um mich zu suchen. Vor dem Büro holte ich noch mal tief Luft und trat ein.

Er stand am Fenster und starrte reglos auf die Straße. Nicht ein Wort kam über seine Lippen, er drehte sich nicht um und ließ durch nichts erkennen, ob er mein Eintreten überhaupt bemerkt hatte. Leise setzte ich mich auf meinen Stuhl und wartete.

„Warum hast du es mir nicht gesagt?“, fragte er emotionslos.

„Warum hätte ich das tun sollen?“, schoss ich sofort zurück, „Ich hätte dir damit doch nur eine weitere Waffe in die Hände gelegt, die du nutzen könntest. Ich muss mein Kind schützen, denn er hat mit der Sache nichts zu tun.“

Er drehte sich endlich um, einen bitteren Zug um den Mund.

„Denkst du das von mir? Dass ich ein Kind dafür benutzen könnte, um an die Mutter heranzukommen?“

Er lachte, doch es war kein schönes Lachen. Es klang hart, kalt und freudlos.

„Ich bin wirklich überrascht, was für eine „tolle“ Meinung du über mich hast. Eines darfst du getrost glauben. Ich werde deinem kostbaren Söhnchen nicht zu nahe treten. Sowas habe ich nicht nötig, Liebes.“

„Ich kenne dich nicht, Edward! Woher soll ich wissen, wozu du fähig bist. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr was ich denken soll.“

„Ist es denn so schwer zu verstehen, dass ich dich mehr will, als alles andere!“, brach es voller Wut aus ihm heraus. Mit zwei schnellen Schritten war er bei mir, packte meine Schultern und zog mich vom Stuhl hoch. Er war so nah, sein Geruch strömte in meine Nase und ließ mich vor Entzücken erbeben. Heftig presste er mich an sich, hielt dabei immer noch meine Schultern fest und beugte sich über mich. Er zitterte…

„Ich will dich!“, wiederholte er, „Du bist das Erste woran ich denke, wenn ich aufwache, ich träume nachts von dir und schlafe mit dem Gedanken an dich ein. Ständig muss ich an deinen Geschmack denken, an die Weichheit deiner Haut und daran, wie sich dein heißer, kleiner Körper an meinen schmiegt. Du bist in mein Leben gestürmt wie eine Naturgewalt, die ich nicht kontrollieren kann und das macht mich fertig. Ich schwöre dir Bella, wenn du nicht bald nachgibst, werde ich noch explodieren. Warum machst du es uns so schwer, wir könnten zusammen den Himmel berühren.“

Mit jedem Wort traf er mein Herz. Wie sehr wünschte ich mir, nachgeben zu können, doch ich war schon viel zu weit gegangen. Dieser Mann war  so besessen von seinem Wunsch mich zu haben, dass er sogar seine Verlobte Jessica betrügen würde. Jessica… Noch ein Punkt, der es mir unmöglich machte, mich endlich hinzugeben. Ich schämte mich dafür, dass ich ihn geküsst hatte, nachdem ich schon von ihr wusste. Sie verdiente so etwas nicht, egal wie dumm sie auch zu sein schien. Er gehörte mir nicht, doch wenn er mich wollte, musste er sich entscheiden.

„Edward…“, hauchte ich und  wollte weitersprechen, doch meine Worte wurden von seinem Mund erstickt, der sich weich und liebevoll auf meine Lippen legte. Er hielt mich so eng an seinen Körper gepresst, dass ich mich nicht rühren konnte. Welch praktische Entschuldigung dafür, dass ich mich nicht wehrte. Zu meiner Verteidigung konnte ich lediglich hervorbringen, dass ich völlig still hielt und seine Zärtlichkeiten nicht erwiderte. Trotzdem genoss ich seinen Kuss. Es war so bittersüß, weil er mir zum ersten Mal, etwas von seinen Gefühlen offenbarte. Es war nicht allein mein Körper, den er wollte, auch wenn das wohl der Hauptgrund für ihn war. Doch meine Weigerung mich hinzugeben, zwang ihn dazu, sich mit mir auseinander zu setzen und er bemerkte den Menschen, der in mir steckte.

„Bella“, flüsterte er zwischen seinen Küssen, „Bella, du…du….du…., es gibt nur noch dich“, stieß er gequält hervor, nahm sich rau meinen Mund, drang heftig mit der Zunge ein und kostete mich. Fahrig strich seine Hand über meinen Oberkörper, als wollte er so viel wie nur möglich von mir berühren. Sehnsüchtig genoss ich es, konnte es mir nicht mehr versagen, weil seine Worte etwas tief in mir zum Klingen brachten. Vielleicht gab es doch eine Chance für uns, er müsste sich nur von Jessica lossagen, denn vorher würde ich niemals Glück empfinden können, wenn ich mich ihm hingab. Es war die einzige Möglichkeit. Ich zog meinen Kopf zurück und versuchte mich zu fassen. Sein Blick zeigte mir etwas anderes als sonst, da er alle Mauern eingerissen hatte und ich schöpfte Hoffnung und Mut.


„Edward, wir können  das nicht tun, solange du verlobt bist. Das ist nicht richtig und ich will niemandem wehtun. Was wir hier veranstalten ist Wahnsinn und muss ein Ende haben. Trenn dich von Jessica oder bleib ihr treu, denn ich werde nicht mit einem verlobten Mann schlafen.“

Er atmete hektisch, die Brust hob und senkte sich in irrsinnigem Tempo, als er mich gegen den Schreibtisch drückte.
„Denkst du, es schert mich, was Jessica denkt oder fühlt. Es ist eine geschäftliche Angelegenheit und das weiß sie auch. Es gibt keine Liebe zwischen uns und wird es auch nie geben. Wir beide, das ist was völlig anderes. Ich will dich nicht nur für eine Nacht, Bella, sondern für länger. Ich werde dich gut behandeln und es wird dir an nichts fehlen. Ich verstehe jetzt auch, warum du so viel arbeitest und du hast meinen Respekt dafür, doch wäre es nicht wundervoll, wenn du mehr Zeit für deinen Jungen hättest. Du müsstest nie mehr arbeiten, denn ich würde dich gut versorgen. Wir genießen unsere Leidenschaft, bis sie verblasst und gehen wieder unserer Wege.“

Er brach mir das Herz mit seinen Worten. Er wollte mehr als eine kurze Affäre, doch noch immer sprach er von einem begrenzten Zeitraum, von Leidenschaft und nicht von Liebe, während ich mir ein Leben ohne ihn schon gar nicht mehr vorstellen konnte, selbst wenn es nicht zum äußersten kam. So sehr hatte er mich schon vereinnahmt und betört. Dass er Jessica nicht liebte, war mir fast schon klar, aber was trieb ihn nur an, sie zu heiraten?

„Wirst du deine Firma verlieren, wenn du nicht heiratest?“, fragte ich, da ich mir keinen anderen Grund dafür vorstellen konnte, als finanzielle Schwierigkeiten, die durch eine Vernunftheirat schlagartig ein Ende finden würden. Das machte es nicht besser, aber es wäre zumindest eine plausible Erklärung.

„Ich werde gar nichts verlieren“, sagte er gleichmütig, „Mein Unternehmen wird dadurch nur noch stärker und größer und so eine Gelegenheit, darf ich mir nicht entgehen lassen.“

„Und wenn ich dich bitte, es zu tun!“, sagte ich leise und sah ihn eindringlich an.

„Dann würde ich es trotzdem nicht tun. Ich trenne Geschäft und Privatleben.“

„Heißt das, ich bin privat und Jessica ist Geschäft?“

Er grinste verführerisch.

„Genau das heißt es!“, wisperte er  und küsste mich auf den Hals, „Bella, Liebes, wir könnten glücklich zusammen sein. Ich kann nicht öffentlich zu dir stehen, aber ich wäre so oft es geht bei dir.“

Jedes seiner Worte wurde begleitet von süßen Küssen, auf meinen Hals, mein Gesicht und meine bebenden Lippen.

„Gott, ich liebe es, dass du nicht so zugekleistert bist. Du brauchst das alles nicht und ich bin verrückt danach, dich ohne Barrieren küssen zu können. Du schmeckst unglaublich.“

Heiß glitten seine Lippen über meine Haut, seine Hände tasteten vorsichtig über meinen Körper. Er wirkte so ehrlich und ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und stellte ihm die ultimative Frage.

„Bist du verliebt in mich, Edward?“

Eindringlich sah ich ihm in die Augen und ich zuckte zusammen, als seine Antwort schnell und ohne Zögern kam.

„Nein!“, sagte er bestimmt, "Ich will dich mehr, als du dir vorstellen kannst, ich denke an keine andere mehr, aber mach dir keine Hoffnungen hinsichtlich meiner Gefühle zu dir. Ich bin nicht in dich verliebt."

Ich lachte geschockt, weil ich sonst geweint hätte.

„Wenigstens bist du ehrlich!“, brachte ich mit zitternder Stimme raus.

Seine Hand legte sich an meine Wange, ruhte warm auf der erhitzten Haut.

„Ich wollte dir nicht weh tun, Bella. Aber ich kann dich auch nicht belügen, um das zu bekommen was ich will. Ich habe einmal geliebt  und habe sie verloren. Niemand kann ihren Platz einnehmen.“

Diese Eröffnung ließ sämtliche Hoffnungen wie eine Seifenblase zerplatzen. Der Schmerz wühlte sich in mein Inneres und tobte sich aus. Jetzt nur nicht in Tränen ausbrechen, Bella. Ich wollte das nicht hören, wollte nichts davon wissen, dass er eine Frau geliebt hatte und ihr sein Herz schenkte. Doch meine Neugier gewann überhand und ich konnte mir eine letzte Frage nicht verkneifen.

„Wer war sie?“

Sein Blick wurde weich, als er an die Andere dachte und dieser Ausdruck in seinem Gesicht tat mir unendlich weh. Doch ich war masochistisch genug, um seiner Antwort entgegenzufiebern, um zu erfahren, wer die Frau war, die diesem Mann so zugesetzt hatte, dass er keine andere mehr in sein Herz ließ.

„Ihr Name war Tanya“, sagte er mit liebevoller Stimme, „und sie war der reinste Engel, das schönste Wesen, das ich jemals sah.“

Noch ein Messerstich in mein Herz, doch ich wollte es ja unbedingt so haben.

„Wir waren noch sehr jung, als wir uns verliebten und haben früh beschlossen zu heiraten. Alles war perfekt und die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange. Einen Monat vor unserem großen Tag, beschloss sie noch zu ihrem Vater nach China zu fliegen, um ihn zu besuchen. Er war dorthin  ausgewandert und hatte eine neue Familie gegründet. Tanya war ihm sehr böse deswegen, weil sie das Gefühl hatte, ihn verloren zu haben und sie sprachen zwei Jahre kein Wort miteinander. Doch sie wollte nicht feiern, bevor sie sich nicht mit ihm aussöhnte und beschloss dies persönlich zu tun.“

Sein Blick verdunkelte sich vor Schmerz. Anscheinend konnte er immer noch nicht daran zurückdenken, ohne von tiefer Trauer übermannt zu werden.

„Das Flugzeug mit dem sie unterwegs war, stürzte ab und sie kamen alle ums Leben. Ich habe es mir nie verziehen, dass ich sie nicht davon abgehalten habe. Ich hätte hartnäckiger sein müssen. Ich verlor das Liebste was ich hatte und ich werde nie wieder etwas Ähnliches für eine Frau fühlen. Tanya war einzigartig“, schloss er überzeugt.

Ich löste mich aus seiner Umarmung, innerlich völlig erstarrt. Wie sollte ich mit einer Toten konkurrieren, die er wie eine Heilige verehrte. Gegen Jessica hätte ich antreten können, gegen ein paar Firmenaktien auch, aber nicht gegen seine verstorbene Liebe. Es war ja noch frisch als sie starb, keine Streitigkeiten trübten die Beziehung, während die unsere nur aus solchen zu bestehen schien. Er erinnerte sich an die perfekte Einheit, ohne jegliche Risse, ohne Konflikte die ausgetragen wurden. Sie teilten nie den Alltag zusammen, jedenfalls nicht so, dass er einem auch die Macken des Partners zeigte. Erst dadurch stellte sich doch raus, ob man wirklich zusammenpasste und dies hatte er nie erfahren. Er dachte immer nur an seinen Engel zurück, der ihm viel zu früh genommen wurde. Eine Träne löste sich und rollte über meine Wange.

„Weine nicht, Bella. Ich wollte dich nicht verletzen, aber das ist nun mal die Wahrheit. Ich kann mich einfach nicht mehr so tief auf eine Frau einlassen, ich hätte das Gefühl sie zu betrügen. Doch wenn ich je wieder lieben könnte, dann wärst du es.“

Ich wischte mir Träne weg und sah ihn fest an. Ich war froh über seine Ehrlichkeit, denn dadurch hatte er mir meine Entscheidung erleichtert.

„Ich bin dir dankbar, dass du so ehrlich warst und du verdienst eine ehrliche Antwort von mir“, fing ich mit bebender Stimme an, „Ich habe mich in dich verliebt, Edward. Ich gebe es zu, es ist so. Doch ich kann nicht mit dir zusammen sein mit dem Wissen, dass du in Gedanken immer bei einer anderen Frau sein wirst. Dass du dich innerlich immer nach den Küssen einer Anderen sehnen wirst und nach ihrer Umarmung. Ich will nicht die zweite Wahl sein, das heißt, eigentlich wäre ich die dritte, weil ja noch Jessica vor mir käme. Kannst du dir nicht vorstellen, wie grausam und schmerzlich es für mich wäre, nur dein schmutziges, kleines Geheimnis zu sein. Ständig im Schatten leben zu müssen, ohne die Möglichkeit dir meine Liebe zeigen zu können. Es würde mich irgendwann zerstören. Falls du auch nur das Geringste für mich empfindest, dann bitte ich dich, mich in Ruhe zu lassen. Irgendwann werde ich über dich hinwegkommen und vielleicht sogar jemanden finden, der mich nicht verstecken muss, jemanden, der stolz darauf ist, mich an seiner Seite zu haben.“

Er brachte einigen Abstand zwischen uns beide und sah mich nachdenklich an. Er wirkte nicht sehr betroffen von meinem Liebesgeständnis, er ahnte es wohl schon vorher.

„Ich kann dich verstehen, Bella. Es tut mir leid, dass du dich verliebt hast, obwohl es schmeichelhaft für mich ist. Du musst mir auch glauben, dass du mir durchaus etwas bedeutest! Doch ich werde deinen Wunsch respektieren und dich in Zukunft nicht mehr behelligen. Auch wenn es mir furchtbar schwer fallen wird.“

Bedauernd sah er mich an und ließ mich verzweifelt und allein zurück.

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