Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 34 - Träume

Bellas Pov
Schmunzelnd sah ich Edward dabei zu, wie er mit Todesverachtung den leeren Teigboden seiner Pizza verzehrte. Niemals hätte ich gedacht, dass er sich darauf einließ und fast hätte ich ihm gesagt, dass Danny sich nicht daran gestört hätte, wenn er die Pizza normal verzehrte. Doch ein kleiner Teufel flüsterte mir ins Ohr, ich solle ihn ruhig mal ein bisschen leiden lassen und seine ehrlichen Bemühungen sich mit Danny zu verstehen, rührten mein Herz. Er spießte das letzte Pizzastück auf die Gabel und schob es in den Mund.

Edward beim Essen zu beobachten hatte etwas enorm Sinnliches und die Bewegungen seiner Lippen während er kaute, erinnerten mich daran, wie er sie auf meinem Körper eingesetzt hatte. Diese Stunden mit Edward waren eine Offenbarung für die Frau in mir. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir solche Wonnen nicht ausmalen können und er führte mich ohne Hast und ohne Zwänge in das Liebesspiel ein. Meine Unerfahrenheit schien ihn keineswegs zu stören und er genoss unsere gemeinsamen Stunden genauso sehr wie ich.

Was mich ein wenig überraschte, war die Selbstverständlichkeit mit der Danny seine Anwesenheit hier akzeptierte. Nicht dass er Edward anhimmelte, aber er schien seine Gesellschaft durchaus zu mögen. Bisher hatte er nicht viel Kontakt mit Männern gehabt, abgesehen mit Lou und George. Ich seufzte leise. Ich musste unbedingt noch mit Daniel sprechen. Auch wenn er es scheinbar gut verkraftete, dass ein Mann die Hochzeit seiner Mutter stürmte und sie selbst heiraten wollte, so musste das unheimlich verwirrend für ihn sein. Es war wichtig, ihm auf möglichst kindgerechte Weise zu erklären, warum das alles passiert war.

Der erste Rausch war ein wenig verflogen und die Probleme gingen jetzt erst richtig los. Er wusste immer noch nichts von Jakes Rückkehr. Es war schwer für mich, die richtige Entscheidung diesbezüglich zu treffen. Erzählte ich Danny davon, würde er ihn kennenlernen wollen. Es wären dann gleich zwei Männer in seinem Leben, die urplötzlich auftauchten und ich hatte Angst, dass es zu viel für ihn werden würde. Außerdem war ich immer noch nicht sicher, was Jakes Beweggründe waren. Er meldete sich nicht, hatte nicht einen einzigen Versuch gestartet ihn zu sehen. Es wäre unverzeihlich Danny Hoffnungen zu machen, wo keine waren. Die Chance, dass Jake sich wieder verzog und nie mehr meldete, wenn er den Prozess verlor, war recht hoch. So eine Zurückweisung wäre fatal für Dannys Psyche.

Dann gab es ja noch Edwards Eltern. Nicht nur, dass ihr Sohn die Hochzeit mit Jessica platzen ließ, nein, er kam auch schon mit der nächsten potenziellen Ehefrau an. Das peinlichste jedoch, war meine erste Begegnung mit seiner Mutter. Wie oft wurde man schon von der Schwiegermutter in spe beim Sex erwischt? Schlimmer ging es wirklich nicht mehr und ich würde nie den angeekelten Gesichtsausdruck von ihr vergessen, als sie uns überraschte. Wie sollte ich mich denn jetzt verhalten? Ach ja, und einen Enkel bekam sie auch noch gratis dazu. Ich spürte Edwards Hand auf meiner und ich sah zu ihm auf. Nachdenklich betrachtete er mein Gesicht.

„Welche verworrenen Gedanken gehen dir denn jetzt wieder durch den Kopf, Liebes?“, fragte er mich lächelnd.

Obwohl die Worte an sich nicht sehr nett klangen, so zeigte sein Gesicht dennoch einen nachsichtigen, fast schon liebevollen Ausdruck. Wer bist du und was hast du mit Edward Cullen gemacht, dachte ich. Es war mir beinahe schon unheimlich, wie er sich verhielt, da ich solches Einfühlungsvermögen von seiner Seite her gar nicht kannte. Mit einem streitsüchtigen und arroganten Edward konnte ich umgehen, doch auf den Mann neben mir, war ich nicht eingestellt. So, wie er jetzt war sprengte es mein Vorstellungsvermögen. Edward Cullen war nett! Ich schüttelte mich und lächelte zurück.

„Mir geht gar nichts durch den Kopf! Aber wenn ich ehrlich bin, machst du mir Angst.“

„Angst?!“, hakte er verblüfft nach.

Ich nickte heftig.

„Jep, du bist irgendwie so…so..so…anders.“

„Da versucht man mal sich von seiner besten Seite zu zeigen und es geht gnadenlos in die Hose“, grinste er kopfschüttelnd. Dabei zog er sich ein Päckchen Zigaretten aus der Innenseite seines Jacketts und räusperte sich vernehmlich.

„Ladies, Danny! Ihr entschuldigt mich für einen Moment.“

Er wollte sich schon aufrichten, um nach draußen zum Rauchen zu gehen, als er Dannys Gesichtsausdruck sah. Der hatte die Augen weitaufgerissen und wirkte entsetzt.

„Du rauchst?“, hauchte der kleine Mann sichtlich erschüttert und sah fürchterlich enttäuscht aus. Als hätte man ihm gerade an ein und demselben Tag eröffnet, dass sowohl der Weihnachtsmann, als auch der Osterhase ein Mythos waren. Edward schluckte. Mit so einer Reaktion hatte er wohl nicht gerechnet und wurde wohl das Gefühl nicht los, sich rechtfertigen zu müssen.

„Äh….nein….ähm….also…eigentlich, eigentlich wollte ich die Packung draußen nur ….in…in den Müll schmeißen!“, brachte er mühsam raus und raufte sich mit der Rechten die Haare. „Ich bin jetzt nämlich Nichtraucher!“, stieß er hervor und sah dabei kreuzunglücklich aus. Sein Blick glitt verlangend und sehnsüchtig zu den Glimmstengeln, ehe er die Packung in der Hand zerquetschte. „Siehst du? Nicht mehr zu gebrauchen.“

Ich hätte ihn am liebsten auf der Stelle auf den Tisch geworfen und vernascht. Er war göttlich, Danny hingegen war begeistert und strahlte.

„Oh toll!“, rief er, „Das stinkt nämlich ganz dolle. Mum mag es auch gar nicht, wenn jemand raucht. Sie sagt, die stinken schlimmer als ein Mülleimer.“

Ich wurde rot und sah vorsichtig zu Edward. Dessen Augen waren zu schmalen Schlitzen verengt und er grinste diabolisch.

„Erzähl ruhig weiter, Danny!“, verlangte er freundlich, „Was kann deine Mum sonst noch nicht so gut leiden. Du musst mit helfen, sonst schimpft sie wieder mit mir.“

„Klar, helf ich dir! Ich krieg auch immer Motze, dann sind wir zwei gegen eine “, schrie mein Sohn begeistert und bevor ich ihn ausbremsen konnte, packte mich Bibi am Arm und zog mich hoch.

„Komm Bella, lassen wir die zwei einen Moment alleine. Wir gehen uns die Nasen pudern.“

Während mein Sohn vor Edward sämtliche Peinlichkeiten ausgrub und sie ihm auf die Nase band, schleppte mich Bibi Richtung Toiletten. Ich hörte nur noch einen letzten Satzfetzen von Danny, ehe wir zu weit entfernt waren.

„Dann hat sie der Mutter meines Kindergartenfreundes gesagt, sie solle lieber auf ihren Mann aufpassen, anstatt sich in die Arbeit unserer Erzieherin einzumischen. Weißt du, warum sie besser auf ihren Mann aufpassen sollte? Mum wollte es mir nämlich nicht sagen“, fragte Danny Edward.

Ich wollte mich von Bibi losreißen, um das Schlimmste zu verhindern, doch die zog mich unerbittlich weiter.

„Jetzt lass die zwei sich doch mal beschnuppern. Danny erzählt doch nur ein paar kleine Geschichten aus eurem Leben. Ist doch nichts dabei.“

„Bibi, das ist furchtbar peinlich. Wenn er Edward auch noch steckt, dass ich als Clown verkleidet auf seinem Geburtstag Kunststücke vorgeführt habe, dann versinke ich im nächsten Erdloch“, klagte ich verzweifelt.

Danny war furchtbar stolz auf seine vielseitige Mutter, doch das konnte bei Fremden mitunter ganz schön peinlich werden. Es war nicht mein glorreichster Auftritt als Clown, den ich nur absolvierte, weil er sich doch so sehr einen wünschte. Alle seine Freunde hatten einen auf ihren Feiern und da ich mir nun mal keinen leisten konnte, schlüpfte ich selbst in dieses lächerliche Kostüm. Ich stolperte dabei über die übergroßen Schuhe und landete beinahe in der Geburtstagstorte. Ich betete, dass Danny Edward nichts darüber erzählte, doch sein plötzliches Gelächter ließ diese Hoffnung auf ein Minimum schrumpfen. Jetzt folgte ich Bibi mehr als bereitwillig auf die Toiletten und schwor mir, diese nie wieder zu verlassen.

„Also gut, jetzt erzähl mir alles!“, forderte Bibi neugierig und sah mich erwartungsvoll an. Ich seufzte.

„Wo soll ich anfangen?“, fragte ich.

„Am besten beantwortest du MIR die Frage, die Danny dir heute gestellt hat. Was habt ihr gemacht? Hattet ihr Sex?“

Ich verdrehte die Augen. Das war mal wieder typisch für sie. Indiskret bis zum geht nicht mehr.

„Bibi, das Leben besteht nicht nur aus Sex!“

„Wer sagt das?“, fragte sie mit frechem Grinsen, „Bestimmt nicht Edward Cullen!“

„Pah!“, antwortete ich leicht frustriert, „Edward Cullen benimmt sich gerade wie ein verdammter Heiliger. Im Ernst Bibi, er macht mich wahnsinnig. Er will doch allen Ernstes mit dem Sex bis zur Hochzeitsnacht warten!“

Bibi fiel die Kinnlade runter.

„Ist nicht wahr?“, hauchte sie, doch ich nickte nur bestätigend.

„Doch, wenn ich es dir doch sage. Er will wirklich warten.“

„Oh!“

Mehr brachte sie nicht raus. Es kam nicht oft vor, dass ich sie sprachlos erlebte und ich konnte es durchaus nachvollziehen. Edward Cullen hatte den Ruf eines Womanizers, galt als absoluter Herzensbrecher und verschlang die Frauen laut Medienberichten in Scharen. Dass ausgerechnet er es war, der plötzlich seine tugendhafte Seite entdeckte, war mehr als merkwürdig.

„Das ist aber wirklich nicht mein größtes Problem, denn Edward hat durchaus seine eigene Art, sich die Zeit bis zu unserer ersten Nacht zu vertreiben.“

Sie hob interessiert die Augenbrauen, doch ich ignorierte es. Manche Dinge wollte ich dann doch für mich behalten.

„Ich muss noch seine Eltern kennenlernen. Bibi, seine Mutter hat uns beinahe beim Sex erwischt. Sie hält mich bestimmt für die schlimmste Schlampe auf Erden“, jammerte ich bekümmert.

„Nicht den Kopf hängen lassen, meine Kleine. Du bist eine liebenswerte Person und seine Eltern werden das ebenso sehen, wenn sie dich kennenlernen. Du bist viel zu pessimistisch. Denk doch mal positiv! Immerhin hast du ihn durch deine bloße Existenz, vor einer Ehe mit Jessica Stanely bewahrt. Allein dafür, sollten sie dir einen Orden verleihen. Wer will schon so eine Spaßbremse in der Familie haben?“

Grinsend sah ich sie an und pflichtete ihr innerlich bei. Bei Jessica schien der Humor tatsächlich etwas zu kurz gekommen zu sein, wenn man ihr Verhalten auf der Verlobungsparty oder im Club als Maßstab nahm. Edward hatte sich für mich entschieden, aus welchen Gründen auch immer und seine Eltern würden das akzeptieren müssen.

„Wenn es jemandem peinlich sein müsste, dann ja wohl deinem Edward“, meinte Bibi noch.

Ich lächelte zaghaft, bis sich schlussendlich ein breites Grinsen auf mein Gesicht schlich.

„Das hört sich gut an!“, sagte ich entzückt, „Mein Edward!“

Bibi fing an zu lachen.

„Oh Mann, dich hat es ja ganz schön erwischt, Komm, lass uns zurückgehen, Edward muss ja nicht gleich am ersten Abend alle Bella-Geschichten hören.“ Dann fügte sie noch murmelnd hinzu. „Nicht, dass ein Abend dafür reichen würde.“

„Hey!“, rief ich empört, „Ich bin nicht mehr so tollpatschig. Mir ist schon lange nichts mehr passiert.“

Wir verließen die Toiletten und begaben uns zurück an den Tisch, wo uns schon ein strahlender Danny erwartete. Edward grinste so breit wie der Mississippi und mir schwante nichts Gutes.
Wir setzten uns und Edward wandte sich mir zu.

„Liebes, ich habe da ein Problem!“, sagte er ganz unschuldig.

Ich sah ihn fragend an.

„Ich suche noch einen guten Clown für meine Geburtstagsfeier. Du kennst nicht zufällig jemanden, der diesen Job übernehmen könnte?“
Bibi und Danny fingen an zu glucksen und Edward selbst zitterte fast bei dem vergeblichen Versuch, sein Lachen zu unterdrücken. Konnte man vor Verlegenheit sterben? Ich war gerade auf dem besten Weg, es herauszufinden.

Viel später brachte uns Edward nach Hause und wir standen schließlich vor der verschlossenen Haustüre. Danny lag in meinen Armen und schlief tief und fest. Der Tag war sehr ereignisreich gewesen und der Abend lang. Nachdem ich den peinlichen Moment überwunden hatte, konnte ich sogar darüber lachen, dass auf meine Kosten Witze gerissen wurden. Es war ein wirklich wunderschöner Abend und im Vergleich zum Gestrigen, erfüllte mich eine tiefe Zufriedenheit. Es fügte sich alles zusammen. Jetzt fehlte eigentlich nur noch die Gewissheit, Danny behalten zu dürfen und die klitzekleine Kleinigkeit, dass Edward mich eines Tages lieben könnte.

„Darf ich noch mit hineinkommen“?“, fragte er ganz leise, um Danny nicht zu wecken. Nie im Leben hätte ich es ihm verwehrt und nickte nur glücklich. Er folgte mir in die Wohnung und wartete im Wohnzimmer, während ich Danny vorsichtig auf seinem Bett ablegte. Er wachte nicht mal auf, als ich ihm seine Kleidungsstücke entfernte und ihm seinen Schlafanzug überzog. Fest deckte ich ihn rundherum zu, strich ihm das Haar aus dem Gesicht und küsste ihn liebevoll auf die Stirn.

„Schlaf gut, mein Schatz!“, flüsterte ich voller Liebe. Ich richtete mich auf und wandte mich zur Tür, wo Edward mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck am Türrahmen stand. Ich ging auf ihn zu, nahm seine Hand und schloss die Tür hinter mir. Sachte zog ich ihn an der Hand ins Wohnzimmer. Er drückte mich auf meine Couch, beugte sich über mich und begann mich leidenschaftlich zu küssen.

„Darauf warte ich schon den ganzen Abend lang.“, murmelte er an meinen Lippen. Sofort verschloss ich ihm wieder den Mund mit einem heißen Kuss und genoss seine Nähe, seine Stärke und seinen Duft in vollen Zügen. Ich lag in seinen Armen, als hätte ich ein Leben lang nichts anderes getan, alle Probleme lösten sich in Luft auf und machten vollkommener Glückseligkeit Platz. Wenn ich jetzt schon so fühlte, wie würde es erst sein, wenn ich ihm ganz gehörte? Vorsichtig brach er den Kuss ab und sah mir in die Augen.

„Ich glaube ich sollte jetzt gehen!“, sagte er widerwillig. Trotzdem strich er mit der Hand über mein Schlüsselbein, hinunter zu meinem Brustkorb und blieb dort liegen. Mein Herz klopfte wie verrückt, angetrieben durch seine schwindelerregende Nähe. Stetig hämmerte es unter seiner Hand, bis ich das Gefühl hatte, es müsse meine Brust sprengen.

„Dein Herz klopft wie verrückt“, flüsterte er lächelnd.

„Daran bist nur du schuld!“, erwiderte ich sehr leise.

Sein Lächeln wirkte unglaublich zufrieden.

„Wie schön!“

Er erhob sich und strich mir über die Wange.

„Ich muss gehen. Sofort! Sonst wird Danny morgen früh einen Mann am Frühstückstisch zu sehen bekommen“, wisperte er, „Du bist wirklich eine unglaubliche Versuchung, Isabella Swan.“

„Das sagt der richtige!“, murmelte ich kaum hörbar. Doch er vernahm es trotzdem und lachte leise.

„Ich hole euch morgen Vormittag ab. Es wäre am besten, den Besuch bei meinen Eltern so schnell wie möglich hinter uns zu bringen.“

„Wieso?“, fragte ich ängstlich. Verschwieg er mir was? Vielleicht fand mich seine Mutter ja unmöglich, nach der Aktion im Restaurant.

„Oh Bella!“, grinste er, „Du hast ganz schön Panik vor meinen Eltern, was?“

Schmollend verschränkte ich die Arme vor meiner Brust und sendete ihm einen tödlichen Blick.

„Liebes, sie werden dich mögen. Sogar Rosalie kommt mit ihnen klar und die ist ja bei Gott nicht einfach.“

„Das stimmt nicht“, widersprach ich, „Rose ist ein Engel, es ist völlig natürlich, wenn deine Eltern sie mögen. Ich hingegen…“ Ich beendete den Satz nicht, sondern sah unglücklich zu ihm auf.

„Du hingegen bist die Frau, die mich aus den Tiefen meiner Trauer gezogen hat. Ich bin bereit wieder richtig zu leben. Das ist nur dir zu verdanken, weil du mich aufgerüttelt hast. Das allein wird meine Mutter vor Dankbarkeit zerfließen lassen.“

Er küsste mich auf die Stirn.

„Ich finde allein hinaus. Schlaf schön, Sweety.“

„Wie hast du mich gerade genannt?“

„Sweety!“, sagte er grinsend, „Ich finde, der Name passt zu dir. Und da ich „Liebes“ schon ziemlich ausgereizt habe, auch bei anderen Frauen, dachte ich mir, dass es Zeit wird, dir deinen ganz persönlichen Kosenamen zu verpassen.“

„Bella hätte auch gereicht!“, grummelte ich, „Warum ausgerechnet „Sweety“?“

„Na, weil du so süß bist“, grinste er und duckte sich vor dem Kissen, das ich nach ihm warf.

„Bis Morgen!““, lachte er und verschwand. Lächelnd lehnte ich mich zurück, mit breitem Grinsen und mehr Glück im Herzen, als in meinem ganzen bisherigen Leben. Voller Zuversicht ging ich zu Bett, kuschelte mich hinein und sank bald darauf in tiefen Schlaf. Schon bald fing ich an zu träumen und sah alles wie durch einen Nebel.


Mit meinem Brautkleid bekleidet schritt ich einen langen Gang entlang. Blumen säumten den Weg nach vorne zum Altar, wo Edward schon auf mich wartete. Er lächelte zärtlich, streckte mir die Hand entgegen, die ich voller Erwartung ergriff. Wir sahen uns während der Ansprache des Priesters in die Augen und ich konnte mein Glück kaum fassen. Sie waren alle da! Danny, Bibi, Alice und Rose mit ihren Männern, George mit seiner Mutti und Cynthia, ja, sogar mein Dad war da und lächelte mich strahlend an. Voller Glück sprach ich mein Ehegelübde und jedes Wort kam aus tiefster Seele. Edward strahlte mich an und begann ebenfalls sein Ehegelübde zu sprechen, als er plötzlich innehielt und ein absolut entzückter Ausdruck auf seinem Gesicht erschien. Doch er sah nicht mich an, sondern jemanden hinter mir.

Edward wirkte, als hätte er gerade das Paradies erblickt und ließ meine Hand los. Verwirrt drehte ich mich in die Richtung, in die er so intensiv starrte. Was war denn so wichtig,, dass er mitten im Ehegelübde abbrach? Der Anblick ließ mich erstarren! Am Eingang der Kirche stand eine wunderschöne Frau, sie musste schön sein, da alle den Atem anhielten und sie bewundernd ansahen. Ich selbst konnte ihre Züge nur verschwommen erkennen. Sie war groß und schlank, langes, wallendes rotblondes Haar fiel ihr bis auf die Hüften und sie bewegte sich mit graziler Anmut auf mich und Edward zu.

„Tanya!“, flüsterte er bewegt und entfernte sich von mir, ging ihr mit ausgestreckten Armen entgegen. „Tanya, endlich hab ich dich wieder, ich habe so lange auf dich gewartet!“

„Edward, nein!“, schrie ich ihn an, in dem verzweifelten Versuch ihn auf mich aufmerksam zu machen. „Wir wollen doch heiraten. Bitte verlass mich nicht!“, flehte ich ihn an, doch er schüttelte nur verständnislos den Kopf.

„Aber siehst du denn nicht, dass ich meine Tanya wiederhabe! Wie soll ich dich dann heiraten? Ich liebe dich nicht, Bella! Ich habe es nie getan und werde es nie. Mein Herz gehört nur ihr.“

Er zeigte auf die Frau, die jetzt direkt vor mir stand und höhnisch lachte.

„Siehst du, Bella! Du kannst dich nicht mal gegen eine Tote durchsetzen. Edward gehört MIR. Das wird er immer und du hast keine Chance gegen mich. Willst du ihn wirklich haben? Einen Mann, der sich immer nach einer anderen verzehren wird, während er mit dir schläft, dich küsst und berührt. Ich helfe dir! Ich nehme Edward mit mir, dann wird er Frieden finden.“

Jetzt erst konnte ich ihr Gesicht erkennen. Da war kein liebliches Mädchengesicht, sondern nur die kalte Fratze eines Totenschädels. Entsetzt schrie ich auf und zerrte an Edwards Arm, um ihn davon abzuhalten mit ihr zu gehen.

„Edward, neeeeeein!“, schrie ich, „Sie ist tot, siehst du das nicht.“ Doch er hörte nicht mehr auf mich, war nur noch gebannt von dieser Erscheinung.

„Komm mit mir, Edward!“, lockte sie ihn mit dem Zeigefinger, wie die Hexe im Märchen von Hänsel und Gretel. Edward folgte ihr und ich musste zusehen, wie meine große Liebe dieser Gestalt folgte, bis er mit ihr von einem gleißenden Licht verschluckt wurde.



Keuchend wachte ich auf. Voller Atemnot und schweißüberströmt saß ich auf meinem Bett und alles war wie immer. Der Mond erhellte den Raum geringfügig, da sich immer wieder Wolken davorschoben. Panisch versuchte ich mich zu beruhigen und nahm die Wasserflasche, die griffbereit neben meinem Bett stand. Gierig trank ich daraus und beruhigte mich allmählich. Zutiefst erschrocken über diesen Traum, legte ich mich zurück auf die Kissen und starrte an die Decke. Es war nur ein Traum, sagte ich mir immer wieder. Tanya war tot und würde niemals wiederkommen. Es waren nur meine tiefverborgenen Ängste, die sich durch meine Träume Gehör verschaffen wollten. Edward würde sein Leben mit mir teilen und irgendwann hätte ich mehr mit ihm gemeinsam, als Tanya in ihrer so begrenzten Zeit mit ihm. Ich musste nur seine Erinnerungen mit neuen aufstocken. Irgendwann würde Tanya nur noch ein Schatten sein, der mich möglicherweise bis an mein Lebensende begleiten würde, aber mir nicht mehr gefährlich werden konnte. Der größte Schritt war getan, der Rest erforderte einfach Geduld und viel Liebe. Edward Cullen würde mir eines Tages sagen, dass er mich liebte. Dies schwor ich mir hoch und heilig.

Am nächsten Tag, ging es mir wieder einigermaßen gut. Ich verdrängte erfolgreich den Traum, der mir so zusetzte und machte ein reichhaltiges Frühstück. Während ich den Tisch in der Küche deckte und Danny im Wohnzimmer malte, sah ich aus dem Fenster. Es war bitterkalt und Eisblumen zierten die Fensterscheiben. Lustige Schneeflocken wirbelten in der Luft umher, fröhlich tanzend auf dem Weg nach unten, um sich auf die dichte Schneedecke der Straße zu legen. In der Wohnung selbst war es mollig warm und die ganze Atmosphäre hatte etwas Heimeliges. Aufgeregt dachte ich daran, dass Edward gleich kommen würde, um an unserem Frühstück teilzunehmen. Es klingelte und ich sah, wie Danny aufsprang.

„Ich mache auf, Mum!“, schrie er fröhlich und stürzte zur Tür. Ich konnte ihn nicht mehr sehen, hörte aber gleich darauf Dannys Stimme im Flur.

„Du musst die Schuhe ausziehen, wenn sie nass sind, sonst kriegst du Motze.“

Ich hörte Edward lachen und mein Herz fing vor Freude an zu hüpfen. Wenn das so weiterging, würde ich demnächst einen Kardiologen aufsuchen müssen. Die zwei Männer in meinem Leben betraten zusammen die Küche und lächelten mich an.

„Guten Morgen, Sweety!“, flüsterte er mir zu und küsste mich sachte auf den Mund. Seine Nase rieb über meine Wange und ich kicherte.

„Du bist eiskalt!“, rief ich.

Er grinste.

„Wir haben acht Grad unter null.“

Seine grünen Augen funkelten, seine Wangen waren von der Kälte leicht gerötet und das bronzene Haar, war wie immer leicht durcheinander. Edward Cullen sah heute Morgen atemberaubend gut aus! Vergessen war mein Traum und meine Ängste. Er gehörte jetzt zu mir!

„Setz dich doch! Ich hoffe du magst Eier und Speck.“

Er machte es sich bequem und begann eine lockere Unterhaltung mit Danny, der voll darauf einging. Edward hatte eine natürliche Art und Weise mit ihm umzugehen. Er wirkte nicht krampfhaft bemüht, ihm zu gefallen, sondern hörte ihm einfach aufmerksam zu, wenn er sprach, nahm seine Worte ernst und antwortete dementsprechend. Mein Sohn schien es jedenfalls zu mögen. Er war ganz unbefangen in seiner Gegenwart, stellte Edward viele Fragen und als sie feststellten, dass sie beide große Baseballfans waren, war das letzte Eis gebrochen. Der Speck brutzelte in der Pfanne und die zwei nahmen die letzten Spiele der „Seattle Mariners“ auseinander, die ihre Heimspiele im „Safeco Field“  http://de.wikipedia.org/wiki/SAFECO_Field bestritten. Alex“A-Rod“ Rodrigez, ein Spieler der bei den Mariners groß wurde, war das Idol meines Sohnes und er flippte fast aus, als er erfuhr, dass Edward ihn persönlich kannte.

„Hör mal, demnächst ist wieder ein Spiel“, sagte Edward lächelnd, „Vielleicht können wir deine Mom dazu überreden mitzukommen.“

Innerlich stöhnte ich. Ich hasste Baseball und konnte mit diesem Sport, gar nichts anfangen.

„Mom, ist nicht gerade eine Sportskanone“, versetzte Danny prompt.

Edwards Augen verdunkelten sich, als er mich ansah.

„Oh das würde ich so nicht sagen. Mit der richtigen Anleitung könnte selbst deine Mutter, die tollsten gymnastischen Verrenkungen machen“, hauchte er zweideutig und mir wurde eindeutig zu warm in meinem cremefarbenen Rollkragen.

„Wir sollten jetzt essen, sonst wird noch alles kalt“, hauchte ich schwach und setzte mich mit wackligen Knien zu den beiden an den Tisch.


Später schlüpften wir in unsere Mäntel und machten uns auf den Weg zu seinen Eltern. Er war nicht wie sonst, mit einem Sportwagen unterwegs, sondern mit einem stinknormalen Volvo. Verblüfft sah ich ihn an und bemerkte noch einen Kindersitz auf der Rückbank.

„Wo hast du das denn so schnell her?“, fragte ich mehr als erstaunt.

Er grinste etwas verlegen.

„Der Wagen gehört meinem Dad und den Sitz habe ich heute Morgen noch besorgt.“

„Das ist wirklich sehr aufmerksam von dir“, flüsterte ich schwer beeindruckt, doch er scheuchte mich ins Auto. Die Fahrt zu seinen Eltern verlief ruhig. Danny war immer noch ein wenig müde und schlief schon wieder, was man von mir nicht behaupten konnte. Ich trug zu meinem Pullover einen braunen Wildlederrock mit den passenden Stiefeln. Dieser Aufzug ermöglichte es ihm, seine Hand vorwitzig darunter zu schieben, um mein bestrumpftes Bein zu streicheln. Edward mochte sich gerade verhalten wie ein Engel, aber in ihm steckte noch immer der Teufel. Erregung machte sich in mir breit, was äußerst frustrierend war, da wir hier gar nichts tun konnten. Nicht in einem fahrenden Auto, mit einem schlafenden Kind darin. Trotzdem genoss ich seine Streicheleinheiten und wehrte mich nicht, als er höher rutschte. Doch als sich seine Hand auf die Naht meiner Strumpfhose legte, schnappten meine Schenkel zu und ich hielt seine Hand gefangen, damit sie sich nicht mehr bewegen konnte.

„Lass das, Edward. Ich bitte dich!“, flehte ich, „Du machst mich noch wahnsinnig.“

Sein Blick war heiß, seine Mimik herausfordernd und er leckte sich vorfreudig die Lippen.

„Sobald es möglich ist, nehm ich dich mit zu mir und zeige dir meinen Whirlpool. Dann wirst du die Bedeutung des Wortes Wahnsinn erst richtig kennenlernen, Sweety.“

Ich konnte ihm nicht antworten und entließ langsam seine Hand aus meiner Umklammerung. Er zeigte Erbarmen mit mir und legte sie wieder ans Lenkrad, um in eine langgezogene Straße abzubiegen, die geradewegs zu einem riesigen Anwesen führte. Das war also sein Elternhaus, dachte ich voller Erstaunen. Das war kein Haus, sondern ein verdammtes Schloss. http://www.mbi-mh.de/MBI-Arbeit/Presse/Presse_alt/Hist__Villen_etc/Thyssen_Villa/Thyssen-Villa.JPG

Es war einem englischen Herrenhaus nachempfunden und strahlte ruhige Eleganz aus. Edward parkte den Wagen direkt an der Seite des Eingangs. Ich stieg zitternd aus und weckte Danny, der sich verschlafen die Augen rieb. Er führte uns zur Türe, die sogleich aufgerissen wurde. Ein Butler! Die hatten doch allen Ernstes einen Butler! Mir wurde schlecht, als mir klar wurde, in was für Kreise ich da einheiraten würde. Wie sollte ich mich jemals anpassen können? Isabella Marie Swan, war nur ein einfaches Mädchen aus Forks, ohne nennenswerten Stammbaum und noch dazu Mutter eines unehelichen Kindes. Würden sie mich tatsächlich akzeptieren?

„Hey, beruhige dich“, flüsterte Edward und nahm beruhigend meine Hand, „Sie werden dich nicht fressen. Trotz dem ganzen Drumherum, geht es bei uns recht locker zu. Relax Sweety, es ist alles okay!“

Mit einem tiefen Atemzug betrat ich mit Danny an der Hand, das Haus meiner zukünftigen Schwiegereltern.

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