Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 40 - Schwiegermütter und Geheimnisse

Der nächste Morgen begann wie so viele andere auch in meinem Leben. Nur mit einem Unterschied! Ich war nicht mehr allein. Edward lag neben mir und schlief tief und fest. Seine Bitte ihn zum Grab von Tanya zu begleiten, hatte mich völlig aus dem Konzept gebracht. Mit allem hatte ich gerechnet, doch nicht mit einem so gewaltigen Schritt. Dass er mir nicht sagte, dass er mich liebte, tat zwar immer noch weh, doch es wurde mit jedem Tag erträglicher. Ich musste mich gedulden, ihn nicht drängen und auf den Tag warten, an dem er in der Lage war, mir diese drei kleinen Worte zu sagen. Sein Herz hatte noch nicht endgültig Abschied genommen von seiner ersten Liebe. Bevor er sich nicht auch innerlich von Tanya löste, würde ich diesen Satz nicht zu hören bekommen.

Er war dankbar für meine Einwilligung, ihn bei diesem Gang zur Seite zu stehen. In diesem Moment war nichts mehr übrig von dem eiskalten, berechnenden Mann, als den ich ihn kennenlernte. Edward war einfach nur eine gepeinigte Seele, die sich davor fürchtete wieder tiefe Gefühle für eine Frau zuzulassen. Doch sie waren da, unleugbar und nicht mehr wegzudenken. Allein dieses Wissen gab mir die Kraft weiterzumachen, auszuharren, in meiner Warteposition als Geliebte, Freundin und zukünftige Ehefrau. Denn das alles wollte ich für ihn sein! Ich ließ Edward spüren, wie wichtig er mittlerweile für mich war, wie stark meine Liebe in dieser so kurzen Zeit angewachsen war. Früher glaubte ich immer, es würde Jahre dauern, bis man das Gefühl hatte, ohne einen bestimmten Menschen nicht mehr leben zu können.

Doch ich täuschte mich. Natürlich würde ich mein Leben auch ohne ihn meistern können, aber es wäre nicht so erfüllt und vollkommen. Das wurde es erst durch ihn. Es berührte jedoch nicht mein Glück als Mutter. Danny würde mein Dasein immer lebenswert machen. Es ging vielmehr um mich als Frau. Bisher trennte ich immer strikt diese zwei Persönlichkeiten in mir. Es half mir dabei, auch ohne Mann den Alltag zu überstehen und keine starken Arme zu haben, in die ich mich nach einem harten Tag flüchten konnte. So könnte es auch weiterhin funktionieren, doch das wollte ich nicht mehr. Ich wollte dieses Kribbeln, das er nur mit einem Blick in mir auslöste. Ich wollte seine Nähe, sein Lachen, seine Arroganz uns sein versnobtes Getue. Jeder Charakterzug an ihm, zog mich an. Die Schlechten genauso wie die Guten. Alles an Edward war reizvoll für mich und ich mochte ihn nicht ändern.

Manchmal fragte ich mich, ob ich mich in den Edward von damals verliebt hätte, als er noch „nett“ war. Er war zu dieser Zeit fast noch ein Kind, stand noch an der Schwelle zum Mann sein. War nicht auch seine Liebe zu Tanya ähnlich? Mehr eine schwärmerische Verehrung für ein Mädchen, das so anders war, als all die anderen, die er kannte. Edward hatte nie die Gelegenheit sie wirklich kennenzulernen. Wer wusste schon, wie sich die Beziehung der zwei entwickelt hätte. Mein Edward war ein erwachsener Mann und wusste, in der Regel, was er wollte. Seine momentane Verwirrtheit war eine Folge von jahrelanger Trauer. Wie konnte ich da erwarten, dass er sie in so kurzer Zeit abstreifte, wie eine zu eng gewordene Haut.

Ich sah auf sein schlafendes Gesicht neben mir. Sein Atem ging weiterhin ruhig und gleichmäßig und ich beschloss ihn nicht zu wecken. Leise stand ich auf, ging in das Badezimmer und stellte mich unter die Dusche. Dass er bei mir übernachtete war eigentlich nicht geplant. Wir holten Daniel nach der Schule ab und verbrachten den restlichen Nachmittag, sowie den Abend gemeinsam. Es war ein wenig merkwürdig, plötzlich ein männliches Wesen bei uns zu wissen, doch gerade mein Sohn akzeptierte es ohne große Fragen. Er spürte, dass ich glücklich war und dieses Glück schien sich auch auf ihn zu übertragen. Mit Vorsicht beobachtete ich die langsame Annäherung der beiden, immer noch ein wenig skeptisch, ob Edward der Verantwortung für ein Kind wirklich gewachsen war.

Während ich unter dem warmen Wasserstrahl stand, griff ich nach dem Shampoo und ließ eine walnussgroße Portion auf meine Handfläche laufen. Der Duft von Erdbeeren erfüllte die Duschkabine und der Schaum lief mir in das Ohr. Für einen kurzen Moment war ich taub, weil ich den Kopf unter den Strahl hielt und nicht hörte, wie sich die Kabine hinter mir öffnete. Erst die feste Berührung von starken Männerhänden auf meiner nassen, glitschigen Haut ließ mich vor Schreck herumfahren. Edward stand mit einem, frechen Grinsen hinter mir, nackt wie ihn Gott schuf und verschlug mir den Atem. Es war unglaublich wie gut er aussah! Wie konnte so ein Gottgleiches Wesen sich mit Jemandem wie mir abgeben?

„Ich bin aufgewacht und du warst nicht bei mir!“, hauchte er und zog mich eng an seinen Körper. „Du solltest doch langsam wissen, dass ich sowas als Herausforderung ansehe. Ist dir eine warme Dusche lieber, als meine Gesellschaft?“

Ich schluckte.

„Du hast so friedlich geschlafen, da wollte ich dich nicht wecken.“

Das Wasser prasselte unaufhaltsam auf uns nieder, genauso unaufhaltsam wie sein Kuss, der gleich nach meinen Worten folgte. Unsere Arme schlangen sich um den Körper des anderen, unsere Münder verschmolzen und begannen ein erotisches Spiel.

„Ich finde, ich sollte mir ein Beispiel an deiner Sparsamkeit nehmen und immer mit dir duschen“, wisperte er in mein Ohr, „ Was glaubst du, wie sehr wir dadurch unsere Wasserkosten senken können.“

Ich musste lachen.

„Ja, auch die Umwelt wird es uns danken“, neckte ich ihn atemlos, „Es ist wirklich bemerkenswert, wie vorausschauend du handelst.“

Eine Antwort bekam ich nicht, zu sehr war er damit beschäftigt, mit seinen Händen die Konturen meines Körpers nachzufahren, sich mit jeder Linie und jeder Erhebung vertraut zu machen.

„Edward!“, stöhnte ich, „Wir müssen aufhören. Danny wacht um diese Zeit immer auf. Es ist schon ein großer Schritt für mich, dich hier übernachten zu lassen, aber ich will keinesfalls, dass er uns bei irgendeiner Fummelei erwischt.“

„Fummelei?“, fragte er lachend. Das Wort amüsierte ihn wohl.

„Wie würdest du es denn nennen?“, wollte ich wissen und ging ein wenig auf Abstand. „Sex haben wir ja nicht!“, schmollte ich.

Jetzt lachte er aus vollem Hals.

„Daher weht also der Wind. Du bist eingeschnappt, weil ich nicht mit dir schlafe.“

„Ich bin nicht eingeschnappt!“, schoss ich zurück, jetzt doch ein wenig sauer. Wollte er mir etwa unterstellen, ich sei nymphoman?

„Oh doch, mein Liebes, das bist du!“, grinste er.

„Sag doch gleich, dass du mich nicht attraktiv genug findest. Warum sonst hältst du dich zurück? Das ist doch nicht normal.“

„Warum suchst du wieder Streit, Bella!“, sagte er böse und funkelte mich an.

Plötzlich wurde mir die Absurdität der Situation bewusst. Wir standen gemeinsam in meiner winzigen Dusche und keiften uns an! Meine Mundwinkel fingen an zu zucken, bis ich nicht mehr konnte und ich in haltloses Gelächter ausbrach. Er sah mich an, als sei ich nicht ganz bei Trost, doch als ich mich an seinem Arm festhalten musste, weil ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, war es auch um ihn geschehen. Unser Gelächter wurde durch die Kabine und das hinab rieselnde Wasser gedämpft.

„Wir sind schon völlig übergeschnappt!“, japste er.

„Es….es….tut…tut mir leid!“, keuchte ich noch immer kichernd, „Irgendwie ist es gerade mit mir durchgegangen.“

„Ich glaube, wir sollten aus der Dusche steigen und uns abtrocknen, bevor dein Sohn uns noch beim „Wassersparen“ erwischt.“

Immer noch kichernd und mit einem breiten Grinsen, schob ich die Glastür zur Seite und trat hinaus. Er schnappte sich ein großes Handtuch von der Kommode und wickelte mich komplett darin ein. Danach holte er sich selbst eines und fing an seinen Körper trockenzureiben. Verzückt beobachtete ich seine festen, zielstrebigen Bewegungen, genoss sein Muskelspiel, als er nach und nach seine Haut trockenlegte. Ich vergaß völlig auf mich selbst zu achten, bis seine samtene Stimme mich wieder in die Wirklichkeit holte.

„Erde an Bella!“, seine Hand schwang vor meinem Gesicht hin und her, „Ich weiß ja, wie unwiderstehlich ich bin, aber dass du gleich so weggetreten bist, ist trotzdem sehr schmeichelhaft für mich.“

„Pah! Ich habe nur an das Treffen mit deiner Mutter gedacht!“, flunkerte ich.

„Ja, klar!“ Er trug ein Grinsen zur Schau, so breit wie der Nil. Knallrot sammelte ich meine Unterwäsche ein und verzog mich ins Schlafzimmer. Danny war noch immer nicht wach, sein Gepolter morgens war nie zu überhören, also beeilte ich mich mit dem anziehen. Eine schwarze Hose und ein weinroter Pullover mussten für heute genügen. Tatsächlich war ich sehr aufgeregt vor meinem ersten Treffen mit Esme. Bisher waren immer andere Personen zugegen, wenn wir miteinander sprachen, doch heute wären wir das erste Mal allein. Ob sie mich wirklich als Edwards neue Frau akzeptierte? Wie stand sie zu dem Thema Tanya? Vielleicht würde ich ja heute noch ein paar Antworten bekommen. Dinge, die Edward mir nicht sagen konnte.

Er trat ebenfalls ins Schlafzimmer, zog sich ebenso rasch an wie ich und sah auf die Uhr.

„Scheiße!“, fluchte er, „Ich bin schon viel zu spät dran. Das Frühstück fällt für mich leider aus.“

„Sehen wir uns heute noch?“, fragte ich ein bisschen schüchtern. Noch immer konnte ich kaum glauben, dass wir jetzt sowas wie eine Beziehung führten.

Er küsste mich flüchtig und nickte.
„Ich rufe dich an, sobald ich fertig bin. Grüß meine Mutter von mir und lass dich nicht von ihr überrollen. Sonst hast du am Ende halb Seattle auf der Gästeliste.“

„Ich wird mir Mühe geben!“, scherzte ich. Er drückte seine Lippen kurz, aber leidenschaftlich auf meinen Mund und ging.

„Grüß Danny von mir!“, sagte er noch im Weggehen und schon stand ich allein in meinem Schlafzimmer. Ohne ihn wirkte es plötzlich so leer. Seufzend ging ich in den Flur und öffnete die Zimmertüre meines Sohnes. Es wurde Zeit ihn zu wecken.



Gegen ein Uhr mittags dröhnte mir der Schädel. Ich war einige Tage nicht im Diner gewesen und die Arbeit auf dem Schreibtisch stapelte sich. Ich legte die Hand an meinen Nacken und rieb darüber, um meine schmerzenden Muskeln zu massieren. Esme würde bald kommen und ich sehnte eine Pause herbei. So ließ ich Buchhaltung, Buchhaltung sein und stand auf. Der Stuhl machte ein scharrendes Geräusch als die Füße über den Boden rutschten. Bevor ich jedoch auch nur einen Schritt tun konnte, klopfte es an die Bürotüre.

„Herein!“, rief ich automatisch.

Die Türe öffnete sich und Esmes karamellfarbener Haarschopf kam zum Vorschein, als sie den Kopf durch den Spalt schob.

„Ah, Bella!“, sagte sie erfreut, „Rosalie sagte mir, dass ich dich hier finde.“

„Komm doch rein!“, bat ich sie freundlich. Mein Herzklopfen bei ihrem Anblick wurde weniger, weil sie mich so überaus freundlich ansprach. Sie folgte meiner Aufforderung, trat herein und stand etwas unschlüssig mitten im Raum.

„Setz dich doch!“, empfahl ich ihr und deutete auf das kleine, blaue Sofa, das an der Wand stand. Sie tat wie geheißen und schaute mich neugierig an.

„Hier arbeitest du also?“

Nickend setzte ich mich zu ihr. Ob sie Hunger hatte? Irgendwie widerstrebte mir die Vorstellung, mich mit meiner zukünftigen Schwiegermutter im überfüllten Diner zu unterhalten. Der Essensgeruch und die lärmenden Teenager, die zu dieser Stunde immer anwesend waren, trugen nicht unbedingt zu einer angenehmen Gesprächsatmosphäre bei.

„Ja, allerdings noch nicht sehr lange. Bevor Edward mir den Posten als Geschäftsführung hier gab, habe ich genau wie Rose und Alice im Service gearbeitet.“

„Ich bin sicher, dass du den Job hier gut machst. Edward ist zu sehr Geschäftsmann geworden, um etwas in seinem Besitz an einen Dilettanten zu übergeben.“

„Geworden?“, hakte ich nach.

Sie lächelte ironisch.

„Bella!“, meinte sie leicht tadelnd, aber mit einem warmen Funkeln in den Augen, „Wir wissen doch beide, dass mein Sohn bis vor ein paar Monaten, alles andere als ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft war. Ich liebte ihn nicht weniger deswegen, aber er hat definitiv zu viel Zeit mit Frauen, Spielen und teuren Hobbies verbracht. Daher bin ich umso glücklicher, dass er durch die Bekanntschaft mit dir, wieder auf den rechten Weg zurückgefunden hat.“

Errötend senkte ich den Blick.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur an mir lag. Wahrscheinlich hatte er dieses Leben einfach satt.“

Esme legte ihre perfekt manikürte Hand auf meine.

„Du bist zu bescheiden!“, sagte sie sehr leise. „Es liegt an dir und nur an dir. Das weiß ich jetzt. Anfangs glaubte ich, es sei noch Jessicas Verdienst, doch jetzt ist mir klar, was los ist.“

Braune Augen blickten in Grüne. Edward sah seiner Mutter wirklich sehr ähnlich. Die Form und die Farbe der Augen waren beinahe identisch.

„Mir tut die Art und Weise leid, wie unser erstes Zusammentreffen stattfand“, flüsterte ich beschämt.

Ein leises Lachen, ließ mich aufhorchen.

„Mach dir deswegen keine Gedanken mehr. Ich gebe ja offen zu, dass ich schockiert war. Ich wusste bis dato ja nichts von deiner Existenz, aber was mich angeht, fand unser erstes Treffen im Cullen-Anwesen statt. Belassen wir es doch dabei und reden nicht mehr über diese Sache. Einverstanden?“

„Einverstanden!“, rief ich erleichtert.

„So!“, meinte Esme dann aufgeräumt, „Jetzt widmen wir uns doch dem eigentlichen Grund für unser Treffen. Wir müssen eine Verlobung planen. Was hast du dir denn so vorgestellt?“

Verblüfft sah ich sie an, so verblüfft, dass sie anfing zu kichern wie ein junges Mädchen.

„Ich sehe schon! Edward hat dir bestimmt erzählt, ich sei ein Schwiegermonster, das alles an sich reißt. Aber ich schwöre dir, ich werde mich zurückhalten. Du bist sehr ruhig und scheu, scheint mir. Ich kann mir vorstellen, dass dich die Vorstellung einer riesigen, pompösen Feier zu Tode erschreckt. Wenn es dir also lieber ist, halten wir die Verlobung in einem etwas kleineren Rahmen. Aber eines sag ich dir“, drohte sie scherzend mit dem Zeigefinger, „ bei der Hochzeit kommst du mir nicht so einfach davon. Das wird das rauschendste Fest, das Seattle jemals gesehen hat. Jessica Stanley wird platzen vor Wut.“

„Magst du sie nicht?“, wollte ich wissen. Der Gedanke kam mir bisher gar nicht.

Esmes Gesicht verfinsterte sich schlagartig.

„Nicht mögen, trifft es nicht annähernd. Ich weiß, nach meiner ersten Reaktion auf dem Standesamt, hätte man den Eindruck gewinnen können, dass es nicht so sei. Glaube mir, Bella, ich kann dieses Weibsstück nicht ausstehen. Sowas dummes, eingebildetes und geldgieriges ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen. Und dann noch ihre Mutter!“, fauchte sie angewidert, „Diese Person ist intrigant und zu allem fähig. Es wundert mich, dass du noch nicht mit Betonklötzen an den Füßen, im tiefsten Wasser des Hafens liegst.“

Mich schauderte. Ich sah Jessicas Mutter noch nie. Mir reichte schon die kurze Bekanntschaft mit ihrer Tochter.

„Ich werde nie nachvollziehen können, was Edward dazu brachte, sich ausgerechnet mit ihr zu verloben. Aber lassen wir das Thema. Dank dir ist es ja vom Tisch.“

„Vielleicht wollte er nach Tanya niemanden mehr, der sein Herz berührte!“

Esmes Blick wurde bei der Erwähnung von Tanyas Namen sehr merkwürdig. Es war das erste Mal, dass jemand nicht in Verzückung geriet, wenn man über sie sprach. Das wunderte mich jetzt schon ein wenig.

„Tanya ist Vergangenheit!“, sagte sie spröde, was mich nur noch stutziger machte.

Schnell sah sie weg, als ich ihr forschend ins Gesicht blickte. Offensichtlich war ihr das Thema Tanya unangenehm. Aber warum? Jeder, wirklich ausnahmslos jeder, hatte in den höchsten Tönen von ihr geschwärmt. Esme hingegen schien fast so, als würde ihr allein die Nennung ihres Namens Krämpfe verursachen.

„War was mit Tanya? Du scheinst nicht so begeistert von ihr zu sein, wie der Rest der Welt.“

„Ich weiß nicht was du meinst, Bella!“, Ihr Ton war ungewohnt scharf, „Es bringt nur nichts in der Vergangenheit zu graben. Schau in die Zukunft und vergiss sie einfach. Sie hat nichts mehr mit dir und Edward zu tun. Ich weiß, dass es leichter gesagt, als getan ist. Mir ist durchaus bewusst, dass Edward noch an ihr hängt. Doch du wirst sie aus seinem Herzen und aus seinen Erinnerungen verdrängen, da bin ich mir sicher.“

Ihr absolutes Vertrauen, dass ich es tatsächlich schaffen konnte Tanya tatsächlich „sterben“ zu lassen, war sehr schmeichelhaft für mich. Sie kannte ihren Sohn besser als jede andere. Wenn sie daran glaubte, dass ich Edwards Liebe endgültig gewinnen konnte, dann war es auch möglich. Trotzdem nagte die Neugier in mir. Was war zwischen ihr und Esme vorgefallen, dass sie so gar nicht über sie reden wollte?

„Wenn du nicht darüber reden möchtest, dann akzeptiere ich das natürlich. Hast du Hunger? Du hast bei unserem Telefongespräch erwähnt, dass du schon ewig keinen Burger gegessen hast?“

Sie wirkte erleichtert, dass ich das Thema wechselte. Sie bejahte die Frage und wir machten uns gemeinsam auf ins Diner, um die grobe Planung der Feier in Angriff zu nehmen und etwas zu essen.


Später in der Nacht lag ich in meinem Bett und versuchte Schlaf zu finden. Es war gerade mal nach zehn, doch ich war hundemüde. Edward sah ich an diesem Tag nicht mehr. Seine Geschäftstermine nahmen in voll in Beschlag und er würde heute bei sich übernachten. Er wollte Danny und mich nicht wecken, wenn er spätnachts von seinem Termin kam. So lag ich also wieder allein zwischen meinen Kissen und vermisste ihn die ganze Zeit fürchterlich.

Es war schrecklich, wie abhängig ich in der Zwischenzeit von ihm geworden war! Alles war fade und langweilig! Nur Danny konnte mir Freude schenken, doch nachdem der in seinem Bett lag, saß ich allein im Wohnzimmer und sah mir irgendwelchen sinnlosen Blödsinn im Fernsehen an.

Bibi war auch nicht da. Sie besuchte derzeit einen Spanischkurs, weil sie sich in den Kopf gesetzt hatte, mit Anfang sechzig noch diese Sprache zu erlernen. Überhaupt musste ich mal mit ihr reden und etwas mit ihr unternehmen. Ich wollte nicht, dass sie den Eindruck gewann, dass sie jetzt überflüssig sei. Jetzt, wo ich Edward heiraten würde und kein Unterbringungsproblem mit Danny mehr hatte. Sie war mir furchtbar wichtig und ich wollte unbedingt, dass sie ein Teil meiner Familie blieb.

So lümmelte ich also rum und beschloss irgendwann schlafen zu gehen. Ich wälzte mich hin und her, als ich Edwards T-Shirt sah, das über dem Stuhl hing. Ich schnappte mir sofort besagtes Kleidungsstück und vergrub meine Nase darin. Es roch total nach ihm! Nach wenigen Minuten beruhigte mich sein Geruch so sehr, dass ich einschlief.


Ich musste wohl wieder träumen, denn ich befand mich in einem mir gänzlich unbekannten Raum. Alles hier war weiß, so gleißend, dass es in den Augen schmerzte. Keinerlei Möbelstücke befanden sich im Zimmer, bis auf das große Himmelbett, welches sich in der Mitte befand. Langsam lief ich darauf zu, doch egal wie viele Schritte ich auch tat, es kam einfach nicht näher. Jetzt erst sah ich die drei Personen die sich darauf räkelten. Der Mann hatte wunderschönes, bronzefarbenes Haar.

Es war Edward und er war nackt. Sein Adoniskörper schob sich langsam über den einer Brünetten, deren Gesicht ich nicht erkennen konnte. Ich versuchte schon wieder näher zu kommen und diesmal gelang es mir. Die Frau, die gerade leidenschaftlich von ihm liebkost wurde, war ich selbst. Fasziniert sah ich zu, wie seine geschickten Hände über meinen Körper glitten. Fast schon anbetend küsste er jeden Zentimeter.

Dann wandte ich meinen Blick auf die Frau, die scheinbar unbeteiligt daneben saß. Sie streckte die Hand aus, berührte seine Schulter und er ließ von mir ab. Edward drehte sich zu der Frau mit dem langen, rotblonden Haar um.

„Tanya!“, flüsterte er anbetend. Er vergaß mich und streckte sehnsüchtig die Arme nach ihr aus.

Ich stand quasi als Geist daneben, sah zu, wie er mich wieder für SIE verließ.

„Nein! Edward, bitte! Tu das nicht!“, schrie ich verzweifelt. Ich versuchte ans Bett zu gelangen, doch es entfernte sich immer mehr von mir. Ihr triumphierendes Gelächter wurde immer leiser und mit einem Ruck erwachte ich.

Schweißgebadet saß ich da, der Herzschlag rasend und fragte mich, was diese Träume über Tanya zu bedeuten hatten.

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