Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 9 - Blamage

Wir waren nur noch Zentimeter voneinander entfernt und ich musste meinen Kopf in den Nacken legen, um ihm in die Augen sehen zu können.
Ein wissendes Lächeln umspielte seine warmen, vollen Lippen. Jetzt, da ich wusste, wie sie sich anfühlten, war es noch schwerer ihm zu widerstehen. Doch ich würde mir lieber meine rechte Hand abhacken, als ihm nochmals nachzugeben.
Er wollte also spielen? Fein, dann wollte ich das auch.

Er lehnte am Holz der Türe und legte leicht seine Hände an meine Taille.

„Ich dachte, du magst böse Mädchen“, flüsterte ich heißer und stieß ein sanftes Lachen aus.

Sein Grinsen wurde so breit wie der Nil und er zog mich näher.

„Oh ja, ich liebe sie.“, stieß er hervor und biss sich auf die Lippe.

Er begann sacht mit einer Fingerkuppe den Spalt zwischen meinen Brüsten zu streicheln. Zärtlich fuhr er immer wieder über die seidige, warme Haut und obwohl ich mich dagegen wehrte, erregte mich die Situation gnadenlos.
Doch ich war noch immer Herr meiner Sinne, dieses Mal würde er mich nicht überrumpeln.

„Ich wusste, du kannst mir nicht widerstehen“, sagte er arrogant,  während er unablässig meine Haut liebkoste.

Er war hart wie Stein, das konnte ich deutlich an meinem Bauch spüren.

Wunderbar, freute ich mich, das würde meinen Plan viel einfacher machen.

Mit einer Hand griff ich an die Türklinke, vorsichtig, damit er es nicht bemerkte und wappnete mich innerlich für den nächsten Satz.

„Deine Hand fühlt sich gut an, Cullen.“

„Tja, was soll ich sagen, Herzchen. Ich habe eben das Talent, mir alle Frauen gefügig zu machen. Es freut mich, dass es mit dir nicht anders ist“, schloss er überheblich.

Ich drückte mich noch näher an ihn heran, drehte leise den Schlüssel herum und dankte Lou im Stillen dafür, dass er erst vor kurzem die Scharniere und das Türschloss geölt hatte.

„Ja. Du bist einfach zu heiß, Cullen “, erwiderte ich leise.

Zumindest das war nicht gelogen. Man konnte über ihn sagen, was immer man wollte, doch mangelnden Sexappeal durfte man ihm wahrhaftig nicht vorwerfen. Schade, dass er die Manieren eines Straßenköters hatte!
Ein kehliges Lachen war seine Antwort und seine Hand legte sich fest und warm über meinen Po. Für diesen schien er eine ausgeprägte Vorliebe zu besitzen, denn es legte sich ein verzücktes Lächeln über seine Züge, während er die Rundung streichelte.

Ich musste mich arg zusammennehmen, um ihm nicht augenblicklich an die Tür zu pressen und ihn besinnungslos zu küssen.
Himmel,  er hatte aber auch wirklich ungemein geschickte Hände.

„Komm“, befahl ich leise und zog ihn an den Händen zum Stuhl, “ setz dich!“

Er folgte mir widerstandslos und ich konnte ihm an der Nasespitze ansehen, dass er von seinem Sieg über mich völlig überzeugt war.
Na warte, dir werd ich es zeigen!

Sanft drückte ich ihn auf den Stuhl und blieb selbst vor ihm stehen. Mit leicht gespreizten Beinen saß er dort und ein hungriges Grinsen zierte sein hübsches Gesicht.

„Was hast du jetzt mit mir vor, Liebes“, raunte er mir zu, “ wirst du jetzt ein richtig böses Mädchen sein?“

Mir brannten fast die Sicherungen durch. Böses Mädchen, pah. Das hätte er wohl gerne. Ich würde ihm eine Lektion erteilen, die er im Leben nie wieder vergessen würde. Über die Konsequenzen meiner Handlungen, konnte ich mir später noch Gedanken machen. Selbst meine eigene Erregung hatte einen Dämpfer bekommen, da Cullen vor Selbstgefälligkeit nur so triefte und das machte mich  unglaublich wütend.

„Wie böse hättest du mich denn gern?“, wisperte ich lasziv und nestelte verspielt an den Knöpfen meiner Uniform.

Das heizte ihm mächtig ein, denn jetzt konnte er ein erregtes Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Er streckte die Hand nach mir aus.

„Komm endlich zu mir, Bella. Ich kann nicht länger auf dich warten. Ich. Will. Dich.“, sagte er mit solch einer Intensität, dass auch mich die Leidenschaft wieder packte.

Ich fing an, in Gedanken, das ABC rückwärts aufzusagen und setze mich mit gespreizten Beinen auf seinen Schoß.  Ich konnte ihn direkt fühlen….

E, D, C, B………

Ich öffnete seinen Gürtel mit einem geschickten Handgriff und zog ihn aus der Hose. Er packte meinen Kopf und küsste mich zügellos, als ich  quälend langsam seinen Reißverschluß aufzog.

Jetzt rezitierte ich im Geiste alte Gedichte, um mich nicht völlig in seinem Kuss zu verlieren. Trotzdem konnte ich nicht umhin, ihn zu erwidern und ohne es geplant zu haben, fing ich an, mich auf ihm zu bewegen. Seine Zunge in meinem Mund trieb mich schier in den Wahnsinn, jedes Vordringen erregte mich mehr, als das Vorherige.

„Du machst mich so unglaublich an, Liebes. Ich werde dich in  den Himmel schicken und du wirst mir auf Knien dafür danken“, stöhnte er in mein Ohr und fuhr mit beiden Händen meine nackten Oberschenkel entlang.

Ich unterdrückte selbst ein Stöhnen und beglückwünschte mich dafür, dass er einfach nicht im richtigen Moment die Klappe halten konnte. Sonst wäre ich ihm wahrscheinlich tatsächlich erlegen! Was er mit seinen Händen und seinem Mund anstellte, war einfach zu gut um wahr zu sein und gerade, weil ich solange keinen Mann mehr hatte, trieb er mich mit seinen Zärtlichkeiten an den Abgrund.


Ich entzog mich seinem Kuss. Seine Lippen schimmerten feucht und unwillkürlich fuhr ich zärtlich mit dem Daumen über die Stelle. Er öffnete leicht den Mund, als ich sanft darüber rieb. Er genoss diese Berührung sichtlich und schloss die Lider. Jetzt konnte ich ungeniert sein wunderschönes Gesicht betrachten. Mit geschlossenen Augen und entspanntem Gesicht wirkte er fast unschuldig, so rein waren seine blassen Züge. Sein bronzefarbenes Haar bildete genau den richtigen Kontrast zu seiner Haut und ließ die dunkelgrünen Augen wie Smaragde leuchten.
Wenn er doch nur…..

Ich blockte alle zärtlichen Gedanken ab, die mir plötzlich in den Sinn kamen. Er war ein Raubtier in menschlicher Gestalt und sobald er seine Beute hatte, in diesem Fall mich, würde er die nächste Jagd beginnen. Der einzige Grund, warum er mir dermaßen verbissen nachstellte, war meine Weigerung mit ihm zu schlafen. Sobald ich nachgab, wäre der Reiz für ihn verflogen und ich wieder eine von vielen.

Das musste ich unbedingt verhindern. Ich begann jetzt schon Gefühle für ihn zu entwickeln, die ich nicht verstand und die aufgrund seines Verhaltens auch nicht nachvollziehbar waren. Ich würde  mit Sicherheit nicht unbeschadet aus einer Affäre hervorgehen. Es reichte, dass Jake mich tief verletzt hatte. Edward Cullen würde mich restlos zerstören, wenn er mich satt hatte und ich musste mich davor schützen.

Ich hörte auf, sein Gesicht zu streicheln und er öffnete augenblicklich seine Augen. Jeder versank im Blick des anderen und für kurze Zeit sah ich etwas in seinen Augen, das ich nicht deuten konnte.
Verwirrung, Angst…. Ich wusste es nicht.

Es war vorbei, bevor ich näher darauf eingehen konnte und sein Ausdruck wich wieder purer Lust.

Langsam erhob ich mich von seinem Schoß.

„Was hast du denn jetzt vor?“, fragte er belustigt.

„Zieh deine Hose runter“, bat ich ihn mit zarter Stimme.

Seine Reaktion konnte ich nicht deuten. War es Überraschung oder Verblüffung? Auf jeden Fall gehorchte er mir und zog die Hose ein Stück runter.

„Was kommt als nächstes? Stripst du für mich?“, lachte er frech. Er hatte sich wieder völlig unter Kontrolle und war im nächsten Moment der Widerling, als den ich ihn kennengelernt hatte.

Das machte es einfacher.

„Möchtest du denn, dass ich mich ausziehe?“, erwiderte ich grinsend.

„Das weißt du doch ganz genau, du kleines Biest“, grinste er.

Ich fing an, mich tänzelnd vor ihm zu bewegen und öffnete nach und nach einen Knopf nach dem anderen. Er sagte nun nichts mehr, sondern beobachtete meinen vermeintlichen Strip mit brennenden Augen.

Kurz hielt ich inne und sofort kam sein Einwand.

„Hör nicht auf, Baby “, protestierte er, sein Brustkorb senkte sich heftig auf und ab.

Ich hatte nicht mehr viel Zeit, denn ich merkte, dass ich ihn an die Grenzen seiner Selbstbeherrschung trieb. Es würde nicht mehr lange dauern und er würde mich nehmen, hier auf dem kalten Boden.

Die zwei Hälften der Uniform klafften leicht auseinander und ich fuhr mit der Hand zart über den Stoff, während ich schon an der Tür lehnte. Er konnte meine nackte Haut nicht richtig sehen, da der Stoff sie überdeckte, aber seine Fantasie arbeitete auf Hochtouren, was seine jetzt beinahe schwarzen Augen bewiesen.
Jetzt musste ich handeln.

Ich drehte mich blitzschnell um, riss die Tür auf und flüchtete den Gang hinaus. Sein Wutschrei schallte mir in den Ohren nach und ich nahm die Beine in die Hand, während ich hastig die Knöpfe wieder schloss, damit mich niemand in diesem Zustand entdeckte.

„Komm sofort zurück, du Hexe“, schrie er mir hinterher.

Wollte Lou nicht, dass ich in den Großhandel fuhr, um die Bestellungen abzuholen? Einen perfekteren Zeitpunkt wie diesen, würde es nie mehr geben beschloss ich, halb panisch, halb lachend.

Oh du lieber Gott, ich hatte Edward Cullen scharf gemacht und ihn mit heruntergelassener Hose auf dem Stuhl sitzen lassen, wie einen Vollidioten.

Ich rannte keuchend zur Hintertür und schnappte mir unterwegs den Schlüssel des Lieferwagens. Als wären sämtliche Dämonen der Unterwelt hinter mir her, lief ich auf den Parkplatz und flitzte zu dem alterschwachen Gefährt.
Schnell stieg ich ein und gab Gas, als wäre der Teufel persönlich hinter mir her. Im Rückspiegel konnte ich erkennen, wie er auf den Parkplatz rannte und mein Vergleich kam mir gar nicht mehr so abwegig vor. Er schäumte vor Wut und es fehlte nicht mehr viel und Rauch würde aus seinen Ohren aufsteigen.

Ich schwankte zwischen Triumph und hysterischem Anfall. DAS würde er mir definitiv nicht durchgehen lassen!
Jetzt war es jedoch zu spät mir Vorwürfe zu machen. Ich provozierte ihn mit voller Absicht und das Spiel erreichte eine neue Ebene. Es ging nun nicht mehr allein um Sex. Ich verletzte seinen Stolz und er würde alles daran setzen, um als Sieger aus unserem Wettkampf hervorzugehen.

Wesentlich später, die Bestellung vom Großhandel war abgeholt und im Lieferwagen verstaut, fuhr ich mit gemischten Gefühlen zurück ins Diner. Ich hatte schon mit Rose telefoniert und wusste daher, dass er mit seinem Bruder das Restaurant vor über zwei Stunden verlassen hatte.

Ich übergab den Schlüssel an Joe, eine Aushilfe, damit er den Wagen ausladen konnte und betrat das Gebäude.

Rose kam mir schon entgegen.

„Isabella Marie Swan, ich will jetzt sofort wissen, was du mit dem Kerl angestellt hast. Heiliger Bimbam, der war vielleicht wütend. Wie in aller Welt hast du das geschafft?“

Prüfend musterte sie mich und wirkte allerdings lange nicht so begeistert, wie bei meiner Aktion mit dem Burger.

„Ich weiß gar nicht, was du hast?“, meinte ich leicht erstaunt, “ du hast mich doch förmlich dazu getrieben, ihm eine Lektion zu erteilen.“

Sie sah mich schuldbewusst an.

„Das war bevor sein Bruder mich eindringlich gewarnt hat. Er weiß, dass Cullen wie besessen von dir ist und hat mir zu verstehen gegeben, dass du ihm aus dem Weg gehen solltest. Er sagte auch, dass er sich einen Spaß daraus macht, die Frauen reihenweise rumzukriegen, um sich dann gleich auf die Nächste zu stürzen.“

„Ach neee, oder?“, sagte ich gedehnt, “ DAS hätte ich aber jetzt nie im Leben vermutet.“

„Deinen Sarkasmus kannst du dir echt sparen, Bella. Es tut mir wirklich leid, dass ich dich förmlich dazu getrieben habe.“

Sie schauderte und fuhr fort.

„Er war soooo wütend, das hat mir richtig Angst gemacht. Er war vor lauter Zorn ganz bleich und die Fäuste hat er so fest zusammengepresst, dass die Fingerknochen weiß wurden. Du wirst sicher noch von ihm hören.“

Jetzt wurde ich doch nervös. Ich knabberte an meinen Fingernägeln und lief wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her, während meine Gedanken Saltos schlugen. Was würde er jetzt tun? Nur zu gut, konnte ich mich an seinen diabolischen Blick erinnern, den er mir auf dem Parkplatz hinterherwarf.

„Was willst du jetzt machen, Bells“, fragte mich eine zerknirschte Rose.

„Keine Ahnung“, erwiderte ich leise.

Mein Herzschlag beruhigte sich zunehmend und ein Gefühl der Unsicherheit trat stattdessen ein. Ich konnte nichts anderes tun, als auf seine Reaktion zu warten. Denn die würde kommen, das war so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Ich straffte den Rücken und ging entschlossen ins Diner. Es gab noch eine Menge Arbeit und meine Schicht, war noch lange nicht zu Ende.
Drinnen war es ruhig. Am frühen Nachmittag war die Anzahl der Gäste immer sehr gering und ich beschloss den Tresen zu säubern. Das Putztuch rieb über die Arbeitsplatte, in gleichmäßigen, kreisförmigen Bewegungen. Diese monotone Bewegung beruhigte mich ungemein und ich konnte wieder klar denken.

Neugierig sah ich zu Rose, die missmutig die Kaffeemaschine reinigte. Sie war völlig verändert im Vergleich zum Vormittag, und ich hatte das dumpfe Gefühl, dass ein gewisser Emmett Cullen nicht ganz unschuldig an der miesen Stimmung meiner Freundin war.

„Was hast du Rose? Du siehst so traurig aus “, wagte ich einen Vorstoß.

„Ich habe Emmett meine Handynummer gegeben, nachdem wir uns unterhalten haben“, sagte sie sichtlich geknickt.

„Das ist doch toll, oder etwa nicht?“, fragte ich etwas erstaunt.

Plötzlich lief ihr eine Träne aus dem Augenwinkel. Oh Gott, die starke und unbeugsame Rose, die sich nie beeindrucken oder einschüchtern ließ, weinte!

Entsetzt ließ ich den Putzlappen fallen und eilte zu ihr.

„Rosie! Warum weinst du denn? Ist noch was vorgefallen?“

Trotzig wischte sie mit dem Handrücken die Tränen fort.

„Ich hab gesehen, wie er draußen den Zettel in den nächsten Mülleimer geschmissen hat. Er hätte doch einfach sagen können, dass er nichts von mir will. Das wäre zumindest ehrlich gewesen “, meinte sie traurig.

Mitfühlend sah ich sie an.

„Sei nicht traurig! Ich glaube, diese Cullen Männer sind einfach nichts, für so tolle und anständige Mädels wie uns.“

Sie lächelte kläglich, aber sie lächelte.

Ein ganzer Schwarm neuer Gäste betrat das Diner und für eine ganze Weile, war an Unterhaltung nicht zu denken.


Spätabends betrat ich das Treppenhaus bei mir zu Hause. Ich leerte den Briefkasten und überflog flüchtig die Briefe in meiner Hand. Rechnungen, Rechnungen und nochmals Rechnungen! Seufzend wurde mir klar, dass das heute wohl nicht die letzte Doppelschicht war, die ich schieben musste. Das Geld floss mir wie Wasser durch die Finger und schon kurz nach Erhalt meines Lohnes, war schon weit über die Hälfte weg, nur weil die laufenden Kosten abgebucht wurden.

Es war nicht immer einfach, mit dem Rest bis zum Monatsende durchzukommen. Nur eiserner Disziplin und akribischem Rechnen  war es zu verdanken, dass das Geld bis zum Schluss reichte.

Für heute hatte ich genug von Hiobsbotschaften und steckte die Umschläge in meine Handtasche, während ich auch den Fahrstuhlknopf drücken wollte. Doch schnell fiel mein Blick auf das Schild „Reparatur“ und ich trat fluchend gegen das grüne Gitter, das vor den Aufzug gezogen worden war.

Es schepperte und ich hüpfte vor Schmerz auf einem Bein auf und ab. Vor lauter Wut hatte ich dermaßen fest zugetreten, dass mein Zeh fast taub wurde vor Schmerz.

Müde, gefrustet und fertig mit der Welt schleppte ich mich die ganzen neun Stockwerke hoch und schloss müde die Tür zu meiner Wohnung auf.

Leise trat ich ein und hörte Dannys glucksendes Gelächter. Die überdimensionale Wanduhr, ein Erbstück meiner Großmutter, schlug halb acht. Sie war, neben dem Schuhschrank, das einzige Möbelstück, welches den kargen Flur zierte. Die Schuhe streifte ich ab und begab mich ins Wohnzimmer und sah meinen Sohn glücklich vor dem Fernseher sitzen, während Bibi strickend in meinem einzigen Sessel saß.
Sie sah auf und lächelte mich warm an.

„Ah, da bist du ja endlich. Danny hat dich schon sehnsüchtig erwartet.“

„Mum, endlich bist du da. Bibi hat erlaubt, dass ich aufbleiben darf, bis du kommst. Ich will, dass du mich ins Bett bringst.“

Ich zog mein Kind in eine feste Umarmung und er klammerte sich wie ein kleines Äffchen an mir fest. Er trug schon seinen Spongebob Pyjama, sein Atem verriet, dass er die Zähne  geputzt hatte uns so konnte ich ihn schnurstracks in sein Bett bringen.

Ich legte mich neben ihn und ließ ihn noch von seinem Tag berichten. Es war ein kleines, aber wichtiges  Ritual zwischen uns, damit er nie das Gefühl bekam, ich würde durch die viele Arbeit zu müde für ihn sein. Er brauchte diese Aufmerksamkeit am Abend dringend, da ich nicht soviel Zeit mit ihm verbringen konnte, wie ich es mir wünschte.

Doch Danny war zufrieden. Er öffnete mitten im Satz den Mund zu einem Gähnen und seine Wimpern flatterten  müde auf und ab.
Es verstrich  nicht viel Zeit, bis seine Lider sich senkten und er in seligen Schlummer fiel. Zart küsste ich die rosigen Bäckchen und deckte ihn vorsichtig zu. Das Nachtlicht ließ ich an, er mochte es nicht, nachts in völliger Dunkelheit aufzuwachen.

Bibi erwartete mich schon im Wohnzimmer mit kritischem Blick.

„Was ist heute passiert Bella? Du siehst total aufgewühlt und fertig aus. Die Arbeit war es sicher nicht, du bist Stress ja gewohnt.“

„Ich habe heute eine große Dummheit begangen, Bibi!“, sagte ich kummervoll und setzte mich auf die Couch.

Schamerfüllt erzählte ich ihr jede Einzelheit und traute mich gar nicht sie anzusehen. Ich fühlte mich wie ein Kind, das eine Standpauke von seiner Mutter erwartete.

Schließlich hatte mich Bibi eindringlich davor gewarnt, ihn herauszufordern und damit sein Interesse noch zu steigern. Und was machte ich?
Dumm wie ich war, tat ich das genaue Gegenteil und weckte nicht nur sein Interesse, sondern auch seine Rachegefühle. Mir wurde ganz schlecht bei dem Gedanken, wie er sich für die Blamage im Büro revanchieren würde.

Bibis Lachen ließ mich erstaunt aufschauen.
Sie kicherte ununterbrochen und war sichtlich erheitert.

„Also ich muss schon sagen. Das hätte ich dir niemals zugetraut. Auf gewisse Weise bin ich Mr. Cullen dankbar. Er scheint dich wieder zum Leben erweckt zu haben, denn in den letzten Monaten bist du immer mehr zu einem Zombie mutiert. Nur Arbeit, Kind, Schlafen. Das ist kein Leben für eine hübsche, junge Frau wie dich. Du solltest ausgehen und dir einen neuen Mann suchen. Nicht unbedingt diesen Cullen, sondern einen anständigen Kerl. Ich habe da was für dich arrangiert.“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst. Du schickst mich zu einem Blind Date. Ja sag mal, bist du noch zu retten?“

„Bella, es wird toll werden. Sein Name ist George. Er ist vor ein paar Wochen hier eingezogen und ist sehr von dir angetan. Er traut sich nur nicht dich anzusprechen. Erst hab ich mir gedacht, ich warte ab, bis er genügend Mut hat dich anzusprechen. Aber da sich die Situation mit Cullen so verschärft hat, wäre ein Mann, der ihn vielleicht abhält, ganz praktisch. Morgen gehst du mit ihm aus“, schloss sie und ihr Ton ließ keine Widerrede zu.

Völlig überrumpelt saß ich da. Vielleicht war es gar keine schlechte Idee?

Zwar suchte ich wirklich keine neue Beziehung, aber ich konnte mich auch nicht ewig vergraben. Und wenn mir das Cullen vom Leib hielt, war mir das mehr als recht.

„Na gut!“, stimmte ich zu, “ Ich werde mit diesem George ausgehen. Da du meine Freundin bist, vertraue ich dir, dass du mich nicht zu einem verrückten Psychopathen schickst.“

Sie lächelte nur rätselhaft wie die Mona Lisa. Doch ich war zu beschäftigt mit mir selber, um das zu bemerken.

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