Während Edward wieder im Club verschwand, blieb ich noch eine ganze Weile draußen und atmete die frische Nachtluft ein. Es war kalt und mein Atem wurde in kleinen Wölkchen sichtbar.
Das Frösteln, welches sich kurz darauf einstellte, erinnerte mich daran, dass ich hier nur in einem dünnen, sehr knappen Kleidchen stand.
Obwohl ich alles andere als bereit dafür war, machte ich mich wieder auf den Weg hinein. Eine Menge durstiger Gäste wartete dort drinnen auf mich und ich durfte Alice nicht solange allein lassen. Immerhin war ich hier um zu arbeiten und nicht, um meine privaten Probleme zu lösen.
Schnell huschte ich noch in die Aufenthaltsräume und nahm einen Schluck von dem warmen Tee, der neben Säften und Kaffee, dort für alle Angestellten bereitstand.
Nach und nach erwärmte mich das heisse Getränk und vertrieb die bittere Kälte aus meinen Gliedern. Frisch gestärkt und in besserer Verfassung kehrte ich in den Innenraum des Clubs zurück und checkte meine Tische.
Alle Gäste waren ausnahmslos zufrieden und die Gläser noch voll. Ich lief trotzdem weiterhin meine Runden und versuchte krampfhaft nicht nach Edward Ausschau zu halten.
Das gelang mir nur teilweise, denn mein Blick schweifte immer wieder zu dem Tisch, an dem er gesessen hatte. Dieser war nun leer, aber Zigarettenschachteln und Feuerzeuge, sowie eine „Reserviert“ Karte machten klar, dass dieser Tisch immer noch besetzt war.
Wo war er jetzt? Wieder bei dieser Tracey?
Ich erinnerte mich an unsere erste Begegnung. Damals hatte er diese Frau ebenfalls dabei und sie verhielt sich mehr als unverschämt. Was fand er nur an so einer unhöflichen Person? Sicher, sie war sehr hübsch, aber sie besaß den Intelligenzquotienten eines Stecknadelkopfes und auch sonst war sie nicht sehr liebenswürdig. Sie verfügte wohl über andere Talente, wenn Edward sie andauernd mitschleppte.
Ich musste mir gegenüber zugeben, dass der Kuss der Beiden mir unendlich wehtat. Dass es so schmerzte, obwohl zwischen uns noch gar nichts passiert war, bestärkte mich in meinem Bestreben, ihm zu widerstehen.
Was würde es in mir anrichten, wenn ich mich tatsächlich auf ihn einließ und mich in ihn verliebte?
Es wäre eine absolute Katastrophe für meinen Seelenfrieden und würde mich für lange Zeit aus der Bahn werfen.
„Hallo Bella!“, sprach eine tiefe Stimme.
Ich drehte mich blitzartig um und stand Emmett Cullen gegenüber.
„Was wollen Sie?“, fuhr ich den armen Kerl an.
Doch dann rief ich mir in Erinnerung, wie er mit Rose umgesprungen war und mein Mitgefühl verschwand.
„Ich wollte nur mal Hallo sagen!“, lächelte er.
„Nun das haben Sie ja jetzt gemacht. Warum gehen Sie nicht zurück zu Ihrem dummen Bruder und seiner Begleitung und lassen mich in Ruhe meine Arbeit verrichten.“
„Welche Begleitung?“, fragte er mich verdutzt, „Edward ist allein hier. Ich habe ihn nur zufällig hier getroffen!“
„Er ist doch mit dieser Tracey hier!“, meinte ich voller Gewissheit, „ Und sie hat ihn geküsst.“
Er seufzte und fuhr sich wild durch seine ohnehin schon verstrubbelten Locken.
„Oh Mann, ich werde es bestimmt bereuen, dass ich Ihnen die Wahrheit sage, aber diesmal ist Edward unschuldig. Er ist allein gekommen und diese Tracey ist mit mir und Mike hier. Sie ist jetzt mit ihm zusammen.“
„Und der Kuss?“, fragte ich skeptisch.
Er zuckte mit den Achseln.
„Wenn sie ihn geküsst hat, dann würde ich es nicht überbewerten. Tracey küsst jeden!“
Das schlug ein wie eine Bombe! Er sagte mir doch glatt die Wahrheit und ich tat ihm Unrecht. Aber jetzt war es zu spät, um sich darüber noch Gedanken zu machen.
Seine letzten Worte, kamen mir wieder in Erinnerung. Er würde jetzt schwerere Geschütze auffahren, um mich zu kriegen und nichts auslassen, was ihn seinem Ziel näher brachte.
„Es ist mir eigentlich auch völlig gleichgültig, ob er diese Tracey zur Freundin hat!“
Emmett lachte schallend.
„Edward hat keine Freundinnen. Er hat nur seine Betthupfer, wie er es immer nennt. Glauben Sie mir Bella, es ist eine wahre Freude mitzuerleben, wie er sich an Ihnen die Zähne ausbeißt. Ich liebe meinen Bruder sehr, aber sein Umgang mit Frauen ist verabscheuungswürdig. Er bricht ihnen ohne zu Zögern das Herz und es interessiert ihn kein bisschen.“
Schockiert sah ich ihn an.
„Heißt das, er genießt es, den Frauen, mit denen er sich abgibt, weh zu tun.“
Emmett wurde plötzlich todernst.
„Nein, dazu müsste er sich ja mit den Damen beschäftigen. Aber selbst dafür ist er sich zu schade. Offen gestanden bin ich ziemlich verwirrt über sein jetziges Verhalten. Es ist untypisch für ihn, sich so an eine einzelne Frau zu hängen. Sie müssen ihn schwer beeindruckt haben, denn, wenn er es bei der Einen nicht kriegen kann, dann gibt es ihm halt die Nächste. Sie sind die Erste, die seine Aufmerksamkeit länger als ein paar Stunden fesselt.“
Seine Worte ließen mein dummes Herz sofort schneller schlagen, die Schmetterlinge nahmen ihren Tanz in meinem Bauch wieder auf und zarte Röte bedeckte meine blassen Wangen.
Ich sollte mich nicht so darüber freuen, dachte ich beschämt, doch ich konnte den leisen Stolz darüber, dass ich ihm auch nicht gleichgültig war, nicht bezähmen.
„Das ist bestimmt nur eine Phase. Ich bin wahrschlich die Erste, die ihm Paroli bietet und sich nichts gefallen lässt. Bald wird ihn das auch langweilen und ich bin Geschichte.“
„Das hoffe ich für Sie, Bella. Wie gesagt, er ist mein Bruder und ich liebe ihn, doch ich bin nicht blind für seine charakterlichen Schwächen und die sind nicht unerheblich.“
Ruhig sah er mich an und seine ehrlichen Worte brachten mich auf den Boden zurück. Er hatte natürlich völlig Recht. Edward Cullens Moral ließ schwer zu wünschen übrig und ich würde ihn sicher nicht ändern. Sein Bruder war da total anders, doch eines wollte ich unbedingt noch wissen.
„Warum haben Sie die Nummer meiner Freundin Rose in den Mülleimer geschmissen?“
Er schluckte verlegen.
„Das haben Sie gesehen?“
„Schlimmer!“, sagte ich streng, „ Rose hat es selbst gesehen und es hat sie unglaublich verletzt. Warum haben Sie das getan?“
Sein Mund wurde hart.
„Ich halte nichts von Frauen, die sich einem so schamlos an den Hals werfen. Sie war viel zu forsch und ich will keine Frau, die von einem zum nächsten durchgereicht wird.“
Woah, das war mal eine dicke Unverschämtheit! Dieses Cullen-Pack war arrogant, bis zum geht nicht mehr.
„Ich glaube, bei Ihnen piepst es wohl! Sie kennen Rose gar nicht, denn wäre dies der Fall, wüssten Sie, welchen Blödsinn Sie da reden!“
Mit einer Hand rieb er sich den Nacken, unschlüssig darüber, was er mir jetzt antworten sollte.
„Hören Sie Emmett, ich erzähle Ihnen mal was über Rose. Sie ist manchmal sehr direkt und das wird ihr oft als Frechheit ausgelegt. Sie trägt ihr Herz nun mal auf der Zunge und redet nicht um den heißen Brei rum. Es ist eine Ehre für Sie, dass Rose Ihnen ihre Nummer gegeben hat, denn das tut sie normalerweise nie. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass Rose sich Männern nicht an den Hals wirft. Sie flirtet gern, aber das war es dann auch.“
Unsicher sah er mich an.
„Sie meinen also, ihr liegt tatsächlich was an mir?“
„Das kann ich Ihnen nicht mit Bestimmtheit beantworten. Sie haben ihr ja keine Chance gegeben, sich eine Meinung über sie zu bilden. Aber dieser Fehler lässt sich leicht beheben.“
Ich riss ein Blatt aus meinem Block und notierte Roses Nummer darauf. Mit einem verschwörerischen Lächeln reichte ich ihm den Zettel und er ließ ihn in seiner Hosentasche verschwinden.
„Danke, Bella! Ich wollte wirklich nicht überheblich rüberkommen. Aber ich hab schon ne Menge schlechte Erfahrungen in Bezug auf Frauen gemacht. Meistens sehen sie nur den Namen und das Geld. Ich bin ihnen oft völlig egal.“
„Rose liegt nicht viel an Geld. Natürlich wäre ein bisschen mehr davon toll, aber nicht um jeden Preis. Geben Sie ihr eine Chance! Sie werden es nicht bereuen, denn Rose ist einer der liebenswertesten Menschen die ich kenne.“
Damit drehte ich mich zur Theke, nahm die fertiggemixten Cocktails entgegen und ging wieder an die Arbeit.
Die nächste halbe Stunde verging wie im Flug. Es schien, als ob alle Gäste gleichzeitig ihre Gläser leerten und ich kam mit dem Servieren kaum nach.
Als es etwas ruhiger wurde, gönnte ich mir einen kurzen Moment, um durch zu schnaufen und entdeckte prompt Edward, der wieder an seinem Platz saß und mich beobachtete.
Mit funkelnden Augen folgte sein Blick jeder Linie meines Körpers und ich fühlte mich, als ob er mich mit den Augen nackt ausziehen würde. Das teuflische Grinsen um seine Mundwinkel, bestätigte mir meine Vermutung und er leckte sich verführerisch über die Lippen.
Nach Emmetts Geständnis, befand ich mich in einem merkwürdigen Zustand zwischen schlechtem Gewissen und Verlegenheit, weil ich ihm ausnahmsweise mal Unrecht getan hatte.
Doch jetzt, wo ich sah, wie er sich wieder aufführte, verschwand dieses Gefühl abrupt. Dieser dämliche Prolet!
Er saß dort auf seinem ledernen Sessel, zurückgelehnt und die Frauen in seiner Umgebung warfen ihm immer wieder eindeutige Blicke zu. Er registrierte es wohlwollend, sich seiner Ausstrahlung mehr als bewusst, ignorierte die Damen aber, zu deren sichtbarer Enttäuschung.
Als er bemerkte, dass ich ihn betrachtete, machte er Anstalten aufzustehen und zu mir zu kommen. Er erhob sich elegant, doch ein Blick in meine Richtung, ließ ihn innehalten.
Mit schmalen Augen und zusammengepressten Lippen sah ich ihn an. Wenn Blicke töten könnten, wäre er wohl umgefallen!
Er setzte sich wieder und grinste unverschämt. Ohne Gewissensbisse wegen seinem Verhalten vorhin, warf er mir einen Kuss durch die Luft zu.
Böse drehte ich mich weg und arbeitete weiter. Die ruhige Phase war vorbei und ich schlängelte mich geschickt durch die Menge, um den Gästen die bestellten Getränke zu bringen. Die ganze Zeit fühlte ich mich beobachtet und tatsächlich folgte er mir die ganze Zeit mit den Augen.
Sein brütender Blick brannte sich in meinen Körper und ständig huschte der Meine zu ihm, ohne dass ich es verhindern konnte.
Wir führten eine stille Konversation, die sich genauso hitzig gestaltete wie mit Worten.
Er blieb bis zum frühen Morgen und rührte sich nicht vom Fleck. Irgendwann kam Emmett mit dieser Tracey und Mike an seinen Tisch und leistete ihm Gesellschaft.
Mikes neue Gespielin versuchte ständig ein Gespräch mit Edward zu beginnen, während sie an Mike herumschraubte. Der war schon viel zu besoffen, um zu merken, dass seine neue Freundin sich an ihren Ex ranschmiss.
Sie wurde genauso ignoriert, wie der Rest der weiblichen Schar, die ihn becircen wollte.
Es gab mir ein Gefühl der Genugtuung, weil er tatsächlich so versessen auf mich war, dass er keiner anderen mehr Beachtung schenkte. Gleichzeitig war es mir eine Warnung. Er würde wirklich nicht aufgeben und ich musste mir einen gewaltigen Schutzpanzer zulegen, damit ich seinen Verführungsversuchen entgegentreten konnte.
Schon dieser Blickkontakt heute Abend reichte aus, um mich schwach werden zu lassen. Was würde erst passieren, wenn er seine Drohung wahr machte und andere Mittel nutzte.
Nach zwei Stunden war der Club leer und ich wischte als einzige noch die letzten Tische ab. Nachdenklich kaute ich an meiner Unterlippe rum und hing meinen Gedanken nach, als die schönste Stimme der Welt mich ansprach.
„Du siehst wirklich verführerisch aus, wenn du so an deiner Lippe rumknabberst. Es macht Lust auf mehr!“
Vor Schreck ließ ich den Lappen fallen und ich schoss herum.
Da stand er.
Obwohl es so früh war, sah er makellos aus wie immer. Er wirkte überhaupt nicht abgekämpft nach der langen Nacht, der Zigarettenqualm und die Hitze schienen ihm nichts anhaben zu können.
Wahrscheinlich roch er sogar noch, wie ein verdammter Strauß Rosen!
„Was willst du hier! Ich habe mich doch klar ausgedrückt. Du bist mir gleichgültig und ich will nichts von dir!“, log ich.
Er lachte belustigt und schlich geschmeidig auf mich zu. Er war wirklich ein Raubtier!
So elegant, zum Sprung bereit und in der Lage mich mit Haut und Haaren aufzufressen.
„Ich wollte mir nur deine Entschuldigung abholen. Schließlich warst du nicht sehr nett zu mir und es wäre doch nur recht und billig, wenn du dich für deine überstürzte Annahme entschuldigst.“
Pah, darauf konnte er warten, bis er schwarz wurde.
„Bild dir nur nichts ein! Nur weil du einmal die Wahrheit sagtest, macht dich das noch lange nicht zu Mutter Teresa. Du hast schon soviel Mist gebaut in der kurzen Zeit, in der wir uns kennen, das reicht für ein ganzes Leben. Nimm es als Ausgleich für deine Unverschämtheiten, leb damit und geh endlich deiner Wege.“
Sein Luxuskörper stand jetzt direkt vor mir und ich knallte, bei dem Versuch zurückzuweichen, mit den Kniekehlen an den Tisch hinter mir.
Ich konnte einen Teil seiner makellosen Brust sehen, da die ersten Knöpfe seines schwarzen Seidenhemdes geöffnet waren. Schwarz schien seine bevorzugte Farbe zu sein. Ich sah ihn selten in was anderem.
Wie der Teufel, schoss es mir durch den Kopf!
Sein diabolisches Grinsen verstärkte diesen Eindruck noch und ich bangte um meine Seele.
Wieder machte sich das Kribbeln in meinem Bauch bemerkbar und mir wurde fast schlecht vor Wonne, als er seine Handfläche auf mein rasendes Herz legte.
„Dein Herz!“, sagte er heiser, „ Es rast.“
Die Hand schloss sich um meine Brust, umschloss sie fest und ich dumme Pute, bewegte mich nicht von der Stelle.
Stattdessen genoss ich seine Berührung und wartete sehnsüchtig darauf, dass er mich fester packte. Er erfüllte mir sofort diesen unausgesprochenen Wunsch und ein genussvolles Stöhnen schüttelte meinen Körper. Er nahm die andere Hand dazu und erteilte der anderen Brust dieselbe Behandlung.
Sag irgendwas Dummes, betete ich still. Er zog mich wieder völlig in seinen Bann und nur seine unverschämte Klappe konnte mich jetzt noch retten. Ich musste dringend wütend auf ihn werden, sonst würde ich es nie schaffen, ihm zu widerstehen.
War ich ihm schon so hörig, dass ich nicht mehr Herr meiner Handlungen war?
„Du fühlst dich so gut an Bella!“, wisperte er mit dunkler Stimme.
Er war erregt, das fühlte ich genau. Komischerweise machte es mir keine Angst und die Massage an meiner Brust wurde heftiger. Er zog den Ausschnitt des Kleides einfach runter und blickte auf meine blanke Brust.
Mit einem Stöhnen senkte er die Lippen auf meine erregte Spitze und zog sie hart in seinen Mund.
Mit jedem Saugen zogen sich die Muskeln zwischen meinen Beinen zusammen und ich stand allein durch diese Liebkosung kurz davor, zu kommen.
Ein Poltern in der Nähe ließ mich aufwachen.
Oh Gott, was tat ich hier und warum ließ ich zu, dass er so mit mir spielte?
Hastig schob ich ihn weg und er sah bitter enttäuscht aus.
„Was zum Teufel ist denn mit dir los?“, schrie er entnervt.
Er fuhr sich heftig durch die ohnehin schon verwuschelten, bronzenen Strähnen.
„Du lässt mich jedes Mal ein Stück an dich heran und dann machst du einen Rückzieher. Das finde ich nicht lustig, Bella!“, zischte er böse, „Du spielst ein gefährliches Spiel, Liebes und ich habe nicht vor, da lange zuzuschauen.“
Er lief wie ein gereiztes Tier vor mir auf und ab.
„Dein Verhalten ist mindestens so schlimm wie meines, nur mit dem Unterschied, dass ich ehrlich bin. Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass ich nur deinen Körper will, doch DU weißt nicht was du willst. Du sagst nein und dein Körper schreit ja. Du lehnst mich ab und im nächsten Moment küsst du mich. Du treibst mich langsam in den Wahnsinn, Bella.“
Heftige Gefühle durchströmten mich. Er hatte Recht!
Ich spielte genauso mit ihm, wie er mit mir. Aus dieser Sache konnte keiner als Sieger hervorgehen.
Er packte mich an den Oberarmen.
„Jetzt reicht es mir! Denkst du wirklich, ich würde mich einer Frau aufdrängen die nichts von mir will? Das habe ich nicht nötig, Liebes. Du sendest so unmissverständliche Signale aus, mein Herz. Du willst mich! Sehr! Dein Leugnen ist zwecklos und ich werde dich eines Tages herumkriegen.“
Er trat wieder nah an mich heran, legte seinen Mund an mein Ohr.
„Ich spüre doch, wie sehr du mich haben möchtest, Bella. Wenn ich auch für eine Sekunde geglaubt hätte, dass du tatsächlich Angst oder Abscheu für mich empfindest, dann hätte ich dich laufen lassen. Doch so wie die Dinge liegen, scheinst du nur zu ängstlich zu sein deine Lust auszuleben.“
Er trat zurück und betrachtete mich eindringlich.
„Ich weiß nicht was du vorhast?“, sagte er nachdenklich, „Aber ich werde es noch rausfinden. Dein Verhalten ist sehr widersprüchlich, aber ich werde den Schlüssel finden, der mir die Tür zu dir öffnet.“
Ein zweites Mal an diesem Abend ließ er mich stehen.
Müde ließ ich mich auf einen Stuhl sinken und dachte über seine Worte nach. Behielt er etwa Recht?
Stachelte ich ihn nicht noch mehr an mit meinen schwankenden Reaktionen? Es stimmte jedes Wort!
Einmal scheuerte und beschimpfte ich ihn, doch sobald er mich berührte, schmolz ich und gab mich meinen Sehnsüchten hin. Für ihn musste dieses Wechselspiel unerträglich sein, schließlich schluckte er etwas von seiner eigenen Medizin.
Normalerweise war es sein Job die Frauen verrückt zu machen!
Offensichtlich war es bei uns aber gegenseitig.
„Bella, wo bist du?“
Alice.
Die hatte ich ganz vergessen!
Schnell stand ich auf und begab mich in die hinteren Räume. Sie stand schon fertig angezogen im Aufenthaltsraum und zog sich eine dicke Wollmütze über den Kopf.
Draußen war es mittlerweile bitterkalt und wir packten uns warm ein. Ich konnte von Glück sagen, wenn ich nach meiner überhasteten Flucht, nicht eine dicke Erkältung davontrug.
„So, fertig! Wir können gehen“, sagte ich.
Gemeinsam betraten wir den Flur, als die Tür zu Jaspers Büro aufging. Er trat hinaus und stellte sich Alice in den Weg.
„Warte Alice, ich habe dir noch was zu sagen.“
Sie sah zu ihm auf und er schaute belustigt auf die Mütze, die ihr Gesicht umrahmte. Alice wirkte damit fast wieder wie ein Kind, was durch ihre winzige Körpergröße noch betont wurde. Trotzdem war sie eine erwachsene junge Frau und diese Tatsache schien Jasper jetzt auch aufzufallen.
Interessiert folgte ich dem Geschehen vor mir. Irgendwas hatte sich verändert.
Jasper, der bisher nie einen Blick an Alice verschwendet hatte, wirkte auf einmal völlig bezaubert von meiner kleinen Freundin.
„Ich wollte nur sichergehen, dass du wirklich nicht auf die Idee kommst zu kündigen “, meinte er.
Alice Augen strahlten wie tausend Sterne und ein bezauberndes Lächeln erhellte ihr Gesicht. Ihre fröhliche Art war wieder zurück, genau wie das ansteckende Grinsen.
„Nachdem du mir gedroht hast, mir den Hintern zu versohlen, hab ich es mir anders überlegt. Ich bleibe dir also erhalten, bis du mich selber rausschmeißt.“
Er grinste jungenhaft und verblüfft stellte ich fest, dass dieser ernste Mann durchaus freundlich wirken konnte.
„Das wird nie passieren, Alice. Ich hätte dich niemals entlassen. Spätestens am nächsten Tag, wäre ich wieder zur Vernunft gekommen.“
Er räusperte sich etwas verlegen.
„Also, dann will ich euch nicht weiter aufhalten. Wir sehen uns noch!“
Er ließ uns durch und wir traten hinaus. Der Morgen graute schon und Frost überzog die Häuser, Autos und Straßen.
Bibbernd und wortlos liefen wir zur U-Bahn Station. Keiner von uns hatte Lust sich zu unterhalten und hing seinen Gedanken nach, dabei wirkte Alice jedoch deutlich fröhlicher als ich.
Wir verabschiedeten uns, als wir zwei verschiedene Bahnen nehmen mussten und ich machte mich auf den Heimweg.
Zuhause im Bett, kuschelte ich mich ein und ließ den Abend noch mal Revue passieren. Irgendwie schaffte es Cullen immer in meinen Gedanken zu sein und das wurmte mich fürchterlich. Trotzdem war ich doch ein wenig stolz auf mich, weil ich nicht ganz nachgegeben hatte.
Ich beschloss mich wieder mehr auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Der Wecker zeigte halb sechs und ich würde nur knappe vier Stunden Schlaf bekommen, ehe Bibi meinen Sohn zurückbrachte.
Der wöchentliche Großeinkauf stand uns bevor und ohne Auto würde das anstrengend genug werden.
Der Wecker schmiss mich aus dem Bett und ich wachte mit einem merkwürdigen Gefühl auf. Alles tat mir weh, der Kopf schmerzte fürchterlich und ich fühlte mich überhaupt nicht wohl.
Langsam schleppte ich mich ins Bad und erschrak bei meinem Anblick.
Mein Haar sah aus wie ein Heuhaufen, die Augen waren winzig klein in meinem fahlen Gesicht und die Nase leuchtete im schönsten Feuerwehrrot.
Ein Kitzeln in der Nase kündigte eine Niesattacke an, die sich gewaschen hatte. Fünfmal hintereinander schüttelte es meinen Körper durch und ließ mich erschöpft zurück.
Missmutig blickte ich mir entgegen und streckte mir selbst die Zunge raus.
Das hast du nun davon, Bella, dachte ich genervt. Ich musste ja unbedingt im dünnen Kleid und verschwitzt durch die Arbeit, in die kalte Novembernacht raus flüchten.
Geschah mir recht, dass ich jetzt eine Erkältung bekam. Seufzend stellte ich mich unter die Dusche, zog mich an und ging rüber zu Bibi.
Mein Sohn und die Einkäufe warteten.
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