Der Sonntag verlief äußerst harmonisch und ich kümmerte mich hingebungsvoll um Danny. Die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten, war ziemlich begrenzt und ich versuchte zumindest die wenigen Stunden, die wir in der Woche miteinander hatten, sinnvoll zu nutzen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir uns wieder warm ein und gingen in den angrenzenden Park. Dort sammelten wir bunte Herbstblätter die Danny trocknen wollte, um sie danach in einem Album einzukleben. Durch die vielen Grünanlagen in Seattle war es ein Leichtes, die unterschiedlichsten Formen und Farben zu finden, da es hier von Bäumen nur so wimmelte.
Fröhlich hüpfte er in einen Laubhaufen und der Wind wirbelte die vielen braunen, roten und gelben Blätter in der Luft umher. Danny stand mitten drin und jubelte vor Begeisterung, bis sich ein Blatt in seinen vom Lachen geöffneten Mund verirrte. Er spuckte das mit Dreck benetzte, leicht feuchte Blatt angeekelt wieder aus und befand, dass er jetzt lieber auf den Spielplatz wolle. Ich tat ihm den Gefallen und setzte mich auf die Bank, um aus sicherer Entfernung zu beobachten, dass er sich nichts tat oder gar von irgendwelchen Fremden angesprochen wurde.
Er stürmte als Erstes die Rutsche und zufrieden lehnte ich mich zurück. Während ich den Tag mit Danny verbrachte und alles so war wie immer, wusste ich doch, dass sich alles verändert hatte.
Die ganze Nacht lag ich mit einem glücklichen Dauergrinsen im Bett und fieberte meinem nächsten Treffen mit Edward entgegen.
Endlich gestand ich mir selbst gegenüber ein, dass ich Edward Cullen haben wollte. Es machte keinen Sinn mehr, meine aufkeimenden Gefühle für ihn abzustreiten. Das hätte auch nicht zu mir gepasst! Wenn ich etwas machte, dann mit aller Konsequenz, die ich aufbringen konnte.
Jetzt war es amtlich!
Ich würde mit Edward Cullen schlafen und nichts konnte mich von diesem Vorhaben abbringen! Außer ihm selbst, sagte meine vorsichtige, innere Stimme ironisch.
Danny wechselte von der Rutsche zu der Schaukel und winkte mir ausgelassen zu. Ich winkte zurück und holte ein Taschentuch aus meinem Rucksack, da die laufende Nase einfach nicht aufzuhalten war.
Ich schnäuzte mich so geräuschlos wie möglich und betete, dass meine Erkältung sich bis morgen in Luft auflösen würde. Mir ging es zwar schon bedeutend besser, aber ausgestanden war die Sache noch lange nicht.
Nie im Leben würde Lou mich im Service arbeiten lassen, solange meine Nase keine bazillenfreie Zone war. Das Letzte was er jetzt brauchen konnte, war, dass jemand ihm das Gesundheitsamt an den Hals hetzte, weil er sich nicht an die gesetzlichen Hygienevorschriften hielt.
Lou benahm sich in letzter Zeit sowieso seltsam, er rückte aber nicht so Recht mit der Sprache raus.
Etwas bedrückte ihn, dies konnte ich ihm an der Nasenspitze ansehen! Selbst Rose, die für sowas völlig unempfänglich war, merkte, dass Lou sich immer mehr zurückzog, sich im Büro einsperrte und ständig am Grübeln war.
Hoffentlich ging es dem Diner finanziell nicht schlecht! Der Laden war zwar immer voll, doch die Wirtschaftskrise machte sich auch bei uns bemerkbar. Noch dazu, war einer unsere Zulieferer abgesprungen und wir mussten uns um einen Neuen bemühen, der deutlich höhere Konditionen anbot. Lou blieb nichts anderes übrig, als darauf einzugehen, damit der tägliche Betrieb weiterhin reibungslos weiterlief.
Ein Schrei ließ mich aufblicken und voller Entsetzen stellte ich fest, dass Danny weinend auf dem Boden lag und sich ein Knie hielt. Schell sprang ich auf und rannte zu meinem Kind.
„Danny , Liebling! Was ist denn?“, rief ich panisch.
„Au, au, au, Mummy! Es tut so weh.“, heulte er, „ Ich bin von der Schaukel gefallen.“
Ich küsste seine glatte Wange und besah mir die blutende Wunde. Die Hose war aufgerissen und kleine Tropfen Blut, lagen auf der aufgeschrammten Haut. In meinem Rucksack befand sich das Erste Hilfe Set, ohne das ich das Haus nie verließ, wenn ich mit Danny unterwegs war. Genau wie ich als Kind, hatte Danny eine Affinität zu Unfällen und verletzte sich ein ums andere Mal.
Geschickt säuberte ich die im Grunde harmlose Wunde, tupfte etwas Jod darauf und verschloss sie mit einem Pflaster. Ich murmelte dabei tröstende Worte und seine Tränen waren bald getrocknet.
„Besser?“, fragte ich ihn zärtlich und er nickte zustimmend.
„Ja, Mummy!“, flüsterte er noch und rieb sich die verheulten Augen trocken.
„Sollen wir vielleicht heim gehen und eine riesige Tasse Kakao trinken?“
Er strahlte wieder über das ganze Gesicht.
„Au fein! Krieg ich das letzte Stück Kuchen? Du darfst auch mal abbeißen“, bettelte er.
Ich versprach ihm das letzte Stück Pfirsichkuchen von gestern und wir machten uns auf den Heimweg. Zuhause genossen wir noch den restlichen Tag zusammen. Die gesammelten Blätter legten wir auf das Fensterbrett, über den Heizstäben, damit sie so schnell wie möglich ihre Feuchtigkeit verloren.
Nachdem ich gegen Abend Danny in seinen Schlafanzug gepackt hatte, holte ich eine dicke, kuschelige Decke hervor und wir kuschelten uns eng aneinander auf das Sofa und sahen uns im Fernsehen Stuart Little an. Die Geschichte vom kleinen Mäuserich brachte uns beide zum Lachen und ich genoss die Zeit mit meinem Sohn in vollen Zügen.
Glücklich atmete ich den sauberen Kinderduft ein und hielt ihn fest im Arm. Vertrauensvoll schmiegte er sich an mich und kicherte über die lustigen Szenen im Film.
Später schlief er ohne Murren ein und auch ich legte mich ins Bett. Doch der ersehnte Schlaf wollte einfach nicht kommen. Ich wälzte mich wie so oft in letzter Zeit hin und her, mit meinen Gedanken immer bei Edward.
Donnerstag würde ich mit ihm ins Bett gehen. Meine Wangen brannten bei diesem Gedanken und mir kamen jetzt doch leise Zweifel. Nicht, weil ich einen Rückzieher machen wollte, sondern aus Angst jämmerlich zu versagen.
Im Vergleich zu ihm war ich so unerfahren! Konnte ich ihm überhaupt geben, wonach es ihn verlangte? Ich war weder so schön wie seine ehemaligen Gespielinnen, noch so aufregend. Okay, keine außer Tracey hatte ich je zu Gesicht bekommen, aber wenn sie nur annähernd so waren wie sie, dann konnte ich mich keineswegs mit ihnen vergleichen.
Ich war eine normale, leidlich hübsche, alleinerziehende Mutter und kein Vamp. Wahrscheinlich würde ich mich anstellen wie der letzte Dorftrottel und ihn innerhalb der ersten fünf Minuten vergraulen.
Mit diesen und ähnlichen Gedanken im Kopf schlief ich schließlich doch noch ein und wurde am nächsten Morgen von meinem nervtötenden Wecker aus dem Schlaf gerissen.
Danny war in der Schule und ich kümmerte mich heute um Lous Büroarbeit. Er achtete jedoch sorgsam darauf, dass ich keinen Zugriff auf seine Bilanzen bekam, was ich sehr besorgniserregend fand. Warum war er nur so geheimniskrämerisch? Es hatte ihn doch sonst nicht gestört!
Nach circa zwei Stunden, die ich mit dem Beantworten der Post und dem sortieren der Ablage verbrachte - Lou war ein totaler Chaot - steckte Rose den Kopf zur Tür rein.
„Hey Bells, da draußen steht ein merkwürdiger Typ und will dich sprechen!“
„Heißt das, die Verbannung ist beendet und ich darf das Diner wieder betreten?“, fragte ich grinsend.
„Nur vorrübergehend!“, lachte sie.
Es war leider so gekommen, wie ich es befürchtet hatte. Meine Erkältung hielt sich hartnäckig und ich konnte nicht im Service arbeiten. Wer wollte schon eine Bedienung, die einem in einer Tour die Teller vollrotzte?
Ich stand auf und ging neugierig raus. Wer wollte mich den sprechen? Edward konnte es ja nicht sein, da er sich außerhalb der Stadt befand.
Im Inneren des Restaurants traf mich dann der Schlag!
Es war George!
Er sah mir verlegen entgegen und tiefe Scham überkam mich, als ich daran zurückdachte, dass ich ihn und seine „Mutti“ ohne ein Wort im Restaurant sitzen ließ. Egal, wie schlimm ich ihn fand, ich hätte mich zumindest verabschieden müssen. Aber selbst diesen Anstand, hatte ich nicht besessen.
„Hallo George!“, flüsterte ich nun meinerseits verlegen, „Es tut mir so unendlich leid, was ich Ihnen angetan habe. Das kann ich gar nicht wieder gutmachen. Ich habe mich noch nie so gemein verhalten und habe keine Entschuldigung für mein unmögliches Benehmen.“
„Ist schon gut!“, meinte er nur, „ Das bin ich schon von Kindheit an gewohnt. Mir ist schon schlimmeres passiert, als sitzen gelassen zu werden. Sie hätten mir ja auch vor versammeltem Restaurant eine Szene machen können und mir dort mitteilen können, wie abgrundtief hässlich und widerlich Sie mich finden. Das hat die Letzte nämlich getan. Einfach abzuhauen, war fast schon human“, sagte er etwas traurig.
Mein Herz zog sich vor Mitgefühl zusammen und er tat mir furchtbar leid. Nicht nur, dass er mit so einem unattraktiven Äußeren gestraft war, nein, zu allem Unglück, besaß er auch noch eine Mutter, die ihn völlig unter ihrer Fuchtel hatte.
„Wissen Sie Bella“, fuhr er fort, „ ich wollte diese erste Begegnung hinter mich bringen, damit es nicht mehr so peinlich ist, wenn wir uns zufällig begegnen. Ich kann Ihnen nicht verdenken, dass Sie geflüchtet sind. Welcher erwachsene Mann bringt schon seine Mutter zu einer Verabredung mit, aber Mama kann manchmal so dominant sein und sie bestand darauf sich eine Meinung über Sie zu bilden.“
„Ich kann mir vorstellen, dass diese nicht besonders positiv ausgefallen ist“, meinte ich nur trocken.
Er lächelte kläglich und nickte bestätigend mit dem Kopf.
„Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich nicht böse bin und wenn Se mal jemanden zum reden brauchen, dann können Sie auf mich zählen.“
Gerührt sah ich George an. Ich hatte ihn völlig unterschätzt und wenn seine Mutter nicht in der Nähe war, dann wirkte er sogar relativ normal.
„Ich danke Ihnen George, das weiß ich wirklich zu schätzen.“
Er nickte nur und verließ dann ohne ein weiteres Wort das Restaurant.
Rose, die hinter mir stand, wirkte einigermaßen verblüfft.
„DAS war dein Date? Wow, kein Wunder, dass du abgehauen bist. Doch ich fand es eben ganz schön mutig von ihm, dass er sich dir gestellt hat. Das machen auch nicht alle Männer.“
Sie blickte ihm sinnend hinterher.
„Ach übrigens. Ich habe mit Mr. Gibson gesprochen. Das mit Mittwochabend geht klar. Wir gehen zusammen da hin, du kriegst deine Uniform und dann tauchen wir ein in die Welt der Schönen und Reichen“, rief sie dramatisch und warf den Kopf in klassischer Hollywoodmanier nach hinten. Leider verlor die Geste an Wirkung, weil ihr langes blondes Haar von einem Haarnetz gehalten wurde.
Sie musste heute Küchendienst schieben, etwas was ich selbst hasste, weil man Tage brauchte, um den Geruch von Fett wieder loszuwerden.
„Das ist großartig, Rose. Ich kann das Extrageld gut brauchen, weil mir ja die Trinkgelder von heut fehlen werden.“
„Dann ist ja alles gebongt. So jetzt werde ich meiner Sklavenarbeit wieder nachgehen und die Burger auf den heißen Platten foltern, sie mit Ketchup und Salatblättern bewerfen und damit einen Anschlag auf einen armen, cholesteringeplagten Gast verüben.“
Ich musste lachen. Rose konnte ganz schön witzig sein und brachte mich mit ihren Äußerungen mehr als einmal zum schmunzeln.
Der Mittwochabend kam schneller als ich dachte. Meine Erkältung war Gott sein Dank überstanden und ich begab mich mit Rose in einen großen Saal.
Beeindruckt sah ich mich um und betrachtete die Tische mit dem reichhaltigen Büffet. In einem Springbrunnen sprudelte eine goldgelbe Flüssigkeit.
Es war Champagner, wie Rose mir mitteilte und mit offenem Mund betrachtete ich das lustige Sprudeln. Sowas kannte ich bisher nur aus Filmen und hätte nie gedacht, dass ich sowas mal live sehen würde.
Nach und nach betraten die ersten Gäste den Raum und wir reichten die Häppchen herum. Die Frauen waren allesamt mit teurem Schmuck behängt, die Gesichter und Hälse geliftet und trotzdem wirkten sie wie bunte Schmetterlinge in meinem grauen Alltag. Es war die Art wie sie sich benahmen, die mich irgendwie faszinierte.
Allesamt wirkten sie unglaublich selbstsicher, sich ihres Reichtums und ihrer Stellung bewusst, während ich, wie eine Statistin danebenstand und sie beobachtete.
Rose ging mit diesen Menschen wesentlich routinierter um. Wahrscheinlich, weil sie sich, was Schönheit und Grazie anging, nicht vor ihnen zu verstecken brauchte und sie ein natürliches Selbstbewusstsein an den Tag legte, welches auch den feinen Damen der Gesellschaft nicht verborgen blieb.
Ich kam mir vor, wie ein Elefant im Porzellanladen, bei soviel funkelnder Anmut. Die Kleider die sie trugen, kosteten vermutlich ein Vermögen und ich hätte von dem Geld, das sie wohl dafür bezahlt hatten, locker zehn Monatsmieten bezahlen können.
Es war nicht so, dass ich ihnen irgendwas missgönnte, aber es tat schon weh zu wissen, dass ich arbeiten konnte soviel ich wollte, mir aber so hübsche Kleider niemals würde leisten können.
Die Männer standen ihren Frauen an Eleganz in nichts nach und ich konnte mir Edward in dieser Umgebung mehr als gut vorstellen. Ein weiterer Grund, warum ich mich fragte, was er an mir fand. Ich passte so gar nicht in dieses Bild hinein.
Vielleicht wünschte er sich nach Kaviar auch mal normale Hausmannskost, dachte ich voller Selbstmitleid.
Ich verwarf den Gedanken sofort wieder. Es half mir nicht weiter, mich selber schlecht zu machen. Warum sollte er mich nicht mögen. Ich war nett, hatte eine anständige Figur und konnte zumindest fünf grammatikalisch korrekte Sätze hintereinander rausbringen. Eine Fähigkeit, die manchen Damen hier eindeutig fehlte, wenn ich Brocken von ihren Gesprächen mitbekam.
Immer wieder reichte ich die Canapés umher und dabei fiel mir ein ganz besonderes Paar ins Auge.
Ihre Schönheit war atemberaubend, obwohl sie beide schon die erste Blüte ihrer Jugend hinter sich hatten.
Er war hochgewachsen, gut gebaut und besaß seidiges blondes Haar, welches perfekt geschnitten, den Kragen seines Hemdes berührte. Die Gesichtszüge waren klassisch schön und kamen mir merkwürdig bekannt vor, doch ich konnte sie nicht einordnen.
Die Frau an seiner Seite war unglaublich zierlich, klein und mit caramelfarbenem welligem Haar gesegnet, das ihr weich auf die schmalen Schultern fiel.
Sein Arm lag um ihre schmale Taille und sie wirkten unglaublich verliebt ineinander. Ständig berührten sie sich, hielten Händchen und konnten kaum die Finger vom anderen lassen.
Ich seufzte. Die beiden wirkten nicht wie Frischverliebte, obwohl sie sich so benahmen, dazu war die Vertrautheit zwischen ihnen viel zu stark ausgeprägt. Sowas entstand nicht von Heut auf Morgen, sondern brauchte Jahre, bis es sich aufbaute.
Ein Mann stieß zu ihnen und mir stockte der Atem in der Brust. Ich sah ihn nur von hinten, doch es war unverkennbar, um wen es sich handelte.
Das bronzefarbene Haar war wie ein persönliches Kennzeichen von Edward und ich wunderte mich, warum er hier war. Wollte er nicht morgen erst kommen?
Er drehte sich leicht und ich hatte freien Blick auf beide Männer. Jetzt wurde mir klar, warum mir der Blonde so bekannt vorkam. Es musste sein Vater oder Onkel sein, denn die Ähnlichkeit zwischen ihnen war verblüffend.
Edward grinste sein schiefes Lächeln und ließ seinen Blick über die Gäste gleiten. Er blieb an mir hängen und sein Lächeln erstarrte augenblicklich. Er wirkte geradezu geschockt und verwirrt nahm ich zur Kenntnis, wie er dem Blonden etwas ins Ohr flüsterte.
Er blickte in meine Richtung und zeigte mir mit einem Blick an, dass wir uns draußen treffen sollten.
Was war denn jetzt los?
Freute er sich nicht mich zu sehen?
Ich legte das Tablett ab und schlich mich zu der Tür hinaus, hinter der Edward verschwunden war.
Es musste sich um einen Dienstbotengang handeln, der nicht mehr benutzt wurde, denn er war nur schwach beleuchtet und ich konnte leichte Spinnweben erkennen.
„Was machst du hier?“, hörte ich seine Stimme.
Meine Augen gewöhnten sich an das schwache Licht und ich ging lächelnd auf ihn zu. Obwohl er sich nicht meldete, als er schon wieder da war, freute ich mich ihn zu sehen. Ich riss alle Schranken nieder, die mich von ihm trennten und lief auf ihn zu.
Hungrig presste ich meinen Mund auf seinen, küsste ihn mit der ganzen Leidenschaft, die sich in den letzten Wochen aufgestaut hatte. Er zögerte kurz und ließ sich auf das Spiel unserer Lippen ein. Ich drückte ihn an die Wand und strich bittend mit der Zunge über seinen noch immer geschlossenen Mund.
Irgendwann hob ich den Kopf, denn er war eindeutig nicht bei der Sache.
„Was ist denn los?“, flüsterte ich enttäuscht, „ Ich hätte eigentlich gedacht, du freust dich mich zu sehen, aber offenbar ist das nicht der Fall.“
„Ich freue mich, Bella, aber ich habe einfach nicht mit dir gerechnet. Was machst du hier? Spionierst du mir hinterher?“, fragte er schneidend.
Verletzt wich ich zurück.
„Ich wusste nicht mal, dass du hier bist. Rose hat mich mitgenommen, weil ich mir hier was dazuverdienen kann. Ich bin nicht reich, falls du das vergessen hast und nutze jede Gelegenheit, um einen Nebenjob anzunehmen.“
Ich wollte mich wegdrehen und wieder gehen. Es war demütigend, von ihm unterstellt zu bekommen, ich würde ihm hinterher spionieren. Es war wohl doch keine so gute Idee, ihm nachzugeben. Verlor er das Interesse bereits jetzt schon? Die Jagd war vorbei, ich war gefangen in seiner Falle und jetzt konnte er das nächste Opfer suchen. So kam es mir jedenfalls vor.
Nichts war mehr zu spüren, von seiner überwältigenden Leidenschaft für mich. Selbst wenn wir stritten, war sie immer da gewesen, doch jetzt wirkte er merkwürdig distanziert und nervös.
Er packte mich, bevor ich die Tür öffnen konnte und wirbelte mich herum.
Da war sie wieder, seine unbändige Leidenschaft. Sie sprang mir aus seinen Augen förmlich entgegen und im nächsten Augenblick wurde ich so heftig geküsst, dass mir die Luft wegblieb. Erleichtert schob ich die Finger in sein weiches Haar, öffnete den Mund, um seine Zunge einzulassen und gab mich ihm mit Leib und Seele hin.
„Bella….“, stöhnte er leise in meinen Mund.
Ich konnte nicht antworten, seine Küsse waren zu erschütternd und meine Knie fühlten sich wie Pudding an. Er hob mich hoch, presste mich gegen die Wand und drängte sich verlangend an meinen Körper. Ich fuhr mit meinen Lippen über seine glattrasierte Wange, nahm seinen Geschmack in mir auf, liebloste ihn. Meine Hände zerrten und zurrten an seinem Haar und ich konnte einfach nicht genug kriegen von seiner zärtlichen Zunge, die sich mit meiner duellierte.
Er riss sich schwer atmend wieder los.
„Bella, du musst hier weg!“, befahl er heiser.
Ungläubig sah ich ihn an.
„Wie stellst du dir das vor? Ich muss arbeiten und brauche das Geld. Außerdem bin ich auf Empfehlung von Rose hier. Es würde auf sie zurückfallen, wenn ich einfach so gehe und das kann ich wirklich nicht tun.“
„Ich zahle dir den Verdienstausfall und das mit deiner Freundin kläre ich mit Gibson, aber du solltest jetzt nicht hierbleiben. Ich will nicht, dass uns jemand sieht, während du hier als Bedienung arbeitest.“
Ich stieß ihn weg von mir. Unglaublich wütend und beleidigt warf ich ihm die nächsten Worte an den Kopf.
„Schämst du dich für mich? Für das Bett bin ich dir wohl gut genug, aber nicht um dich in der Öffentlichkeit mit mir zu zeigen. Ich versteh dich nicht. Es ist ja nicht so, dass ich von dir verlange, dass du den ganzen Abend neben mir stehen bleibst. Ich weiß, dass ich nicht in deine Kreise passe, aber das hättest du dir vorher überlegen müssen.“
Er seufzte ungehalten.
„Jetzt mach kein Drama draus, Bella. Dir muss doch klar sein, dass es nicht gerade standesgemäß ist, hier vor meinen Eltern und Freunden mit meiner Geliebten rumzumachen. Ich werde dir alles erklären. Morgen! Doch jetzt wäre es besser du würdest gehen. Ich kann nämlich kaum die Finger von dir lassen und das könnte echt noch peinlich für mich werden. Es sind eine Menge Geschäftspartner von mir hier und ich kann es mir nicht leisten, keinen klaren Kopf zu haben“, schmeichelte er mir.
Unschlüssig knetete ich meine Hände und dachte über seine Worte nach. Natürlich war es ihm nicht möglich zu mir zu stehen. Wir waren ja nicht mal zusammen!
„Okay, ich werde gehen. Aber versprich mir, dass du das mit Gibson klärst. Ich will auf keinen Fall, dass Rose wegen mir Ärger bekommt.“
Seine Erleichterung war ihm förmlich anzusehen und ich ging mit einem schlechten Gefühl im Bauch wieder raus, nachdem er mir noch einen flüchtigen Kuss auf den Mund drückte und vor mir hinausschlüpfte.
Draußen suchte ich nach Rose, die ich nirgends entdecken konnte. Ich beschloss mir erst mal meine Jacke zu holen und ihr danach Bescheid zu geben. Zwar hatte mir Edward vorhin noch das Versprechen abgenommen auf dem schnellsten Weg die Party zu verlassen, doch ich würde sicher nicht gehen, ohne ihr Auf Wiedersehen zu sagen.
Edward Cullen konnte mir nichts befehlen und ich verließ die Gesellschaft nur, weil ich mir den Anblick ersparen wollte, wie die Damen um in herumschwirrten. Ich zweifelte nicht eine Sekunde lang an seiner Fähigkeit, in meiner Gegenwart einen kühlen Kopf zu bewahren und hielt diese Aussage für eine Ausrede. Doch ich wollte hier keinen Streit vom Zaun brechen und würde ihn morgen zur Rede stellen.
Er sollte nicht glauben, dass ich weiterhin so leicht nachgeben würde, wenn es um die Gestaltung unserer Beziehung ging. Ich verlangte nicht, dass er mich heiratete, aber ich wollte auch nicht nur sein schmutziges, kleines Geheimnis sein. Dazu war ich zu stolz und die Männer hatten schon genug auf mir herum getrampelt.
Ich betrat den Saal wieder, hielt mich aber abseits, bis ich Rose entdeckte. Schnell lief ich auf sie zu und erklärte ihr die Situation mit kurzen Worten.
Stirnrunzelnd betrachtete sie mich.
„Bella, das gefällt mir nicht. Warum will er dich so unbedingt los werden?“ , fragte sie berechtigterweise.
Auf diese Frage konnte ich ihr auch keine zufriedenstellende Antwort geben, als plötzlich seine Eltern die Bühne betraten und sein Vater sich das Mikrofon schnappte.
Edward trat mit dazu und hielt den Arm um ein zierliches Mädchen geschlungen.
„Meine lieben Freunde, ich möchte euch zu allererst herzlichst begrüßen. Es ist mir und meiner Frau Esme eine Freude diese Party für euch ausrichten zu dürfen.“
Schluckend beobachtete ich Edward. Warum hielt er diese junge Frau im Arm? Hatte er eine Schwester und wo war Emmett? Diesen hatte ich noch gar nicht gesehen.
Meine Frage, wer diese Frau war, wurde mit Mr. Cullens nächstem Satz beantwortet und meine Welt und mein Vertrauen zerbrachen in tausend Teile.
„Es ist mir eine Ehre, heute Abend die Verlobung meines Sohnes Edward mit der reizenden Jessica Stanley bekanntzugeben.“
Rose packte meinen Arm fest, als ich schwankte. Edward blickte zufällig in meine Richtung und bemerkte sichtlich schockiert meine Anwesenheit.
Die Frau schlang die Arme um seinen Hals und küsste seine Lippen zärtlich. Er hielt die Augen die ganze Zeit auf mich gerichtet, bis ich es nicht mehr ertragen konnte und verzweifelt, weil ich schon wieder belogen wurde, hinausrannte.
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