Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Freitag, 26. November 2010

Kapitel 27 - Beängstigende Gefühle

Erstaunt sah ich Alice und Jasper, die zusammen auf dem Sofa lagen und mich glücklich angrinsten. Langsam machte sich Verstehen in mir breit und ich lächelte erfreut, als mir klar wurde, dass sie endlich zueinander gefunden hatten.

„Wie ich sehe, seid ihr beschäftigt“, grinste ich.

Alice errötete ein wenig und lächelte mich zart an, während Jasper sich leicht aufrichtete.

„Ich hoffe, du bist nicht böse, wenn Alice und ich uns ein wenig zurückziehen. Wir haben noch viel zu besprechen und hier im Club, ist das nicht möglich. Könntest du Juan Bescheid sagen, dass wir uns abgesetzt haben und ihn bitten zu schließen.“

„Klar mach ich das!“, sagte ich ein bisschen neidisch, während die beiden nur noch Augen füreinander hatten. Jeder schien sein Glück zu finden, nur ich musste mich mit dem stursten Mannsbild auf diesem Planeten rumschlagen. Ich beschloss James eine Chance zu geben. Er war sehr nett, sah überdies wirklich gut aus und wusste, wie man eine Frau behandelte. Zum Teufel mit Edward Cullen! Sollte er doch seine Jessica knutschen, bis er alt und grau war. Ich hatte momentan, weiß Gott, andere Sorgen und konnte mir nicht erlauben, laufend irgendwelche Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen. Doch irgendwie glaubte ich mir selbst nicht, als ich dies dachte. Bei der ersten Gelegenheit würde ich ihm wieder um den Hals fallen, wenn er mich wollte. Ich liebte ihn einfach schon zu sehr.

„Ich wünsche euch beiden wirklich alles Gute“, sagte ich ehrlich und schloss die Tür hinter mir. Etwas wehmütig ging ich wieder zurück und setzte mich an James Seite, der erfreut Platz machte. Es dauerte nicht lange und wir waren in eine angeregte Unterhaltung vertieft, was nur möglich war, weil Edward nicht mehr auftauchte. Jessica schien ihn besser im Griff zu haben, als angenommen, wenn er sich so einfach von seinem Vorhaben abbringen ließ und sich seiner Verlobten anschloss, die ja angeblich den Abend Zuhause bei ihren Eltern verbringen wollte. Ich glaubte ihr kein Wort! Offenbar nahm es die süße Jessica mit der Treue nicht so genau und amüsierte sich noch anderweitig. Ich fragte mich schon, wie in aller Welt man noch einen anderen Mann haben konnte, wenn man einen Edward Cullen im Bett hatte. Obwohl…..konnte es sein, dass er gar nicht mit ihr schlief? Der Gedanke war so absurd, dass er mir schon wieder plausibel erschien.

„Bella?...Bella?“

Die Stimme kam wie aus weiter Ferne und ich riss mich zusammen. Es war James, der versuchte meine Aufmerksamkeit zu erregen und ich schämte mich plötzlich. Da war ein wunderbarer Mann, der mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte und ich hatte nichts Besseres zu tun, als über Edward Cullen nachzudenken. Mir war wirklich nicht mehr zu helfen!

„Verzeihen Sie mir, James! Ich war gerade ganz wo anders.“

Entschuldigend lächelte ich ihn an und widmete ihm die nächste halbe Stunde meine volle Aufmerksamkeit. Ich amüsierte mich tatsächlich und er brachte mich zum Lachen. Er hatte einen feinen Sinn für Humor, war gebildet und belesen und jederzeit in der Lage, etwas zu einem Thema beizusteuern. Männer wie ihn, gab es nicht an jeder Straßenecke und ich fühlte mich geschmeichelt, dass er ausgerechnet mich als attraktiv genug befand, um sich mit mir abzugeben. Ich hatte kein besonderes Selbstbewusstsein in Bezug auf Männer, was sicherlich daran lag, dass die bisher wichtigsten zwei Männer in meinem Leben, mich schamlos hängenließen, als ich Hilfe am dringendsten nötig hatte.

„Bella!“, sagte James plötzlich, „Ich habe einen alten Bekannten entdeckt, macht es Ihnen etwas aus, kurz auf mich zu verzichten? Ich möchte nur mal kurz bei ihm vorbeischauen.“

„Gehen Sie ruhig, mich klaut schon keiner!“

„Da wäre ich mir nicht so sicher, bei einer so schönen Frau wie Ihnen.“

Oh Mann, der Kerl wusste wirklich wie man Komplimente machte, Cullen könnte sich ruhig eine Scheibe davon abschneiden. Gedanklich wieder bei ihm zu landen, war so unmöglich aufzuhalten, wie meine regelmäßigen Atemzüge, die mich am Leben hielten. Beide Brüder waren wie vom Erdboden verschluckt. Emmett sah ich nicht mehr, seit wir den Club betreten hatten und ich vermutete, dass er gar nicht mehr da war. Und Edward? Ich ließ den Blick durch die Menge schweifen, erlaubte meinen Augen endlich ihn zu suchen, als wäre sein Anblick der einzige Lohn dafür sie jeden Morgen zu öffnen. Dann ohne jede Vorwarnung sah ich ihn.

http://www.youtube.com/watch?v=CBBL9W_Dfb8

Unsere Blicke verhakten sich ineinander, alles wurde unwichtig. James, Jessica, die ganzen Leute um uns rum verblassten. Es gab nur noch Edward und mich, sowie die Leidenschaft, die wir ohne Zweifel füreinander empfanden. Die Luft flirrte und brannte förmlich, die laute Musik ließ den Boden vibrieren und wie von Geisterhand erhoben wir uns beide und gingen wie magnetisch angezogen aufeinander zu. Seine Augen bohrten sich in meine, sie waren dunkel vor Lust und machten mich schwach. Einmal, dachte ich, nur noch einmal seine Lippen spüren, seinen Körper an meinem. Ich sehnte mich so unbeschreiblich danach ihn zu kosten, mich ganz in der Wonne seines Kusses zu verlieren.

Er überbrückte den letzten Abstand zwischen uns und nahm meine Hand. Ohne Zögern zog er mich durch die tanzenden Leute hindurch, brachte mich aus dem Innenraum, in einen der Personalräume. Ich dachte gar nicht daran ihn zu stoppen und ließ mich von ihm wegbringen. Er schloss die Tür hinter uns mit einem Knall und sein Mund lag sofort auf meinem. Ein verzweifeltes Stöhnen entrang sich meiner Brust, als ich ihn endlich küssen durfte. Ich wollte ihn so sehr, es zerriss mich fast. Ungestüm öffnete er meinen Mund mit seiner Zunge, verwöhnte mich mit ihr und zog mich eng, immer enger an seinen bebenden Körper.

„Bella“, brachte er nur noch heraus, „Was machst du nur mit mir. Liebes, ich will dich so sehr, so sehr.“ Er platzierte Unmengen von Küssen auf meinem Gesicht, biss mir in die Lippe und entzog mir ständig seine Zunge, wenn ich mit meinen Lippen nach ihr griff. Er lachte und neckte mich weiterhin, während ich fast verging vor Sehnsucht.

„Edward, küss mich richtig. Bitte, ich ertrage es nicht mehr.“

Er umfasste mein Gesicht mit beiden Händen, sah mich mit lustverschleierten Augen an und neigte den Kopf. Der Kuss der nun folgte, war erschütternd, nichts auf der Welt hätte mich darauf vorbereitet und ich wurde hinweggeschwemmt von meinen Gefühlen. Ich vergrub meine Hände in seinen weichen Haaren, weil ich dringend Halt brauchte, so schwach waren meine Knie. Ich weinte fast vor Glück und wurde gegen die Tür gepresst, seine Hände zogen mein Kleid nach oben, bis es über den Hüften lag und er drängte sich zwischen meine Beine. Völlig außer mir, ließ ich meine Hand zu seiner Härte gleiten, legte sie darauf und umfasste ihn durch den Stoff seiner Hose. Er brach den Kuss ab und legte den Kopf auf meine Schulter, während ich ihn streichelte. Immer wieder stöhnte er meinen Namen und ich genoss es, ihn in der Hand zu haben.

„Bella! Bella! Wo sind Sie? Der Barkeeper hat gesagt, Sie wären in die Personalräume verschwunden. Fühlen Sie sich nicht wohl?“

Es war James Stimme. Es war wie ein kalter Guss mit einem Wassereimer. Wir ließen voneinander ab und sahen uns keuchend an.

„Wir können so nicht weitermachen, Bella.“

Er klang fast so verzweifelt, wie ich mich fühlte.

„Was hindert dich daran, mit mir zusammen zu sein?“, fragte ich ihn, „Erzähl mir nicht, es geht dir nur um diese dämlichen Anteile. James hat mir erzählt, wie reich du bist. Du könntest die Firma von Jessicas Vater zehnmal kaufen und würdest es nicht finanziell nicht spüren.“

Ich schluckte und sah in sein jetzt wieder verschlossenes Gesicht.

„Ich verlange ja nicht, dass du mich heiratest. Ich will auch kein Geld von dir. Es geht mir allein um dich. Warum geht das nicht in deinen verdammten Dickschädel.“

Er lächelte bedauernd und legte mir eine Hand an die Wange.

„Ich kann nicht, Bella. Es gibt Dinge, die kann ich nicht zulassen und du gehörst eindeutig dazu. Es ist, als würde ich sie betrügen, wenn ich etwas Derartiges, wie mit dir zulasse. Es tut mir leid, aber es geht nicht.“

„Du würdest sie nicht betrügen“, sagte ich hart und verbittert, „Sie ist tot, Edward. Kapier das endlich. Keiner verlangt von dir, dass du sie vergisst, aber sie wird nicht zurückkommen und du solltest endlich wieder Gefühle zulassen. Glaubst du, sie hätte gewollt, dass du in einer lieblosen Ehe gefangen bist und so eine Frau wie Jessica heiratest. Sie würde sich im Grab umdrehen, wenn sie das wüsste, nach allem, was ich von ihr gehört habe.“

„Es reicht! Sprich nicht so über sie, dazu hast du kein Recht. Du weißt gar nichts über sie und meine Gefühle für sie. Du weißt nicht, wie tief sie immer noch sind.“

Jetzt war ich nur noch wütend, verletzt und wollte ihm genauso weh tun, wie er mir.

„Ach ja, es ist schon viel zu spät. Du hast sie schon betrogen, in der Sekunde in der du anfingst, vor mir davonzulaufen. Du hast diesen Kampf verloren, Edward. Du hast Gefühle für mich, bist aber zu feige, um sie zuzulassen, weil du dich lieber an die Erinnerungen von einer Toten klammerst. Doch sie kann dir dein Bett nicht mehr wärmen und sie wird es auch niemals wieder tun. Sie kommt nicht zurück, nie mehr!“

In der Sekunde, als ich die Worte aussprach, taten sie mir auch schon leid. Sein Gesicht fiel förmlich vor Schmerz zusammen, ein Schmerz, der auch mich fast zusammenbrechen ließ. Er würde mich nie an ihrer Stelle akzeptieren. Sie war noch genauso präsent, wie vor neun Jahren und hielt sein Herz gefangen.

„Geh mir aus den Augen!“, zischte er.

Ich schluckte meine Tränen hinunter und verließ den Raum. James war nirgends mehr zu sehen, er hatte es wohl aufgegeben, nach mir zu suchen. Draußen sah ich, dass er wieder an unserem Tisch saß und sich suchend umschaute.

„Verzeihung James, ich war noch kurz an meinem ehemaligen Spind, um nachzuschauen, ob ich noch irgendwas an Wertsachen hier habe“, log ich ihn an.

„Ich wollte schon eine Vermisstenanzeige rausgeben“, grinste er, „Aber schön, dass Sie sich noch bester Gesundheit erfreuen.“

Bester Gesundheit vielleicht, aber mein Herz schlug nur noch mit halber Kraft. Der Teil, der Edward gehörte, hörte auf zu existieren und eine seltsame Leere machte sich in mir breit. Ich war nicht allein hier, doch ich fühlte mich so einsam, wie noch nie in meinem Leben. Selbst als Jake mich damals fallen ließ, war der Schmerz nicht so ….so….endgültig. Ich lächelte James mechanisch an und redete mit ihm, ohne mich danach zu erinnern, wovon wir sprachen. Ich sah IHN, wie er Jessica am Arm packte, wie sie protestierend den Kopf schüttelte und er sie dann einfach aus dem Club zog, obwohl sie offensichtlich noch bleiben wollte. Er machte sich nicht die Mühe sich zu verabschieden und mein Blick folgte ihnen, als sie den Club verließen.

„Sie sind in ihn verliebt!“, stellte James ohne Zweifel in der Stimme fest.

Erschrocken sah ich ihn an, merkte, dass er mich verständnisvoll anlächelte und beschloss mit den Lügen aufzuhören.

„Ja“, flüsterte ich bekümmert, „aber er empfindet nicht dasselbe für mich. Er hängt immer noch an.....“

Ich konnte den Satz nicht beenden und er tat es für mich.

„Tanya!“, wisperte er wehmütig.

„Kannten Sie sie etwa auch?“, fragte ich überrascht über seinen Tonfall.

„Sie war meine Freundin, bevor sie und Edward sich begegneten. Danach war ich abgeschrieben. Es war die berühmte Liebe auf den ersten Blick und die zwei waren völlig verrückt nacheinander. Sie verbrachten fortan jede freie Minute miteinander und obwohl sie noch so jung waren, beschlossen sie zu heiraten. Der Flugzeugabsturz war eine Tragödie und hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Tagelang hat er sich damals in ihrem Zimmer eingeschlossen, nichts gegessen und wie ein Wahnsinniger gewütet. Er war völlig gebrochen und es dauerte Monate, bis er wieder einigermaßen in der Spur war, Danach war Edward ein anderer Mensch. Er trank, hurte herum, verspielte ein Vermögen beim Roulette und eignete sich ein gefährliches Hobby nach dem anderen an. Fast, als würde er den Tod herausfordern, ihn nachzuholen.“

Nach diesen Bekenntnissen herrschte Stille. Diese Informationen musste ich erst verdauen. Ihr Tod schien ihn zerstört zu haben, zumindest den Edward, der früher existierte.

„War er damals anders als heute?“

„Meinen Sie damit etwa, ob er schon immer so ein rücksichtsloses Arschloch war?“

Ich nickte.

„Nein, Edward war früher natürlich kein Engel, aber bei Tanya hätte man ihn für einen halten können. Wissen Sie eigentlich, dass sie nie miteinander geschlafen haben? Tanya wollte als Jungfrau in die Ehe gehen, sie war sehr gläubig. Sie hat weder mich noch Edward rangelassen und er hat es akzeptiert, weil er sie so sehr geliebt hat.“

„Wie war sie? Benton, sein Assistent, erwähnte, sie wäre ein toller Mensch gewesen.“

Er lächelte warm.

„Der Beste! Sie war wirklich ein Engel, wollte nie jemandem weh tun und hat sich fast einen abgebrochen, um mir nach der Trennung eine neue Freundin zu besorgen, weil sie nicht wollte, dass ich allein blieb. Sie hat immer zuerst an andere gedacht, das einzige Mal, wo sie Egoismus zeigte, war ihre Trennung von mir, um mit Edward zusammen sein zu können.“

„Wie soll denn eine Frau, gegen solche Perfektion ankommen. Er hat nicht mal mit ihr Sex gehabt und wird sich ewig fragen, ob es mit ihr nicht schöner und erfüllender gewesen wäre, als mit mir. Gesetzt dem Fall, wir haben jemals welchen, was ich mir nach heute Abend gründlich vermasselt habe.“

„Sie waren vorher bei ihm, stimmt´s?“

Wieder nickte ich und er seufzte.

„Ich will Ihnen keine unnötigen Hoffnungen machen, Bella, aber wenn Sie ihn wirklich lieben, dann kämpfen Sie um ihn. Sie sind die Erste, die er auf diese bestimmte Art und Weise ansieht. Auch Tanya hat er solche Blicke geschenkt. Es mag ihm vielleicht noch nicht bewusst sein, aber er scheint jetzt schon tiefe Gefühle für Sie zu haben.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich kann das im Moment nicht, James. Es ist gerade eine schwierige Phase in meinem Leben und ich brauche meine Kraft für etwas Wichtigeres.“

„Was gibt es denn Wichtigeres als die Liebe?“

„Meinen Sohn!“, sagte ich und er sah mich überrascht an.

„Sie haben ein Kind?“

„Ja, sein Name ist Danny und er ist fünf Jahre alt. Leider hat sich sein Vater nach jahrelanger Abwesenheit dazu entschlossen, das Sorgerecht anzufechten und will mir den Jungen wegnehmen. Zumindest hat er das alleinige Sorgerecht beantragt. In ein paar Tagen ist die erste Verhandlung. Sie werden also verstehen, dass ich mich nicht auf Edward konzentrieren kann. Warum sollte ich meine Zeit mit jemandem verschwenden, der nichts von mir will.“

Er seufzte.

„Ich kann Sie verstehen, aber es ist schade. Trotz seiner Veränderung schätze ich Edward sehr und hätte mich gefreut, wenn er wieder eine Frau gefunden hätte, die er lieben kann. Auch wenn es für mich abermals bedeutet zurückzustecken.“

Ich wurde rot, bei diesem Kompliment. Warum konnte ich mich nicht in diesen Mann verlieben, bei dem hätte ich keine tote Konkurrenz zu fürchten. Ich hatte genug für heute Abend und wollte nur noch nach Hause.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, den Abend hier zu beenden. Ich will nur noch ins Bett und schlafen.“

„Natürlich nicht“, sagte er zuvorkommend, „ich bringe Sie heim.“

James brachte mich nach Hause und ich hatte eine weitere schlaflose Nacht voller Tränen vor mir.


Die nächsten Tage verstrichen, ohne dass ich etwas von Edward hörte. Benton wurde mir abgezogen und so stand ich plötzlich allein da. Doch der gute Henry hatte mir seine private Handynummer da gelassen, für den Fall, dass ich noch Fragen hätte. So konnte ich im Notfall immer noch anrufen, um mich zu vergewissern, dass ich auch die richtigen Entscheidungen traf. Zu meinem eigenen Erstaunen kam ich gut zurecht, auch ohne Hilfe und der Laden lief rund.

Rose kam gutgelaunt zur Tür hinein, die sich geweigert hatte, ihren Job hier aufzugeben. Sie hatte sich bei Emmett durchgesetzt und würde bis zur Hochzeit hier weiterarbeiten. Das war eben meine Rose, konsequent bis zum Schluss. Ihre erste Begegnung mit seinen Eltern verlief toll, da sie erstaunlich nette Leute zu sein schienen. Sie empfingen Rose mit offenen Armen und sie erzählte mir, dass Esme und Carlisle völlig frei von Snobismus und Arroganz waren. Sie wollten nur das Glück ihrer Söhne und mit wem sie es fanden, war ihnen völlig egal. Ich war schon drauf und dran sie zu fragen, was sie von der Hochzeit ihres Sohnes Edward mit Jessica hielten, verkniff es mir aber in letzter Sekunde. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, dass Rose und Jessica bald Schwägerinnen sein würden, obwohl Rosalie es nicht ganz so eilig mit der Hochzeit hatte, wie Emmett.

„Hey Bells, alles klar!“

Das war ihre Standardfrage seit der Nacht im Club. Sie wusste von Emmett was passiert war, der an jenem Abend tatsächlich gleich wieder zu ihr nach Hause ging. Er hatte sich nur Edward zuliebe breitschlagen lassen, diesen zu dem Essen zu begleiten, wo er doch viel lieber bei Rose geblieben wäre, um ihre neugefundene Liebe zu genießen.

„Alles bestens.“ Diese Antwort kam mir automatisch über die Lippen, auch wenn es nicht der Wahrheit entsprach. Ich vermisste Edward, fühlte mich allein und hatte panische Angst vor der Verhandlung, die morgen stattfinden würde. Es war kaum zu glauben, dass schon wieder zwei Wochen vorbei waren. Weihnachten rückte mit großen Schritten näher, es war bitterkalt draußen und die Meteorologen sagten den ersten Schnee voraus. Draußen wurde es schon langsam dunkel und die Köpfe der Menschen, die am Restaurant vorbeihasteten, waren allesamt wegen der eisigen Temperaturen eingezogen.

Ich wartete noch auf Alice und Cynthia. Das Gespräch mit meiner neuen Kellnerin wegen ihrer optischen Erscheinung, war nicht so schlimm wie gedacht und sie war sogar begeistert von der Möglichkeit ihren Typ zu verändern. Alice, die nur noch auf Wolke sieben schwebte, war Feuer und Flamme wieder einen Stylingmarathon bei jemandem einzulegen und war schon seit heute Morgen unterwegs mit ihr. Die erste Station war der Frisör und dann die Kosmetikerin, danach ging es an die Kleiderauswahl. Ich war schon mächtig gespannt darauf, wie Cynthia aussehen würde und als hätte Alice meine Gedanken gelesen, kam sie auch schon zur Tür hinein. Mir stockte der Atem, weil ich Cynthia fast nicht mehr wiedererkannte.

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Alice lächelte stolz, als sie ihr Werk präsentierte.

„Na, was sagt ihr!“, fragte sie, „Sieht sie nicht toll aus.“

„Wow, du bist wirklich hinreißend“, lächelte ich und sie wurde total rot.

Die Tür ging nochmals auf und George kam herein. Er blieb wie vom Donner gerührt stehen, als er Cynthia erblickte, die ihn schüchtern anlächelte.

Seufzend dachte ich daran, dass sich jetzt wohl das nächste Paar finden würde, während ich wie immer leer ausging. Der alltäglich gewordene Druck in meinem Inneren nahm nochmals zu und ich fragte mich, was ich tun würde, wenn die Verhandlung morgen schlecht lief. Auch meine Leidensfähigkeit war begrenzt und Danny zu verlieren, würde mich endgültig zerstören. Mit Edwards Verlust, der ja eigentlich keiner war, weil er mir nie gehörte, konnte ich noch irgendwie fertig werden, aber mein Kind konnte ich keinesfalls hergeben. Was sollte ich machen, wenn das Gericht gegen mich entschied?

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