Inhalt:

Bella Swan ist alleinerziehende Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Mit zwei Stellen hält sie sich grad so über Wasser. Tagsüber arbeitet sie in einem Schnellrestaurant und am Wochenende in einem angesagten Club. Dort lernt sie Edward Cullen kennen. Der ist reich, gelangweilt und eiskalt. Er macht Bella ein unverschämtes Angebot. Gegen Bezahlung soll sie seine Geliebte werden. Empört lehnt sie dies ab........ Pairing Bella/Edward

© by Vivian (Die Charaktere gehören Stephenie Meyer)

Donnerstag, 25. November 2010

Kapitel 54 - Sie lebt!

Edwards POV
Müde lenkte ich meinen Wagen zum Anwesen meiner Eltern. Es war schon spät, kurz vor Mitternacht. Ich konnte es kaum erwarten nach Hause zu kommen und mich zu Bella ins warme, weiche Bett zu legen. Die Woche war hart gewesen. Ich musste einen langjährigen Mitarbeiter feuern, der seine Position als Niederlassungsleiter missbraucht hatte. Seit Jahren unterschlug er Geld von Firmenkonten, immer nur kleine Summen, aber daraus war im Laufe der Zeit ein sechsstelliger Betrag geworden. Dad würde enttäuscht sein, da er ihn persönlich ausgesucht hatte und ihm völlig vertraute. Sorenson hatte bislang völlig freie Hand und wurde unvorsichtig. Schließlich fielen der Buchhaltung einige Ungereimtheiten auf und sie meldeten es Benton, da sie mich nicht erreichen konnten.

Ich erfuhr gleich nach den Flitterwochen davon und es war klar, dass ich mich persönlich um diese Geschichte kümmern musste. Dass Bella dabei gleich am ersten Tag auf der Strecke blieb, war so nicht geplant, aber leider notwendig. Sorenson war von der Polizei abgeführt worden und legte eine umfassendes Geständnis ab. Er war spielsüchtig und finanzierte sich so seine Casinobesuche. Ich hatte früher selbst Unsummen an Spieltischen verloren, doch im Gegensatz zu ihm, fühlte ich die Verluste überhaupt nicht. Es war ein Spaß. Blackjack, Poker oder Roulette. Ich hatte alles ausgekostet, meistens mit ein oder zwei heißen Blondinen an meiner Seite.

Ich grinste schwach. Wenn ich so richtig darüber nachdachte, war Bella die einzige echte Brünette, die ich je in meinem Bett hatte. Selbst Tracey färbte sich ihre normalerweise dunkelblonden Haare braun. Meine Lebensstil unterschied sich jetzt so gravierend von dem der letzten Jahre. Ich arbeitete hart, war verheiratet und hatte gleich einen Sohn mit dazu bekommen. Doch ich vermisste bis jetzt gar nichts. Wenn endlich Bellas Ängste ausgeräumt waren, konnten wir richtig durchstarten. Sie war eine Wahnsinnsfrau. Schön, intelligent, liebevoll, sexy, energisch. Und sie gehörte mir.

Wenn ich ehrlich war, verstand ich nicht, warum sie sich so aufführte. Doch ich nahm es trotzdem ernst. Dieser Streit in der Bibliothek, würde sonst nur der Anfang sein. Bella neigte dazu, hoffnungslos zu übertreiben und machte aus einer Kleinigkeit eine große Sache. Auf Dauer war das verdammt anstrengend, also würde ich es abstellen. Bella wollte hören, dass ich sie mehr liebte als Tanya. Warum ihr nicht diesen Herzenswunsch erfüllen? Ich wusste selbst nicht mehr, was ich für Tanya fühlte. Natürlich war da noch maßlose Verehrung für sie und ein Teil von mir sehnte sich nach ihr, und dem, was wir hätten haben können. Aber er wurde immer schwächer. Er wurde verdrängt von Bella. Ich dachte immer seltener an Tanya, manchmal tagelang nicht. Das war.....angenehm.


Aus der Ferne sah ich, dass das Haus trotz der späten Stunde hellerleuchtet war. Sehr untypisch und vor allem äußerst beunruhigend. Meine Eltern waren für gewöhnlich recht früh auf den Beinen und gingen zeitig zu Bett. Erst dann ließen sie von Dobson die Lichter im Haus, sowie die Außenbeleuchtung löschen. Dass sie unter der Woche und um diese Uhrzeit noch wach waren, war mehr als ungewöhnlich. Stirnrunzelnd parkte ich vor dem Haus und stieg aus. Meine Reisetasche ließ ich gleich im Wagen.

Dobson öffnete mir dir Türe, bevor ich die letzten Stufen erklommen hatte und machte sein Totengräbergesicht. Jetzt bekam ich langsam Panik. Was zur Hölle war hier los? Wenn Bella was passiert war, dann.....

“Mr. Cullen, Ihre Eltern erwarten Sie im Salon. Sie sollten so schnell wie möglich zu ihnen gehen.”

Ich packte den armen Dobson am Arm und schüttelte ihn leicht.

“Was ist hier los? Wo ist meine Frau?”

“Miss Bella geht es gut, Sir”,antwortete er.

Ich ließ ihn los, einigermaßen beruhigt, dass diese Festbeleuchtung wohl nichts mit ihr zu tun hatte. Ich konnte es kaum erwarten sie wiederzusehen, aber vorher musste ich unbedingt wissen, was hier los war. Ohne den Butler eines weiteren Blickes zu würdigen, marschierte ich in den Salon. Meine Eltern saßen nebeneinander auf dem Sofa. Dad hielt Moms Hand und sie unterhielten sich leise. Sie verstummten aber sofort, als sie mich sahen und meine Mutter erhob sich schwerfällig. Sie sah um Jahre gealtert aus an diesem Abend und ich bekam es jetzt ernsthaft mit der Angst.

“Was ist hier los?”, fragte ich scharf. Für Höflichkeiten hatte ich jetzt keinen Nerv.

Mutter deutete mit ihrer Hand auf den Sessel.

“Ich denke, es wäre besser, wenn du dich hinsetzt. Ich habe dir eine schwerwiegende Mitteilung zu machen.”

Obwohl ich überhaupt keine Lust dazu hatte, folgte ich ihrer Bitte und setzte mich.

“Ich höre.”

Sie seufzte schwer und rang mit den Händen. Sie wirkte unglaublich angespannt und suchte ganz offensichtlich nach den geeigneten Worten, um mir was auch immer mitzuteilen. Langsam verlor ich meine Geduld.

“Verdammt, jetzt sag endlich, was du sagen willst. Ich bin müde, hatte eine Scheißwoche und will nur noch zu meiner Frau.”

Sie lächelte das erste Mal, seit ich den Raum betreten hatte.

“Bella wird sich freuen, dich wiederzusehen”, flüsterte sie.

“Mum!”

“Ich kann das nicht”, sagte sie plötzlich verzweifelt, “Bitte, sag du es ihm Carlisle.”

Sie wandte sich ab und mein Vater nahm die ganze Sache in die Hand.

“Puh, wie sagt man sowas”, stöhnte er und fuhr sich durch sein noch immer vollkommen weizenblondes Haar. “Es ist etwas geschehen, was wir alle kaum glauben können, mein Sohn.”

“Tatsächlich”, sagte ich ironisch.

Er sah mich streng an.

“Mäßige deinen Ton, Edward. Ich bin keiner deiner Angestellten.”
“Entschuldige, Dad!”, sagte ich leicht zerknirscht. Mein Vater war einer der wenigen Menschen auf der Welt, vor denen ich einen Heidenrespekt hatte. Er seufzte und setzte neu an.

“Ich sag es einfach kurz und bündig, Edward”, er holte einmal tief Luft. “Tanya ist noch am Leben.”

Totenstille. Es waren nur Worte, kurz und knapp ausgesprochen, doch sie schlugen ein mit der Wucht einer Bombe. Ich hörte sie laut und deutlich, sie drangen an mein Bewusstsein und dann fing ich an zu lachen.

“Also ehrlich, Dad”, sagte ich trotz meines Gelächters ziemlich genervt, “Habt ihr mich bei der versteckten Kamera angemeldet? Komm schon, was ist wirklich los?”

Ich lachte noch immer, doch als ich Esmes verzweifelte Miene und Carlisles Gesichtsausdruck betrachtete, verging mir das Lachen ganz schnell.

“Das ist kein Scherz, oder?”

Sie schüttelten beide synchron die Köpfe. Fassungslos ließ ich mich nach hinten sinken und versuchte zu verstehen, was hier gerade passierte. Tanya war am Leben. Unmöglich.

“Das muss eine Irrtum sein. Das Flugzeug ist über dem Meer abgestürzt. Es gab keinerlei Überlebende. Die Wrackteile haben den Experten doch bewiesen, dass  keiner den Absturz überlebt haben kann. Das ist doch alles nur ein schlechter Scherz.”

“Kein Scherz , Edward”, wisperte meine Mutter.

“Aber...aber...wie?”

“Ich weiß auch nichts Näheres, Edward”, sagte Esme. “Carmen hat angerufen. Lachend und weinend zugleich. Sie sprach nur davon, dass Tanya noch am Leben sei und sich bei ihr im Haus befindet. Wir konnten es selbst kaum glauben und haben Benton hingeschickt, weil wir Bella nicht allein lassen wollten. Er hat sie gesehen, Edward. Ein Irrtum ist ausgeschlossen.”

Ich war völlig von den Socken. Das war doch absolut unmöglich. Jahrelang hatte ich davon geträumt, genau diese Worte zu hören und jetzt....

“Wo ist Bella?”, wollte ich wissen. Meine Eltern wollten sie nicht allein im Haus lassen, also ging es ihr nicht gut.
“Sie ist oben in ....”

Den Rest hörte ich nicht mehr, als ich wie ein Wilder die Treppen hochrannte, um in unser gemeinsames Schlafzimmer zu gelangen. Ich musste zu ihr. Scheiße, was ging jetzt in ihrem Kopf vor? Ich verdrängte die Eröffnung, von Tanyas plötzlicher Auferstehung, ganz in den hintersten Winkel meines Gehirns. Ich konnte und wollte mich jetzt nicht damit auseinander setzen. Fuck, ich würde es sowieso erst glauben, wenn sie leibhaftig vor mir stand.

Das Zimmer war dunkel und Bella lag seitlich auf dem Bett. Sie kehrte mir den Rücken zu, sie war still und schien zu schlafen. Nur die kleinen, zuckenden Bewegungen ihrer Schulter verrieten, dass sie sehr wohl wach war und weinte.

Leise umrundete ich das Bett und setzte mich vor sie auf die Bettkante. Durch das Mondlicht konnte ich die Tränen sehen, die durch ihre geschlossenen Lider drangen, über ihre Wange rollten und das Kissen durchnässten. Vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken, legte ich eine Hand auf ihre Schulter. Ich wusste ja nicht, was in ihr vorging, aber der Zustand in dem sie sich befand war besorgniserregend genug.

Sie öffnete flatternd die Lider und sah mich stumm an. Es dauerte eine Weile, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnten und mich erkannten.

“Edward...”

Ihre Stimme klang rau vom vielen Weinen und erstaunt, weil ich bei ihr war.

“Hey, Liebes”, sagte ich leise und streichelte ihre Schulter. “Ich bin wieder zu Hause.”

Sie nickte.

“Weißt du es schon?”, krächzte sie.

Ich wusste natürlich, worauf die Frage abzielte.

“Ja, meine Eltern haben es mir eben erzählt.”

Sie blinzelte ein paar Mal und befeuchtete ihre trockenen, rissigen Lippen.

“Warum...warum bist du dann noch hier. Ich...ich meine, sie lebt. Solltest du nicht schon längst auf dem Weg zu ihr sein?”
Bella wirkte ernsthaft verwirrt. Jetzt wurde mir das ganze Ausmaß ihrer Komplexe bewusst. Sie hatte es vor ein paar Tagen angedeutet. Ihr fester Glaube daran, dass ich sie sofort verlassen und zu Tanya rennen würde, bewies mir, wie tief sie sich tatsächlich in ihre Ängste verstrickt hatte. Ich musste jetzt sehr behutsam mit ihr umgehen.

“Ich bin genau da, wo ich sein möchte, Bella. Bei dir.”

Sie schluchzte auf und ich nahm sie fest in meine Arme.

“Ich....hatte...solche A..Angst, dass du wieder zu ihr zurückgehst und mich nicht mehr willst", wimmerte sie an meiner Brust. Ihr kleiner Körper schüttelte sich krampfhaft vor lauter Weinen und mir wurde die Kehle eng. Sanft wiegte ich sie hin und her.

“Psst, ich gehe nirgendwo hin. Liebes, du bist doch meine Frau. Wir gehören zusammen, für immer.”

Ich meinte jedes Wort ernst.

“Du stehst unter Schock, Edward”, stellte sie fest und legte mir sanft die Hand auf die Wange. Unglücklich sah sie zu mir auf. “Ich glaube, du hast noch gar nicht richtig realisiert, was hier eigentlich passiert. Sie ist wieder da, Edward. Benton hat es bestätigt, und jetzt....jetzt wird sich alles ändern.”

Schock! Verdammt, natürlich war ich geschockt. Noch vor einem halben Jahr hätte ich meinen rechten Arm dafür hergegeben, damit Tanya wieder zu mir zurückkommen würde. Doch heute... Es arbeitete in mir und ich zog Bella fester in meine Arme. Ich atmete ihren süßen, blumigen Duft ein, spürte ihren warmen Körper. Sie war real. Sie war hier. Tanya..... Sie war so weit weg, wie nie zuvor. Ich hatte Angst davor, ihr zu begegnen. Angst vor den Gefühlen, die sie vielleicht in mir auslösen würde. Es würde Bella umbringen, wenn ich mich wieder so wie früher zu Tanya hingezogen fühlte.

“Ich will sie nicht sehen”, sagte ich fest und vergrub mein Gesicht an ihrem Hals. Wie Vogel Strauß steckte ich den Kopf in den Sand und ignorierte alles um mich herum.

“Edward, du kannst dich nicht davor drücken”, flüsterte sie in mein Ohr. Ich seufzte.

“Doch das kann ich, Bella. Das ist zu viel”

“Du hast Angst!”, stellte sie bitter fest. “Du hast Angst, dass du sie wiederhaben willst, wenn sie vor dir steht.”
Sie kannte mich so gut. Viel besser, als ich sie. Ich blieb ihr eine Antwort schuldig und tat das Einzige, worin ich wirklich gut war. Ich küsste sie hart auf den Mund und erstickte alle ihre Einwände mit meinen Lippen. Bella wehrte sich nur kurz und gab sich mir dann hin.

“Ich brauche dich, Bella. Jetzt gleich. Ich will mit dir schlafen!”, stöhnte ich auf. Nur nicht nachdenken, dachte ich mir.

Sie fühlte sich so verdammt gut an. Alles an ihr war einladend, machte mich an. Mein Schwanz wurde so hart, dass ich damit die Wand hätte durchbrechen können.

“Edward...ich...das ist nicht richtig. Warum...gerade ...jetzt?”

Sie stöhnte die Worte heraus und wand sich unter mir.

“Hör auf zu reden, Liebes!”, knurrte ich erregt und umfasste ihre Brüste, “Fass mich lieber an. Zeig mir, wie sehr du mich liebst.”

Rücksichtslos presste ich erneut meinen Mund auf ihren. Meine Zunge schoss heraus, drängte sich zwischen ihre Lippen und ich verlor mich in ihrem Geschmack. Mit den Händen packte ich sie grob um die Hüfte, zerrte an dem störenden Stoff ihres Nachthemds. Ich wollte sie ganz spüren, ohne irgendwelche Barrieren und riss es einfach in der Mitte durch. Keuchend wanderte mein Mund über ihre Wange, ihren Hals und saugte sich an ihren süßen Brüsten fest. Sie waren perfekt. Wie für mich gemacht.

“Edward ...nicht....”

Ich ignorierte ihren Einwand. Nichts würde mich davon abhalten, sie zu nehmen. Ein Finger drang in ihre Wärme ein. Sie war so feucht, sie tropfte förmlich. Doch es war nicht wie sonst. Wie durch einen Nebel drang ein leises Wimmern an mein Ohr und ich stoppte. Bella weinte. Ich traute mich kaum aufzusehen und als ich es tat, schwammen ihre Augen in Tränen. Entsetzt ließ ich von ihr ab. Was tat ich hier? Ich vergewaltigte sie ja praktisch.

“Bella”, hauchte ich zitternd, “Oh Gott, es tut mir leid...so leid. Ich...ich “

Bestürzt verstummte ich und setzte mich auf. Die Schuldgefühle übermannten mich, ich stand auf, stürzte ins Bad und sah keuchend in den Spiegel. Was mir da entgegenblickte, ließ mich fast kotzen. Wilde Augen spiegelten sich wieder, mein Gesicht war totenbleich und meine Hände zitterten so sehr, dass ich sie am Waschbeckenrand festklammern musste, um sie ruhigzustellen. Der kalte Schweiß glitzerte auf meiner Stirn und mir war übel. Wie hatte ich es nur so weit kommen können? Ich wollte sie doch nur halten, ihr zeigen, dass sie sich nicht zu sorgen brauchte.

“Oh Gott, oh mein Gott”, flüsterte ich.

Mein eigener Anblick ekelte mich selber an. Gerade jetzt fühlte ich mich wie ein Monster. Bella verdiente es sanft und zärtlich geliebt zu werden. Das vorhin war keine Liebe machen, ich wollte sie nur ficken. Langsam ließ ich mich auf den Boden sinken und vergrub den Kopf zwischen den Knien. Ich schämte mich unsagbar. Tanya war erst wenige Stunden zurück und schon ging alles den Bach runter.

Früher hätte ich jetzt vielleicht geweint, doch das konnte ich schon seit Jahren nicht mehr. Nach Tanyas Tod hatte nie wieder eine einzige Träne meine Augen verlassen. Nicht mal jetzt, als ich dabei war, das Einzige in den Dreck zu ziehen, was gut in meinem Leben war, konnte ich es. In meinem Kopf ging es drunter und drüber. Bellas glückliches Gesicht war vor meinem inneren Auge und wurde dann ersetzt durch Tanyas. Dann vermischten sich die beiden Frauen und schienen mich zu verhöhnen. Was wollte ich? Erst jetzt wurde mir endgültig klar, dass sie zurück war. Vorher war ich viel zu benommen, um es wirklich zu realisieren. Ich war abrupt in der Wirklichkeit angekommen, und hatte schreckliche Angst vor dem, was noch kommen würde.

Eine zarte Berührung in meinem Haar ließ mich aufblicken. Es war Bella. Sie kniete vor mir. Nackt und schutzlos, streichelte meinen Kopf. Dass sie mir helfen wollte, machte es nur noch schlimmer.

“Es ist alles gut, Edward. Mach dir keine Vorwürfe!”

“Wie kannst du das sagen?”, erwiderte ich bitter. “Ich habe dich eben beinahe vergewaltigt.”

Sie schüttelte den Kopf.

“Nein, hast du nicht. Du warst aufgewühlt und deine Nerven sind mit dir durchgegangen. Nach so einem Schock ist das doch verständlich.”

Ungläubig sah ich zu ihr auf.

“Warum tust du das? Wieso nimmst du mich in Schutz?”

“Weil ich dich liebe”, sagte sie schlicht und lächelte herzzerreißend, “Gibt es einen besseren Grund?”

Neun Jahre! Neun Jahre lang hatte ich nicht mehr geweint, doch ihre einfache Liebeserklärung löste meine Anspannung. Ich merkte erst gar nicht, wie sich die salzige Flüssigkeit aus meinen Augen herauslöste, bis Bella sie sanft von meinen Wangen strich.

“Es ist okay, Edward. Es ist nichts passiert. Ich habe dich doch auch gewollt, das konntest du doch spüren. Aber es fühlte sich nicht richtig an. Ich hatte einfach Panik, dass du nur versuchst, dir selbst zu beweisen, dass du MICH liebst und nicht mehr sie”, schloss sie verzagt.

Ich schluchzte auf und vergrub meinen Kopf an ihrer nackten Brust. Ungehindert flossen meine Tränen auf ihre warme Haut und sie hielt mich einfach fest. Die Rollen waren vertauscht. Sie wog mich tröstend hin und her, so wie ich es vorhin bei ihr tat. Eine leise summende Melodie verließ ihre Lippen. Es war so beruhigend. In Bellas Armen war ich Zuhause. Sie war alles was ich brauchte.

“Es macht keinen Unterschied, weißt du.”

Sie stockte.

“Was denn?”

“Dass sie wieder da ist.”

Ich räusperte mich und entzog mich ihrer Umarmung. Fest sah ich sie an.

“Es ändert nichts an meiner Liebe zu dir. Wir sind und bleiben zusammen. Ist dir das klar?”

Mein Selbstbewusstsein kam mit unverminderter Kraft zurück. Diese weibische Heulerei war mir peinlich und ich überspielte es mit Dominanz. Bella lächelte.

“Da bist du ja wieder”, sagte sie mit leichtem Grinsen und entlockte mir ein Lächeln. Sie war einfach unglaublich. Bella eben.

“Edward, ich werde versuchen an deiner Seite zu sein und Verständnis zu haben. Wenn du sie sehen willst, kann ich das verstehen. Auch wenn es mir nicht gefällt”, gab sie zu, “Aber du wirst nicht drum herum kommen. Ich vertraue dir, dass du mich nicht unnötig verletzen wirst.”

Ich stand auf und hob sie auf meine Arme. Bella war federleicht, als ich sie zurück ins Schlafzimmer trug und ich legte sie so sanft wie möglich ab. Sofort streckte sie die Arme nach mir aus und ich schmiegte mich vorsichtig an ihren Körper. Ich streichelte hauchzart ihre Haut, tupfte kleine Küsse darauf und versuchte mein grobes Verhalten von vorhin wieder gut zu machen. Sie gab sich mir jetzt hin. Bella genoss es sichtlich, wie ich ihren Körper verwöhnte und lag wie hingegossen auf den Kissen. Meine Zunge zog zärtliche Bahnen auf ihrer Haut. Langsam wurde ich wieder hart. Doch ich würde erst in sie eindringen, wenn sie mich direkt dazu aufforderte. Ihr leises Stöhnen spornte mich nur noch mehr an. Meine Hand wanderte an ihre Mitte, wo mich bereits ihre feuchte Hitze begrüßte. Sie bäumte sich unter mir auf, als ich ihre Spalte auf und ab wanderte. Bella spreizte weit ihre Beine für mich und lud mich wortlos ein, sie noch intimer zu erforschen. Mein Finger umkreiste langsam ihre Perle, bis ich sie leise Fluchen hörte.

“Verdammt, halte mich doch nicht so ewig hin”, ächzte sie und biss sich auf die Lippen. Sie waren rot und geschwollen von den heftigen Küssen, die ich ihr zuerst gab. Lindernd glitt meine Zungenspitze darüber. Ich wollte ihr Erleichterung verschaffen, auf jede nur erdenkliche Weise.

“Liebes”, wisperte ich an ihrem Mund, “Sag mir, dass ich dich nehmen darf!”

Ihr Blick war eine einzige Einladung und sie langte zwischen unserer Körper. Sanft umfasste sie meine Härte, streichelte sie mit festem Griff, ehe sie mich an ihre Öffnung führte. Stöhnend versenkte ich mich in sie. Der pure Genuss lag in ihren Augen, als ich zuckend in ihr war.

“Du hast mir so gefehlt!”, gestand sie mir und hob ihr Becken an, um mich noch tiefer in ihr Inneres zu ziehen.

“Heißt das, du hast...mir...verziehen?”

Ich konnte kaum sprechen, weil der Druck ihrer Wände, um mein Glied so köstlich war.

“Natürlich.....ich...bin dir nicht böse. Du hast...mir...in keiner Sekunde...weh getan.”

Langsam zog ich mich zurück und drang erneut ein. Sie war so heiß, ihre Enge presste jedes Schuldgefühl aus mir heraus. Ich verfiel in einen langsamen Rhythmus und sah ihr in die Augen, bis ich sie vor lauter Lust schließen musste. Mit jedem Stoß versuchte ich ihr alles von mir zu geben. Es gab nur uns beide in diesem Moment und ich blendete alles andere aus.

Später lag sie erschöpft in meinen Armen, ihr Kopf ruhte auf meiner Brust und ihr linkes Bein lag über meinen Schenkeln. Vorsichtig streichelte ich ihren Arm, ihren Rücken und hauchte ihr sanfte Küsse auf die Stirn. Bellas Gesicht sah ruhig und friedlich aus.
“Du wirst zu ihr gehen, nicht wahr?”, fragte sie leise.

Ich atmete schwer aus.

“Ja.”

Sie versteifte sich ein wenig. Ich legte eine Hand an ihre Wange und drehte ihr Gesicht zu mir.

“Bella, ich muss mich nur mit eigenen Augen davon überzeugen. Es ist wichtig für mich. Und ich brauche eine Erklärung”, fuhr ich beschwörend fort, “Dass sie lebt ist.... ich weiß auch nicht, so schwer zu glauben.”

“Ich frage mich, wo sie all die Jahre war”, hörte ich Bella rätseln.

Genau das machte mir auch zu schaffen. Die Informationen die ich bisher erhalten hatte, waren mehr als dürftig. Außer, dass sie sich jetzt bei ihrer Mutter aufhielt und am Leben war, wusste ich nichts.

“Sie ist uns allen eine Erklärung schuldig”, meinte ich gezwungen.

Und zwar eine gute, fügte ich in Gedanken noch hinzu. Wie sie diesen Absturz überleben konnte, war mir unbegreiflich. Das Flugzeug war geradewegs ins Meer gestürzt und an der Wasseroberfläche zerschellt. Alle Insassen der Maschine wurden dabei getötet, alle außer Tanya. Es war ein Gott verdammtes Wunder. War sie irgendwie raus geschleudert worden und von jemandem gerettet. Der Absturz geschah in der Nähe vom Festland. Möglicherweise hatte sie jemand aus dem Meer gefischt und sie verlor ihr Gedächtnis. Anders konnte ich mir es nicht erklären .Doch warum kam sie jetzt erst zurück?

Ich würde es bald selbst von Tanya erfahren. Unwillkürlich nahm ich Bella fester in die Arme, als ich an meine frühere Verlobte dachte. Meine Frau hatte den Nagel auf den Kopf getroffen, als sie mir sagte, ich hätte Angst davor Tanya wiederhaben zu wollen. Jetzt war ich mir meiner Gefühle sicher, ich wollte Bella. Aber was würde geschehen, wenn Tanya leibhaftig vor mir stand, mich anlächelte, mich....

“Edward?”

Ihre Stimme unterbrach mich.

“Hm?”

“Versprich mir das du ehrlich zu mir bist”, bat sie mich. Ihre Augen flehten mich förmlich an, sie nicht im Stich zu lassen. “Wenn du noch Gefühle für sie hast, wenn du sie zurück willst...”

Ich wollte sie unterbrechen, doch sie legte mir zart den Finger auf die Lippen.

“Nein, lass mich ausreden.”, befahl sie, “Wenn es also so sein sollte, dass du dich doch für sie entscheidest, dann möchte ich dich nicht mehr sehen. Sag Dobson Bescheid und ich werde sofort meine Sachen packen. Ich könnte es nicht ertragen, dich dann noch mal zu sprechen.”

“Bella.....”, rief ich erschüttert. Gott, was tat ich dieser Frau nur an. Ihren Kopf hielt sie gesenkt und starrte auf ihre Hände, die unruhig mit der Bettdecke spielten. “So glaub mir doch. Da gibt es nichts zu entscheiden. Egal, was passieren wird, ich werde dich nicht verlassen.”

Sie lächelte traurig.

“Ja, das sagen sie alle. Sei nicht so voreilig mit deinen Beteuerungen. Ich weiß, dass du mich liebst, aber du solltest erst das Treffen mit Tanya abwarten, ehe du dich endgültig festlegst .”

“Glaubst du mir immer noch nicht?”

Bellas Lächeln vertiefte sich. Sie beugte sich vor und küsste mich sanft auf den Mund, wie ein Hauch lagen ihre Lippen auf meinen.

“Ich denke, dass du Zeit brauchst. Das hier ist wirklich ein Alptraum für mich, aber ich werde es überstehen, Edward. Ich habe bis jetzt alles überstanden. Das Einzige was mir am Herzen liegt, ist, dass du glücklich bist. Wenn das nur mit ihr sein kann, dann werde ich es akzeptieren. Aber ich möchte es rechtzeitig erfahren und mir keine Hoffnung machen, wo gar keine mehr ist.”

Zum ersten Mal in meinem Leben war ich absolut sprachlos. Noch nie in meinem armseligen Dasein, hatte ich eine Frau getroffen, die so selbstlos und stark war wie Bella.

“Versprichst du es mir?”, beharrte sie.

“Ja”, sagte ich zögernd, “Ja, ich verspreche es dir.”

Danach sprachen wir nicht mehr. Sie schmiegte sich seitlich an meinen Körper, ich hielt sie fest und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Schlafen konnte ich nicht mehr, selbst dann nicht, als Bellas regelmäßige Atemzüge mir verrieten, dass sie es tat. Die anstehende Begegnung mit Tanya machte mir echt zu schaffen, und die Vorfreude die langsam in mir aufstieg, verursachte mir ein furchtbar schlechtes Gewissen. Ich wollte meiner Frau nicht weh tun. Sie sagte zwar, dass sie es überstehen würde, doch die Wahrheit sah anders aus. Es würde Bella zerstören, wenn ich sie auch noch im Stich lassen würde. Sie bewegte sich leicht und murmelte im Schlaf meinen Namen. Ich lächelte und strich ihr über die zarte Wange. Wie süß sie doch war, wenn sie schlief. Ich schwor mir sie vor allem zu beschützen, notfalls auch vor mir.

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