Der Morgen graute schon, als ich wach wurde. Nach dem Gespräch mit Edward fand ich kaum Schlaf, wälzte mich ruhelos in meinem Bett hin und her und versuchte mich selbst davon zu überzeugen, dass es so am besten wäre. Edward war leider nicht in der Lage loszulassen, trauerte immer noch seiner Tanya hinterher und vergaß dabei weiterzuleben. Es gab kurze Momente, in denen ich der festen Überzeugung war, er bräuchte nur genügend Liebe, um über den Verlust hinwegzukommen. Doch all dies war nutzlos, wenn er selbst es gar nicht wollte. Er sperrte sich mit einer Vehemenz gegen sein Glück, dass es fast schon neurotische Züge hatte. Er war so zwanghaft in seinem Bestreben an seiner alten Liebe festzuhalten, obwohl jeder andere Mensch in seinem unmittelbaren Umfeld ihm ein neues Glück gegönnt hätte. Wollte er sich dafür bestrafen, dass er noch lebte, während sie schon lange tot war?
Ich verstand ihn nicht, konnte nicht nachvollziehen, wie der normale Trauerprozess sich in etwas so zerstörerisches verwandeln konnte. Er ruinierte sein Leben und in gewisser Weise auch meines. Genervt schlug ich die Bettdecke beiseite, legte mir eine kuschelige Wolldecke um die Schultern und setzte mich auf die Fensterbank. Hier konnte ich in Ruhe nachdenken. Es war noch sehr früh und ich konnte beobachten, wie die die ersten zaghaften Sonnenstrahlen, die Dunkelheit Stück für Stück wegdrängten.
Der Winter war schon längst über Seattle hereingebrochen und der Atem der Menschen wurde in Form von kleinen Wölkchen sichtbar. Es war klirrend kalt heute und ich erinnerte mich daran, dass ich als Kind nie eine Winterbraut sein wollte. Ich presste mein Gesicht an die kalte Fensterscheibe, spürte den Temperaturunterschied zwischen meiner glühend heißen Haut und dem eisigen Glas. So viele Dinge in meinem Leben liefen schief, alles ging einen völlig anderen Weg, als ich es mir erhoffte. Das einzig Gute was mir wiederfuhr, war Danny. Vielleicht gehörte ich zu den Menschen, denen es einfach nicht vergönnt war, ihr Glück mit einem liebevollen Partner zu finden. Wie bei Bibi! Auch sie hatte nach Thomas nie wieder jemanden gefunden und ihr restliches Leben allein verbracht. Ob sie Liebhaber hatte, wusste ich nicht, es ging mich aber auch nichts an. War es wirklich so schlimm ohne Mann durchs Leben zu gehen? Ich tat es schon seit fünf Jahren und vermisste bisher nichts. Doch da kannte ich Edward noch nicht.
Fröstelnd stand ich auf und drehte den Regler der Heizung höher. Nur noch wenige Stunden und ich würde George ´s Frau werden, doch ich verspürte nicht die geringste Aufregung, keine Freude, noch nicht mal Trauer. Eigentlich fühlte ich gar nichts. Ich konnte nur ahnen, was die Zukunft für mich bereit hielt, hütete mich aber vor eigenen Prognosen, da es ja doch anders kommen würde. Alles was zählte, war die Sorgerechtsverhandlung! Noch immer wusste Danny nichts von Jakes Auftauchen und dieser Drecksack, der sich ja angeblich so nach seinem Kind verzehrte, hatte sich bisher noch nicht gemeldet. Soviel zum Thema Vaterliebe.
Noch immer war es mir ein Rätsel, warum er sich so um das Sorgerecht bemühte, wenn er doch ganz offensichtlich kein ehrliches Interesse verspürte. Ich vermutete, dass es seine Ehefrau war, die die treibende Kraft hinter dieser Geschichte war. Jacob Black war viel zu passiv eingestellt, um sich auf einen zermürbenden Sorgerechtsstreit einzulassen. Kurze Zeit, überlegte ich sogar Edward um Hilfe zu bitten, doch es war besser einen Schnitt zu machen. Ob wir es denn schaffen würden, stand auf einem anderen Stern. Jedes Mal, wenn wir uns begegneten, wurden wir wieder rückfällig und versanken in einem Strudel der Leidenschaft. Wie zwei Süchtige, die nicht von ihrer Droge loskamen.
Edward hatte schon recht, mit seiner Behauptung, wir würden nie voneinander loskommen. Es war also besser, sich dauerhaft aus dem Weg zu gehen, damit wir gar nicht erst in die Versuchung kamen übereinander herzufallen. Denn das würde unweigerlich passieren, falls wir je wieder allein in einem Raum waren. Ich hätte nicht die Kraft, mir diesen Genuss zu versagen. Ich hatte schon zu viel von dieser süßen Leidenschaft gekostet, die Edward mir geschenkt hatte und ich wollte mehr davon, viel mehr.
George verdiente so ein Verhalten nicht, auch wenn er nur mein Alibi- Mann war. Aus diesem Grund wollte ich alles tun, um George treu zu bleiben, doch wenn Edward ständig vor meiner Nase rumtanzte, wäre dies unmöglich. Als wohltuende Wärme sich in der Wohnung ausbreitete und meine kalten Glieder auflockerte, ging ich ins Bad, duschte und ging anschließend in Dannys Zimmer, um ihn zu wecken. Er setzte sich verschlafen im Bett auf und rieb sich die müden Augen.
„Morgen Mum!“, gähnte er.
„Guten Morgen! Du musst aufstehen, damit wir frühstücken können. Heute ist doch die Hochzeit und wir müssen uns noch fertigmachen.“
Danny sah mich an, viel zu eindringlich und weise für ein fünfjähriges Kind.
„Mum, du liebst doch Onkel George gar nicht“, sagte er mit der gnadenlosen Ehrlichkeit eines Kindes, „Warum heiratest du ihn? Du hast doch jemand anderen gern.“
Geschockt starrte ich meinen Sohn an. Woher…? Oh Gott!
„Wie kommst du denn darauf? Hat jemand etwas zu dir gesagt?“, fragte ich zitternd.
„Nö!“, sagte er kopfschüttelnd, „Du hast aber diesen Mr. Cullen angesehen, wie Becky aus der Parallelklasse immer meinen Freund Petey anschaut. Und Becky sagt, sie hätte Petey gern.“
Ich lachte gespielt amüsiert, war aber zutiefst erschrocken über Dannys aufmerksame Wahrnehmung seiner Umgebung. War es denn tatsächlich so offensichtlich, dass ich diesen Mann so sehr liebte?
„Danny, du täuscht dich da.“
„Nein, tu ich nicht!“, sagte er hartnäckig, „Man soll doch nicht lügen, Mum. Das sagst du mir doch immer.“
Traurig biss ich mir auf die Lippen.
„Es tut mir leid, Danny. Du hast recht, ich mag Mr. Cullen sehr gern, aber wir können nicht zusammen sein.“
„Das tut mir leid!“, meinte er schlicht, „Dann kannst du ja doch George heiraten.“
Manchmal war es so einfach ein Kind zufriedenzustellen. Er akzeptierte es ohne Nachzufragen, das Thema war für ihn erledigt, denn er verstand diese Dinge einfach noch nicht. Dafür war er gottlob noch zu klein. Erleichtert darüber, dass er mir nicht erzählte, wie unglücklich er über George als Stiefvater wäre, half ich ihm sich fertigzumachen. Es wäre eine absolute Katastrophe gewesen, wenn er mir gesagt hätte, er sei damit nicht einverstanden. Die ganze Geschichte wäre geplatzt und das Sorgerecht in weite Ferne gerückt. Niemals würde ich etwas tun, das ihn unglücklich gemacht hätte.
Wir frühstückten und um neun klingelte es an der Tür. Das waren sicher Alice und Rosalie, die mir helfen wollten mich zurechtmachen. Danny öffnete ihnen die Tür und sie traten ein, ihre Mienen so traurig, als würden sie zu meiner Beerdigung kommen und nicht zu meiner Hochzeit.
„Mädels, jetzt lacht doch mal. Es ist doch nicht das Ende der Welt, wenn ich George heirate“, flüsterte ich leise, damit Danny mich nicht hören konnte.
Synchron verschränkten sie die Arme vor der Brust und sahen mich böse an.
„Doch!“, meinten sie gleichzeitig.
Seufzend schüttelte ich den Kopf, parkte Danny vor Spongebob Schwammkopfs Abenteuern im Fernsehen und begab mich missmutig in mein Schlafzimmer.
„Super Hochzeitstag, nicht mal die eigenen Freundinnen halten zu einem“, murmelte ich leise, aber laut genug, dass sie mich hören konnten. Sie folgten mir prompt und redeten gleichzeitig auf mich ein, nachdem ich die Schlafzimmertüre hinter uns schloss.
„Du machst einen riesigen Fehler!“
„Wir finden eine andere Lösung!“
„Mach dich nicht unglücklich!“
„Himmel noch mal, du liebst doch Edward!“
Diese und andere Sätze flogen mir nur so um die Ohren, die ich mir schlussendlich zuhielt, weil ich es nicht mehr ertragen konnte.
„Aufhören!“, schrie ich, „Ich weiß, es ist nicht meine ruhmreichste Stunde, wenn ich einen Mann heirate, den ich nicht liebe, aber was soll ich denn eurer Meinung nach machen. Mein Kind verlieren und dann fröhlich Edwards Dauergeliebte werden, bis ich alt und grau bin. Ist es das, was ihr euch vorstellt. Tut mir leid, aber ich habe andere Pläne. Also, entweder ihr haltet euch zurück und unterstützt mich, oder ihr verlasst augenblicklich meine Wohnung.“
Alice streckte mir die Zunge raus.
„Dass du auch immer so verdammt stur sein musst!“, keifte sie mich an, „Aber du bist meine Freundin und ich liebe dich. Wenn du dich also partout ins Unglück stürzen willst, dann werde ich wohl dabei zusehen müssen.“
„Danke!“, hauchte ich ernsthaft. Rose schnaubte nur, umarmte mich dann jedoch innig.
„Ich liebe dich auch, Bella. Du bist wie eine Schwester und ich sorge mich um dich. Sei nicht böse, wenn wir manchmal übers Ziel hinausschießen.“
Das Ganze endete in einer Gruppenumarmung und als mir dann die Tränen in die Augen stiegen, löste ich die Umarmung und räusperte mich.
„So! Schluss mit dem Rumgeheule. Sonst krieg ich noch Tränensäcke wie Benicio del Toro.“
Die Stimmung wurde etwas besser und wehmütig dachte ich daran, wie glücklich ich sein könnte, wenn der richtige Mann auf dem Standesamt auf mich warten würde. Doch ich wollte endlich nach vorne sehen und nicht mein Leben lang, um einen Menschen trauern, der unerreichbar war. Es genügte, dass Edward dies tat. Als ich in einem schicken cremefarbenen Hosenanzug steckte, kümmerte sich Alice noch um mein Haar. Eine Hochsteckfrisur rundete das Bild ab, dazu noch Rosalies zartes Make-up, welches die Spuren meiner schlaflosen Nacht kaschierte.
„Du siehst sehr hübsch aus, Bella“, flüsterte Rose unter Tränen. Alice stieg gleich in die Heulerei mit ein, bis selbst mir das Wasser in den Augen stand. Alice zog noch zarte, blaue Ohrringe aus einem Kästchen.
„Hier ist was Blaues, Bella! Steck sie doch bitte an.“
Gerührt nahm ich sie entgegen und Rose holte eine antike Brosche hervor, die sie mir an den Anzug steckte.
„Hier auch etwas Altes und gleichzeitig etwas geliehenes. Die Brosche gehörte meiner Ur- Großmutter und ich möchte, dass du sie heute trägst.“
Jetzt weinte ich wirklich. Dass sie versuchten, mir zumindest das Gefühl zu vermitteln, es wäre eine richtige Hochzeit, rührte mich unglaublich. Ich war so dankbar solche Freundinnen zu haben.
„Oh verdammt“, schluchzte ich, „das ganze Make-up wird ruiniert sein.“
„Ist….ist schon okay!“, weinte auch Alice, „Ist ja alles wasserfest.“
Nachdem die Tränen versiegt und das Gesicht wieder präsentabel aussah, gingen wir ins Wohnzimmer zu Danny.
„So mein Süßer, jetzt bist du an der Reihe! Dein Anzug wartet“, rief ich lockend.
Danny riss entsetzt die Augen auf und flitze hinter das Sofa.
„Ich zieh den nicht an!“, motzte er. Seufzend lief ich auf ihn zu.
„Danny, bitte mach jetzt kein Theater. Du wirst den Anzug anziehen, ob du willst oder nicht“, sagte ich streng, „Du siehst darin einfach niedlich aus. Komm, tu deiner Mummy den Gefallen“, fuhr ich schmeichelnd fort.
Er verschränkte stur die Arme vor der Brust, hob die Nase an und zog die Augenbrauen zusammen.
„Nein!“
„Daniel Swan! Entweder du kommst jetzt augenblicklich hierher und ziehst den Anzug an, oder wir zwei bekommen mächtig Ärger miteinander.“
Grummelnd lief er auf uns zu. Alice und Rose grinsten erheitert und Danny zog sich bis auf die Unterwäsche aus. Ich wollte ihm gerade in sein Hemd helfen, als er die Gelegenheit nutzte und nochmal Reißaus nahm.
„Danny, bitte!“, sagte ich halb verzweifelt, halb lachend über seine Abneigung gegen diesen entzückenden Kinderanzug.
„Mum, ich sehe darin total doof aus. Alle werden mich auslachen.“
„Du siehst darin toll aus“, sprach Rose und zwinkerte ihn an, „Wenn du zwanzig Jahre älter wärst, würde ich doch glatt heiraten.“
Das zog. Danny grinste stolz und schlüpfte ohne weitere Umstände in den dunkelblauen Anzug, bekam eine Kinderkrawatte verpasst und sah einfach anbetungswürdig aus. Wenn er erwachsen war, würde er reihenweise die Mädchenherzen brechen. Als alle tiptop gestylt im Wohnzimmer saßen, machte ich noch einen Kaffee bevor wir aufbrechen wollten. Rose folgte mir in die Küche und Alice schäkerte noch ein wenig mit meinem Sohn. Sie lehnte an der Arbeitsplatte und sah mir dabei zu, wie ich das Kaffeepulver in den Filter schüttete.
„Rose, darf ich dich was fragen?“, unterbrach ich die Stille.
„Sicher, schieß los.“
„Sind Edwards Eltern nicht sauer, dass du auf meiner Hochzeit bist, anstatt auf seiner. Emmett wird dort ohne seine Verlobte auftauchen, das muss ihnen doch sauer aufstoßen.“
„Emmett wird nicht auf der Hochzeit seines Bruders sein, sondern auf deiner. Er war so wütend, als Jessica nicht zum Familienessen erschien, dass er sich schlichtweg weigert. Er hasst sie und ist todunglücklich darüber, dass Edward diese Person tatsächlich heute heiraten wird. Wusstest du, dass eure Trauungen zeitgleich stattfinden?“
„Nein!“, sagte ich leise und schluckte hart. Nur nicht weinen, dachte ich, bitte, bitte, jetzt nicht weinen. Erfolgreich verdrängte ich die Tränen und sah sie gespielt optimistisch an.
„Er wird schon wissen, was er tut. So, jetzt lass uns den Kaffee trinken und dann los!“
Der Weg zum Standesamt war furchtbar für mich. Jede verstrichene Minute, brachte mich dem Unausweichlichen näher. Ich hatte George ehrlich gern, aber ihn zu heiraten war im Grunde eine Schnapsidee. Was, wenn es dem Richter egal war und er Danny doch Jake zusprach, dann wäre die ganze Posse umsonst. Rose stoppte ihren Wagen, den sie von Emmett geschenkt bekam und wir stiegen aus. Wir waren alle dick eingepackt, da die Temperaturen unter null Grad gesunken waren und traten bibbernd ein, um die Treppen zu den Trauräumen emporzusteigen.
George und Bertha, die sehr elegant aussahen, warteten schon auf uns, zusammen mit einigen Verwandten, die ich noch nicht kannte. Unruhig sah ich mich um. Ob ich Edward noch mal sehen würde? Die Situation war so grotesk! Wir würden heiraten, aber nicht einander und trotzdem wünschte ich mir nichts mehr, als ihm noch ein letztes Mal, als freie Frau zu begegnen. Doch von ihm gab es keine Spur. Die Türe eines Trauraums öffnete sich. Emmett und Jasper traten heraus, beide mit leichenbitter Mienen und schritten auf unsere kleine Gruppe zu. Anscheinend war er schon drinnen und würde Jessica in wenigen Augenblicken das Ja-Wort geben.
Ein stechender Schmerz machte sich in mir breit und suchte Bibi. Wo blieb sie nur? Ich brauchte sie jetzt so dringend, ihren Beistand und ihre Güte. Sie wusste genau, was jetzt in mir vorging, da sie selbst ihren Geliebten an eine Frau der besseren Gesellschaft verlor. Zwischenzeitlich waren Emmett und Jasper bei uns, standen an der Seite ihrer zukünftigen Ehefrauen und sahen mich mitleidig an
„Wo ist Bibi?“, fragte ich, „Sie müsste schon längst hier sein.“
Rose zuckte die Schultern, Alice tat es ihr nach. Die Tür öffnete sich und der Standesbeamte trat heraus.
„Die Trauung von Isabella Swan und George Hollister ist jetzt an der Reihe.“
George sah mich aufmunternd an, er spürte wie verwirrt und ängstlich ich war. Er nahm mich an der Hand und führte mich hinein, platzierte mich auf meinem Stuhl, während der Rest sich auf den Stühlen hinter uns verteilte. Nervös blickte ich nach hinten, wartete immer noch auf Bibi. Es war alles so falsch, ich sollte neben einem anderen Mann stehen, meine liebste Freundin sollte hier sein und nichts von alledem trat ein. Das Öffnen und Schließen der Tür ließ mich den Kopf drehen und ich sah erleichtert Bibi, die mich entschuldigend anblickte. Sie setzte sich zu Danny, einen merkwürdig zufriedenen Ausdruck im Gesicht. Wenigstens war sie jetzt da. I
ch schenkte dem Standesbeamten meine Aufmerksamkeit, hörte seine Ansprache und die Frage an George, ob er mich zu seiner rechtmäßigen Ehefrau nehmen wolle. Er antwortete mit Ja und dieselbe Frage wurde mir gestellt. Alles in meinem Kopf drehte sich, mein Puls jagte und ich wäre am liebsten davongelaufen. Ich riss mich zusammen und setzte zur Antwort an, als wir alle von draußen Türenknallen und schrille Schreie vernahmen. Abgelenkt stoppte ich und unruhiges Gemurmel wurde laut.
„Was ist das denn für ein Krach?“, fragte Bertha erzürnt.
„Ich weiß es nicht“, sagte der Standesbeamte „lassen Sie uns fortfahren. Miss Swan, wollen Sie den hier anwesenden George Fitzpatrick Hollister zu Ihrem Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren, bis dass der Tod Sie scheidet?“
„Nein, will sie nicht!“, sagte eine samtweiche Stimme.
Ein Raunen ging durch die Reihen und ich drehte mich um. Glühende Sehnsucht durchfuhr mich, als ich Edwards schönes Gesicht blickte. Er stand in der Türe, hatte die wohl so leise geöffnet, dass ich es gar nicht hörte und trat jetzt vollends ein.
„Was fällt Ihnen ein, die Hochzeit meines Sohnes zu stören!“, keifte Bertha. Sie stand auf, ging mit großen Schritten auf Edward zu und schwang ihre übergroße Handtasche durch die Luft. Diese sauste mit ordentlichem Schwung auf Edward nieder, der vergeblich versuchte einer aufgebrachten „Mutti“ aus dem Weg zu gehen.
„Himmel, Lady!“, schrie er, „Hören Sie auf damit.“ Er sah mich an und wich weiterhin Berthas Schlägen aus. „Bella, du machst einen großen Fehler. Du kannst ihn nicht heiraten!“
Verzweifelt sah ich von ihm zu George.
„Wieso tust du das? Du weißt, ich habe keine andere Wahl. Geh zu deiner Frau, Edward. Sie wird schon auf dich warten.“
Schrilles Kreischen von draußen drang herein und die Tür öffnete sich ein weiteres Mal. Zu meinem Entsetzen trat Jessica ein. Hielt sie es ohne ihren Ehemann nicht mehr aus?
„Edward Cullen!“, brüllte sie, „Du elender Bastard, das lass ich dir nicht durchgehen. Niemand lässt mich kurz vor dem Ja-Wort stehen und haut ab. Hörst du! Das wirst du noch bereuen.“
Jetzt wurde er nicht nur von Bertha attackiert, sondern auch von Jessica, die mit ihren Brautstrauß wütend auf ihn einschlug. Ich kam mir vor, wie in einer Hollywoodkomödie.
„Bella!“, schrie Edward durch das tumultartige Gekreische und dem aufgeregten Geplapper der anderen Gäste, „Verdammt, Mädchen! Du heiratest mich!“
Totenstille.
Hoffnung breitete sich wie eine warme Welle in mir aus, doch noch immer konnte ich nicht glauben, was ich da hörte. Hatte er gerade eben wirklich gesagt, ich solle ihn heiraten. Wie in Trance sah ich zu, wie Emmett und Jasper die zwei Furien davon abhielten, weiterhin auf Edward einzuschlagen. Die Stimmen im Raum wurden immer lauter, doch ich hörte nichts davon, sah nur in seine grünen Augen und versank in ihnen. Kurz, kam mir der Gedanke, dass ich George sowas nicht antun konnte. Er war so lieb, hatte seine eigenen Bedürfnisse auf Eis gelegt, um mir zu helfen. Er überraschte mich, indem er meine Hand nahm und auf Edward zuging. Er legte meine Hand in Edwards und flüsterte so leise, dass nur ich es hören konnte.
„Wenn du ihr jemals weh tust, dann hetz ich dir meine Mutter auf den Hals.“
Edward grinste George an.
„Danke!“, sagte er ehrlich, „Bella, hatte Recht, Sie sind ein feiner Kerl.“
Er wandte sich mir zu. Noch immer war ich sprachlos, brachte keinen Ton heraus und starrte nur in das Gesicht des Mannes, der mir alles bedeutete. Nur meine Liebe zu Danny war stärker.
„Bella, ich habe die Hochzeit mit Jessica platzen lassen.“
Diese meldete sich prompt und versuchte unter Emmetts Handfläche etwas zu sagen, doch es kamen nur merkwürdige Laute heraus. Er hielt ihr doch tatsächlich den Mund zu, während sie sich wie eine Schlange in seinem Griff windete, um von ihm loszukommen.
„Aber….ich…ich…verstehe nicht“, stotterte ich, „du…du hast gesagt, du willst keine richtige Beziehung mehr. Du… du…sagtest, es gäbe keine Chance.“
Eindringlich sah er mich an.
„Warte kurz.“
Er ging rüber zu Bibi, die ihm verschwörerisch zuzwinkerte und kniete sich zu meinem Sohn.
„Danny, darf ich dir deine Mutter für ein paar Stunden entführen? Ich muss dringend mit ihr reden.“
Danny sah ihn ernst an und überlegte.
„Okay, aber bitte zurückbringen. Sie ist meine Mum.“
„Ich verspreche dir, sie dir heute Abend heil zurückzubringen.“
Danny ließ ihn stehen und rannte zu mir. Ich nahm ihn fest in die Arme und er flüsterte mir leise etwas ins Ohr.
„Ich glaube, er mag dich auch!“
Lachend drückte ich ihn, fühlte mich auf einmal ganz leicht und beschwingt. Er war gekommen! Edward Cullen hatte meine Hochzeit gestürmt und seine eigene platzen lassen. Alles wegen mir!
Bibi stand plötzlich nehmen mir und nahm Dannys Hand.
„Komm, mein Junge, wir gehen mit Alice und Rose.“
Eine uralte Tante von George, die neben der jetzt sehr stillen Bertha stand, schrie.
„Heißt das, das Essen fällt ins Wasser?“
George räusperte sich und sagte mit strahlendem Lächeln.
„Meine lieben Leute, auch wenn die Hochzeit ins Wasser fällt, können wir trotzdem das Essen genießen. Die Tische sind reserviert und alles bereits bezahlt. Also dann lasst uns aufbrechen.“
Er wirkte genauso erleichtert wie ich, so konnte ich mir mein schlechtes Gewissen sparen. George war jetzt frei für Cynthia,. Er musste nur noch Bertha davon überzeugen, dass sie die Richtige für ihn war. Diese hatte sich mittlerweile von ihrem Schock erholt und grummelte vor sich hin.
„Dass die jungen Leute nie wissen, was sie wollen! Heute so, morgen so. Zu meiner Zeit gab es so was nicht! George, wenn du dir so ein Ding noch mal leistest, dann versohl ich dir den Hintern, egal wie alt du bist.“
„Ja, Mutter!“, sagte er gutmütig und zwinkerte mir zu.
Eine warme Hand legte sich an meine Hüfte und ich roch ihn, bevor ich ihn sah. Genüsslich inhalierte ich diese Mischung aus ihm selbst, seinem herbfrischen After Shave und einer süßlichen Note, die ich nicht zuordnen konnte. Von diesem Duft würde ich nie genug bekommen. Benommen folgte ich ihm, als er mich an der Hand aus dem Raum zog. Ich sah nur noch das breite Grinsen meiner Freunde, die verwirrten Gesichter der Gäste und die vergeblichen Versuche von Jessica, Emmett in die Hand zu beißen. Edward schleifte mich förmlich durch das Gebäude und ich konnte mit meinen hohen Schuhen, seinen weitausholenden Schritten, kaum folgen.
„Edward!....Edward!“, keuchte ich, „Nicht so schnell, ich kann in diesen Dingern nicht rennen.“
Er hielt an und musterte mich halb ärgerlich, halb belustigt.
„Warum ziehst du solche Schuhe an, wenn du nicht in ihnen laufen kannst?“
Schmollend zog ich meine Unterlippe zwischen die Zähne, was er sichtlich fasziniert beobachtete.
„Hast du mal versucht, dich gegen eine Alice im Stylingwahn durchzusetzen.“
Er grinste und nahm mich kurzerhand hoch. Die Welt drehte sich und ich fand mich an seine Brust gedrückt, sein rechter Arm unter meinen Knien. Er trug mich einfach und ignorierte meine Proteste. Nach wenigen Sekunden gab ich es auf. Er hatte sich nicht so sehr verändert, dass der Macho in ihm, sich für immer verabschiedet hätte. Er würde immer ein Teil von ihm sein und ehrlich gesagt, wollte ich ihn gar nicht anders haben.
„Wohin bringst du mich?“, fragte ich zart.
„In meine Wohnung! Wir müssen noch einiges besprechen.“
Obwohl er mich trug, schien er keinerlei Atemschwierigkeiten zu haben. Ich genoss seine Stärke, fühlte mich beschützt und geborgen. Eines jedoch machte mir immer noch Sorgen.
„Was ist mit der Verhandlung wegen Danny? Ich habe solche Angst ihn zu verlieren.“
„Ich werde mich darum kümmern, Isabella. Keiner wird dir den Jungen wegnehmen! Du wirst bald eine Cullen sein und sie werden es nicht wagen, gegen unsere Familie zu entscheiden.“
Er wirkte so überzeugt und gelassen, dass ich ihm glaubte. Wir waren schon fast am Ausgang zur Türe, als er stoppte. Seine Eltern standen direkt vor uns, sahen uns kühl und beherrscht an.
„Edward!“, begann seine Mutter, „Ich denke, du schuldest uns eine Erklärung.“
„Nicht jetzt, Mum“, widersprach er, „Morgen, werde ich euch alles erklären. Das hier ist übrigens Bella, die Frau, die ich heiraten werde.“
Beide nickten mir zu, sein Vater etwas freundlicher. Seine Mutter hatte mich ja in der denkbar ungünstigsten Situation kennengelernt. So war es kein Wunder, dass sie vorsichtig an die Sache ranging. Immerhin wollte er bis gestern ja Jessica heiraten und heute jemand anderes. Das musste ja verwirrend sein.
„Ich bestehe auch auf eine Erklärung, mein Sohn“, sagte sie streng.
„Die wirst du bekommen! Ihr entschuldigt mich, ich habe jetzt etwas Besseres vor.“
Meine Wangen brannten vor Verlegenheit und ich vergrub mein Gesicht an seiner Brust. Er lief weiter und brachte mich aus dem Gebäude hinaus. Jetzt gab es für uns beide kein Zurück mehr.
Ja, ja, ja!!!!
AntwortenLöschenSuper! Toll! Die beiden habens endlich kapiert! Aber, da wird bestimmt noch was passieren ...